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Der Israelit · 1938-01-13 · Heft 2 (13.1.1938) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Seite 83 Rat?bi Akiba Eger fuhr zusammen; mit Rabbi Jakob aus Lissa nach Warschau, um an einei ^abbinerversammlung teilzunehmen. Als der Wagen vor die Sta^t kam, wurden die beiden erührxiLen Mimner von einer großen Menschenncnge empfangen.- Einige Männer spannten die Pferde aus und zogen selber den Wagen durch die Stadt. Rabbi Akiba Eger dachte, diese Enning gilt Rabbi Jakob und stieg unbemerkt aus dem Wagen. Rabbi Jakob sagte: diese Ehre gilt Rabbi Akiba Eger und stieg unbemerkt an der anderen Seitej aus dem Wagen; Der Wagen iuhr bis zum Hotel, da merkten erst die Leute, daß er leer war. i Wo aber waren die beiden Rabbis geblieben?! Man brauchte nicht lange zu suchen. Sie warerl beide vorn an der Deichsel und hatten mit aller Kraft mitgezogen. EMKÄ. Von Tel Aw'w nach Hebron und Beth Guwrin. Die Einladung zu einem Ausfluge nach dem Süden Judäas,/zum Besuche Hebrons und Beth Guwrins, war/sehr verlockend. Denn nicht allzu oft bietet sich die günstige Gelegenheit, diese interessanten, aber wegen des Fanatismus ihrer Bewohner nicht oft besuchten Gegenden kennenzulernen. An einem wunderschönen Augustmorgen ging es mit dein Autobus von Tel Awiw nach Jerusalem. Herrlich ging die Fahrt durch die grünen Orahgenhaine der Ebene. Allmählich erschließt sich das judäische Gebirge. Einige Kiloi meter zieht die Chaussee an der Gebirgsmauer entlang, bis sie plötzlich durch eine Lücke in die Berge und in zahlreichen Windungen zur Höhe schraubt. Muß sie doch nach Jerusalem eine Steigung von mehr als 800 Meter überwinden. Steil erheben sich die Bergwände zu beiden Seiten der Straße, grauer Fels, von Buschwerk durchwachsen, nur ganz selten gibt es ein paar Oelbaumgruppen. Und doch war das jetzt kahle Gebirge in alten Zeiten von dichten, Wäldern bedeckt. Von diesen Bergen erzählt die Sage, daß der Prophet Elias drei Tage vor der Ankunft des Messias hierherkommen und die Kahlheit und Oede der Berge beklagen werde. Seine Stimme werde dann von einem Ende der Welt zum anderen zu hören sein. Von der Höhe der Straße hat man einen prachtvollen Blick auf die weite Küstenebenepr die weißen Dünenzüge und das blaue Meer. Zwischen den Falten des Gebirges zwischen uralten Qelbaumhainen liegen malerisch graugelbe Ara- Derdörfer verstreut. -Im krassen Gegensatze zu dem auf asphaltierter Chaussee dahmsausenden Auto, stehen die Gestalten, die die Straße beleben und die in Tracht, Haltung und Beschäftigung biblische Bilder dem Auge vorzaubern.. Frauen im faltenreichen, langen Gewände, einen Krug oder einen breiten, flachen Korb auf dem Haupte tragend, weit ausschreitende Araber denen die Hitze nichts anhaben kann, ein schwerbeladenes Kamel führend und zur gegebenen Stunde sich im Gebet neigend; dann wieder Männer, ruhend unter einem Baum oder vor dem-Zelt, das manchmal nur aus einem Stück Segeltuch und vier dünnen Aesten besteht — das sind Bilder aus längst vergangenen Tagen, Jahrhundertelang lagen die Berge öde und verlassen da, ein Schlupfwinkel für Räuber und Wegelagerer. Nun regt sich auch hier neues Le^ ben. Der stattliche Waid von Kirjath-Anawim wird sichtbar und hinter ihm die freundlichen, weißen Häuschen der Siedlung, inmitten der mit Obst und Wein wohlbebauten Terrassen. Hier hat der zähe Fleiß der Siedler bewiesen, daß man auch diese Berge durch Wiederaufforstung und Terrassierung, durch Züchtung bisher im Lande unbekannter Obstsorten, einer neuen Kultur und Blüte erschließen kann. } Nach kurzer Fahrt taucht aus dem Grün der Zypressen und Kiefern das wundervolle Erholungsheim „Arsah" bei Moza auf. Noch einmal steigt die Straße an der Bergwand ein wenig empor. Da wird plötzlich ein Traum zur Wirklichkeit. In der Ferne erblickt man zum erstenmal Jerusalem in seiner einzigartigen Schönheit. Heute gilt indessen der Besuch nicht Jerusalem, unsere Fahrt geht vielmehr weiter nach dem Süden. Bald ist das Rachelgrab erreicht. — Es ist der Monat Elul. Nach alter Tradition pilgern die Juden in diesem Monat von nah und fern zu diesem Grabe, um die Fürsprache der Mutter Rachel vor dem höchsten Gerichte zu erflehen, Juden aus Polen und Jemen, aus Deutschland und Kurdistan, aus Südafrika und der Bucharei, aus Persien und Marokko, ein buntes Völkergemisch und doch geeint durch Glaube, Geschichte und Schicksal, verbunden durch die Liebe zu diesem Lande, zu seinen heiligen Stätten, zu seinen Bergen und Ebenen, ZU seinen Seen und Flüssen, zu seiner Erde und zu seinem Himmel. Heute noch ein buntes Völkergemisch — doch morgen schon mit der Scholle verwurzelt und geeint durch das Band der gemeinsamen Sprache Auch wir verrichten ein stilles Gebet an dieser durch uralte Tradition geheiligten Stätte und setzen unsere Fahrt über Bethlehem und an den Salomonischen Teichen vorüber, die heute Treb.en.so .wie vor drei Jahrtausenden Jerusalem mit frischem Quellwasser versorgen, nach Hebron fort. Ein kurzer Besuch gilt noch Kfar Ezion, einer neu erstehenden jüdischen Siedlung. Von hier schweift der Blick über das Emek ha Brachah, das in der Bibel als Schauplatz der Kämpfe unter König Josaphat gegen die aus dem Ostjordanland hereinbrechenden Nomaden erwähnt wird. Auf einer Berghöhe treten die Rui-

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