Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Schweiz. Die „Protokolle" der Weisen von Ziön vor dem . Berner Obergericht. - Bern, 28. OktT . Ueber den Prozeß in Bern wird uns noch von dort geschrieben: Die Verteidiger des Angeschuldigten ließen diesmal die Frage der Echtheit oder Unechtheit der .Protokolle in der Hauptsache beiseite, meinten aber, der Artikel 14 des bernischen Schundliteraturgesetzes betreffe mehr die erotische Sphäre, während die „Protokolle", so schwer sie die Jucjenheit verleumdeten, eine politische Schrift darstellen, die nicht unter den genannten Artikel fallen. Darum beantragten die beiden Verteidiger die Kassierung des erstinstanzlichen Urteils. Der Staatsanwalt lehnte diesen Antrag ab, weil die aufklärende Arbeit, die die erste Instanz in diesem Prozeß geleistet, sehr wertvoll gewesen sei, hingegen beantragt er die Freisprechung Silvio Schnetts von der Geldstrafe, da er auch der Meinung sei, die „Protokolle", so sehr sie innerlich abzulehnen seien, doch nicht im Sinne des Artikels 14 unter den Begriff Schundliteratur fallen. Die Juden haben das Recht, sich gegen die Verbreitung der Protokolle zu wehren, dies" sei aber nicht Sache des Gerichtes, sondern der Regierung, die für den Schutz aller Bürger gleich zu sorgen habe, meinte der Staatsanwalt. Die Anwälte Bjinschwig und Prof. Dr. Matti traten in diesem Punkte der Auffassung des Staatsanwaltes entgegen. Führten zahlreiche Beispiele an, um zu beweisen, wie gerade die „Protokolle der Weisen von Zion" den Juden den schwersten Schaden zugefügt haben, weil sie in den Schein der Echtheit gehüllt waren, obgleich jeder Vernünftige ausihrem Inhalt die Fälschung sofort erkennen müsse. (Urteilsverkündung siehe Seite 2.) Semesterbeginn in Montreux. Montreux, 25. Okt. Im Bethause der Jeschiwa eröffnete der Leiter, Rabbiner E. Botschko, vor versammelten Dozenten, Hörern und vielen Gästen das 22. Semester, Einleitend gedachte er, u. ä. mit ehrenden Worten Sally Guggenheims b"xr. Nach den üblichen tiefen fiälachischen Ausführungen zeichnete-der Rosch Jeschiwa Aufgabe und Ziel der Jeschiwoh. Inder heutigen thorafremden Welt soll die Jeschiwa eine Te-, woh bilden, in der man-sich absondert, um sich in den ethischen und moralischen Inhalt der Religion und der Lehre des jüdischen Volkes zu vertiefen, sich innerlich zu erbauen und mit Werten und Kenntnissen zu erfüllen, die einen Schutz gegen den verderbenden Einfluß der Welt bilden. Doch soll auch das „Fenster", die Verbindung" mit der Außenwelt, nicht fehlen, in der man .sich behaupten muß| wenn die Zeit kommen wird, in der es heißt: Verlasse, innerlich erbaut, mit. starken geistigen Waffen aüsge-, rüstet, die Pforten der Lehrstätte- Unser Vorbild sei nicht Noah, sondern Abraham, der sich bemühte, seine Erkenntnisse zu verbreiten und. die Menschen zu'belehren. ' ' " . Die tief empfundenen, eindrucksvoll vorgetragenen-Worte, des Rosch Jeschiwa machten auf Gäste, Lehrer und Schüler einen tiefen Eindruck. Mit einem begeisterten „Aschrenu" wurde die feierliche Eröffnunggeschlossen.;( Dr. P. Tschechoslovakei. Hilf« für Karpathorußland. Prag, 26. Okt. Der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, ist von seiner Informationsreise, die ihn über Oesterreich, die Tschechoslovakei und die Nachbarländer geführt hat, nach Paris zurückgekehrt". Ueber die Hilfsarbeit in Karpathorußland teilte er folgendes mit: Eine intensivere Tätigkeit soll zugunsten der notleidenden Juden in Karpathorußland und in der Ostslovakei entfaltet werden. In Mukacevo wird das Mädchen-Waisenhaus, das aus Joint-Mitteln errichtet wurde, in eine Haushaltsschule umgewandelt; auch eine Muster- Tischlerwerkstatt wird, ein« gerichtet. Für diese Zwecke wurden 7500 Dollar zur Verfügung gestellt. Auch in anderen Orten Karpathorußlands werden, sofern es erforderlich ist, Werkstätten errichtet werden. Die Hilfstätigkeit zugunsten der Schulkinder wird durch Errichtung von Sommerkolonien erweitert werden. , Die vor allem in den Dörfern Karpathorußlands und der Slovakei bestehenden Kreditkooperativen, die vom Joint gegründet wurden und jetzt von der American Joint Reconstruction Foundation finanziert werden, sollen, da sie in ihrer jetzigen Form kaum weiter bestehen können, ähnlich wie dies durch .d|e Joint-Initiative in anderen Ländern geschehen ist, in freie Darlehenskassen umgewandelt werden. Rumänien. Eine orthodoxe Sondergemeinde in Bukarest. Bukarest, 26. Okt. In Bukarest wurde eine außerhalb der Jüdischen Gemeinde stehende orthodoxe Sondergem e i n d e gegründet. Der Gründungsfeier wohnte ein Vertreter des Kultusministeriums bei. An der Spitze der Sondergemeinde steht der ehemalige Senator Elie Finkelstein. Er hielt bei der Gründungsfeier eine Rede, in der er die Treue der neuen Gemeinde gegenüber Thron und Vaterland betonte. (ITA.) Polen. Schwere judenfeindliche Ausschreitungen ' in Mlawa.- - Warschau, 28. Okt. .In der Ortschaft Mlawa im Kreis Warschau ist es. am Markttag zu blutigen Ausschreitungen gegen die jüdischen Händler gekommen. Fünf jüdische Markthändler wurden schwer verwundet. Fast alle habet) Verletzungen am Kopf erlitten. Die Stände der jüdischen Händler wurden umgeworfen, die Ware vernichtet. Polizei stellte die Ordnung wieder her. Fünfzehn Nationaldemokraten und drei Juden wurden verhaftet. Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung von Mlawa erschien bei der Wojwodschaft, wo ihr verstärkter Schutz für die Zukunft zugesagt wurde.. Die Abordnung wird auch beim Ministerpräsidenten Skladkowski Beschwerde führen. Die „Ghetto-Bänke" in Polen. , Warschau, 26. Okt. Auch auf der tierärztlichen Fakultät der Universität Warschau sind jetzt Ghettobänke eingeführt worden. Die jüdischen Studenten wohnen den Vorlesungen stehend bei. Wie die. nationaldemokratische Tageszeitung „Warszawski Dziennik Darowody" mitteilt, haben die antisemitischen Studenten einen Boykott der Vorlesungen des Philosophieprofessors Kotarb i n s k i proklamiert, weil dieser die Einführung der Ghettobänke verurteilt und sich mit den jüdischen Studenten solidarisch erklärt hat. Sechzig jüdische Schüler der Brun'schen Handelsschule sind wegen Teilnahme an dem allgemeinen jüdischen.Proteststreik gegen die Ghettobänke ausgeschlossen worden. Die ausgeschlossenen Schüler können individuell um ihre Wiederaufnahme ersuchen, müssen aber Einschreibgebühren und Schulgeld neu entrichten. An derselben Schule formierten die Schüler der Abendkurse einen Demonstrationszug, an dem sich etwa 200 Schüler beteiligten. Es wurden heftige judenfeindliche Rufe laut. Der Zug wurde bald polizeilich aufgelöst. In der Kinderklinik des Prof. Michalowicz war der Assistent Dr. Altermann gerade daran, eine Operation an einem Kinde durchzuführen, als eine Bande von Nationalradikalen in den Operationssaal drang und sich auf den Operateur stürzte. Dr. Altermann wurde die Maske abgerissen, und er wurde mit Stöcken blutig mißhandelt. Carter den Patienten und dem Pflegepersonal der Abteilung brach eine Panik aus, mehrere Schwestern fielen in Ohnmacht. In höchster Erregung stürzte der Leiter der Klinik, Prof. Michalowicz, herbei und forderte die Eindringlinge auf, das Haus sofort zu verlassen. Er begab sich sodann zum Unterrichtsminister, um Beschwerde zu erheben und Zusicherungen gegen eine Wiederholung derartiger Ausschreitungen zu erlangen. Frankreich. Präsident Lebrun im Palästina-Pavillon der Pariser Weltausstellung. Paris, 26. Okt. Der Präsident der Fr. anzösis ch e n Republik, Albert L e b r u n , hat am 26. Oktober den P a 1 ä s t i n a - P a v i 11 o n auf der Pariser Weltausstellung besucht. Der Präsident, der sein Erscheinen vorher nicht angekündigt hatte, wurde von dem Vorsitzenden des Ausstellungskomitees, Louis A'sscher, und Herrn Guy Rothschild empfangen. Präsident Lebrun bekundete lebhaftes Interesse für die in dem Pavillon dargestellte Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes,, besonders eingehend erkundigte er sich nach dem Ausbau des Hafens von Tel Awiw und nach den Leistungen des Ruthenberg- Elektifizitätswerkes. Die Mitglieder des. Komitees erläutertendem Präsidenten die Anfänge der . jüdischen Kolonisation in Palästina und die Entwicklung der jüdischen Siedlungen. Mit sichtlicher Genugtuung nahm der Präsident zur Kenntnis, daß französische Juden — abgesehen von dem gewaltigen Kolonisationswerk Baron Edmond de Rothschilds — an der Schaffung wichtiger Einrichtungen in Palästina beteiligt waren, und daß insbesondere die Landwirtschaftsschule Mikwe Israel ihre Gründung dem französischen Juden Charles Netter verdankt. die Seinen denkt, darum erfüllt sich an ihm Rabbi Jischmoels Wort Vwn ww Dipna D'jns nanas7- G'tt segnetdiesen unseren Svw pa in seinem Wirken für uns alle! Und wir können nur zum Spender allen Segens beten, daß Er uns in Seiner Güte diesen Mittler des Segens noch lange voranstehen lassen möge, daß seine Lippen uns weiter bleiben ein Hört der G'tteserkenntnis, daß wir von der Sprache seines Mundes, die die lauterste Wahrheit ist, ablesen, was die jüdische Lehre von ihren Bekennern fordert, daß er als ein msas 'T "jaSteuns iührt auf jenem Pfade? der zur Höhe führt! G'tt erhalte uns unseren geliebten Berliner Raw aiv B»i»jn hsa ny-> . Wolf S. Jacobson. Nochmals der Segen für die Gemeinde und die Gemeinden. Zu dem Artikel unter dieser Ueberschrift im „Israelit" Nr. 41 macht Herr Jelen noch folgende ergänzende Bemerkung: Das Wort „Kaudesch" als Adjektiv zu . einem Substantiv drückt nicht denselben Grad Keduschoh. aus, wie das Wort „Ködausch". Beispiele dafür sind unzählige, wie snipn jrax,_ und es wäre falsch, „Oraun Hakodausch" zu sägen; hingegen ist das Wort „Kaudesch" als e»s» t=J» nicht als Adjektiv gebraucht, die Bezeichnung für den höchsten Grad von Keduschoh,- der, nach dem angeführten Sohar, Israel zugesprochen wird. Nach dem Sohar ist die Formulierung auch sprachlich richig, da Sipn nicht als 1»03 gebraucht, wird. Es heißt also w-Tjar ntaij? So afriitii »ilpft ^flps n* *p3> tm # „Er möge die ganze Gemeinde, diese Heiligkeit, segnen mit allen heiligen Gemeinden. Auch nach dem Soharwird der Grundgedanke derselbe bleiben; an die versammelte Gemeinde wer- I den die größten Ansprüche und Voraussetzungen gestellt, nämlich daß sie als „Kaudesch" bezeichnet - werden kann, bei den anderen Gemeinden begnügen wir uns, wenn wir sie als „Kehillaus Hakaudesch" ansprechen können. Zur Würdigung von Rabbi N. Ch. Z. Berlin. Eine Erklärung von Prof. Dr. Isaak Markon-Hamburg. In der Ausgabe des „Israelit" vom 1.. Oktober ds. Js. finde ich eine Anmerkung der Redaktion zu einem Artikel von Herrn Rabb. E. Dukesz, Altona, in der bedauert wird, daß'in einer Würdigung des Rabbi N. Ch. Z. Berlin, die vor kurzem in einer jüdischen Zeitung Deutschlands erschienen ist, weder ' auf jenen Artik?l (d. h. ,auf einen Artikel von Rabb. Dukesz im „Israelit" von 1902) noch auf die grund- . legenden Arbeiten von Rabbiner Dukesz in seinem „Iwo Iemauschow" J8ezug genommen wurde. Der hier erwähnte Artikel ist eine Arbeit von mir im „Israelitischen Familienblatt" (Ausgabe 6) vom 30. September ds. Js., Nr. 39, erschienen, so daß mir : darauf eine Erwiderung, wohl verstattet sei. Den Artikel im „Israelit" von 1902 kenne ich zwar nicht, - jedoch die für ein solches Thema recht kurz gehaltenen Ausführungen im „Iwo Iemauschow \ die mir schon wegen ihres vom wissenschaftlichen Standpunkt aus recht geringen Umfanges wenig Nutzen bringen konnten und wohl auch deshalb keineswegs als „grundlegend" bezeichnet werden können. Der Inhalt dieses kurzen Aufsatzes ist jedem Gelehrten und auch mir schon lange bekannt, findet sich, auch in der instruktiveren Arbeit von Dr. Max Grunwald zum gleichen Thema und ist wirklich grundlegend in einer Arbeit von Dr. L. Löwenstein behandelt worden. -Der von Rabb. Dukesz allein berichtete Streit in Segeberg zwischen Vorstehern urid Chason-Melamed, den Rabb. Ch. N. Z. Berlin ausgeglichen hat, kann keinen Anspruch auf die historische Charakteristik von R. Berlin machen und wurde daher auch von mir nicht erwähnt. Folglich war es wohl kaum nötig, die betr. Arbeit von Rabb. Dukesz in einem Artikel zu erwähnen, der ein so umfassendes Bild von der Tätigkeit dieses Mannes und eine Schilderung seiner Epoche entwarf, wie sie bisher in der gesamten Literatur fehlte. An einer Stelle freilich habe ich, wenn auch schonenderweise nicht unter Nennung seines Namens, auf die falschen Daten über das Geburtsjahr von Rabbi Berlin aufmerksam gemacht, die man in den angezogenen Werken und Artikeln findet, um so mehr, als ich schon des öfteren in die Notwendigkeit versetzt war, in gleicher Weise zu berichtigen. Abgesehen davon, daß es wohl überhaupt nicht üblich ist, in der Presse Nekrologe oder Jubiläumsartikel mit Quellenangäben zu spicken, was ich auch in meinen bisher im „Israelit" und anderen Wochenschriften oder Zeitungen veröffentlichten Artikeln stets vermieden habe. Anders ist es natürlich, wenn es sich um Artikel in rein wissenschaftlichen Werken handelt. Wer mich aus meiner beinahe vierzigjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit kennt, weiß, wie sorgfältig ich stets alle Quellen, bis auf die geringste, anzuführen pflege. Ich verweise in dieser Beziehung nur auf meine in diesem Jahre erschienenen Arbeiten in der Rabbiner Jakob Freimann-Festschrift und im „Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden Schleswig-Holstein und die Hansestädte". Gerade in letzterer habe ich auch Herrn Rabb. Dukesz mehrfach zitiert und dabei aufgezeigt, in welcher Weise die Geschichtsschreibung über die Dreigemeinden zu handhaben ist.