Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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öeite 8 Nr. 35 1 5 r a e 1 i t J 2. September 1937 In die Geschichte des jüdischen Volkes ist Lord Lionel Walter Rothschild als der Empfänger der Balfour-Deklaration eingegangen, in der am 2. November 1917 die Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina verkündet wurde. Schon vorher hat er sich, dem Beispiel seines Vaters und Großvaters folgend, für gesamtjüdische Aufgaben eingesetzt und an allen Bestrebungen teilgenommen, die auf die Linderung jüdischer Not und die Wahrung der sozialen Stellung der Juden gerichtet sind. Im innerjüdischen Leben Englands hat er ein.e hervorragende Rolle gespielt. Er war Vizepräsident des Jewish Board of Deputies und der Anglo Jewish Association und Präsident des Maccabaean Club. In den letzten Jahren hat Lord Rothschild auch an den Aktionen der englischen Judenheit zugunsten von Juden aus Deutschland hervorragend Anteil ge nommen. Mit der Hilfsarbeit für die Juden Osteuro pas war er als Mitglied des Kuratoriums und Vorsitzender der Exekutive der Jewish Health Organisation, der britischen Abteilung des Verbandes OSE für Gesundheitsschutz der Juden, verbünden. Seine parlamentarische Laufbahn hat der Verstorbene 1899 begonnen. Bis zum Jahre 1910 gehörte er als Abgeordneter der Liberalen Partei dem Unterhaus an. 1916 folgte er seinem verstorbenen Vater als Mitglied des House of Lords. Die Beisetzung fand am Sonntag Nachmittag auf dem Jüdischen Friedhof in Willesden statt, wo sich die Familiengruft der Rothschilds befindet. Die religiösen Zeremonien wurden von Rev. H. Mayerowitsch und Rev. Ephraim Levine geleitet. Unter den Leidtragenden sah man alle Mitglieder der Rothschild-Häuser; außerdem waren die Vertreter zahlreicher jüdischer und wissenschaftlicher Vereinigungen zugegen. Die Peers-Würde des verstorbenen Lord Rothschild, der unverheiratet war, geht auf seinen Neffen, den 26 jährigen Nathaniel Meyer Victor Rothschild über. Wie sein Onkel ist auch der neue Lord Wissenschaftler und Fellow des Trinity College in Cambridge. Vermischtes. Feier des 125jährigen Bestehens der Hamburger Chewra Kadischa. Hamburg, 27. Aug. Am vergangenen Montag, den 9. Elul, konnte die Chewra Kadischa der Deutsch-Israelitischen Gemeinde' auf ihr 125jähriges Bestehen zurückblicken. Zwar bestand in Hamburg bereits seit dem Anfang des 17 Jahrhunderts eine Chewra Kadischa, die bis zum Jahre 1812 für die bis dahin vereinigten Dreigemeinden AHW tätig war. Nach der Besetzung Hamburgs im Jahre 1812 und Teilung der Dreigemeinden war eine der ersten Institutionen, die neu gegründet wurden, die Chewra Kadischa. Ihre Geschichte ist in der zur Jahrhundertfeier erschienenen Festschrift einer größeren Oeffentlichkeit bekannt geworden. Aus Anlaß des 125jährigen Bestehens hatte der Vorstand •der Chewra Kadischa im Hinblick auf die ernsten 'Zeitverhältnisse von einer größeren Feier abgesehen und lediglich die Mitglieder und einen kleinen Kreis von Ehrengästen zu einem schlichten Festakt in die Schönen Räume des Gemeindehauses geladen. Ale Ehrengäste waren u. a. erschienen: Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach als Ehrenmitglied der Chewra Kadischa, Herr Oberrabbiner Dr. Weiß, Altona, Rabbiner Dukesz, Altona, Vertreter der Gemeindegremlen u. a. m. Namens des Vorstandes der Chewra Kadischa begrüßte deren Vorsitzender, Herr Ludwig Joshua, Gäste und Mitglieder in herzlichster Weise. Herr J. streifte kurz die Geschichte der letzten 25 Jahre, gedachte der in diesem Zeitablauf Heimgegangenen, vor allem des verewigten Oberrabbiners Dr. Spitzer '"TSt/ sowie der beiden Magidini, der Herren Rabbiner Dr. M. Jacobson und L, Lichtig V"äT, und betonte vor allem die Momente des G'ttvertrauens und der Brüderlichkeit, die allen Mitgliedern die Kraft geben, ihres ■ heilig-ernsten und schweren Amtes zu walten. Sein Dank galt allen, die sich immer für das Gmiluth Chesses schel Emetb. einsetzen. Die Festrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach, der in einer großangelegten Rede die Bedeutung der von der Chewra Kadischa geübte« Mizwo feierte, und seine Wünsche in.eine in klassischem Loschon Hakaudesch gehaltene Brochoh aasklingen ließ, welche die Einleitung einer aus Anlaß des 125jährigen Bestehens vom Vorstand herausgegebene Festschrift bildet, die allen Gästen am Schluß des Abends überreicht wurde. Weitere Ansprachen hielten die Herren: Oberrabbiner Dr. Weiß, Altona, Dr. Ernst L o e w e n b e r g für den Vorstand der Gemeinde, Gemeindevorsteher N. H. Offenburg, Rabbiner Dukesz, Dr. Urias für das Repräseiitantenkollegium, Rabbiner Dr. Holzer, Rabbiner Joffe, Rabbiner Bamb erger, Wandsbek, Prof. Dr. Markon, Alle Redner wußten durch geistvolle Worte, Erklärungen aus Tauroh, und Midrasch die Festteilnehmer zu erfreuen, Umrahmt war. die Feier von Gesängen seitens des Oberkaritors Hornstein, Herrn Dzialoszinsky sowie Knaben des Synagogenchores und poetischen Vorträgen der Herren Walter Wolff und Ernst Brager, die das Tischmarschallamt mit besonderem Geschick versahen. Am Schluß der Feier dankte namens des Vorstandes der Chewra Ka discha B. J. Jacobson allen Freunden und Mit gliedern der Chewra Kadischa, die sich für die Alis gestaltung der Feier und ihren schönen Verlauf be müht hatten,' und schloß den Abend unter Zusam menfassung der vorgetragenen, die Mizwöh feiernden Gedankengänge mit der alle Jehudim stets erfüllen den Hoffnung auf das bäldige Nahen des Moschiach- Berlin, 30. Aug.. In Berlin wurde unter Leitung des Rektors des Rabbinerseminars, Dr. J. Wein b e r g , und anderer namhafter Persönlichkeiten ein Beth Chinuch eröffnet, in dem schulentlassene Jungen vor ihrem Eintritt in den Beruf ein bis zwei Jahre in jüdischem Sinne ausgebildet werden. Der Die Woche» Mannheim, Die Gemeinde Eberstadt in Baden wurde - aufgelöst, die Synagoge wurde verkauft. In Walldürn in Baden wurde die Synagoge verkauft, die Auflösung der Gemeinde steht bevor. Warschau. In der Lemberger Großen Synagoge fand ein G e d e nk g ' 11 e s d i e n s t für . die in den Kämpfen um Polens Unabhängigkeit gefallenen Juden statt, Nach Abschluß des G'ttesdienste.s wurde ein Zug formiert, an de,m auch Abordnungen der Militär- und Zivilbehörden, zahlreiche Delegationen von Frontkämpfervereinigungen teilnahmen. — Auf Grund einer Eingabe der jüdischen Fleischervereinigungen hat das Landwirtschaftsministerium das Koscherfleischkontingent für September mit Rücksicht auf die hohen Feiertage um 10 Prozent erhöht. — Der von den Rabbinerverbänden mehrerer europäischer Länder, Palästinas und Nordamerikas für den 29. August, wegen der Zuspitzung der Judennot proklamierte Weltfasttag ist von den weitesten jüdischen Kreisen in Polen streng eingehalten worden. In den Synagogen und Bethäusern schilderten ani Samstag Abend die Rabbiner ergreifend die Leiden weiter jüdischer Bevölkerungsschichten. Paris. Die Leitung der Pariser Weltausstelr lung hat die H a b i m a eingeladen, in Paris einige Vorstellungen zu geben. Die Häbima bat diese Einladung angenommen. Die Truppe tritt Anfang Oktober ihre Reise an. Die Vorstellungen werden im Trocade'ro- Theater stattfinden. — Der in Paris dieser Tage zu Ende gegangene O R T - K o ng r e ß genehmigte ein Budget« von 820.000 Dollar. Zum Präsidenten wurde Leo Brams o n wiedergewählt. Zürich. Die Weltkonferenz der Jugendalijahbewegung in Zürich hat beschlossen, die Jugendali jahaktiou auch auf Polen auszudehnen. Anschließend an die Konferenz wurde eine Ausstellung der Jugendalijah eröffnet, die Arbeiten von Jugendlichen aus Deutschland und Palästina umfaßt. Johannisburg. Michael Haskel,' einer der bedeutendsten Führer der südafrikanischen Judenheit, und südafrikanischer Regierungskommissar zur Wahrung der Handelsinteressen in Palästina, hat von König Georg VI. die Kr önungserinnerungsmedaille als persönliche Erinnerungsgabe erhalten. Unterricht erstreckt sich auf Tenach, Iwrit, Talmud und sämtliche Fortbildungsschulfächer sowie auf handwerkliche Vorlehre. Die auswärtigen Knaben sind in einem Internat untergebracht. Der Betrieb der Anstalt ist bereits in vollem Gange. Weitere Anmeldungen werden umgehend an das Büro des Bet Chinuch, Berlin N. 4, Artiii eriestr. 31, erbeten, das auch bereitwilligst jede Auskunft erteilt. Priehsenstadt, 23. Aug. Am Sonntag, den 22. August, fand in der Synagoge in Priehsenstadt (Ufr.j anläßlich des 25jährigen Bestehens derselben eine kleine Jubiläumsfeier statt. Das G'tteshaus war einfach aber geschmackvoll von den Damen der Ge^ meinde geschmückt, die sich auch im Bewirten der Ehrengäste, die aus den Nachbargenieinden erschienen waren, rühmlichst hervortaten. Nachdem der Vorstand, Herr Moritz 'Hahn. IL. die erschienenen Gaste begrüßt hätte, hielt der Herr Bezirksrabbiner Dr. K o e h 1 e r! die Festrede.; Er erinnerte die jetzige Generation an den ,'Opfergeist der Alten und wünschte, daß der gleiche Geist noch heute leben möge. Herr Lehrer Grüne bäum, Priehsenstadt, hob in; seiner Festansprache hervor,; daß es. der alte : Unverwüstliche Optimismus -'.unseres. Volkes/ ist, dermis auch heute noefr beseelt, daß ..wir die Kraft liäDibB,' iri so senweirer Zeit zu feiern;'Die Feier war umrahmt von Psahngesängen. Unrituelle Fischkoteletts. Der größere Heringsfang beginnt im Juli und dauert bis in den Oktober.. Er bringt nicht nur die prachtvollen Bücklinge recht billig an den Markt, sondern auch die „grünen Heringe ". Letztere sind gebraten, gekocht (süß-sauer) oder in allerlei anderer Zubereitung vor allem im August und September eine billige, schmackhafte und recht nahrhafte Hilfe für den Haushalt. Nun ist ein ständiger Begleiter der Hermgsschwärme, welche in die von deutschen Fangschiffen besuchten „Gründe" der Nordsee ziehen, ein kleiner .H a i f i s c h. Er raubt aus den Heringsschwärmen, was nur sein Leib aufnehmen kann. - Dadurch wird sein Fleisch so fett und so schmackhaft, daß man es zu „Fischkoteletts" schneidet und an das Publikum vorkauft. Zum Handel wird der Hai auch als „ S c h w e i n s f i s ch " bezeichnet. Wenn also die gewissenhafte, rituell kochende Hausfrau auch sonst im Jahre darauf achten muß, daß sie nur Fischkoteletts einkauft, die ohne jeden Zweifel von koscheren Fischen stammen (man lasse solche Koteletts vor seinen Augen von Fischen mit Schuppen schneiden oder schneide sie selber, nachdem der Fischhändler die mittleren Gräten entfernt hat), so ist diese Vorsicht zur Zeit der deutschen Heringsfänge besonders geboten. In der Regel geht die Fleischfarbe, des Haifisches etwas ins Rosa. Fr. Wichtig für Balkon-Sukkaus. bwin -ponf? Leider muß man Jahr für Jahr die Beobachtung machen, daß zahlreiche Balkon-Sukkaus dadurch possul sind, daß das Dachgesims des betreffenden Hauses und zuweilen auch noch das schrägstehende Regendach der Sukkoh einen Teil der Sukkoh über* decken, so daß der unter dem freien Himmel befindliche Teil der Sukkoh nicht das vorgeschriebene Mindestmaß (7 T'fochim annähernd 70 cm) hat. Die Erfahrung lehrt, daß eine richtieg Feststellung, wie weit das Dach den Balkon in genau vertikaler Richtung überdeckt, vom Balkon aus nicht möglieh ist. Beim „Visieren" von unten nach oben wird die Ausdehnung des überdeckten Balkonteils regelmäßig weit unter schätzt. Nur durch ein Lot (schwerer Gegenstand, evtl. großer Nagel an einer Schnur), das etwa durch eine Dachluke über den Dachrand geworfen wird, kann mit Sicherheit diese Feststellung zutreffend gemacht werden.. Viele, die auf Grund des Abschätzens von unten ihre Balkon-Sukkoh errichtet hatten, und später durch ein Lot das Maß überprüften, mußten die Entdeckung machen, daß sie jahrelang die Mizwas Sukkoh nicht erfüllt hatten, und alle Brochaus über die Sukkoh in all den Jahren B'rochaus l'watolo waren. Wenn nach gewissenhafter Feststellung der. nicht überdeckte Teil der Sukkoh das erwähnte Mindestmaß hat, so darf man natürlich nur in diesem, nicht in dem überdeckten Teil sitzen, es sei denn, daß letzterer müht einmal 4 T'fochim breit ist. was nur in ganz seltenen Fällen (Prüfen durch Lot?) vorkommen dürfte. Jedoch kann man, auch wenn der unter dem freien Himmel liegende Balkonteil nicht das erforderliche Mindestmaß von 7 T'fochim erreicht, unter Umständen eine koschere Sukkoh auf dem Balkon errichten. Nur muß man sie dann so bauen, daß innerhalb der Sukkoswände weniger als 3 T'fochim (mw<tf) 13.V nsoa -\yv\> v fitä) überdeckt, also possul sind. Die ganze Sukkoh muß aber das Mindestmaß von 7 T'fochim teiöini? pmv nstn ismpV w nm) haben. Man kann dies dadurch erreichen, daß man an einer entsprechenden Stelle eine Scheidewand errichtet, die ab!-»s'n» gelten kann (sie darf also z, B, nicht aus einem frei herunterhängenden Vorhang bestehen!). Praktisch kommt eine solche Lösung nur dann in Betracht, wenn der nicht überdachte Teil mindestens ungefähr 45 cm mißt. Bei einer solchen Sukkoh darf man dann auch in dem überdachten Teil sitzen. In all solchen Fällen, wenn das Maß des nich;: überdachten Balkonteils hart an die vorgeschriebene unterste Grenze herankommt, empfiehlt es sich, den zuständigen Rabbiner zu befragen. Nur demjenigen, der diese Mizwas Sükköb ni'^ ihren „Maßen und'*" Scheidewanden" vorschriftsttiäß^ erfüllt, wie es der Paitan des zweiten S'ukkäüstäge > besingt, ist auch der Schütz vor allen von auß«?* drohenden Gefahren bis - ans Ende der ' Zeiten ztig'";' sichert,..,und' die Freude der ewigen Seligkeit f*^'1 .Ifft^'^R ^W* verheißen, Wie 'sie nach' dertbild^reich':'" Üeberiieferung unserert Weisenf gerade*• die gewissen hafte und liebe voll e Erfüllung ' •Rabb.'Dr.'Schl.