Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451014--83489-2541491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Seite 84 nett von Beth-Zur hervor. Hier kämpfte Juda Makkabi und schlug die feindliche Uebermacht Die Straße senkt sich — wir sind fast 1000 Meter hoch — in großen Windungen. Wir nähern uns Hebron, der höchstgelegenen Stadt des Landes (927 Meter). Die Araber nennen die Stadt „El Chalil" in Anlehnung an den Namen Abrahams-el Chalil, das heißt der Freund G'ttes. Und doch, welch ein Widerspruch liegt in der Verehrung dieser, Juden, Christen und Mohammedanern heiligen Orte und den Geschehnissen der Gegenwart. War ja Hebron, die Patriarchenstadt, im Jahre 1929 die Stätte sinnlosen, grausigen Mordens. Auf einem Hügel gegenüber dem Haine von Mamre, wo noch heute die Eiche Abrahams gezeigt wird, liegt das Kewer Achim, die Ruhestätte der Opfer jener Schreckenstage. Einige Tage nach den blutigen Ereignissen, so wird in Hebron erzählt, habe man um Mitternacht von der Höhle Machpelah her klagende Stimmen und tiefe* Seufzer vernommen. Eine Stimme habe gerufen; „Warum habt ihr die Kinder eures Vaters Abraham getötet, ihr Kinder Ismaels? Warum habt ihr den Namen dessen, der der Freund G'ttes war, entweiht?" Doch auch heute, da wir uns durch die engen Gäßchen und Höfe zur Höhle Machpelah begeben, blicken die Söhne Ismaels mit finsteren Mienen auf uns. Die wenigen jüdischen Familien, die nach den blutigen Ereignissen des Jahres 1929 noch hier leben, führen, umgeben vom fanatischen Haß ihrer arabischen Nachbarn, kein beneidenswertes Dasein. — Ueber den Felsengräbern der Höhle Machpelah erhebt sich jetzt eine Moschee, deren Fundamente aus Steinen einer uralten jüdischen Andachtsstätte errichtet sind. Eine arabische Legende schreibt sogar den ursprünglichen Bau König Salomo zu, der ihn mit Hilfe von Dämonen errichtet habe. Nichtmohammedanern ist es indessen verwehrt, über die siebente Stufe hinaus zur Moschee zu steigen. Lange verweilen wir schweigend an dieser, von uralten Legenden umwobenen Stätte. Auf dem Rückwege kommen wir durch das nun verlassene jüdische Viertel, die wenigen jüdischen Bewohner Hebrons leben aus Sicherheitsgründen außerhalb desselben, das noch einige Jahre nach den blutigen Ereignissen deutliche Spuren der Verwüstung und Vernichtung trägt, und halten vor einem alten, äußerlich recht unscheinbaren Hause. Der ortskundige Führer bedeutet uns, daß wir vor der uralten Synagoge stehen, die dem Erzvater Abraham geweiht ist, und ijiiit omiK nöttH rY»:i heißt. Wir treten ein und sind tiefergriffen von der Einfachheit dieses Raumes und seiner uralten Einrichtung. Voller Spannung lauschen wir der Erzählung des Führers. Es ist eine jener wunderbaren Legenden, die sich um diese Synagoge ranken. „Es geschah vor sehr vielen Jahren. In jener Zeit lebten in Hebron nur neun Juden und diese konnten nur dann in Gemeinschaft ihr Gebet verrichten, wenn sich dahin ein fremder Jude verirrte. Einmal, es war Erew Jomkippur, fehlte dev Zehnte zum Minjan. Der Tag ging zur Neige und kein „Gast" war zu sehen. Trauer bereitete den Juden Hebrons der Gedanke, den heiligen Tag ohne öffentliches Gebet verbringen zu müssen. Tiefbekümmert stellten sie sich an die Wegkreuzung und warteten auf einen „Gast". Die Sonne war eben untergegangen, schon breitete sich die Abenddämmerung über' das Land, doch es zeigte sich kein Fremder. Plötzlich erblickten sie in der Ferne einen Greis, der sich ihnen aus der Richtung der Höhle Machpelah näherte. Der Fremde war weiß gekleidet — sein Bart war weiß wie Schnee. Groß war die Freude der neun Juden. Sie eilten ihm zum Willkomm entgegen. In seiner Begleitung begab sich die kleine Gemeirxle ins Bethaus. Hier verbrachten sie die Nacht und den ganzen folgenden Tag in Gebeten und Liedern. Hell strahlte beim Gebete das Antlitz des Greises. Die Bewohner Hebrons sähen dies und staunten gar sehr. Nach dem Neilah- und Maariw-Gebete wollte jeder den Fremdling als Gast zu sich bitten. Schließlich kamen sie überein, das Los entscheiden zu lassen. Es fiel auf den armen Diener des Bethauses. Dieser freute sich sehr, daß er das Gebot der Gastfreundschaft erfüllen konnte. Er führte den Fremdling in seine ärmliche Behausung. Sie durchschritten enge, dunkle Gäßchen und standen endlich vor dem Hause des Dieners. Da blickte dieser um sich — sein Gast war indessen verschwunden, Lange suchte er ihn vergeblich. — Tiefbetrübt kehrte er nach Hause zurück. In dieser Nacht erschien ihm der Greis im Traume und sprach; „Sei nicht betrübt, mein Sohn. Ich bin euer Stammvater Abraham. Ich sah euren Kummer, Da Verließ ich die Höhle Machpelah und eilte als Zehnter zu euch, Nach dem Gebete kehrte ich wieder in die Höhle Machpelah zurück." Am Morgen erzählte der Diener seinen Traum den übrigen GemeindemitgKedern. Mit Staunen und Verwunderung horten sie seinen Bericht. Seit dieser Zeit nennt man dieses Bethaus u'3K amn» nüjDn rra* "(Fortsetzung folgt.) Ob» Dn-j) rpbn m n*T33W nVmlj Wichtig ist das Handwerk, Denn es ehrt seinen Meister.