Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 37-38 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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^^*s^y>^^*jf^y^*F 17. September 1937 D I s r a e 1 i t Nf. 37/38 Seite 3 In Heilftikeit und Reinheit, zu Freude undewigem Liebte.. (Fortsetzung von Seite 1,) in die Schränken zü weisen und ihr den Stempel seines Geistes aufzudrücken.'Das Kind zeichnet sich durch große Begabung und ein phänomenales Gedächtnis aus, und große Männer, wie Wolf Eger, Josef Teomim, Jesaia Pick u. aM erachten es' als ihre Ehrenaufgabe, diesen Schatz zu mehren und zu hüten für die kommenden Ge nerationen. Bei der angeborenen Bescheidenheit, ja Schüchternheit des Jünglings bedarf er dieser Anregung und Aufmunterung.- Acht Jahre intensives Studium in Breslau machen das Kind zum Mannenden Jünger zum Meister, den Ihn zum Gadn. Der reichste und wohl angesehenste Mann der Gegend, Itzig Margulies in Lissa, wird auf den Breslaüer Bachur ■'. aufmerksam und führt ihn seiner einzigen Tochter als Gatten zu. Bei der Vermählung 1780 in Lissa hält Akiba j; eine halachische Abhandlung, die wohl den ersten Grundstein zu seiner weltumfassenden Autorität legt. II. Eine Zeit des beschaulichen Glückes in Reinheit beginnt für den jungen Rabbi, der hur Lerner, Lehrer und Bildner, aber nie als beamteter Rabbiner an des Dienstes gleichgestellte Uhr gebunden sein will. Im herrlichen, waldumgebenen Parkhause,, das der reiche Schwiegervater dem jungen Paar zur Verfügung gestellt und in dem eine stattliche Bibliothek den Mittelpunkt * bildet, sammelt sich eine große Zahl von Jüngern um den jungen Laiengelehrten, um aus seinem Munde das Wort der Lehre zu vernehmen, an seiner inneren Geschlossenheit, überströmenden Frömmigkeit und auf opfernden, aus Liebe zu G'tt und Menschen fließenden ^Mildtätigkeit ihr eigenes Wesen zu formen und ihren Charakter zu bilden. Damals schon zeigt sich deutliche die Lernmethode, die später als die Akiba Eger'sche die jüdische Geisteswelt eroberte. Kurz, klar, präzis und nach Art des Wilnaer Gaon mit einem Worte in die tiefsten Tiefen der Materie hineinleuchtend, ist sein Vortrag. A.n dem schwächlichen Körper mit dem vergeistigten, in Güte und Schwermut leuchtenden Gesichte, aus. dem zwei Augen wie Sterne mild in die Weite schauen, sehen die Schüler das Vorbild eines wahrhaft großen jüdischen Menschen, „Ein Riese an Geist' mit dem Gemü.te eines unschuldig e n K i n d e s ", so bezeichnet ihn einer seiner ^hervorragendsten Schüler; Bar aller materiellen Sorgen, wächst er in immei; größere Hohen hinein, aber voller Demut; schaut er zu den noch Größeren, zu den Früheren hin, auf deren Erkenntnissen er weiter baut. Das Weisenwort: „Stelle viele Schüler "ausf" ist Devise seines Levens, aber auch das andere. Wort: i.Die Ehj-e Deines Schülers sei Dir so teuer wie Deine eigene". ' Zehn volle: Jahre kann Akiba Eger so in vol-. ler Freiheit und Sorglosigkeit, in Heiligkeit und R e i n h eit wirken. Allein die Vorsehung scheint etwas anderes mit ihm vorzuhaben. So viel Kraft und Seelengr;öße soll nicht im stillen Winkel blühen, soll, wie bei Vater Abraham, in die weite Welt hinausströmen,: um große Aufgaben, wie sie damals die Zeit dem, Judentum stellte, zu lösen. Der Uebergang ist überaus schmerzlich. Der 2 0. S i w an im Jahre 1790 ist als Unglücksdatum im Tagebuch Rabbi Akibas, das er bis zu seinem Tode mit größter Gewissenhaftigkeit geführt hat, verzeichnet, aus dem aber Großes geboren wurde. An diesem Tage verhandelte eine Feuersbrunst die Stadt Lissa in Wenigen: Stünden';iji, V&mvn Trümmerji^ufen. Das Lehrhaus im Walde blieb unversehrt. Aber der reiche Margulies, der das Lehrhaus mit all seinen; Schülern großzügig unterhielt, ist über Nacht zum; Bettler geworden. Das Lehrhaus muß geschlossen werden, und vor dem Gelehrten -rrer ist 29 Jahre alt —- tut sich zum ersten Male die eiserne Notwendigkeit auf, für Weib und Kind zu sorgen. In Briefen an seine Freunde (sie .sind in der Sammlung tZPISlÖ m*Mi{ abgedruckt) hat er keine bitteren Worte für das Mißgesphick, das ihn getroffen hat, aber es zittert darin die Angst, aus der Lehre eine Axt des, Broterwerbes machen zu müssen. Wenn Schon, so schreibt er, dann wolle er, lieber kleiner Kinderlehrer irgendwo sein, als rabbinische Aemter und Würden bekleiden. Dazu läßt es aber die Mitwelt nicht kommen, und so zieht er am 8. Adar 1791 als Rabbiner in die bis dahin der großen Welt völlig unbekannte westpreußische Stadt M ä r k i s c.h - F r i e d 1 a n d. Hier zieht er mit der nwnp seiner Kindheit, mit der mnü seines jungen Glückes in Lissa in \m< v $ - h'' die nnaTP' in die Arbeitsfreude des geten Meisters ein.... .;- III. M^ä r k i s ch - F t i e dl an d ist ein kleines Städtchen in Westpreußen mit einer jüdischen Gemeinde von etwa 700 Seelen, die unter dem Schutz der p r e u ß i s c h e n, K ö h i g e sich zu entfalten beginnt. Sie kann ihrem Rabbiner ein Monatsgehalt von z e h n T a1 e f n bewilligen. Rabbi Akiba ist noch kein Dreißiger, da er hier seine erste Rabbinerstelle antritt. Er muß sich erst in sein Amt,, überhaupt in ein Amt hineinfinden. Die äußeren Mittel, sich bei der Masse populär zu-machen, fehlen ihm. Er ist von zarter Konstitution, besitzt eine schwache Stimme, das große Wort und die große Geste fehlen ihm vollkommen. Vor allem fehlt ihm die Geschmeidigkeit, Menschen nach dem Munde zvl reden, irgendwie ein Opfer an Intellekt und Ueberzeugung zu bringen. Und da er unter demutvoller Verzichtleistung auf eigenen Machtwillen seine ganze' Autorität einzig aus Thora und Dezisoren bezieht, ist er auch nie geneigt und imstande, Konzessionen - zu machen und in religiösen Dingen mit sich paktieren zu lassen. So tritt er gleich zu Anfang einem allgewaltigen AUFRUF an alle Ortsgruppen der Agudas Jisroel, ihre Leiter und Mitglieder und alle Freunde der Agudas JisroeL Die dritte Kenessio Gedaulo in Marienbad hat der ganzen Welt erneut die Stellung der organisierten Orthodoxie zu allen bedeutungsvollen Fragen der Gegenwart verkündet, zugleich aber hat sie den schweren ernsten Sorgen des thoratreuen jüdischen Volkes um die Entwicklung des jüdischen Lebens in Erez Jisroel und in der Diaspora eindrucksvollen Ausdruck verliehen, und sie hat bedeutungsvolle Beschlüsse gefaßt, die darauf gerichtet sind, die organisierte Aufbauarbeit auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Diese Beschlüsse legen der agudistischen Gesamtheit eine schwere Verantwortung auf. An uns allen ist es, dieser Verantwortlichkeit gerecht zu werden und die Funken der Begeisterung, die von der Tribüne der Kenessio Gedaulo in alle jüdische Herzen gesenkt worden sind, nicht wirkungslos versprühen zu lassen, sondern sie in ernste Arbeit umzusetzen. Rafft Euch auf, Brüder, wo Ihr auch wohnen möget, Ihr alle, an die der Ruf der Kenessio gelangt. Stärket die Agudo-Gruppen überall und mehret die Zahl ihrer Mitglieder; gewinnt alle die, 4ies.Thora als Richtschnur ihres Lebens betrachten. Wirket mit aller Kraft für die Stärkung des religiösen jErziehungswesens. Tretet überall den mannigfachen Mißständen ajif den verschiedenen Gebieten des religiösen Lebens entgegen, und schließt die Reihen, um für den Aufbau eines wahrhaft religiösen jüdischen Lebens im Heiligen Lande zu wirken* Keren Hathora und Keren Hajischuw müssen die beiden starken Grundsäulen werden, auf denen das Gebäude des Agudas . Jisroel ruht; diesen beiden Fonds muß die Möglichkeit gegeben werden, um der Thora und des Heiligen Landes willen ihr weitgestecktes Programm zu verwirklichen. Die Kenessio Gedaulo hat die gewaltigen Kräfte offenbart, die im Schöße der in der Agudas Jisroel organisierten religiösen Judenheit geborgen sind; es gilt diese Kräfte zu nutzen und sie zur Ehre G'ttes und Seiner Thora im praktischen Leben zu bewähren. , An Euch, an Eurem Wirken, und an Euren Taten wird es liiegen, daß dieses Ziel erreicht wird. ' Rettet die Thora und ihre Institutionen. Rettet unser Land und seine Heiligkeit. Rettet unser Volk und seinen originalen religiösen Charakter. Stärket die Organisation durch Werbung und gewissenhafte < Abführung der Pflichtbeiträge. Werbet für Keren Hathora und Keren Hajischuw. Stärket die Bande der Einheit und Liebe unter allen G'ttesfürchtigen, auf daß sie in engster Verbundenheit für alles; was uns noch hoch und heilig ist, eintreten. : [ Freunde!: Die Kenessio Gedaulo hat den Weg vorgezeichnet, der von Uns zu gehen ist. Möchte ihr Ruf überall ein williges Ohr finden zu Ehren G'ttes, und Seiner Thora. Ti 5 6 98. Namens des Mauezes Ghachmei Hathaüro: Chajim Ö s er " G r o d z i e n s k i Namens des Waad Hapoel: Jacob Rosenheim. Namens des Zentralrates: Ar o n Lew i n auch Herrenwäsche, Trikotagen und Baäewäsche Herrenkleidung a 11 er Art iün'd ^preiswert bei .,,.f!; ■" ÄfcffiiWansch TP 3-Verarbeitung m ■u : m- -.; .■■:'^.w Frarifcf o rt a. ty. i: i HIrtdenburgplatz 12' am Hauptbahnhof