Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1937)
- Date
- 1937-12-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. "51 D e r. I s.rr.aje 1 i t 23. Dezembe¥*4937*r ' ' Polen. Zur" Lage in Polen. W a'r schau, 16. Dez. Eine Gruppe von Nara-Huligans drang in den ein zigen jüdischen Laden in dem Dorfe Czarna bei Warschau ein und erschoß den 16jährigen Sohn des Eigentümers. Beim Verlassen des Ladens warfen die Eindringlinge eine Bombe, die die ganze Einrichtung vernichtete. Die Polizei verhaftete drei Huligans, die als Täter identifiziert wurden. Die Lage in Czenstochau ist noch immer gespannt Eine große Zahl von Agitatoren, die ein Lager mit Feldküchen bezogen, sind gestern angekommen. Vor den jüdischen Läden werden Plakate aufgestellt und tausende von antijüdischen Flugblättern* wurden verbreitet. Alle jüdischen Läden sind geschlossen. Die polnischen Arbeiter stießen mit den Huligans zusammen, und die Polizei verhaftete vier Arbeiter und zwei Huligans. Der Distriktsgouverneur erklärte, daß " die Aufstellung von Pickets vor den Läden seiner Ansieht nach legalsei. Die Juden schickten eine Delegation zum Provinzialgouverneur und zum Minister des In nern. Auch aus anderen Orten gelängen ähnliche Nachrichten nach Warschau. Der polnischen Kundschaft wird nicht gestattet, die jüdischen Läden zn betreten. Das Hauptorgari der Endek-Partei berichtet, daß die Polizei in den Räumen der Partei-Zentrale ■ in Warschau eine Haussuchung vornahm und 900 Exem plare eines antijüdischen Maueranschlages konfis zierte. . :i Der bekannte' jüdisch-sozialistische Arbeiterführer Dr, Josef Kruk ist verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht worden.; * * Warschau, 19. Dez. Mr. Lansbury, der bekannte englische Parlamentarier, der die meisten Hauptstädte Mitteleuropas im Interesse einer friedlichen Verständigung un ter den Nationen besucht hat, konferierte hier mit den führenden polnischen Staatsmännern. In einer Pressekonferenz berichtete er, er habe mit Regie rungskreisen auch die Judenfrage diskutiert. Die pol nische Regierung habe keineswegs die Absicht, die Juden zu bedrücken oder auszutreiben. Die Exzesse in Polen seien die Folgen der ernsteiu ökonomischen Lage des Landes. Sein Eindruck sei, daß die polnische Regierung; irgendwelche antijüdische Ruhestörungen nicht .zulassen werde. .. Eine Delegation der jüdischen Parlamentarier und Vertreter wirtschaftlicher Organisationen händigten, dem Minister des Innern ein Memorandum ein, worin gebeten wird,. den Polizeischutz' vor den Läden zu verstärken und die Aufstellung von Pickets vor den Läden zu verbieten. 'In der Tat sind die Behörden neuestens in mehreren Fällen .gegen die Pickets , eingeschritten. Man bildet deshalb sogen, „fliegende Pickets". Rumänien. Zu den rumänischen Parlamentswahlen. Kischinew, 19. Dez. Oberrabbiner Z i r e 1 s o h n , der Ehrenpräsident auch der jüngsten.; Kenessio Gedaulo, steht an der Spitze der von der Jüdischen Partei in Rumänien aufgestellten Wahlliste für die am 20. Dezember stattfindenden ParJ.amentswahlen. ' Oberrabbiner Zirelsohn fordert in einem Aufruf die jüdische Bevölkerung auf, die Gelegenheit, eine jüdische Vertretung im Parlamente zu besetzen, iiicht durch Lässigkeit und Gleichgültigkeit zu verpassen. (JPB.) Litauen. Eine neue Aktion für den Keren Hajischuw in Litauen. . -.- .. .Kowno, 20. Dez. Im Zusammenhange mit der Verstärkten Tätigkeit der Agudas Jisroel;in Litauen, wurde .auch eine kräftige Aktion für Keren Hajischuw eingeleitet. Ein Aufruf, der die Unterschriften von 150 Rabbinen trägt, wendet sich an alle Juden Litauens, die am religiösen Aufbau von Erez Israel interessiert sind, das finanzielle Instrument für die" Palästinaarbeit in Erez Israel, den Keren Hajischuw^ nach Möglichkeit und mit allen Kräften zu unterstützen.! England. ■ Keren Hätorah und Beth Jakob, i; ' London, 20. Dez.£' Unter dem Vorsitz von .Chiefrabbi Dr. H.e.r.t z wurde auf einer Sitzung die Verteilung . der. Gelder , aus \dem durchgeführten p o-l nisjc hen Appeals vorgenommen..; Vom Ker.en.Ha;tor a h nahmen an der Berätung teil: Rabbiner A b r a m s k'i; Rabbiner T w-fers-ki und H, ,ruA.,; G.o odman, Für verschiedene- . Institutionen; in t Polen lyntr- . den 5000 Pfund 'bewilligt. .Davon erhielt nach dem Abkommen Keren Hatorah, 735 Pfund, von welchem Betrag 100 Pfund dem. Beth Jakob zufließen, während 635 Pfund in Warschau und Wilna an die Thorainstitute verteilt werden. Für die "Ausbildung von Chaluzim in Polen wurden außerdem 300 Pfund bewilligt. Die Präsidentin des Beth Jakob-Komitees in England, Frau S a s s o o ir, veranstaltete in ihrer Wohnung eine Propagandasitzung zugunsten des Beth Jakob. Unter detf .prominenten Gästen sah man den Präsidenten der Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, Prof. Norman B entwich' u. v. ä. Letzterer führte den Vorsitz und teilte mit, daß er auf einer gerade zurückgelegten Reise durch Polen Gelegen-, heit hatte, die Leistungen der Beth Jakob-Schulen in Osteuropa kennenzulernen und zu bewundern. Frau Sassoon selbst hielt einen lehrreichen Vortrag über die ,,Bne Israel in Indien". "Eine größere Summe kam an diesem Abend für die Zwecke des Beth Jakob zusammen. (JPB.) Iftkailiett Jüdisc'he's aus Brasilien. (Aus einem Privatbrief.). AH "'ii l-A Der Sabbatverband in England. Londo n , 19. Dez, Auf einer. Sitzung des na 7 ryvmn -Komitees' in England wurde erwogen, die Initiative: für die Neu belebung und Reaktivierung des seinerzeit in Deutsch land gegründeten Weltverbandes für den Sa bbatschutz in England zu ergreifen. Ein gewähltes Komitee begann bereits mit der Arbeit auf breiter Grundlage. Die Adresse des neuen Komitees lautet: Sabbath Observance World Union, Jewish Centre House, 74, Jane Strent, London, E. 1. (JPB.) Zu den Verhandlungen der Agudas Jisroel mit der zionistischen Organisation. - London, 20. Dez. Dieser Tage fand eine längere Aussprache zwi sehen dem Präsidenten" der Agudas Jisroel,. Jacob Rösenheim, und dem Mitglied der zionistischen Exekutive, Prof. Brodetski, statt, über die der Präsident der Agudas Jisroel auf der. nächsten Beratung der agudistischen Exekutive Bericht erstatten wird. (JPB.) . Italien. Rabbinerwahl. ' R o m./ 17. Dez. Der Rabbiner der kleinen jüdischen Gemeinde von Perugia, Dr. Kaiman Friedmann, ist zum Oberrabbiner von Florenz gewählt'" worden. t)r. Friedmannast polnischer Herkunft, studierteanj>der Universität und am-Rabbiner-Seminar von Florenz und hat eine Anzahl historischer Werke über, die Juden in Italien und Gyrenaica geschrieben.; tjf. ■ Türlcei. . ) ',' Kommissarische Verwaltung [der jüdischen; •r Schulen. / ' .! J.' Ankara, 17. Dez.' Der türkische Erziehüngsminister hat heute eine, Verordnung veröffentlicht,;durch; die besondere Regierungskommissare zur Verwaltung aller jüdischen Schulen (ebenso auch der >Schulen der anderen Minderheiten) ernannt werden. Die. Kommissare haben sowohl den Lehrplan der Schulen als .aiich.ihre Verwaltung zu regulieren. Man erwartet,, daß 'eine Anzahl von Schulen der Minoritäten., geschlossen und ihre Schüler den Regierungsscnulen überwiesen werden. - ..!,•-, Japan. Verhaftungen von Juden in der Mandschurei. Charbjn, 6. Dez. Mehrere Juden wurden heute von den japanischen Behörden verhaftet, infolge von Denunziatior nen durch russische Weißgarc^sten,,:.dä^ die Verhafteten'Sympathien für Söwjetr;ußlahd hegten. Alle. Verhafteten beteuerten ihre volle Unschuld.. Ihre Namen werden von der. 7 Polizei, geheim gehalten. ' Mehrere jüdische Flüchtlinge : kamen aus Tieritsiri nach Schanghai und berichteten, daß die japanischen Behörden von allen Einwanderern die Unterzeichnung eines Gelöbnisses, gerichtet gegen die Sowjets, verlangen. Die Flüchtlinge . verweigern die Unterschrift, weil sie fürchten, daß davon ihre in Rußland lebenden Verwandten, leiden könnten. Amerika. </« Große Rabbi Akiba Eier-Feier in Amerika. ' V; :N e w Y,Q r'k , i7.r!Dez,,, , Eine' große Rdihe/von' OrgaHisaiionen.Ppro-minefit&n ' Rabbinern tirid""-''angesehenen? Männer® aller-, Schichten taten sich zusammen, uin das hundertste;; Todesjahr von : Rabbi 1 Akiba -Eger in*t. w^EdigeÄ., Weise zu begehen. Am Mittwoch, den 1. Dezember, fand zu diesem Zweck«? -emg ^ehr,stark besuchte Vorkonferenz in der Öhow Zedek-Schul in Ne'W York statt. Es wufde ein-'aus hundert geeigneten > Mäiiner:n bestehendes Komitee gewählt, das einen , P^an fur die Feier ausarbeiten, und dem 0.rgamsation^^^miteea vorlegenwird. H ' 1'v u ■> .vmu'-I ' : >'~ ■. Rio de Janeiro, Mitte Oktober. In Frankfurt fromm zu sein — ist nicht schwer!^ Im Ausland, es zu bleiben---um so mehr! r Ich denke oft darüber nach, daß wir früher so selbst-; verstandlich alles hingenommen haben; Ich denke'.' hierbei an . die Aufsicht im-allgemeinen, an die an-;' genehmen Einrichtungen wie den automatischen". Lichtschalter am Wt? usw. ' ' Hier in Rio de Janeiro gibt es eine sogenannte ' „jüdische Gemeinde" immer noch nicht. In Säo-' Paulo (500 km entfernt), hat sich nun, eine solcheunter dem. Namen . SIP (sociedade isräeiitä "päülistaj, gegründet, hierüber später ausführlicher! Das fälltin der Hauptstadt deswegen schwer, weil Sich hier die jüdische Bevölkerung' aus den verschiedensten^ Kreisen und Klassen zusammensetzt. Der Jude aus dem Westen ist und bleibt in seiner Seele an erster., Stelle Westler, und er kann sich schwerlich in die Psyche seines andern Bruders hineinversetzen. Ich bin heute der Ansicht, daß wir "allerhand Respekt vor'unseren ostjüdischen Brüdern haben müssen,, sie haben hier ohne viel Bropaganda, ohne Lärm, Organisationen geschaffen, die manches .ersetzen, was in Wirklichkeit die Aufgabe der Kehilla ist. Ich erwähne die Sociedade beneficiente israelitä den. jüdischen Hilfsverein, der Hand in Hand mit der „Ica". arbeitet, eine jüdische Poliklinik, eine jüdischdeutsche: /- täglich erscheinende Zeitung? Wehn Sie zum Dawnen gehen, finden Sie nur Minjan bei unseren ostjüdischen Brüdern bezw. bei den "sefardisch'en Jehu-• dim: Hier in Rio gibt es nicht ein einziges asehkena- - sisches Min/an geschweige Synagoge. Die vielen Beshamidrasch sind alle Synagogen vereine der jeweiligen Städte, aus denen die Gruppe dieser Jehudim, stammt. (In Parenthese: zu Sukkaus twar ich in einer Sukkoh bei einem palästinensischen Jehudi. Er ist hier 24 Jahre im Lande, 'er hat ein eigenes Bethaus, das jedem r-Dff voll besetzt ist.) Warum haben dies die deutschen Juden noch nicht fertig, gebracht? Der liberal denkende deutsche Jude; - denkt ganz anders als der_ liberaldenkende Jude "im:, allgemeinen^ Ich denke -hierbei zum Vergleich., an den- J . liberalen" holländischen Juden, Wenn dieser dawneni wqljte, mußte er in' di&-feine? einzig, gesetzestreue ..organisierte Synagoge gehen, ßer deutsche Jude will seine Predigt,, seine Orgel, er hat vor lauter Assimilation vergessen, waruni" er in' die Syhägoge; geht; iiMeM^jsFrai|, 'ist Christin undj-esf ist notwendig, daß. 4wir eine? Synagoge haben, wo eine Ör||el ist usw.!" Das 'sagt.,nun .ein''deutscher liberaler Jude.'; Wie froh" und glücklich wäre man hier, wenn man eine Schur einer Kultusgemeinde mit orthodoxem Ritus besuchen könnte!! Ich weiß nun die Antwort darauf. „Hier liegt esr. anders, da war ein Austritt nicht notwendig." Nein, wir alle'haben gefehlt, indem wir nicht > rechtzeitig die Kräfte gesam'm'elf haben. " Man kann hier unter gewissen Bedingungenalles haben, was man will. Es gibt^hler; ^ine, .Schechita, die- Von verschiedenen ostjüdischen Schochtim organisiert ist. Eine jüdische Familie lebt bequemer als ein Alleinstehender. Es gab hier eine jüdische Pension'in der rua Sant ähiria 200,' die besteht nun nicht mehr. Dagegen gibt hier' eine aus Deutschland her- 'gezogene Familie Zeichner einen rituellen Mittags- tisch. Sehr sauber und einwandfrei koschere Essent Hier iHVäre ein Arbeitsfeld für einen zielbewußt ten und umsichtigen RaTjbiner,, der e;s verstünde, eine Gemein.de, eine Kehilla, zu prgangsieren. In Sao Paulo .— wie schon erwähnt — ist das schon bedeutend besser. In Sao Paulo gibt es neben einem liberalen G'ttesdienst ein orthodoxes-aschkenäsisches. Minjan. Ich selbst gehe , in ein ostjüdisches kleines. Privatminjan. * . . Eine interessante .Frage, bildet hier u. a. das Arba Miriim-Problem! Hadassim wachsennicht, Arowaus: " gibt es nicht und der Esro'g kommt ohne Pittum an. Der Scfo'ochet, bei ,dem ,.ich. die Arbaminim kaufte, sagte mir, die Arowaus,. die hier wachserij könnten: niemals^ die vorgeschrtebenen,,-,mit dem röten/ Steng'el sein. Die Hadassim kö.nnten^ hier.nichtjgedeiheh. Man.■ nimmt'hier die Hadassim aus Erez. Israel und ge- .! tr .o c k n e t. =—Der Lulaw übrigens, < von h.i e s.i g e rt Pflanzen, war sehr schön!! Wir haben in Deutschland. das oder jenes mit der Klebemarke „Unter Aufsicht" gekauft und wir' haben uns keine . Sorgen, machen müssen, Im allgemeinen sind hier die Begriffe ^alle auf den Kopf; gestellt. Warum gehen wir im/ TiicKri yihd _v nicht im Nissan in .die Sukkoh?;Weil, so' heißt es r in den Dezisören, im Frühjahr ajle We\y ih ^niien wohnt -und-ädie- Mizwah nicht v erkenntlich wäre! Hier '' ■ . -----s - ■ •'• ''' r"-'F* " 'J."i.':j.f'- 5 ^'-i.atitf*'-». t»-^.-'-xn '-Ii wohnt man das ganze J ahr womöglich in einer scP genannten ,,cabanä"-Hütte. .v'- / •.Die Sukkoh, die wif gebaut; haben, ist einfach uhd gemütliche./Vier dicke Bambusröhre warpii- ^re Eic.kpfeil'ef,' mi^ Leinwand: überzögen, das S'chach bestand aus Palmenblättern. Nur - -das i ,,.Qefc$enh-.-|cpn4r.-^ ten w^ir -draußteri lassen. — Eine „ulkige" Hüt;t^.sah ich na . . tri Lfeiriem kleinen Gütchen/Man :Jiatt,e gein.-?.^ fach ein anliegendes Badeziinmer neu. besirjehen, dje,^ Wahhe: heraüsgenomnien, : das Dach,;einfaeji' ^b^ho- \jr> ben und dann das S'chach (aus Stroh) darauf ggl^^-K