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Der Israelit · 1937-10-21 · Heft 42 (21.10.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Not und jüdische Hilfsarbeit in Zahlen. Zur rechten Stunde, da die Jüdische Winterhilfe 1937/38 ihre Arbeit beginnt, geht uns vonder Zentralwohlf ahrtsstelle der Rechenschaftsbericht der Jüdischen Winterhilfe für 1936/37 zu, der zum ersten Male auch Material /aus der großen statistischen Erhebung, die in Verbindung mit der Aktion der Jüdischen Winterhilfe durchgeführt wurde, enthält. Wir gewinnen nun eine genaue Uebersicht über die Lage der hilfsbedürftigen jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Der Bericht beginnt mit einer Schilderung des allgemeinen Verlaufes der jüdischen Winterhilfsaktion. Bei diesem zweiten Jahr der Jüdischen Winterhilfe waren Zweifel vorhanden, ob es wieder gelingen könnte, die Mittel aufzubringen, die dem gesteigerten Umfang der Not entsprechen. Der Bericht stellt fest, daß diese Zweifel unbegründet waren. Zwar sei eine zwangsläufige Verminderung des Spendenergebnisses festzustellen. Sie beträgt durchschnittlich 13 Proz. gegenüber dem Aufkommen des Winters 1935/36, Es zeigt sich in Anbetracht aller Umstände, daß die Verpflichtung zur Leistung für die Jüdische Winterhilfe als eine Selbstverständlichkeit in das jüdische Bewußtsein eingedrungen ist. Die Mittel für die Jüdische Winterhilfe flössen wieder aus den monatlichen und einmaligen" Spenden, der Eintopfspende und der Pfundsammlung nebst den sonstigen Spenden. Die monatlichen und einmaligen Spenden stellen mit 82,2 Proz. des Gesamtaufkommens die bedeutsamste Gruppe der Spenden dar. Der Anteil der Eintopfspende ist mit 14,7 Proz. des Spendenergebnisses höher als im vorigen Jahr. Der Bericht erwähnt die Zeichen der Verbundenheit von Juden, die ausgewandert sind und die manche kleinere Gemeinde in Stand gesetzt haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Kaffeespende von jüdischen Freunden aus San Salvador trug auch in diesem Jahre das Gefühl der Solidarität in fast jede hilfsbedürftige Familie. Der Bericht bringt eine eingehende statistische Bearbeitung der Unterlagen der Jüdischen Winterhilfe, die in diesem Jahre zum ersten Mal erfolgt ist. Die Gesamtzahl der Hilfsbedürftigen betrug im Winter 1936/37 82.818 Personen,, im vorangegangenen Winter 83.761. Es wird festgestellt, daß dieser Rückgang um rund 1000 Personen keineswegs eine Verminderung der Not bedeute. Weit stärker als die Zahl der Hilfsbedürftigen sei inzwischen die Gesamtzahl der jü- J dischen Bevölkerung in Deutschland zurückgegangen. Für den Winter 1936/37 ist bei den Berechnungen von rund 387.000 Juden in Deutschland ausgegangen worden, im Jahre vorher konnte mit über 407.000 gerechnet werden. Einer Verminderung der jüdischen Gesamtbevölkerung um etwa 20.000 Köpfe steht eine Verminderung der Zahl der jüdischen Hilfsbedürftigen von kaum 1000 Seelen gegenüber. Das Anwachsen des Anteils der Hilfsbedürftigen an der jüdischen Gesamtbevölkerung zeigt insbesondere eine Aufgliederung auf die einzelnen Bezirke. Das Saarland stand im Winter 1935/36 mit 30,74 Proz. mit an der Spitze. In dem Berichtswinter ist der Anteil der jüdischen Hilfsbedürftigen dort auf 38,2 Proz, gestiegen. Das Gleiche zeigt sich in Pommern, wo der Anteil von 24,77 Proz. auf 30,73 Proz. gestiegen ist. Noch größer ist die jüdische Not in der Grenzmark Posen-Westpreußen, in der 34,24 Proz. der jüdischen Bevölkerung hilfsbedürftig waren. In Berlin ist eine Steigerung von 19,72 Proz. auf 20,42 Proz. festzustellen. Die anderen Gebiete zeigen fast das gleiche Bild. 40 Proz. der von der Jüdischen Winterhilfe unterstützten Parteien bestanden nur aus einer Person. Im Freistaat Sachsen, in Berlin und Sachsen-Anhalt waren 46 Proz. hezw. 45 Proz. bezw. 44 Proz. der Hilfsbedürftigen alleinstehend, während in der Pfalz und in Hessen über 29 Proz. gezählt wurden. Es zeigt sich also, daß die hilfsbedürftigen Personen vorwiegend Alleinstehende und ältere Ehepaare sind. 77 Proz. der im Reich unterstützten Parteien zählten keine Kindr; in Württemberg betrug dieser Prozentsatz sogar 84, in Bayern 82. Drei und mehr hilfsbedürftige Kinder hatten 3,38 Proz. der von der Jüdischen Winterhilfe im Deutschen Reich unterstützten Parteien. 44.855 Personen oder 54 v. H. der Unterstützungsempfänger waren Frauen, 46 v. H. oder 37.963 Personen männlichen Geschlechts. 46 Proz. der männlichen Personen und 40 Proz. der weiblichen waren ledig. 40 Proz. der männlichen und 37 Proz. der weiblichen Unterstützungsempfänger waren verheiratet, 10 Proz. der männlichen und 22 Proz. der weiblichen verwitwet, geschieden oder getrennt lebend. Die statistische Untersuchung des Alters der Unterstützten läßt die Jüdische Winterhilfe fast als Altershilfe der Juden in Deutschland erscheinen. Im Alter von 45 bis 65 Jahren waren 12.204 Männer oder 32,15 Proz. und 15.088 Frauen oder 33,64 Proz. Uebef 65 -JaHre alt waren 4592 Männer oder 12,1 Proz. und 7049. Frauen oder 15,72 Proz. Damit waren 44,25 Proz. bezw. 49,36 Proz. aller hilfsbedürftigen Männer und -Frauen über 45 Jahre alt. r , - Die Not in Groß- und Kleingemeinden. In den Kleingemeinden bis zu 100 Seelen waren 11.403 Personen hilfsbedürftig. Bei einer jüdischen Bevölkernugszahl von 40.777 in;den Kleingemeinden ergibt sich, daß mindestens jeder vierte Jude dort hilfsbedürftig gewesen ist. In den Mittelgemeinden. von 100 bis 500 Seelen, die insgesamt 34.958 Personen umfaßten, betrug die Zahl der Hilfsbedürftigen 7761, in den Großgemeinden von über 500 Seelen, die insgesamt 311.206 Seelen hatten, 63.654 Personen. Es zeigt sich damit, daß in den Mittel- und Großgemeinden etwa jeder fünfte Jude unterstützungsbedürftig ist. In der Gemeinde Berlin, in der 37.47 Proz. der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland wohnen, waren 35,77 Proz. aller Hilfsbedürftigen vorhanden. Es folgt Hessen- Nassau mit 9,79 Proz. und die Rheinprovihz mit 9,66 Proz. Der prozentuale Anteil am gesamten Spendenaufkommen betrug für Berlin 39,04 Proz., für Hessen-Nassau 8,52 Proz. und für die Rheinprovinz 8,39 Proz. Die Unterstützungssummen. Die Gesamtausgaben für die Betreuung der Hilfsbedürftigen beliefen sich auf 3,630.353,63 RM. Im Vorjahre war der entsprechende Betrag rund 3,644.000 RM. Die Unterstützungen konnten daher in demselben Umfange wie im ersten Jahr der Jüdischen Winterhilfe bemessen werden. Der einzelne Hilfsbedürftige hat durchschnittlich einen Betrag von* etwa 40 RM. empfangen, In den Notstandsgebieten ist diese Zahl nicht immer ganz erreicht worden. Die Versorgung geschah mit Lebensmitteln, Kohlen und Kleidung, Es wurden 91.506 Zentner Steinköhlen im Werte von rund 108.600 RM. und 151.010 Zentner Braunkohlen im Werte von 180.145 RM. verteilt. Der Wert der zur Verteilung gebrachten Kohlen betrug damit rund 288.745 RM. Wer sich die Tatsache dieses Berichts genau vergegenwärtigt hat, dem wird die Schwere der jetzt vor uns stehenden Aufgabe ohne weitere Erläuterungen voll zum Bewußtsein kommen. Alle die Not steigernden Faktoren haben an Kraft gewonnen, alle die Leistungen mindernden Umstände haben an Bedeutung zugenommen. Seit dem Abschluß der letzten Aktion für die Jüdische Winterhilfe sind wiederum Tausende von opferwilligen Spendern aus unserer Gemeinschaft durch Auswanderung ausgeschieden. Nach ihrer Auswanderung sind neue Tausende unserer Schriftdeutungen zum Wochenabschnitt« Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 21. V. 9. pnxa omas^ mS» ipr n»-«»n -ian p nx nw Mini „Da sah Sara den Sohn der Aegypterin Hagar, den diese Awraham geboren hatte, spotten." Dieser Vers knüpft unmittelbar an das im vorhergehenden Satz Berichtete an. An dem Tag, da Jizchak entwöhnt wurde, spottete Jischmael über Jizchak und über das zu dessen Ehren veranstaltete Gastmahl. * * * Kap. 21. V. 17.dw «in "rosa -wart hip b& d^s viw •. „ . . . denn G'tt hat auf die Stimme des Knaben gehört, da, wo er ist," An der Stelle, wo der Knabe liegt, wirst du einen Brunnen sehen. Die Wendung üvr -1S7K3 finden wir in Schofetim 5, 27: sna -ittma Tiw t-?Bi £=3» „wo er niedergestürzt war, da blieb er zerschmettert liegen"; ferner in Ijow 39, 30: upsat sin nv a^bbn „wo Leichen liegen, da ist er." Die Weisen bemerkten zu den Worten a& xin niw»: nach seinen jetzigen Handlungen wird gerichtet, und nicht nach dem, was er einst tun wird. Vgl. Raschi z. St. * * * Kap. 22. V. 20. imb an-iasV wi rftan o>-imn 'ihn 'n'i •Tm* y\mb o>aa sm öi mbn mS»* run „Es war nach diesen Begebenheiten, da wurde Awraham berichtet: Siehe, auch Milka hat deinem Bruder Nachor Söhne geboren." Die Worte sin ai besagen, daß wie Sara auch Milka vorher kinderlos war und nun mit Nachkommen bedacht wurde. Nach Ansicht einiger Kommentatoren blickt =u auf Nachors Kebsweib hin. Nicht nur diese, sondern auch Milka hat Söhne geboren. Diese Auffassung ist jedoch befremdend, da der Bericht über die Geburt der Söhne des Kebsweibs erst in Vers 24 folgt. (Siehe Sforno.) Lots Zufluchtstätte. Von Rabb. B. Cohen in Hamburg. ■»»sä »mvi i»sa sbn Als Lot durch die Engel aus der brennenden Stadt Sedom gerettet und ins Gebirge in Sicherheit gebarcht werden sollte, bat er aus Furcht, dieses Ziel nicht mehr zu erreichen, die Engel um Schonung der kleinen Stadt Zoar, in die er flüchten wollte. Er tat dies mit den Worten* „Diese Stadt ist ja klein; so möge darin ineine Seele leben." Unsere Weisen lesen aber aus dem Worte mizar —' klein heraus: Diese Stadt ist ja erst jung besiedelt; sie konnte also nur erst wenige Sünden begangen haben. Ueber die anderen Städte des Jardenkreises Sedom und Amora usw. sagen unsere Weisen, sie seien nur etwa fünfzig Jähre Stätten ungestörten Glückes gewesen. Danach scheint es, als seinach Meinung unserer Weisen die Sündenlosigkeit eher in jungen als in alten -Siedlungen zuhause. Während der einzelne Mensch hur im Laufe der Jahre dazu gelangt, seinen Sinn von Sündhaftem zu reinigen, weiß sich eine Menschen gemeinschaft hiernach nur in den ersten Jahren ihres Bestehens von den Schattenseiten des Gemeinschaftslebens frei zu halten. Entspricht dieser Gedanke der sonst in der Heiligen Schrift zu findenden Bewertung des Gemeinschaftslehens? - Und entspricht er unserer heutigen Erfahrung, die ja auf dem Gebiete des Entstehens und Vergehens von großen jüdischen Gemeinschaften keine geringe ist, ja, viel größer, als. uns lieb wäre? Die biblische Bewertung von Gemeinschaffen ist viel unzweideutiger in den Prophetenbüchern ausgesprochen als etwa die von Privatpersonen. Es wäre ja gänzlich abwegig, etwa die großen Zurechtweisungsreden der Propheten, die wir ah den schmerzlichsten Tagen des jüdischen Jahres lesen, als Scheltreden gegen einzeln vorgekommene Ausschreitungen sittlicher oder rechtlicher'Art anzusehen. Was die Prophetenrede notwendig machte, war, wie das Leuchten der Edelsteine des Priesterschildes, immer irgendein Bedarf des Volkes Israel als solches. G'tt ließ seine Warner und Künder auf den Plan treten, wenn „von der Fußsohle bis zum Haupte kein heiler Fleck" am Volkskörper mehr war, oder wenn ein König oder Führer Israels der Sünde verfiel. So warnt auch die Thoravoflesung des Zerstörungstagps das Volk Israel als solches davor, „alt" zu werden im Lande und dadurch dem geistigen und religiösen Verderb zu verfallen. Und wenn der Prophet den Trostes Israels frommes Verdienst vor G'tt'und Menschen vor den Toren Jerusalems künden soll, dann spricht er im Namen G'ttes: „Ich; gedenke zu deinen Gunsten der Tage deiner Jugend." Vor den Toren der Großstadt Jerusalem ruft der Prophet Israels Jugend in die Erinnerung G'ttes und

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