Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1937)
- Date
- 1937-05-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 21 Der Israelit 27. Mai 1937 . / \ K ER E N HÄTORAH steht i rrv,.D ienste unserer Jugend! Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Batoran-Heirne -<£ür unsere Jugend! i 'Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend! j. o n d esdirekto r i u'cm des Kere n Ha t o r ah, Hamburg, Po stsch eck konto-. Ha mbur g 247 5 3 •die Juden beeinflußt wird, ist auf Seiten Ryppels, auch wenn sie seine Pläne für phantastisch und abenteuerlich hält. Auch in Krakau ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Aber ein Jammer entrollt sich vor den Augen der Welt, die mit ihrem Urteil nicht bis" zum Wahrspruch der Richter warten wird. Ryppel und Doboszynski, (das ist der Name des Pogromführers von Mys'zlenice) heißen die zwei Akte der polnischen Tragödie, einer Tragödie nicht allein für Polens Juden. * * * Nun hat die Jewish Agency, wie bereits kurz berichtet, die neue Schedul-e endgültig abs gelehnt. Aus dem jetzt veröffentlichten Wortlaute der Protesterklärung, die mit der Ablehnung schließt, entnimmt man alle Gründe der Ablehnung, wie sie der Oeffentlichkeit bereits genugsam bekannt sind. Es 'waren ja in Wahrheit nicht einmal 770, sondern nur 220 Zertifikate abzulehnen! nachdem doch die 400 Zertifikate für den Sonderzweck (für Auswanderer aus Deutschland, für 'die eine jüdische Organisation sorgt) nicht mitzählen und 150 .die Regierung für ihre eigenen Zwecke zurückhält. Diese 220 Zertifikate anzunehmen, hieße, ein schweres' Unrecht an dem jüdischen Volke akzeptieren und sanktionieren. Da® können die jüdischen Instanzen nicht ver» antworten. Wir glauben, daß es in diesem Punkte — siehe auch den Protest der Agudas Jisroel in den „Letzten Nachrichten" der jüngsten Nummer —- einen Meinurngsfunterschied zwischen Juden- und Juden in der Weit nicht gibt. Wenn die Toten erwachen, oder: Am Rande des Kaschruthproblems. Von Rabb. Dr. Klein in Berlin, Man soll auch von seinen Gegnern lernen, ist eine alte Regel, die man befolgen soll. Vor einigen Wochen veröffentlichte Herr Oberrabbiner Joseph Carlebach in diesen Blättern einen Artikel, in dem er der Jüdischen Gemeinde Berlin und dem Leiter ihres amtlichen Organs einige herbe Wahrheiten sagte. In bekannt tapferem Mannesmut griff der Leiter dieses Organs den „Israelit" an, das Organ der Trennungsorthodoxie, das den Ausführungen ihres Mitarbeiters Raum gewährte. Es ist ungefährlicher und vor allen Dingen viel populärer, auf die Trennungsorthodoxie zu schimpfen, um ihr die Schuld für alles Unglück in der jüdischen Welt zuzuschieben. Außerdem sollte der Eindruck erweckt werden, daß es ja doch nur die Trennungsorthodoxie ist, die etwas an dem Gebaren der Gemeindegewaltigen in Berlin auszusetzen findet. Die Leser des Organs sollten nicht erfahren, daß auch Orthodoxe, die sich nicht direkt zur Trennungsorthodoxie zählen, denen aber alles Jüdische heilig ist, von den Zuständen, wie sie sich konsequentermaßen in den sogenannten Einheitsgemeinden entwickeln, alles eher als erbaut sind. Dieses Organ der Jüdischen Gemeinde zu Berlin veröffentlicht nun in der Nummer vom 16. Mai einen Artikel über die Kaschruthfrage, die von allen Kreisen, die noch jüdisch empfinden, als Verhöhnung ihrer heiligsten Gefühle J j und als Verrat in der Zeit schwerster Kämpfe um die Selbsterhaltung und um Erhaltung _der heiligsten Güter empfunden wird. Die Zeit der Richtlinien kehrt wieder und Ideologien, die wir längst tot und begraben wähnten, erwachen. Ueber -die Schechitah, um deren Beibehaltung Millionen Juden mit der größten Aufopferung kämpfen, wird dort verkündet, daß sie von „der Bibel mit keinem Worte gefordert wird", daß sie wohl als „eine durch Alter und Zweckmäßigkeit sich empfehlende Sitte betrachtet werden kann", die aber ,,im Bewußtsein gar vieler unserer Glaubensbrüder keine Stätte mehr hat. Die Bezeichnung ,,trefa" für alles Fleisch von nicht rituell geschlachteten Tieren muß der Artikelschreiber abweisen. Dies schroffe Verdikt muß verwirrend wirken, und kann nur vom Standpunkt der Trennungsorthodoxie begriffen werden." Die Trenungsorthodo'xie möchte dem Herrn religiös-liberalen Theologen sagen, daß sie derartige Tiere nicht als „trefa", sondern als „neweloh" erklärt. Man sollte es nicht für möglich halten, daß sich ein Organ der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands dazu hergibt, solche Ansichten zu verbreiten, die schon bei ihrer Geburt Lüge waren und deren Verbreitung heute einen schändlichen Verrat bedeuten. Man sieht, die Herren haben nichts gelernt und bereits Alles vergessen. Es muß ausgesprochen werden, daß der religiöse Liberalismus, der ja nichts anderes bezweckte, als die völlige Assimilation, kläglich Schiffbruch gelitten hat und daß er heute, wo das positive Judentum den schwersten Kampf um seine Behauptung und um die Erhaltung der das Judentum konstituierenden Güter zu bestehen hat, bescheiden beiseite stehen müßte. Es muß ferner einmal mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß wir es als unerhört taktlos betrachten, wenn Kreise, die sich niemals um die Speisegesetze gekümmert haben, uns nun in die Fragen der Schechitah hineinreden wollen. Wir werden den Kreisen, die uns zu Hütern und Wahrern ihrer religiösen Güter bestellt haben, zu gegebener Zeit über alle Schritte Rechenschaft geben, die wir in diesen schwierigen Fragen unternommen haben, sind aber durchaus nicht gesonnen, uns vor Herren zu rechtfertigen, denen Schechitah und Kaschruth die gleichgültigsten Dinge der Welt sind. Wir können es nicht verhindern, daß sich ganze Legenden bilden, ebensowenig wie wir* es verhindern können, daß sich obskure und zweifelhafte Elemente an berufene und unberufene Kreise herandrängen, um uns zu verdächtigen. Die Trennungsorthodoxie, von der der Artikelschreiber schreibt, hat in dieser Frage in der loyalsten Weise mit den geistigen Führern der Gemeindeorthodoxie zusammengearbeitet und hat dieser Zusammenarbeit zuliebe auch Opfer gebracht. Wenn aber etwas für die „Trennungsorthodoxie" zu werben geeignet ist, wenn es wirklich eines Beweises bedürfte, daß die Schöpfer der unabhängigen Orthodoxie die Weitblickenden waren, so liefern ihn derartige Artikel, wie sie das Organ der Gemeindeorthodoxie,, denn das soll ja ein Organ der Ei nh-e i t s gemeinde schließlich auch sein, bringt. Das Wort Trennungsorthodoxie ist genau so irreführend wie die ganze übrige Lehre der religiös-liberalen Theologen. Die Orthodoxie hat sich vom Judentum niemals getrennt, sondern ist dem alten einzig wahren Judentum treu geblieben und nur, als sich die scharmanten Liberalen auch' von dem Judentum der ,,Thora" getrennt haben, lehnten es die Thoratreuen ab, mit ihnen ferner in einer Gemeinschaft zu verbleiben, um auch nur den Anschein zu vermeiden, als ob die liberalen Lehren der liberalen Theologen noch etwas mit dem alten Judentum der Thora gemein hätten. Es Exegetische Miszellen. Mitgeteilt von S. Speier. Die Brieftaube. In Bereschit Kap. 8, V. 8 heißt es; navn n« nte*n ins» „Darauf schickte er die Taube von sich aus". Im Zusammenhang mit der Erläuterung dieser Stelle spricht Dawid Kimchi1) in seinem Genesiskommentar von der Brieftaube. Er bemerkt hierzu folgendes: „Als Noach sah, daß er durch den Raben nichts in Erfahrung bringen konnte, schickte er die Taube aus. Die Taube besitzt nämlich das Vorstellungsvermögen (Train na)/ ihrem Absender die Antwort zurückzubringen, nachdem man sie auf diesem Weg (von dem Ort» wohin sie versandt wurde, zu dem Ort des Absenders) ein- oder zweimal hingebracht hat, Auch hat sie den Instinkt (yat>)' in ihr Nest zurückzukehren. Ist es ja auch ein Brauch der Kös nige, die Taube in ihrem Haus großzuziehen und nach entfernten Ortschaften zu versenden. Dort bindet man ein Schreiben an ihre Flügel, und sie kehrt dann mit diesem Schreiben zu ihrem Absender zurück.2) Daher erklären die Geonim3) den Ausspruch des Talmud „Wie die Flügel die Taube beschützen" *) Geboren 1160 in Narbonne, gest. das. 1235. 2) Im Urtext: arm mbvo b«. na» K>m "»a:aa ana i'icnpi •onV nnVnww *n dj "»saaa nrrnt nwips? nawnn (Schabbat 49a)*} auf folgende Weise: Man schlachtet die Taube nicht, weil man sie wegen ihrer Bestimmung als Botin großzieht und am Leben erhält. So kehrt sie jedesmal, wenn man sie freiläßt, zu ihrem Absender zurück. Mekka. In Bereschit Kap, 10, V. 30, heißt es; ö5»i» wi NtWöö „Ihr Wohnsitz war von Mescha aus/'. Ueber die Identität^der Ortschaft t>wn bestehen unter den neueren Interpreten Meinungsverschiedenheiten. Unter Nttfrü könnte man begreifen: a) Die Landschaft Mesene an der Euphrat=Tigris.-Mündung (Michaelis, Gesenius), b) Mas, einen Distrikt der syrisch-arabischen Wüste (Delitzsch), c) Den Ort und das Tal Bisha oder' Beishe im Norden Jemens (Knobel). Es sei mir gestattet, auf die Uebersetzung des Saadia Gaon hinzuweisen. Saadia1) gibt t^iPö mit •-^ wieder. —jä» die Stadt Mekka, Dawid Kimchi fügt (dieser lUebersetzung hinzu: „Dorthin wandern die Ismaeliten, um Feste zu begehen". „Man bindet ein Schreiben an ihre Flügel, und sie kehrt dann mit dem Schreiben, das der, zu dem sie versandt wurde, an ihre Flügel bindet, zu ihrem Absender zurück," 3) Die Geonim lebten zwischen 600 und 1100. 4) Vgl. das. 130a, und Berachot 33b. In dem Werke Ozar Hageonim von B. Lewin zu Berachot und Schabbat wird die oben angeführte Erklärung der Geonim nicht erwähnt. *) In asn (mw ma), der für die' Jemeniten herausgegebenen Uebers.etzung de© Saadia Gaon. Jerusalem 1894. — Saadia ben Josef AMajüme geboren 892 in Dilaz im Bezirk Fajjum (Oberägypten), gestorben 942 in Sura (Babylonien). Zu einer Uebersetzung Martin Bübers. In Bereschit," Kap. 12, V. 3, heißt .es: -pa-inn rmaKi ISS l^pöl „Ich will segnen, die dich segnen, wer dich verwünscht, den will ich verfluchen". Zahlreich werden 'die dich Segnenden sein, dem E i nzelnen, der dich verwünscht, werde ich fluchen (R&mban). Daher wird ^pai im Gagensatz zu Tm3ö in der Einzahl angewandt. So wird Awraham von seinen Zeitgenossen als G'ttesfürst verehrt (23, 6). Und sogar Abimelech, dessen Diener Awraham die Brunnen geraubt 'hatten, schloß mit diesem ein Freundschaftsbündnis, Jizchak hingegen spricht zu seinem Sohn: "ins TTW ..Die .dich verfluchen, trifft Fluch" (27, 29). Ist ja Jizchaks Sohn den Verwünschungen einer Mehrheit ausgesetzt. In der BuberrRosenzweig'sche>n Uebersetzung lautet Bereschit 12, 3 folgendermaßen: „Segnen will ich. die 'dich segnen, die*) dich lästern, verfluche ich"- Diese Wiedergabe stützt sich augenscheinlich auf die Ausführungen von C. J. Ball (Th«. Book of Genesis, in The Sacred Book of the Old Testament, Leipzig 1896), der auf Grund der griechischen und syrischen Version sowie der Vulgata "]Vbpm in T»Wj?»i emendiert. Brunnen des Samum. In Bereschit, Kap. 16, V. 14, heißt es: wnp p nn *r»V i«a —ittäV „Darum nannte man den Brunnen- Beer Lachai-Roi. Im Zusammenhang mit der Erläuterung dieser Stelle bemerkt Ewen Esra:; „Alljähf lieh begingen 'die Ismaeliten Feste .an diesem Brunnen. Heute wird er „Brunnen des Samum" genannt. Frauen beten. In Schemot, (Kap. 38, V, 8, heißt es; iw>n .t-m isia 'brat nna isas ntaxn ntona nvm .ua nt?i rwni *) Von mir gesperrt. Der Verfasser,