Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1937)
- Date
- 1937-05-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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27. Mai; 1937 Der I s ra'e I i t liegt uns fern, in , diesen gefahrvollen Zeiten die alten Kämpfe neu. erstehen zu lassen, aber wir gönnen nicht umhin, unserem tiefen Schmerze Ausdruck zu geben, daß sich Männer, die wir in der jahrelangen Zusammenarbeit als wahrhafte £3->jO"> kennen gelernt haben, die gleich Uns mit einem iPS3n miTOn sondergleichen in der Frage des Kaschruth ihre körperlichen und geistigen Kräfte zermürbt haben, mit Männern wie der Artikelschreiber, denen das Gebot des ariDI flllTHIJ 15D nV eine veraltete Institution ist, obgleich sie t h o r a mäßig zu begründen ist, und so J-?K'W3 ö'HTöö na-JüD sind, denen Schechitah bloß eine „Sitte" ist, die in ihrem Ritus naiD jrtPBr? nK'^a sind, in einem gemeinsamen Rabbinerveir.baiid bleiben können, in dem ja j ü -. d i s c h e Fragen behandelt werden. Sind nicht sie die Veranlassung zu der Frage des Artikelschreibers, wenn ihrVmit einem, „neuen Ritus" euch abfindet, warum nicht auch mit einem „neuen Kaschruifi"? Wenn Ihr mit uns in einer Gemeinschaft verbleibt, also in rTQl'ltffl 'fl so ^p-»a seid, warum wollt ihr gerade in nDTHP und j—IIÖ'HB so *T>ana sein? Dieser Artikel müßte endlich ihnen auch die Augen öffnen und sie sollten JiüJNn »TJl/O sein, daß ein Rabbiner Hirsch oder sein Gegner, der Würzburger- Raw der , als Vorbedingung für das Verbleiben von Thoratreuen in einer liberalen Gemeinde einen gesetzestreuen Vorstand, mit dem die Orthodoxen es alle i n zu tun hätten,, forderte, doch richtiger gesehen haben als sie, die sich über diese kardinale Forderung einfach hinweggesetzt haben. Es rächt sich immer, wenn man sich leichten Herzens über das Votum von ED,,,?'nÄ hinwegsetzt. Wenn die Führer der' Gemeindeorthodoxie aus 'diesem Artikel die einzig mögliche Konsequenz ziehen, so~ hätte auch hier die Kraft, die das Böse will, das Gute bewirkt. Wir verzeichnen es mit Genugtuung, daß auch der 57*1 gegen seinen Willen der Trennungsorthodoxie das größte Kompliment macht, daß sie es ist, die die Dinge beim richtigen Namen nennt und so die jüdische Wahrheit erhält. Er kann versichert sein, daß wir auch weiter, unsere Pflicht kennen werden, und soweit es in unserer schwachen Kraft liegt, dafür sorgen werden, daß auch in Deutschland die Begriffe von itw und nsilto und 11ÖK und "inia nicht verwischt werden, und wir hoffen zuversichtlich, daß unsere Reihen bald aus den Kreisen derer, die mit den abgestorbenen und vermoderten Ideen des religiösen Liberalismus., der sich längst überlebt hat, nichts zu tun haben wollen, ■ Zuzug erhalten werden. Nur so können wir den Gefahren, die uns und unseren heiligsten Gütern „Er machte das Becken aus Kupfer und sein Gestell aus Kupfer, aus 'den Spiegeln der versammelten Frauen, die Sich am Eingang des Zusammenkunftszeltes versammelt hatten". Das Hauptwort t>tas bedeutet nicht ausschließlich Heer, sondern Schar, Menge. So heißt es in Tehillim 68, 12: —ia« m» »n« 3t aas mnvnrsn „Mein Herr läßt -die Kunde ertönen, der Botinnen ein« große Menge". —HPK r-|.KaSn bedeutet mithin; Di© Frauen hatten .sieh zwecks Ablieferung' ihrer Spiegel in großeir Menge am Eingänge des Ohel-Moed eingefunden. Einige Kommentatoren hingegen sehen in den Worten * * flKaxn eine Bezeichnung für eine sich stets wiederholende Handlung. So bemerkt Ewen' Esra zur Erläuterung dieser Stelle: hia»a »irr »i»e^i bbarmb ipin ^n«'nriB!?» nv dv msa i.Sie (diS Frauen) kamen täglich an den Eingang des Obel-M'oed, um zu beten und die Worte der Gebote zu vernehmen". Vgl. Onkelos. und Jonatan z. St. Siehe ferner Schemuel I 2, 22 und Targum. daselbst. Kleines Feuilleton. Abarbanel-Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin. Die Berliner Jüdische Gemeinde, die bekanntlich das Andenken Don Isaac Abarbanels durch eine große S c h u 1 f e i e r, an der die oberen Klassen sämtlicher jüdischen Schulen teilnahmen, und durch die -Prägung einer Medaille des. Aufbrin-, gungewerkes beigangien hat, wird dm Juni .in den Räumen des Jüdischen Museums eine, besondere drohen, begegnen. Den religiös-liberalen Theologen aber empfehlen wir, ihre Toten, das sind all ihre Ideen, ruhig in ihren Gräbern zu lassen. Für diese darf es, wenn die J.udenheit leben will, keine Auferstehung mehr geben. Ihre Schuld ist es, daß die schwere Zeit ein in sich zerrisse- 1 nes und' mit sich selbst zerfallenes Geschlecht gefunden hat, das völlig fassungslos dem großen Leid gegenübersteht, da es ja gar nicht weiß, wofür es leidet. Sie haben ein unwissendes Geschlecht erzogen, das das Judentum nicht kennt und in seinen Werten keinen Rückhalt findet. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die Bezeichnung „Jüdisches Unternehmen" im Wettbewerb. Frankfurt a. M., 24. Mai. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet: Schon in seiner früheren Rechtsprechung hatte das Reichsgericht .entschieden, daß der Hinweis auf Eigenschaften eines Konkurrenten, die mit dem Geenstand des Wettbewerbes nichts zu tun hätten, insbesondere seine Bezeichnung als „jüdisches Unter* nehmen", unzulässig sei. Ein solches Verhalten verstoße gegen die guten Sitten. Auch wenn der Hinweis auf den jüdischen Charakter eiine® Unternehmens, wahr sei und den Tatsachen entspreche, so sei er gleichviel unzulässig, wenn er dazu diene, den eigenen Wettbewerb auf Kosten des Konkurrenten zu fördern. Diese Haltung hat das Reichsgericht erneut vertreten. In dem zur Entscheidung stehenden Fall hatte die eine Firma eine Konkurrenzfirma als „jüdisches Unternehmen" bezeichnet, während die andere Firma es nicht zulassen wollte, daß die Klägerin sich ein „deutsches Unternehmen" nannte. In der Begründung einer Entscheidung vom 12. Januar (II 128/36) sagt 'das Reichsgericht unter anderem: Bereits, in früheren Urteilen habe es darauf hingewiesen, daß ein Wettbewerber bei dem Hinweis auf den jüdischen Charakter seines Konkurrenten sich nicht darauf berufen könne, mit seinem Vorgehen der nationalsozialistischen Weltanschauung zu dienen. Dies sei vielmehr Sache der Staatsregierung und der NSDAP., die allein beistimmen könnten, inwieweit es hierzu einer Fernhaltung oder Verdrängung jüdisch er Unternehmungen aus der Wirtschaft bedürfe. Der Konkurrent könne nur die entsprechenden Stellen, gegebenenfalls, über den Sachverhalt unterrichten. Mit diesem Hinweis bediene sich die Firma atif jeden Fall eines Werbemittels, das sich mit den guten Sitten nicht vertrage. A b a r b a n e 1 - A u s s t e 11 u n g „Der Mann, sein Werk und seine Zeit" eröffnen. Die Eröffnung wird voraussichtlich am 13. Juni stattfinden. Frau Dr. Rahel Wisohnitzer-Bernstein ist mit der Einrichtung und Ausgestaltung der Ausstellung betraut worden. Die Zahl der Juden in Frankreich. Die Mainummer der „JIWO-Blätter", der Monateschrift des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts1, veröffentlicht eine Monographie des bekannten jüdischen Historikers und Soziologen A. Menes über die Juden in Frankreich. In einer Schätzung der Anzahl der heute in Frankreich lebenden Juden nimmt Menes für Pari® und Umgebung die Zahl von ungefähr 170.000 bis 190.000 an (davon 50—60.000 eingesessene französische, 90—100.000 aus Osteuropa eingewanderte, 15—20.000 sephardische und 15.000 aus MitteU und Westeuropa, und zwar Deutschland, T'schechoislovakei, Ungarn, Oesterreich, Holland usw. zugewandert© Juden)i Die Zahl der Juden in der französischen Provinz schätzt Mene® auf rund 80 bis 90.000, so daß heute in Frankreich insgesamt etwa 260 bis 280.000 Juden leiben. Während der letzten zwölf Jahre wunden in Frankreich 35.000 Juden naturalisiert. Briefkasten. K. L. in B. 1). nisa *ia-Tag 29. März, rnaw-nisn na 2. April. 2). nwa na-Tag 8. April, nap-n-sa na 9. April. J. L. in BL Der Barmizwohsabbat äst s'im 's- Selbstbesinnung und Zusammenschluß aller, denen die Thora die g'ttgeoffenbarte Wahrheit bedeutet, ist das Gebot der Stunde, denn nur ein Leben in der Thora bedeutet wahres jüdisches Leben, für das man auch sein Leben einzusetzen fähig sein muß. Den Weg zu diesem Leben weisen uns unsere Großen, deren Größe in ihrer absoluten Unterordnung unter die Gebote der Thora besteht, da sie in Wahrheit durch ihre Weisheit und Heiligkeit mit ihrem G'tte, mit ihrem Volke und mit G'ttes Thora eine Wesenseinheit bilden. Auswanderung und Binnenwanderung, B e r 1 i n , 23. Mai. Im „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden Preußens" veröffentlicht der Sachbearbeiter im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Max Birnbaum, einen zweiten Bericht der beim Landes* verband eingerichteten Meldestelle für Binnen- und Auswanderung für die Zeit des letzten Vierteljahres 1936. Für das Vierteljahr Oktober-Dezember 1936 liegen 7543 W e g z u g s m e 1 d u n g e n vor. Im vorangegangenen Quartal waren nur 5311. Die Wegs züge verteilen sich auf 2282 (2043) Binnenwanderungen und 5261 (3268)i Auswanderungen. Die Binnenwanderung entspricht zahlenmäßig etwa der des voraufgegangenen Quartals und bestätigt die Schätzung einer jährlichen Binnenwanderiung von 10 bis 12 000 Personen. In Preußen haben außerhalb dar Großgemeinden Ostpreußen und Pommern die meisten Verluste durch Binnenwanderung zu verzeichnen; es folgt dann das Land Hessen. An der Spitze der * Großgemeinden steht Frankfurt a. M. mit einem Verlust, der »och einmal so groß ist wie in Pommenii Ostpreußen und, Hessen. Nicht viel weniger als zwei Drittel der Binnenwanderer sind ledig, der Staatsan* gehörigkeit nach sind fast 90 Proz. Reichsdeutsche. Die Au s wand e rungisz a h 1 en zeigen, daß rund 7000 Personen in der angegebenen Zeit ins Ausland gegangen «ind. 'Das bestätigt die Schätzungen von einer Jahresauswanderung 1936 in Höhe von 24.000 Personen. An der Auswanderung sind die Ju-t den Berlins mit 1665 am stärksten beteiligt. Aus Preußen ohne Großgemeinden sind 1178 Personen ausgewandert. Davon kamen die meisten aus der Rheinprovinz (ohne Köln, Düsseldorf -vmd Essen), aus Westfalen und Hessen-Nassau (Bez. Kassel). Insgesamt sind aus Preußen im letzten Quartal 1936 4424 Peronen ins Ausland gegangen. Auf die sechs Großgemeinden Berlin, Frankfurt, Breslau, Hamburg, Köln und Leipzig entfallen 3480 Auswanderungen oder 66 Proz. .der Gesamtzahl, während diese Gemeinden nur 55—60 Proz. der jüdsichen Bevölkerung umfassen. Die Großgemeinden erleiden damit relativ und absolut den stärksten Auswandeirungsverlust. Die Gewinne durch Binnenwanderung sind nur scheinbar. Ueber 12 Proz. der Auswanderer gingen nach Pa* lästina, 14 Proz. nach Westeuropa, 18,7 Proz. nach Südafrika und 20,9 Proz. nach USA. Nach Südamerika gingen fast 21 Proz. Warnung vor Touristen-Auswanderung nach Australien. * B erlin , 21. Mai. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland gibt folgendes bekannt: Seit einiger Zeit macht sich in der Oeffentlichkeit, besonders auch in verhältnismäßig begüterten Kreisen, ein gesteigertes Interesse für die Auswanderung nach Australien geltend. Zweifellos sind auch in Australien gewisse Möglichkeiten für Personen mit einigem Kapital vorhanden, zumal wenn sie ausreichende Kenntnisse der englischen Sprache und bestimmte Branchekenntndsse besitzen. Es muß aber auf das Dringendste davor gewarnt werden, ohne vorherige Erlangung einer endgültigen Einwand erungserlaubniis als Tourist nach Australien zu reisen und von dort aus die Erlangung der dauernden Aufenthaltserlaubnis zu betreiben. .Dieser Weg wird selten zum Ziel führen, in der Mehrzahkder Fälle aber dem Betreffenden nur erhebliche Verluste an Zeit lind Geld verursachen. Wer nach Australien auswandern will, wende sich .zunächst an die zuständige Organisation, d. h. den Hilfsverein, der in der Lage ist, eingehende Informationen zu erteilen und gegebenenfalls 'die Einwanderungsgesuche unter Mithilfe ausländischer jüdischer Organisationen an die austra« lische Regierung gelangen zu lassen. Wahl des Präsidiums der Berliner Repräsentanten-Vcrsammlung. Berlin, 21. Mai. Die auf Grund der Einheitsliste gewählte R e - präsentantemv-ersammlung1 der Jüdischen Gemeinde Berlin hat ihr Präsidium neu gewählt. Zum Vorsitzenden wurde R.-A. Dr. Abraham Lob gewählt. ..Zu stellv. Vorsitzenden wurde der in diesem Amt schon seit Jahren wirkende Liberale Dr. London wiedergewählt; außerdem das Mitglied der Zionistischen Arbeitsgemeinschaft, Reg. Direktor i. R. Conrad 'Kaiser, Alle Wahlen erfolgten einstimmig durch Akklamation.