Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PISSlP^P?^ö*^H5S5^p5?Kpi«j? ■fl— 4. .November 1937 D 1 i t Nr. 44 Seite 3 Lettre und Tat. (Fortsetzung von Seite 1.) oder vielleicht gerade deshalb, weil es sich um Gesetzesgebiete handelt, deren Erfüllung uns Heutigen noch lebensnah und nicht an den Bestand des Tempels gebunden ist. Bei der Einführung unserer Jugend in, die talmudische Begriffswelt ist also nach zwei Seir ten hin die Grenze zu wahren, jenseits derer entweder die zu starke Inaktualität des Lehrgegenstandes oder aber dessen bis dahin im Kinde gelebt^ habende Selbstverständlichkeit das Erlernen der talmudischen Denkbegriffe zur Gefahr für die religiöse Unberührtheit der Kindesseele werden laßt. Es darf daher nie einen „Stolz gegen den Kizzur" geben. Die in den letzten Jahren überall hierzulande auflebende Lernlust mag ihre wahre geistige Befriedigung in den verschlungenen Gängen talmudischen Forschens suchen; das befreit die für dieses Lernen begeisterten großen und kleinen Schüler aber keineswegs von der Pflicht, auch die täglichen Pflichten des Gesetzeslebens in klarer Darstellung und ermahnender Lehrweise 2U erlernen und immer wieder zu erlernen; denn nur eine möglichst gründliche Kenntnis dieser Einzelvorschriften setzt uns in den Stand, die Thora- und Mizwoth-Atmosphäre unserer jüdischen Umgebung aufrechtzuerhalten. Ohne solche gründliche Kenntnis bröckelt auch mit dem sinngemäßen Verständnisse der gebotenen Handlungen und Unterlassungen die Befolgung aller dieser Gebote in der Praxis unweigerlich ab. Etwas, zivilisationsmüde sind wir Alle, Große und Kleine, seit; 'dem Umschwünge .der Zeiten geworden." Diese Stimmung darf jedoch nicht zu einer anderen- Gefahr für unsere Pflicht des Verwirklichens führen, die darin besteht^daß in. der Erziehung unsetferKindel' eine 'Abschließung vom Umweltmilieu erzwungen wird, wie sie nachher im erwerblichen und kulturellen auch unter gegenwärtigen Verhältnissen nicht annähernd durchzuführen ist. Diese Abschließung würde heute wie vor 80 Jahren dazu führen, daß die ins Leben tretende Jugend uns auf alle väterlichen ^Ermahnungen die - aus völligem und berechtigten! Mangel an Vertrauen beruhende Antwort geben würde: Alles, was ihr uns gelehrt habet, ist undurchführbar;? Wir hatten es noch vor wenigen Jahren schwer genug, den Gegnern jeder jüdischen Bekenntnisschule ihr auf diesem Gedanken, beruhendes;Argument zu widerlegen; siel? sägten: Die Schule soll die Kinder an keine größere Abschließung von der Umwelt gewöhnen, als sie im Leben vorhanden ist, denn sonst wird gerade das zwischen Andersdenkenden verlaufende spätere Leben die Kinder der angestammten Lehre und Lebensführung entfremden. So ängstlich sind nun. solche Eltern nicht; die•: im eigenen Hause: ihren Kindern ein Vorbild der Thorabef plgung vorleben, das ihnen sowohl! während als nach der Schulzeit niemals in. Vergessenheit gerät. Aber soweit muß auch für^unsere Kinder Schulet und Leben in Uebereinstimmung bleiben,? (daß sie die Probleme der .Umweltkultur, die ja heutzutage mehr wirtschaftlicher als wissenschaftlicher Art sind, wenigstens zu begreifen vorbereitet werden; denn nur dann werden unsere Kinder diese Probleme meistern,, ohne in ihrer Gesetzestreue wankend zu werden. ' - .; Diese Erwägungen haben wir'Uins vorzulegen, wenn wir über den Bildungsgang eines1 jungen Menschen , gleichviel welchen Geschlechtes und Standes zu entscheiden habeö- oder wenn nach Auflockerung der staatlichen Kontrolle jüdischer Schullehrpläne Jeschiwa-Pläne auftauchen. Gebe der Lenker der. Zeiten, daß wir allezeit bei solchen Erwägungen den Leitgedanken im Auge behalten: G'ttes Herrlichkeit darf nicht an . Ort und'Zeit gebunden sein; seine Gesetze überall un^|ftnmer zu verwirklichen, ist das Hauptziel^ alFcflijüdischen Erziehung; nicht an einem Orte oder innerhalb einer bestimmten Kulturstufe nur soll jede unserer Taten G'ttes Lob künden, sondern: Gesegnet die Ehre G'ttes v o n seinem Orte aus,- Wochenrundschau. Zum Rücktritt des High Commissioners — EinProzeß, $er uns nicht mehr interessiert — Rabbi Akiba Eger und die „Wandlung in der Anschauung". •;■ . Zum Wochenende wurde die Welt und die jüdische Öeffentlichkeit mit der Natfhrieht überrascht, daß Arthur Wauchope, der High Commissi o n e r von Palästina, nicht mehr nach Palästina zurückkehrt. In der schriftlichen Mitteilung des Kolonienministers im Unterhause wird der Rücktritt mit Gesundheitsrücksichten begründet. Der Gedanke an die bekannte „politische Krankheit" liegt aber nahe. Der Minister benutzte im Parlament die Gelegenheit, um der tiefen Wertschätzung der Regierung für die langen und ausgezeichneten Staatsdienste des hohen Beamten Ausdruck zu geben. Er habe seine Stellung unter schwierigen Verhältnissen nicht weniger als sechs Jahre mit Eifer und Hingabe ausgefüllt und verdiene daher die tiefe Sympathie ,der Volksvertretung. Man wird sich im jüdischen Kreise diesem Lobe im Ganzen anschließen, wenn man auch in der Amtszeit Arthur Wauchopes oft genug Grund zur Klage hatte. Die Klagen und Anklagen waren aber selten gegen die Person Wauchopes, immer nur gegen sein System gerichtet, Arthur Wauchope verfolgte, darüber kann kein Zweifel herrschen, eine Politik der iVer.&,p.hnung und Verständigung. Es kanti^ 'aber der beste""Mensch nicht in Frieden Iebenr'wenn der Nachbar nicht will. Und der arabisch.et-^achbar WO l.l t e n i cjj-t. Daraus entstand" oft" eine 'Situa'- ' tipn, die dife;"-;Politik der Schonung als eine solche* der S»c*Hrw ä ch"eerscheinen ließ, deren Kosten v aber "4ie Judenheit Palästinas schwer zu tragen hatte. Män^hatte auch immer das Gefühl, daß die von London in (3er, Einwanderungspolitik gegebenen Weisungen vom High Xbmmissioner weitgehendst zu Ungunsten der Juden gedeutet "wurden, * was mit den mageren Schedulen der letzten Jahre reichlich belegt . ist. Trotz allem und allem: Sir Arthur Wauchope war ein Gentleman, der' mit dem besten Willen vor sechs Jahren nach Palästina kam, und diesen guten Willen bei jeder Gelegenheitauch dem jüdischen Jischuw gegenüber bekundet hat. Möge es ihm in seinem Privatleben oder auf anderem politischen Posten-gegönnt sein, die . Befriedung Palästinas, wie er sie alle Zeit ehrlich erstrebt hat, von der Ferne mitzuerleben. Der zweite Prozeß um die „Protokolle" in Bern ist zu Ende gegangen. Die Atmosphäre, in der sr sich abspielte, war weniger geladen als bei der ersten Verhandlung vor zwei Jahren, und es muß konstatiert werden, daß sich die Vertreter beider Parteien einer gewissen Ruhe und Sachlichkeit befleißigten. Die Anwälte der Beklagten hatten das Bemühen, die „Protokolle" als echt nachzuweisen, aufgegeben, sie beschränkten sich darauf, das Beweismaterial der anderen Partei zu entkräften. Sowohl von ihnen wie vom Generalstaatsanwalt wurde betont, daß die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Protokolle hier nicht zur Diskussion stehe, sondern die Frage, ob und inwieweit . die Männer, die sie verbreiteten und auf, ihre Art glossierten, die •Kläger, als Mitglieder und Instanzen der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz, beleidigt haben. Damit wurde der Prozeß aus dem Politischen herausgehoben und auf den Engpaß einer einfachen Zivilklage gedrängt, die" kaum noch das Interesse einer weiten Öeffentlichkeit beansprucht. In der Jüdischen Gemeinde Märkisch- Friedland, in der Rabbi Akiba Eger vor seiner Ernennung zum Oberrabbiner in Posen etwa vierundzwanzig Jahre lang gewirkt hat, veranstaltete der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden gemeinsam mit der Gemeinde Friedland eine Gedächtnisfeier. In der geschmückten alten Synagoge mit ihren berühmten kunstvollen Schnitzereien waren,.''wie uns berichtet wird, die Mitglieder der Gemeinde und. eine große Anzahl von Lehrern, Vorstehern und Ge-;.meindemitgliedern jüdischer Gemeinden aus Pom- .,mern und der Grenzmark anwesend. Nachdem im N;ämen des Preußischen Landesverbandes RA. Dr. 'Alfred Klee aus Berlin die Erschienenen begrüßt hätte, zeichnete Bezirksrabbiner Dr. Plotke, Schneidemühl, . die " Charaktereigenschaften Rabbi ^Akiba Egers, die den..^^Friedländer Raw" ohne NR.uc-H sieht.. au.f.-Wändlungen in der Ans c h a u UiQ g zu'' einer—dauernd.,, lebendig wirkenden Kraft auch*'fröch.^un heutigen Judentüm,K'mä^en»rr»5;,,,TVJ1I Es war gewiß'angebracht/.daß in der ersten rabbinischen Heimat RabnrsAkibaNEgers, in M. Friedland, seiner in Ehren und Liebe gedacht wird. Weni- . ger angebracht und, geschmackvoll sfejieint uns, die „Wandlung in der Anschauung" zu "'Ehren Rabbi Akibas hervorzuheben. Rabbi Akiba stand an der Spitze des Kampfes für die Ehre des altüberlieferten, unwandelbaren Judentums ,der Thqra und. ließ sich in dieser Beziehung nichts abdingen. Von der Rolle des Ideologischen, heute. > In Nummer 40 des „Israelit" nimmt Herr Dr. I letzten Kräften sich ein Jahr oder mehr Zeit . . nr i «i - - . k ~t _ _ -_ ----- hindurch um die Sicherung des Sabbat im Gemüte eines Kindes abgemüht hat und dann alles Katz in. Tel!&.wiw zu einem Aufsatz von mir Stellung. Mein Aufsatz war, unter überwiegender, ausdrücklicher Anerkennung der praktisehen 'Forderungen, gegen den ideologischen Teil von Isääc Breuers Broschüre „25 Jahre Aguda" gerichtet. ' Daß ich auf diese ideologische Partie solches Gewicht legte, war durchaus nicht in der Unterschätzung der praktischen Fragen oder in einer „Erbaulichen Stimmung" begründet. Wer heute in der jüdischen Jugendarbeit steht, hat für das „Erbauliche" nicht viel Sinn, Denn, wenn er sielitj wie bei manchen vielversprechenden •JungehfHoider -Mädels der Erziehungseinfluß gerade twirksam-.zü werden begann und die Jugendlichen^ dann' nach. Amerika oder sonstwohin inj j ein unbekanntes und unsicheres Milieu verschlagen werden, der weiß vom Einfluß des praktischen Lebehs; auf die Erziehung. Wer aus unter dem Druck wirtschaftlicher Momente zusammenstürzen sieht, dem ist das Gefühl für Ro- - mantik oder Ablehnung jüdischer Politik gründlich vergangen. Wir verspüren es am eigenen Leibe zur Genüge, daß in Erez Jisroel und in Europa die jüdisch-politische Organisation den Alltag des jüdischen Volkes ausmacht. Wir wissen, daß kein anderes tehrerseminar -dtübenl. besteht und., keine andere Jugendalija, auch kein anderes Schulnetz als das des Misrachi. Wir sehnen uns nach dem Leitwort, das uns die praktische Gestaltung des jüdischen Lebens in Erez Jisrael im Sinne und im Interesse i der Halacha kennzeichnet und sind nicht naiv genug, um es zu unterschätzen, daß die Charedim qualitativ und quantitativ besser dastehen, sobald sie die Inauch Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche [ Winter-Mäntel uricl Anzüge _ 'jij!;7 kli e r A r-t <; gju t;un d' pli;eiswjejrt b «UlijJ iif'iW;insch a -V er ar b ei tun 'Frankfurt^. M;!,: Hindenburgplatz 1?:< am Hauptbahnhif 1 ■■r rmtrm***% •im^smsmm