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Der Israelit · 1937-09-02 · Heft 35 (2.9.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 35 (2.9.1937)
Date
1937-09-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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'WriWVVV-W':,^» *SISwSS9?!i 2;;Septembfer'-i937 P e r : I s r 1 i t ti Nr. 35 Seite 7 heidnische Kultur in ihrer letzten Nachwirkung zu Ende. Als ' die :aüe heidnische Kulturen! abschließende und gleichzeitig von der Offenbarung durchdrungene Kultur hatte sie mehr als jede vorangegangene Kultur Gewalt über, das geistige Leben und säkularisierte es: Sie leitete so die Verwirklichung des Geistes ein. r Daraus ergab sich, daß wir mit Notwendigkeil ihrer Macht unterlagen. r. -,. Sie machte uns gründlich mit der Welt bekannt, inwiefern sich dadurch uns er Verständnis auch für unser offenbartes: Wissen geschärft hatj das werden wir an uns noch erfahren. Denn zur gründlichen Kenntnis der Thora gehört auch gründliche Welterkenntnis. Die europäische Kultur führte zur naturwissenschaftlichen Weltauffassung und führt auch über sie hinaus. Schon vor der Jahrhundertwende-. stürmte, der europäische Geist, seine eigene Grenze, sprengte sie und zerbrach, daran undbegann sieh wieder in seine Beständteile aufzulösen," Die Welt geriet in den Leerraum zwischen Erfahrung und Offenbarung und lebt seitdem in einer wachsenden Spannung und dauernden Erwartung. Wir aber rücken immer mehr in den Mittelpunkt der allgemeinen Krise. Die äußeren; Gewalten'zwingen uns immer nachdrücklicher dazu, uns zu sammeln; Unsere Sammlung aber beginnt mit einer . Erneuerung unserer .Gesinnung und unseres Herzens. Unsere1 erste Tat ist die Richtigstellung des verkehrten Verhältnisses zwischen G'tt und Welt; Indem wir die jüdischen Gebote wieder zur Richtschnür unserer Lebensführung machenj werden unsere Taten wieder vom Geist bestimmt und unser Leben erhält wieder Ziel und Sinn. Das Abendland ergänzend, das unser» , Geist in seinen Willen bannte und ihn verweltlichte, stellen wir die erworbenen theoretischen Wissenschaften in den Dienst unseres geistigen Lebens, Dadurch verlieren sie für uns die Bedeutung, Selbstzweck zu sein.V ,Wir schütteln ihre Herrschaft ab und weisen ihnen in unserm Ge samtleben den Raum an, der ihnen nach ihrer einzig sinnvollen Bestimmung, zu dienen, zu kommt. Dann hört für uns die Entgeistigung von Mensch und Welt ihretwegen auf und wir sind gewappnet vor der Zerstörungswut des Golem. Wenden wir,• uns mit den im Abendland erworbenen Schätzen dem, Morgenlande zu und orientalisieren wir ,Uö,ser Europäertum! Machen wir das. Tageswerk wieder zum Mittel und den Schabbps zum ruhenden Pol1 unseres Lebens, da? mit seine Heiligkeit uns wieder zusammenführt und Wiederyerbindet. Im alten Judentum suchte man die Tat mit dem Glauben an. Uebereinstimmung zu halten, in Europa war die Tat der Glaube, für uns aber wird der,; Glaube unsere Tat. sein, der- Glaube unserer Väter wird von nun, an unsere Taten bestimmen. Mit unserer Rückkehr beginnt eine neue Orientierung und ein neues Bewußtsein aus der , Unmittelbarkeit des Geistes. >• . Korrespondenzen. Deutsches Reich. Zum hundertsten Todestag von Rabbi Akiba Eger, Berlin, 27. August. Am 18. September (13. Tischri) jährt sich zum hundertsten Male der Todestag von Rabbi Akiba Eger. Der Schuldezernent im Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, R.-A. Dr. Alfred Klee, hat an die Schulleiter und Religionslehrer der Schulen der Gemeinde ein Schreiben gerichtet, in dem auf den hundertsten Todestag von Rabbi Akibä Eger hingewiesen'und vorgeschlagen. wird, in den Schulen dieses Tages^_zu gedenken. Im Anschluß hieran hat der Preußische Landesverband jüdischer, Gemeinden unter Uebermittlung dieses Rundschreibens die Rabbiner und Lehrer der ihm angeschlossenen 'Gemeinden gebeten, ' wo nur immer die Möglichkeit sich bietet, im Sinne der Anregung der Schulverwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde zu verfahren. Das Äufbringungswerk der Berliner Jüdischen Gemeinde bereitet eine Plakette mit dem Bild Von Rabbi Akiba Eger vor. (Eine Arbeit über Rabbi Akiba Eger und seine Zeit erscheint in der Sukkaus-Nummer des „Israelit'" Red.). ' : ••' - Einheitliche Regelung des jüdischen Lehrfaerk- ' ' f stätten-Betriebes in Deutschlands r , Berlin, 31. August.; Die; .Reichsvertrejtung der. Judenrr ui Deutschland. Abteilung Berufsausbildung, hatte, für den 25. August 1937 eine Tagung der Leiter der jüdischen Lehrwerkstätten und. der Verwaltungsstellen, die die Träger der Lehrwerkstätten sind, einberufen. Die Tagung diente dem Zweck, für alle Lehrwerkstätten, die der jüdischen Jugend eine handwerkliche Ausbildung ver- ..•mittjejp, einen y.er^nd^ichen_;L^j^la^.sqwoh7, für die, praktische Unterweisung als auch für'den Fachuhter- rieht, aufzustellen und daneben eine,; Anordnung der' ■ Ausbildung. ÜTa.!eiiizelnen ..zu .^ej^n^,. r< ,t <". Die .Tagung, wurde -eingeleitet .durchwein Referat ' von Dipl.-Ing:j Ar o n < Beriin,; dem; die ^technische Leitung /des „yoh, der jüdischen Gemeinde Berlin er- •. richteten Handwerker^usbildungslehrganges obliegt.; Die ■ .Nachmittagsberatung'? wurde : idurch (.ein . Referat des.; Leiters der neugegründe^en judischen Lelirwerkstätte in München,, E|ipl.-Ing\ R.p,jS,e n t;h a ly J einge-'; leitet, Am Schluß konnte Dr. Georg Lubinski, . der . die Tagung leitete, feststellen, daß die Beratung die, Klärung der wichtigsten der handwerklichen Beruf)?- , ausbildung der jüdischen Jugend gestellten Aufgaben gebracht, und daß insbesondere auch die Aussprache über die Möglichkeit des fachlichen Unterrichtes einen wesentlichen, . Beitrag zum Bildungsproblem der jüdischen Jugend. geleistet hat.; Neuordnung bei der IwriarBank in Berlin. ... -r Berlin, .31. August. Der ITA. wird mitgeteilt: Am 30. August fand die stark besuchte' Generalversammlung der Iwriä-Bank e. G. m. b. H.:in Berlin in den Räumen des Hotels „König von Portugal'' statt. Der Geschäftsbericht für das Jahr 1936 wurde von Herrn Direktor Kareski erläutert. Für den Gemeindevorstahd wies Herr Carl Fuchs' darauf hin, daß die Aufrechter.haltung der Bank eine unbedingte Notwendigkeit im. Interesse des jüdischen Mittelstandes sei, Dieser Ansicht schlössen sich, in der sehr eingehenden Aussprache alle Redner an. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde beschlossen, den Geschäftsanteil von RM, 250.— auf RM. 300.— -zu erhöhen, wodurch der 3ank , erhebliche neue Mittfei zufließen werden. Die Bilanz für das Geschäftsjahr 1936 wurde genehmigt. Die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder wurde herabgesetzt. Die Entlassung des Vorstandes und Aufsichtsrats wurde vertagt und soll zusammen mit dir Bilanz für 1.937 erfolgen. Der Aufsichtsrat wurde neu gewählt. Er besteht jetzt aus den Herren: Dipl.-Ing. Berlowitz, Hermes, Rechtsanwalt Katschke, Lisser, Rechtsanwalt Mosheim, Silberstein, Bankdirektor i. R. Wechsler. Durch diese Beschlüsse der Generalversammlung dürfte nunmehr die ruhige Weiterentwicklung der Bank gewährleistet sein. Schweiz, Beschlüsse der Jugendalija-Konierenz. Zürich, 29. August. Die in Zürich' abgehaltene zweite Jugendanja-Konferenz hat einstimmig eine Reihe von Resolutionen gefaßt, in denen die bisherigen Leistungen und die bevorstehenden neuen Aufgaben der Jugendalija mit Genugtuung .'begrüßt und die Länderkömitees aufgefordert werden, die zur Bewältigung dieser Aufgabe erforderlichen erhöhten'1 Mittel; bereit zu stellen. Die 'zweite' Jügeridalijk-Kdrjfereriz, so sagt die erste Resolution, nimmt mit großer Befriedigung davon Kenntnis, daß trotz der schweren politischen ' Situation Palästinas die Jugendalija keine Unterbrechung erfahren hat und auch für die kommendeji Monate die Erteilung von Zertifikaten sichergestellt ist. . Es ist weiterhin;'zu erwarten, daß auch für die : wettere^ Zeit die; zur Verfü- '.güng, stehen werdenV'Sie ist :sTch desseiri beWußt,. daß die"; Ausnutzung der Zertifikate1 untrennbar mit' der Aufbringung der für die Bereitstellung der Ausbildungsplätze und c{em Unterhalt, der Jugendlichen erlio.rjterKcfien .Mittel!'Verknüpft .ist. " ' :! 5lh der zweiten Resolution Wird mit Genugtuung zur Kenjünis;genomto'en,.-'!dä;ff,,in Polen die orgapi&t-' .'torischen Vorbereitungen fürvdie sachgemäße Durchr führung einer Jugendaliia und ihre Finanzierung ge-' ■ rro^ffen. worden sind. Die Weiteren Entschließungen Jiefeen die- Nbtwendigkeit| ''e&ier;Büdgeterhöhüng; ur/d. des Aufbringehs weiterer1' Stimmen für die Körisbii-, dierung und Erweiterung der palästinensischen Arbeit hervor, verpflichten 'die, Länderkomitees' für die Sicherung - des Budgets Sorge, zu tragen uhdCfordern die in Zürich nicht vertretenen Komitees auf, der bestehenden Konferenzgemeinschaft beizutreten. In einer besonderen Entschließung wird der Aufbau eines religiösen Jugen.ddorf.es bei K f a r C h a s s i d i m begrüßt, in einer weiteren der Freude darüber Ausdruck gegeben, daß die entlassenen Jugendalijagruppen sich bewährt haben. Den Siedlungen und Heimen in Palästina wird für den Ems'* und die Verantwortung gedankt, mit der sie der pädagogischen Arbeit 'gerecht geworden sind. Holland. Constantin Brunner gestorben. Amsterdam, 27. August. Im Haag verstarb, einen Tag vor seinem 75. Geburtstag, der Philosoph Constantin Brunner, der Schöpfer der „Lehre von dem Geistigen, und vom Volke". Unter diesem Titel erschien 1908 sein erstes Hauptwerk, das aber nur den ersten Teil der Gesamtdarstellung seines original geprägten Denksystems enthält und seine Fortsetzung, in späteren Werken fand. Sein letztes Werk, „Materialismus und Idealismus" ist ein" völlig neuartiger Kommentar zur Philosophie (insbesondere zur Attributenlehre) Spinozas, Auch mit Schriften jüdischen Inhaltes ist Brunner wiederholt hervorgetreten; sein .extrem antizionistischer Standpunkt ist allbekannt, ebenso seine philosophische Lehre und seine von ihm immer wieder betonte Uebereinstimmüng mit Spinoza, schließlich auch seine neuartige; ■ Auffassung vom Christentum, die ihn außerhalb jeder der verschiedenen jüdischen Richtungen und Parteien stellte. Auch wir im „Israelit" hatten in früheren Jahren oft -Gelegenheit, gegen Brunner und seine neuen Ideen Stellung zu nehmen. Belgien: Zweite Weltkonierenz der polnischen Juden im Ausland. v Antwerpen, 22. August. In Anwesenheit von Vertretern aus 17 Landern würde am 21 > %August in Antwerpen die Zweite Weltkonferenz der polnischen Juden im Aus lande eröffnet, Gegenstand der Verhänd- . hingen der Konferenz bilden Wirtschafts- und Auswanderungshilfe für die Juden in Polen, kulturelle Probleme der polnischen Juden im Auslande und ihr Rechtsstatus in den westeuropäischen Ländern. Die Konferenz hat in einer Resolution festgestellt, daß die Lage der 3V4 Millionen Juden in Polen sich von Tag zu Tag verschlimmert. Es wird auf die judenfeindliche Propaganda hingewiesen, die zu "blutigen Exzessen geführt habe, und zu den Boykottie« rungstendenzen, durch die nicht nur die Juden, sondern die gesamte Wirtschaft des Landes geschädigt worden, isei. Zum Schluß wird die Hoffnung ausgesprochen, daß das polnische Volk seinen jahrhundertealten freiheitlichen Ueberlieferungen getreu sich der Judenfeindschaft entgegenstellen und in harmonischer Zusammenarbeit mit den Juden den Fortschritt der polnischen Republik fördern werde. England/ Lord Lionel Rothschild, der Empfänger der Baliour-Deklaration, gestorben. London, 27. August. Am 27, August ist Lord Lionel Walter Rothschild nach langer Krankheit auf seinem Landsitz in Tring Park,; Hertfordshire, iitttl Alter von 69 Jahren gestorben.-. "! Lord Lionel Rothschild war als Sohn von Nataniel Mayer de Rothschild, dem intimen , Freund ' König Eduard VIL und Gouverneur der Bank,,pf England, dem als ersten Juden die Peers-Würd«;. verliehen wurde, der „zweite Lord Rothschild". Sein .{jrqßvater war Lionel Nathan, Baron de» Rothschild, der erste Jude, der einem englischen; Unterhaus angehörte; er -war einer der Vorkämpfer der Judenemanzipation in England. Die Mutter des Verstoßenen, Emma Luise, stammte aus der neapolitanischen Linie des Hauses Rothschild. Lord Lionel Walter Rothschild war am 8. Februar 1868 in London geboren, Nach . Studien in, Cambridge und Bonn promovierte er , zum Doktor phil. Er hat sich später eingehend staatspolitischen Fragen gewidmet, und Studien hierüber in englischen und deutschen Fachzeitschriften y«r,öffentlicht.., Daneben arbeitete er intensiv auf dem Gebiet der zoologischen Wissenschaften. In Tririg gründete er ein Zoologisches Museum, dem er auchuseine. berühmte entomologische Sammlung einverleibte. Eine. 500.000; Exemplare umfassende Vogelsammlung {überwies - er. 1932 dem Naturhistorischen Museum in New.York.; Xprql Rothschild war. Mitglied des KuratorjLums des jBritischen Museums und Mitglied der 1660;gegründejen Royal Society, der alte englischen Pringen, ■ ßtaat^männer und Gelehrte, nach Ruf angehören]. -

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