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Der Israelit · 1937-10-21 · Heft 42 (21.10.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2UOktobeß{lE3£ I s r a e 1 i t Nr. 42 Seiftet ... -fe-- ■- nt,. Rabbi Akiba Eger und die Emanzipation (Fortsetzung, von Seite 1.) Assimilation ifuhd Reform, der schon 20 Jahre früher, zu Anfang des 19; Jahrhunderts in seiner M. Friedlander; Zeit begonnen hat). Er bat und beschwor seine Gemeinde und Gemeinden, nicht beim ersten vielleicht trügerischen Frühlingsstrahl schon den wärmenden Mantel des G ' 11 e s g 1 a u. b.e n s a b z u 1 e g e n. Wie leicht könnte es kommen, daß ,,die Sonne wieder ihr Gesicht verhüllte und der Mantel nicht« mehr da wäre, und in der^@^fe^dfssj^iiebens die Seelen in erfrfefeh müßten $«|^^As*i4fc Die Emanzipation war für ihn gleichsam ein Versuchsballon; ob Israel schon fähig sei, seinem G'tte auch in; j Freiheit, Frieden und Freude so die Treue zu ^bewahren, wie es dies unter den Stürmen der-Zeiten so heldenhaft getan hat. „Bestehn wir die Probe, so wird die Wärme von Tag zu Tag zunehmen, bestehen wir sie nicht, dann . .. ." ' Der Fall {ist bereits in Moses V, Kap. 30 vorgesehen. „Iii der Bedrängnis, da all die Dinge über Dich kommen, am Ende der Tage, da suchst Du wieder Gtt. F i n dje st Ihn a u c h , Wenn Du Ihn mit ganzem Herzen und. gänzer Seele wieder suchst ..." Denn, so wird der. Gedanke weiiergespönxien, der Mantel ist nicht verloren,1 ist nur abgelegt, -vielleicht auch nur y e r p f ä n d e t wör^ "den in, den Xagen,_da'man unter den wärmenqen Strahlen seiner entbehren zu können - glaubte, gegen das ganz kleine Entgelt einiger Freiheits- "brocken. Es kann das wärmende Gewand des G'ttesglaubens wieder aussei 6 s t ' -' werden: durch Rückkehr zur Thora und ihren Geboten, zur alten Vätersitte, zum Gebete in seiner Rein*- heit und Unverfälschtheit. Wir wissen, wie die Nachkommen, die Schüler Rabbi Akibas und Sachwalter seines Erbes ganz im "Banne dieser Gedankengänge lehrten. Mal bim (er war fast ein Dreißiger und bereits als Verfasser einiger Werke bekannt, als Rabbi. Ajfciba Eger starb) weist in der Erklärung jenes als Grundlage der Eger'schen Emanzipationspredigt angeführten Kapitels (M. V. 30. 1. 5) .auf die Variationen Da^B^l und imn im Texte hin. rnrv bedeutet nicht „verstoßen", sondern „verlegen" (S. R. Hirsch übersetzt „verwiesen"). Es war der Irrtum des jüdischen Volkes, -zu glauben, daß "M mm* pX b& Q^VtZPl?; daß es G'tt lieblos und für immer von sich geworfen , hätte. Im-: folgenden ist nur yon ^rtHn „Verlegen" die R^de. Was man weit von sich wirft, holt man nicht wieder; was man nur verleg t hat, danach, wird man immer wieder greifen, und wäre es auf noch so entlegenen Platz gelegt worden* Daraus ergibt sich die Gewißheit, daß "in "jnj?*'oipa öwa nspa ~\rni ",r dk „Wären auch dieVerlegten" und „Verwiesenen" am Ende des Himmels, auch von dort .müßte sie . G' tt s a.rn.meln und herholen . . ." -; Rabbi Akiba Eger konnte die Entwicklung .nicht aufhalten. Die von ihm an. die Emanzipation geknüpften Voraussetzungen haben sich bei fder- Mehrzahl der westlichen Judenheit nicht erfüllt, und Vieles von dem, was er vorausgeahnt hat, ist irizwischcsh eingetroffen. „Die Sonne verhüllt ihr Gesicht und der alte wärmende Mantel fehlt > . Aber die Urenkel derer, die damals gegen Rabbi Akiba Eger jsp grimmig Sturm liefen und mit ihren Beschwerden bis zu den höchsten ^Regierungsstellen vordrangen, fordern heute zu vR. A k i b a E g e r - F e i e r n auf. Erlebte es Rabbi Akiba, er würde sein weises Haupt schütteln' und. die Ehrung mildfe mit einem Talmudworte quittieren:;naw *»mim lattf *h1K- "»Kl^n „Ich wünschte, sie wollten statt mich zu ehren, m ei n e L e h r e beb e rz i ge n."- Gewiß sind die Thoratremden von heute, in der v i e r t e n Generation, nicht mit den Himmelsstürmern von damals zu verwechseln. Viele aus der großen Schar der Lauen und Halben von heute wären als laWäTP mj?13n zu befreien und für uns wieder zu gewinne^. Wäre die Hoffnung zu gewagt, daß sich die Verheißung an Abraham .fWfl 1W 'SPSI im. auch in diesem Sinne und im Andenken an den großen Posen er Ahn erfüllt? Was nur verlegt, verpfändet ist, kann wieder ausgelöst werden: durch Einkehr, Umkehr und Rückkehr. Innere Einkehr zwingt zur Umkehr, und von hier ist nur ein Schritt zur vollen Rückkehr. Darauf sollten all die Männer und Frauen bedacht sein, die heute das Andenken Rabbi Akiba Egers feiern, Dann könnte der Gedenktag statt zu einer „Jahrhundertfeier des Todes", zur Quelle reinen jüdischen Lebens werden. Wochenrundschau- Der Großmufti auf Reisen — Einzelun4 Gruppensiedlung — „Woche des jüdischen' Studenten" in Polen — Religion und Wirtschaft. . Zu Wochenende wurde die jüdische Welt wieder durch Schreckensnachrichten aus Erez Israel beunruhigt.. Die anfänglich gute Wirkung der. starken englischen Hand hält nicht an. Es wird mit Dynamit gegen - Eisenbahnzüge gearbeitet "und es kostet wieder-. Tote und Verwundete. Wir können uns nicht damit .beruhigen, daß es diesmal keine jüdischen O p f er. gegeben hat. Wennunsere heilige Erde zittert, 50 bebt auch unser jüdisches Herz. Und es ist nicht einmal ein Fernbeben, angesichts der engen verwandtschaftlichen Beziehungen, die uns heute alle mit- Palästina verbinden. Das Wichtigste im Komplexe der Ereignisse ist i die Flucht des Mufti. Man wollte es nicht j glauben, daß dieser hohe Herr, der alle Drähte des » arabischen Aufstandes in der Hand ha^, das sichere Port der Omarmoschee verlassen haben sollte. Die Meldung wird aber amtlich bestätigt, so daß kein Zweifel mehr darüber herrsche^j/kann. Ist die arabische Bewegung eine Schlange,A*die ohne Kopf weiter zucken und leben kann, oder gar eine Hydra, der immer neue Köpfe anwachsen? Das wird sich ■schon' in den nächsten Tagen zeigen. Wir haben nur den sehnlichen Wunsch, daß unser geheiligtes Land '.zur Ruhe kommt — ohne Erschütterungen und ohne {'Opfer an Menschenleben, ob jüdisches oder arabisches Menschenleben. In einem Berichte des Hilfsvereins der Juden in Deutschland heißt es u. v. a.: „In den Erörterungen über die Ordnung und Lenkung der Auswanderung, taucht immer wieder die Frage der geschlossenen Wanderung auf. Seit den Tagen des Territorialismus, der dem Willen zum Wiederaufbau der historischen Heimat Palästina unterliegen, müßte,, ist das Auswanderungsbedürfnis, der elementare Auswariderungsdrang niemals so gebieterisch in Erscheinung getreten wie heute. Daher ist die Forderung der Massen Siedlung nicht etwa nur ein theoretischer, rein grundsätzlicher Anspruch des jüdischen Volkstums: Aber gerade weil es sich für die jüdischen Massen heute um die Lösung einer unaufschiebbaren Lebensfrage handelt, gerade deshalb, muß jedes territorialistische Maximalprögramm, das unsere Arbeit nur politisch erschweren und belasten kann, zurückgestellt werden. Wir müssen-zurzeit mit den wirtschaftlichen und politischen -Ideologien der Einwanderungsländer rechnen, die einer gleichzeitigen Einwanderung größerer Massen nahezu Überall im Wege stehen. Die Einzelwanderung mit allem, was sie an persönlicher Initiative und Verantwortung bedeutet, bleibt,wie bisher die Hauptform der. Auswanderung. Sie wird in Ländern außerhalb Palästinas auch ' weiterhin den zahlenmäßigen Vorrang behalten." Zwischen der Massensiedlung nach dem Programm der Territorialisten; und der sporadischen Wanderung, wie sie heute, zumeist betrieben wird, gibt es aber eine G r u p'p e n w a n d e r u n g , mit dem Zwecke, in neuen kleinen jüdischen Zentren die Errichtung von religiösen Institutionen zu ermöglichen, ohne welche ein jüdisches Leben nicht denkbar ist. Von Rücksichten dieser Art hört man hier wenig. Die dringende Notwendigkeit der von der A g u d a s J i s r-o ei wiederholt angeregten Z e n t r: kl s t e 1 l.e - aller jg_r p .ß e n O "r g a n-i s a t i o n e n zur Regelung der jüdischen Auswanderung im Großen ist damit von neuem bewiesen. *• * „Eine Woche der jüdischen akademischen Jugend" •'in Polen stellt einen Protest der Juden , gegen die akademische Entrechtung dar, der im Rahmen der Gesetzgebung bleibt. Die Einberufer dieser Woche der Besinnung sind die jüdischen Abgeordneten und Senatoren. Angeschlossen haben sich ihnen sämtliche große jüdische Organisationen Polens, u. a. auch das Zentral-Komitee der Agudas Jisroel in Polen, die Organisation der Zeiire Agudas Jisroel und die Poale. Agudas Jisroel, sämtliche zionistische und misrachistische Vereinigungen. Der Aufruf fordert nicht sum Kampfe, sondern zur Sammlung auf. Es geht nicht allein um die akademischen Rechte der jüdischen Studenten, sondern um die Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung schlechthin, aus welchem Grunde sich, auch alle kaufmännischen und Handwerkervereine der Aktion angeschlossen haben. Von den Hochschulen überträgt sich das System der Ghettobanke aiich-äuf die Industrie, auf den Handel, auf die Märkte. Von 3% Millionen Juden in Polen darben buchstäblich zwei Millionen, der Rest ernährt sich schlecht und recht von dem Kleinhandel; er wird, wenn sich jene Beschränkungen -weiter ausbreiten und auswirken, zu dem großen Heere derer gestoßen, die vor der Gemeindestube, den Büros der Organisationen,' den Volksküchen um Einlaß, um Brot und Obdach betteln. . Es. berührt sympathisch, aus dem Aufruf zu erfahren, daß in der „Woche der jüdischen Akademiker" vom 20. bis 27. Oktober sich die jüdische Be-: völkerung unter Meidung aller Vergnügungsstätten m ö g 1 i c h s te Beschränkung auferlegt, um die ersparten Gelder den Stellen zukommen zu lassen, die auf die Erhaltung bestehender und Schaffung neuer Existenzmöglichkeiten für notleidende Juden bedacht sind, vorwiegend auch auf die Versorgung notleidender jüdischer Studenten. Gegen Regierung und Behörden richtet sich der Protest nicht. Diese haben mit der Sanktionierung jener Verordnungen nur einem Drucke nachgegeben, in der Meinung, damit den jüdischen Interessen zu nützen. Um so mehr ist zu hoffen, daß sie durch diese stille würdige Demonstration eines Besseren darüber belehrt werden, was der jüdischen Bevölkerung recht und nützlich ist. * „Die mosaische Gesetzgebung strebt soziale Gerechtigkeit an; die Thora ist im wesentlichen ein Kodex der so z i~a 1 e n Gerechtigkeit. - In der rabbinischen Entwicklung der jüdischen Ueberlieferung wird Wohltätigkeit im Sinne der Fürsorge für den Armen als die Hauptpflicht des Menschen dargestellt. Sogar diejenigen modernen Juden, die sich vom religiösen Leben völlig entfernt haben, bewahren in. der Regel das Gefühl ihrer Verpflichtung zu Wohltun und Förderung der sozialen Fürsorge. An der kapitalistischen Entwicklung, die zu starker Ungleichheit in der Verteilung der materiellen Güter geführt hat und eine der Hauptursachen des heutigen Wirtschaftsproblems ist, haben auch die Juden einen bedeutenden Anteil. Aber gerade in den Ländern, in denen Juden unter den Kapitalisten stark vertreten sind, ist innerhalb der jüdischen Gemeinschaft eine lebhafte Gegenbewegung entstanden, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt." Die Worte fielen dieser Tage auf einer Konferenz der „Jüdisch-christlichen Gesel Lschaft" in London und stammen von Prof. Norman Ben t wich. Was hier gesagt wird, trifft im Ganzen zu. Da aber die Veranstaltung unter dem Motto „Religiöse Beurteilung des heutigen Wirtschaftssystems" vor sich ging, hätten wir aus jüdischem Munde eine noch stärkere Betonung des religiösen Momentes der jüdischen Sozial- und *Wohlfahrtsarbeit, von dem vielleicht auch die Areligiösen unbewußt geleitet werden, gern gehört. 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