Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 44 r '■■ Oer I s ria e Li t 4.s November ,1937 Die palästinensische Presse zum Rücktritt von Sir Arthur ^Waiichope. Jer u s a] e m , 29. Oktober. Die hebräischen Zeitungen bringen einmütig das aufrichtige Bedauern des Jischüw über den Rücktritt Sir Arthur Wauchopes zum Ausdruck. In den Kommentaren der Presse, wird darauf hingewiesen, daß sich in . der Ämtszeit des bisherigen High Commissioner zwei Etappen unterscheiden lassen: die erste — so weit zurückliegend sie heute auch erscheinen möge — sei diejenige gewesen,« in der der High Commissioner der wahre Befreier des jüdischen Volkes zu sein schien. Er habe damals eine Einwanderung von noch nie dagewesenem Ausmaße ermutigt, und eine allen Gedeihen bringende Entwicklung gefördert. In der zweiten Phase habe er den irri- } gen Weg'des Anstrebens einer Verfässungsreform beschritten. Er habe, den Plan der Einsetzung eines Legislative Council entworfen, ein Plan,, der auf falscher Auffassung .der politischen Situation beruhte. - ' ' Jetzt, so heißt es in einem Aufsatz, zahlt das Land die Kosten für;'diese falsche politische Richtung und für die Anwendung von Milde gegenüber Menschen, die nur. Vor Strenge Achtung empfinden. Nicht infolge schlechter Gesinnung, sondern infolge falsch angewandten Rechtlichkeitssinnes hat Sir Arthur Wauchope in dem zweiten Teil seiner Amtszeit versagt. Immerhin hat er vorher die Saat guten Willens ausgesät.. Sir Hubert W. Young Nachfolger Wauchopes? London,/!, November. Wie der „Daily Telegraph" meldet, wird in gewissen Krejsen die Ernennung von Sir Hubert W. Young zum Nachfolger des High Commissioners für Palästina, Sir Arthur' Wauchope, lebhaft befürwortet. Sir Hubert W. Young war seit 1934 Gouverneur und Oberkommandierender in Nordrhodesien. Er ist 52 Jahre alt und verfügt üüer große, politische Erfahrung im Mittleren Osten. Das Blatt erklärt weiter, man erwarte, daß Sir Arthur Wauchope, der am Donnerstag nach Jerusalem zurückkehrt, mindestens noch drei Monate lang in Palästina bleiben wird. Vermutlich werde er dort noch die Kommission, die den Teilungsplan ausarbei ten soll,V empfangen. { Strafbestimmungen der palästinensischen Notverordnung bleiben in Kraft. Der Kolonienminister über die Sprengungen in Palästina. .< Lo nd o n , 1. November. In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Gallacher erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore am 1. November im Unterhause, es bestehe nicht die Absicht, die geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Bekämpfung des Terrors in Palästina abzuändern. Der Minister wies darauf hin, daß die Sprengung von Häusern als Strafe für Terrorakte in den palästinensischen Notverordnungen vorgesehen ist, und gab eine Schilderung der Fälle, in denen in letzter Zeit" diese Strafbestimmung angewandt wurde. Der Abgeordnete Gallacher hatte gefragt, ob dkr Minister bekanntgeben wolle, warum, arabische Häuser in Palästina gesprengt worden sind, in wievielen Städten oder Dörfern solche Sprengungen mit Dynamit stattgefunden hätten; nach welchem Grundsatz die Wohnhäuser zur Zerstörung ausgewählt wurden; wieviele Personen obdachlos geworden seien; ob diese Politik der Zerstörung von der Britischen Regierung genehmigt worden sei, bevor sie angewandt wurde, und ob der Minister anordnen wolle, daß diese Sprengungen in Zukunft unterbleiben und an ihre Stelle eine Beilegung von Streitigkeiten .durch versöhnliche Methoden trete. Minister Ormsby-Gore antwortete: Häuser können in Palästina niedergerissen werden, wenn ein Distriktskommissar davon überzeugt ist, daß aus ihne!n eine Schußwaffe abgefeüert oder eine Bombe, ein anderer Sprengkörper oder ein Brandstoff aus1 ihnen geschleudert worden ist. Außerdem kann in jeder Stadt, jedem Stadtviertel, Dorf oder sonstigen!- Gebiet jedes Haus' demoliert werden, dessen Bewohner nach Ueberzeugung des Distriktskommissars ein Verbrechen, wie Gewalttätigkeit gegen Personen, Einschüchterung oder Sabotage begangen oder zu ihm Beihilfe oder Vorschub geleistet haben. Ich besitze keine Mitteilungen über die Zahl der - Städte oder Dörfer, in denen solche Maßnahmen getroffen wurden_oder über die Zahl der betroffenen Personen. -Die Bestimmungen, die unter den erwähnten Umständen Sprengungen zulässig machen^sind von derRegierung Sr. Majestät gebilligt worden. Was den letzten Teil der Frage betrifft, so kann ich nur sagen, daß nicht die Absicht besteht, das Gesetz abzuändern. Die „Gleichgewichtspolitik" in Palästina; Jerusalem'") 20. Okt. Die jüdischen Kolonien in der Scharon- Ebene sind vom Distriktskommissar darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie für' Sabotageakte, die in der'Nähevon Kolonien verübt; werden, verantwortlich gemacht werden' sollen. Von . den Kolonien, wurde geantwortet, daß s i e m it.. S a b o t a g e a k t e n nichts zu tun hätten und eine Schuld nicht, anerkennen ^könnten. i. . . Warburgs Testament. Das vom Februar 1935 datierte Testament. Felix iM. Warburgs ist von dem Testaiiientsverwahrer Sol M., Stroock zur Eröffnung eingereicht worden. Das größte Legat,, das jWarburg für "eine öffentliche Einrichtung (bestimmt hat, beträgt 50.000 Dollar> Diesen Betrag soll der Verband der jüdischen Wohlfahrtsgesellschäften J in' > Hew York erhalteXi; Außerdem' sind neun weitere In- New York, 29. Oktober. stitutionen mit insgesamt 57.000 «Dollar bedacht. In dem einleiteöden Absatz des Testaments schreibt der Efb^ässef : ,,Ich habe das Glück gehabt/ ,Jange genug., zu.! l^beri;': um,. zu .sehen, daß diese Institutionen/5 die iii.cht; testämentarisqh be-. cU&hti wurden,;,sich, .entwickelt, haben;und ihre Pläne mehrj jo^e^JnE^jJer^ver^irklifchen'l^nnten/' Hierzu gfbti der Testamentsverwahrer bekannt, - &" l' •.......... ■■ -■• ......-----.......... daß Warburgwn de*1 le.t^Si - Jafyren' etwa 13 Millionen1 **DolKir üoer 20Ö^fhstitutionen und Gesellschaften in den verschiedenen Ländern zugeführt hat. - *;' Die Witwe erhält, den Grundbesitz,' die Gegenstände seines persönlichen Gebrauchs und seine graphische. 'Sammlung. Für jedes Kind sind XU Mill., für jeden der acht Ett^e^ ein vormündschafth'ch zu verwaltender Betrag von 100.000 Dollar bestimmt Der Schwiegersohn Walter Rothschild erhält 50.000 Dollar. Testamentsvollstrecker si'ftd die Witwe und die beiden Söhne Frederic und Paul, Sie erhalten zusammen für Mitglieder der Familie Warburg 150.000 Dollar. Die Beamten des Bänkhauses Kuhn, Löb u. Co. bekommen je nach der Länge der Dienstzeit Beträge bis zu 2000 Dollar. v Freispruch im Berner Prozeß' um die „Protokolle". Bern, 1. November. iir Das Berner Obergericht hat in dem Berufungsprozeß um die „Protokolle <der Weisen von Zion" am Montag Nachmittag das Urteil verkündet. Die von der ersten Instanz über die Angeklagten Silvio Schnell und Theodor Fisdher verhängten Geldstrafen wurden vom Berufungsgericht aufgehoben. Ein Anspruch auf Entschädigung oder Erstattung der Kosten durch die Kläger -— den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und die Israelitische Kultüsgemeinde Bern--wurde ihnen jedoch nicht zuerkannt, mit der Begründung, daß ihre Schuld, die „Protokolle" vertrieben zu haben, festgestellt sei. Diese Schrift sei als Fälschung und Schundliteratur anzusehen. Eine Verletzungdes Artikels 14 des Kantonalgesetzes liege jedoch nicht vor, weil dieses Gesetz nur dazu-bestimmt sei, die Jugend vor den schädlichen Einflüssen pornographischer Literatur zu! schützen, dagegen auf Schriften, die politisch verhetzenden Charakter haben, nicht angewandt , werden könne Dfe Kosten des Verfahrens wurden zum Teil dem Angeklagten Fischer auferlegt, den Rest trägt der" Staat. In der Begründung des Urteils wurde erklärt, "daß nicht die Gerichte, sondern anderestaatliche Stellen berufen seien, den Staat vor politischer Verhetzung solcher Art zu' schützen^ (ITA.) Am 4, November Tagung der Mandatskommission. Genf, 2. November. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes tritt am 4. November zu;einer Tagung zusammen, die voraussichtlich bis zum 27. November dauern wird. Die Kommission wird auf dieser Tagung die Jahresberichte der Mandatsverwaltungen einer Reihe/voft Ländern, darunter auch von Syrien und. Libanon, entgegennehmen^ Außerdem sollen mehrere Petitionen behandelt werden, die sich auf Palästina und ^Syrien; beziehen. . *». -■■■>■ •-;;r fi? -ü MÜ re Jüdische Gemeinde Schanghai \ in Not- Shanghai, 1. November, Die jüdische Bevölkerung von Shanghai ist durch Not; geraten haben einen Hilferuf an die Judenheit der Welt erlassen. Die Mittel der Gemeinde sind,. wi'<S es in dem Aufruf heißt, erschöpft.^ Es besteht die Gefahr, daß unter den Juden leine Hungersnot ausbricht.............. -t» \ . - •/ i die; kriegerischen Er eigtiisse,,,in, schwel i. Die Leiter, der Jüdischen Gemeinde;{«:-. -;}.;> jj^ff^^ I Mafr-Jonttki^ n p.^« * J, 9114 l I ST® ^bJ;D^: Elle Münk in Ansbach/' HERMOH GMBH., fß$\Wl öM , I ,1P,3 " V o r »igjPitff^-vWlrr^^:1''' " " '.'^^y^^^^^^a^ J v |»ig >brqschjarjjigflSj 4«PP Lwbd..RM. 5.Ö6 Schützertstr.' \2 Pdsjsch. 19802 | ■\.)