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Der Israelit · 1937-10-21 · Heft 42 (21.10.1937) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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'21. .Oktober 1937 Der I.s r a e 1 i t Nr, 42 Seite 5 hmot Die Thora uns und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördere den. KE REN H ATO RAH! Ke-ren Hatorah, Hamburg, Hein/ ich Barths traße 21,Postscheckkonto: Hamburg 24753 Hilfe anheimgegeben, die ehedem auch von den Ausgewanderten unterstützt wurden. Wollte man aus diesen Tatsachen zu weitgehende Folgerungen ziehen, so müßten wir an unserer Aufgabe verzweifeln. Der Bericht hat uns aber über einen nicht minder wichtigen Umstand belehrt: Die Schwere der Zeit hat nicht nur die Not, sondern auch die Bereitschaft zum Opfer gesteigert. Die Not schließt uns alle fester zusammen. Das Eigene, das Erworbene, ist weniger als in den Zeiten der Ruhe dem emzeln&n "vorbehalten. Es gehört ihm erst ganz, wenn er entsprechend der Not der Gesamtheit darüber verfügt. Deshalb, so schließt der Bericht, gehen wir trotz des Bewußtseins erhöhter Schwierigkeiten doch wiederum mit dem Glauben an das Gelingen in diesen Tagen an unsere Arbeit, weil wir wissen, daß die Not nicht nur Kräfte verringert, sondern daß sie in der Geschichte unserer Gemeinschaft ebensosehr die Kräfte zur Hilfe geweckt hat. . Korrespondenzen- Deutsches Reich. Veränderungen im Vorstande der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 15. Okt. _ In der zu diesem Zwecke für den 15. d. M. einberufenen Sitzung der Repräsentantenversammlung würde anstelle des ausgeschiedenen Herrn Kareski Herr Direktor Schmeidler zum Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt. Der Vorstand. der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat Herrn R.-A. Dr. Alfred Klee zu seinem ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Vorsitzender der Gemeinde ist Herr Direktor Heinrich Stahl, zweiter stellvertretender Vorsitzender Herr Moritz Rosenthal. Aus der Jahresversammlung des Hilfsvereins - der Juden in Deutschland. Berlin, 18. Okt. Auf, der am 14. Oktober in Berlin abgehaltenen Jahresversammlung des Hilfsvereins der Jud e n iri D e u tschland entwarfen der Präsident Max War bürg und der Generalsekretär des Hilf s - Vereins, Dr. Mark Wisch nitzer, ein klares Bild über die geleistete und noch zu leistende Arbeit dieser Organisation. - Max W a r b u r g sagte, es dürfe kein Jude in Deutschland geben, der nicht Mitglied des Hilfsvereins wäre. Ueber das Verhältnis des Hilfsvereins zum Palästinaaufbau sagte Warburg, eine bewußte jüdische Diasporapolitik bedeute mittelbar auch Mitarbeit am Palästinawerk. Die jüdische Wanderungspolitik könne nur eine universale sein, Warburg gab noch Auskunft über die Transferverhältnisse, in die eine Erleichterung eingetreten sei und über Untersuchungen von neuen Einwanderungsmöglichkeiten. Er sprach dann über Einzelwanderung und Gruppenwanderung und meinte, die solideste Form der Auswanderung sei zunächst die einzelner Personen und einzelner Familien, welche Pionierarbeit leisten müßten (siehe auch Wochenrundschau dieser Nummer). Eine entsprechende Aus- und Vorbildung der Auswanderer für die neue Heimat sei unentbehrlich. In einem großangelegten Referat umriß Dr. Mark Wischnitzer die Praxis der Auswander erberatung und Auswandererunterstützung. Als natürliches Auswanderungsziel habe man menschenarme und rohstoffreiche Länder bevorzugt. Die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten sei in letzter Zeit in großem Maße angestiegen. 400 bis 500 Personen wurden monatlich zur Auswanderung unterstützt. Ein besonderes Kapitel bilde die Kinderauswanderung, auf welchem Gebiete die großzügige Aktion des German Jewish Children gute Hilfe geleistet habe. Den Organisationen im In- und Auslande schulde man aufrichtigen Dank. Die Ausgaben des Hilfsvereins im Berichtsjahre betrugen fast 2 Millionen,- wovon über 1% Millionen auf Auswanderungsunterstützung fallen. Der Versammlung schloß sich am Donnerstag vormittag eine Sitzung des Zentralkomitees des Hilfsvereins an, in der außer dem Präsidenten und dem Generalsekretär auch der Vizepräsident des Kuratoriums, Dr. Moritz Gabaty, und Dr. Arthur Prinz wertvolle Auskünfte gaben. Erfreulich sei der große Aufschwung des Mitgliederbestandes in den. letzten Monaten. Nach angeregter Diskussion, in der auch konstruktive Kritik laut wurde, wurden dem Vorstand des Hilfsvereins Dank und Anerkennung ausgesprochen. , Semestereröffnung am Rabbinerseminar, Berlin, 13. Okt. Am Dienstag, den 12. Oktober, fand in Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Behörden sowie des Rabbinats und einer großen Anzahl von Hörern die feierliche Eröffnung des Wintersemesters statt. Dozent Dr. Samuel Grünberg begrüßte die Erschienenen im Namen des Dozentenkollegiums. Er stellte die Forderung auf, durch die besondere Hinwendung auf die Ausübung der Herzenspflichten die Totalität des Judentums wiederherzustellen. Die Jugend insbesondere könne nur solche Vorbilder anerkennen, die neben einer gründlichen Kenntnis der jüdischen Literatur und des Gesetzes auch Menschen eines echten jüdischen Ethos seien. Dr. Grünberg teilte mit, daß eine der markantesten Persönlichkeiten der Orthodoxie in Deutschlandi Rabb. Dr. Esra Münk, in Kürze seinen siebzigsten Geburtstag begehe. In wenigen Umrissen würdigte er die Person Dr. Münks, eines ehemaligen Schülers des Rabbinerseminars. Ferner wies er auf den siebzigsten Geburtstag des Vorsitzenden des Kuratoriums des Rabbinerseminars, des Herrn Felix Struck, hin, dessen Verdienste um das Seminar er besonders hervorhob. Den wissenschaftlichen Eröffnungsvortrag hielt Herr Rabb. Dr. Jacob Freim.ann über Rabbi Akiba Eger. Anläßlich seines hundertsten Todestages entwarf Herr Rabb. Dr. Freimann ein umfassendes Bild von der literarischen Leistung und der ethischen Persönlichkeit von R. Akiba Eger. Rabbi Akiba Eger hatte das seltene Glück, seine Werke für die Dauer geschaffen zu haben. Die historische Bedeutung R. Akiba Egers im synagogalen Leben liegt in seiner , Stellungnahme gegen die synagogalen Reformen und in seinem erfolgreichen Kampf um die Erhaltung des synagogalen Ritus. Seine umfangreiche Arbeit zur Ausgestaltung und Vertiefung der Responsenliteratur machte ihn zu einer der größten halachischen Autoritäten. An einer Fülle von Beispielen zeigte Dr. Freimann die Souveränität R, Akiba Egers im Bezirke der halachischen Praxis. Allen Sagen und Anekdoten zum Trotze, die das inhaltsreiche Leben R. Akiba Egers umgeben, war sein Wesen Einfachheit und schlichte Größe. Er war, wie es auf seine persönliche Anordnung auf Seinem Grabstein heißt, ein 'n nayV "73?, ein Diener den Dienern G'ttes. K. Kl. Staatliche Abschlußprüfung an der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin. Berlin, 12. Okt. Der ITA. wird mitgeteilt: Nachdem bereits im September 1936 der erste zur Entlassung gekommene Jahrgang der Jüdischen Lehrerbildungsaristalt Berlin, die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden unterhalten wird, die erste Lehrerprüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission abgelegt hat, ist durch Erlaß des Herrn Reichserziehungsministers vom 26. Februar 1937 auch für den nächsten Jahrgang die Abnahme der ersten Lehrerprüfung durch eine staatliche Prüfungskommission angeordnet worden. Diese Prüfung, der sich vierundzwanzig Studierende der obersten Klasse der Lehrerbildungsanstalt unterzogen der Menschen zurück! Eine liebevollere und doch ernstere Ermahnung, das Volksleben jugendlich zu erhalten, ist kaum denkbar. Den verwöhnten" Spaziergängern und den abgehasteten Stadthandwerkern, die am Tore entlangkommen und die ein Jeder an den zur Gewohnheit gewordenen Trott des alltagsgrauen Stadtlebens denken oder auch nicht mehr denken/ die als unabänderliche Last der Generationen tJnrecht ertragen gelernt haben, das sich als Recht gebärdet, die sieh stumpf und dumpf gleich Sklaven fügen in die ausgefahrenen Geleise rechtlichen, besser gesagt, unrechtlichen Menschenlebens: und nicht mehr daran glauben können, daß es in der alten, überalterten Gesellschaft der Menschen ihrer Stadt je anders werden könnte, — den .Erbleibeigenen des "Wirtschaftslebens, deren Streit an keines Richters Tisch dringt, den Ausbeutern der Umwelt, die ein Ersessenheitsrecht über Ehre, Kraft und Lebensglück ihrer Mitgeschöpfe sich anmaßen, — allen denen, -die als Lebensdevise erkoren haben oder erwählen mußten den schnöden Ausruf: So ist es immer gewesen und so wird es ewig bleiben!, allen diesen, an denen die Ueberalterung des Gesellschaftslebens nur zu deutlich in die Erscheinung .dringt, — ihnen allen soll der Prophet „in~ die' Ohren" rufen: „G'tt denkt zu euren Gunsten daran, daß euer Volk einmal jung war und nicht dem grauen Alltage versklavt". Ihnen soll er in die Ohren, -r- und ins Herz rufen: „Auch ihr als; Volk verständet einmal ohne ängstliche Berechnung zu leben und dem Allgütigen gleich einer Braut, die dem Erwählten ihres Herzens folgt; in ein unbesätes Land zu folgen, in ein Land, das' niemand betreten hatte." Es sollte für uns nicht beim Anfangsstadium des Volkslebens bleiben. Wir sollten nach G'ttes Willen, •ein seßhaftes und städtisches Volk werden. Als diese Entwicklung aber uns des Idealismus unserer Volksjugend beraubt hatte, da wurden wir an die Tage unserer hingebungsvollen G'ttesliebe in der Jugend unseres Volkslebens erinnert. Propheten, die uns G'ttes Willen mit solcher eindringlicher Deutlichkeit hätten künden können, leben nicht mehr in unserer Mitte. Durch harte Schciksale lenkt G'tt die Gesundheit unseres Volkskörpers im Galuth. Wo immer wir dem »nnitWi der Uebef alte" rung unseres Gemeindelebefts als solches verfallen waren oder zu verfallen drohten, bewahrte uns ein neuer Wandersturm vor diesem Verfalle. Nicht erst in unseren Tagen erleben wir es, daß aus den Trümmern eines innerlich längst nicht mehr jugendfrischen jüdischen Gemeinschaftslebens des einen Landes sich das jüdische Gemeinschaftsleben" eines anderen Landes mit Jugendfrische neu erbaut. Mari vergleiche doch. einmal die historischen Berichte der Zeitgenossen über das jüdische Gemeindeleben im Spanien des 14. bis 15. Jahrhunderts mit denen des Aufblühens der Flüchtlingsgememde der Niederlande. Oder man vergleiche das Leben der „alten" Gemeinde Frankfurt oder Berlin während der Reformhöchkonjunktur mit dem Leben der bald darauf gegründeten jungen orthodoxen Religionsgesellschaften. Ja, man stelle doch getrost einmal den Vergleich zwischen dem jüdischen Leben' der historisch altehrwürdigen Gemeinden Speyer und Worms einerseits und dem der vor dem 17. Jahrhundert unbekannten Gemeinde Hamburg oder der ganz jungen orthodoxen Gemeinde Nürnbergs an. Es ist für uns eine alte Erfahrung, daß es uns allezeit gut tat, nicht gleich Moab von der „Umleerung aus einem Gerät ins andere" bewahrt zu bleiben und nicht „über unserer Hefe zu ruhen". Mit Lot können wir im Anblicke jener Neusiedlungen jüdischen Lebens sagen: Jung ist sie ja noch und eben darum noch von Gemeinschaftssünden frei. Wir Anderen, die wirzurückbleiben, sind aber auch nicht genötigt, das Altern unserer Gemeinschaft als unabänderliches Faktum hinzunehmen. Auch wir können aus der Umgruppierung unserer Gemeinden und Interessengebiete einen Weg zur neuer Jugend unseres Gemeindelebens finden. Wir können gegenstandslos gewordene persönliche Streitigkeiten und Prestigefragen ZU den Akten legen und die dadurch frei werdende Kraft ewigeren Angelegenheiten zuwenden; Wir können uns und unser Gemeindeleben auf eine Tätigkeit umstellen, die ausschließlich der Thora, den Mizwoth und der Bruderliebe zugute kommt. Uns wird das anfangs fremdartig und gering vorkommen. Aber wir werden wissen: Das ist jung, und so wird unsere Seele leben! "^bs »nm irmysn t6n. Wochenkalender. Vom 23. bis 30. Oktober 1937/Vom 18. bis 25. Marcheschwan 5698 1 j »nv» tfi mwa Samstag 23 I18 w a-<n pia» HTl Sonntag 24 » TB Montag Okt.* 25 - 20 fl' Dienstag 26 pwna 21 0' Mittwoch 27 22 S Donnerstag 28 23 K3 Freitag 29 24 3t> Samstag 30 25 » mw «n

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