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Der Israelit · 1937-02-04 · Heft 5 (4.2.1937) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 5 (4.2.1937)
Date
1937-02-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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^~^i"f'-^;~'-y-\". Seite 12 Nr. 5 r a e I ,i & Februar 1937 KURIOSA. Im Zuge der Umwertung aller Werte spricht man in Erez Israel von „ A w o da Sarah", wenn man arabische Arheitim .Gegensatze zu „Awoda Iwrith" meint. Also wer zu den jüdischen Arbeitern noch eine .arabische Hilfskraft anstellt, — was in gewissen Fällen wirklich ein großes Unrecht sein kann, — der dient „Awoda Sarah". Und es steht dabei zu befürchten, daß eine kommende Generation den eigentlichen Begriff der Sünde aller Sünden, der mr miay, nicht mehr kennen wird. Ein recht schönes Wort und eine Losung ist „ T ozeret Haarez", worunter man alles versteht, was im Lande gewachsen ist und produziert wird. Nun wird neuerdings von Tel Awiw aus ,eine neue Marke von H*iV»i "»i^so (Rasiermessern) mit dem „Zionsstempel" angeboten und als pbm. in (talmudische Bedingung für die Ausführung der Schechitaj)1 angepriesen.- Gibt es im zionistischen Palästina kein Gesetz gegen den geschmacklosen und widerwärtigen Mißbrauch geheiligter Begriffe für politische oder geschäftliche Reklamezwecke, wie es alle Kulturvölker haben? In der polnischen Kleinstadt und auf dem Dorfe verhungern die Juden buchstäb lieh. Sie haben, wie Abg. Minzberg im Sejm ausführte, nicht einmal das trockene Brot und die Kartoffeln im Hause, die der notleidende Bauer im merhin noch aus eigenem besitzt. Zur „Steuerung" dieser Not wird im Innenministe rium in Warschau gegenwärtig ein Gesetzesentwurf ausgearbeitet, wonach der Zuzug a^is der Pro vinz nach Warschaü in Zukunft gewissen Be schränkungen unterliegen soll. Dieser Zuzug soll nur erlaubt werden, wenn die betreffende Person e n t sprechendes Kapital zur Verfügung hat oder einen höheren Bildungsgrad und Fachkenntnisse aufweist, so daß sie nicht der Stadt zur Last fallen wird. Wie sagt doch der Dichter in bitterer Ironie „Und wenn du gar nichts mehr hast, dann laß dich begraben, denn ein Recht zu leben^ Lump, haben nur die was haben." „Ich liebe es nicht, so oft den Titel Gaon zu gebrauchen. Es ärgert mich, daß in der neuen Literatur jeder Dichter mit Prophet und jeder Rabbi mit Gaon bezeichnet wird. Wir hatten einmal einen Gaon, e6 war der Gaon, und «r hieß Rabbi EHjahu aus Wilna," Die Worte stammen .aus 'einer Rede von M. U s s i s c h k i n .in einer Wählerversammlung für das Jerusalemer Obefrabbinat. Man weiß, was er damit meinte. Er war ein alter , und lieber Freund Bialiks, aber er hat sich noch von der Cheder jugend Respekt genug vor, den jüdischen HeUigtümern bewahrt, um sich gegen den' Vergleicha l iks mit Jesajas aufzulehnen. ..{ Das Wort wird -wieder in einem, anderen Ziisam» menhang aktuell; 'l&nes^Vkrael. in.'Jerusalen^ .hat einen neuen O b e r r a b b i n e r erhalten', ..dem große Thoragelehrsamkeit' und immenses 'Weltw'j&sen nachgerühmt werden. Wir zweifeln;.keinen! Augenblick, daß er eine Größe in jeder' 'fre&ehuhg ist*/Einer Monatsschrift in Jerusalem genügt aber' diese Feststellung nicht. In einenj Begrußungsartikel wird eine ganze Kollektion von angeblictsn Aeußjerungeh. gro» ßer Männer (sie sind zum gr.ößten Teil nicht mehr am Leben) über den, neuen 'E[aw geboten: „Eine neue Sonne." „Ohnegleichen''. „Eine lebendige Thorkrolle". „Rabbi Aki.b a E g.e r unserer . Zeit . . ." Wer ist heute befähigt;! und,. berechtigt^ solche,; Grade festzustellen üund solche. Epitheta auszuteilen? „Jeder Fromme und-Gelehrte", heißt es im Midrasch, „hat hn Paradies sein e i g e ne s Gemach." Diese Gemächer nach ihrer Rangordnung den Großen zuzuweisen, ist aber Sache des Herrn der Welt und nicht des Redakteurs einer misrachistischen Monatsschrift. . ' Eine Eigenschaft von Rabbi Akiba Eger möchten wir dem neuen Oberrabbiner gern zutrauen. Von jenem Posener Gaon wird erzählt, daß er beim Lesen der eingegangenen Schreiben und halachischen An* fragen stets den oberen Teil des Briefes umbog, um die Titel und Anhimmelungen nicht zu lesen. Herr Oberrabbiner Herz.og wird, als er Nummer 3 des „Hahed" zu Kislew d. J. in die Hand bekam, sicher* lieh die erste Seite umgeschlagen haben . . . lieber Bestrebungen in!'der'v ganzen' tW-elt zum Ziele." Ein gutes Ziel! Allein da einerseits^| der Wunsch'zur Zusammenfassung aller Juden uralt ist, anderer; seits judenfeindliche Bestrebungen und der Versuch Seele ausgehaucht. In Wadzislaw am 13. März 1758 geboren, erreichte |n, ganz jungen Jahren wirkte, er <,als^ in seiner •Heimatsgemeinde, sodann ' .als "Ra^bine^; in ihrer Abwehr auch nicht Dinge von heute sind, so' mehreren 'Gemeinden, bis er : 1830 Weh A b j s Wiccon tArif ' -n i /-»Vi 4- * viroö.' A *i n'r, ^» ^7*A«-A<« MJt - " j-'i I ■ ri Ä )l — YT-T—__Ll_V tl _ ' " ___ " v - ^'' ■ Aus Wien berichtet die ITA., daß dort unter Mitwirkung von Gelehrten, Künstlern und Wirtschaftsführern ein „Verein jüdischer Erneuerungsbewegung" gegründet wurde. Daß eine Erneuerung s b e w e g u n g zur Vereinsgrühdung tritt, ist wohl nicht alltäglich. Wir glaubten immer, Bewegung sei mehr als Verein. Die Bewegung setzt sich, berichtet die ITA, weiter, „einerseits die Zusammenfassung aller Juden Oesterreichs, andererseits die Abwehr judenfeindwissen wir ' nicht, was dieser Verein mit „ j ü d scher Erneuerung" zu tun hat. Ein Gang durch jüdische Buchhandlungen. „Hallo! Hallo! Warten Sie doch!" Ich drehe: mich um, sehe Frau Sternbaum, sehr abgehetzt, hinter nrr her rennen. Ich bleibe stehen. Es folgen die üblichen Begrüßungsformeln. Frau. Sternbaum deutet auf ein Geschäft auf der gegenüberliegenden Seite. „Wissen Sie noch, Frau Koch, als ich hier, in diesem Laden, vor zehn Jahren, nach deutschen Büchern, jüdischen Inhalts, für meine Kinder, fragte?-Wie der Buchhändler sich hinstellte, die Hände in den Hosentaschen, die Schultern hochgezogen und sagte: „Wie oft wolle Se denn noch komme, Se sind die einzige Frau, die Bücher jüdischen Inhalts für Kinder will. Se könne doch wirklich net verlange, daß ma nun grad für Sie druckt! Se sind mer sehr angenehm, aber davor brauche Se net mehr zu komme!" „Ob ich es weiß, . Frau Sternbaum, ich habe es nie vergessen. Was wollen Sie jetzt?" „Den gleichen Versuch, nur zehn Jahre später, wiederholen. Kommen Sie doch mit mir." Wir betreten einen Laden, eng und schmal ist er, mit vielen Sforim und Ritualgegenständen. Ich kenn© den Ladenbesitzer, er ist in Gremien, die sich für den Aufbau Palästinas interessieren, mit meinem Mann zusammen. Meine Bekannte verlangt nach einem jüdischen Buch deutscher „Sprache. Der Herr greift in ein Regal, holt ein hübsch aussehendes Buch heraus. „Das ist was Nettes," sagt der Herr. Frau Sternbaum will noch mehr sehen, auch ich verlange nach Büchern für meine Kinder. Es werden zwei, drei Bücher in hübscher Ausstattung uns (Vorgelegt. „Frau Koch," sagt der Besitzer, „das wäre be stimmt etwas für Ihre Kinder." „So," sage ich, „kennen Sie die Bücher, Herr Stamm?" Zögernd kommt „nein, die Bücher werden aber sehr gelobt." „Meine Kinder kennen die Bücher, Herr Stamm, ich muß sagen „leider", denn diese Bücher sind Propagandaschriften für Organisationen, die auch am Aufbau Palästinas arbeiten, aber gänzlich im Gegensatz durch ihre jüdische Einstellung zu unseren Vereinen stehen." „Wie?" stotterte Herr Stamm, „wie?" „Ja, Herr Stamm, es wäre doch ratsamer, Sie kennten sich ein wenig mehr aus in Ihren Büchern." „Das müssen Sie verstehen und entschuldigen, Frau Koch, aber heutzutage gibt , es eine Fülle von Jugendbüchern, die können wir unmöglich alle gelesen haben." Frau Sternbaum tritt mir auf den Fuß, zwinkert mir zu, lacht und sagt: „Denken Sie, Frau Koch, an zehn Jahre früher-" — Wir kaufen nichts, verabschieden uns. Auf der Straße meint Frau Sternbaum: „Dort ist noch eine hebräische Buchhandlung, die Inhaberin steht 'in der Synagoge neben mir,, auch" den Mann kenne ich, streng fromme Leute.' 'Kommen' Sie doch mit ihir." Frau Sternbaum betritt den' Läden, ich' folgenach. Als 'der Ladenbesit'zer Fratf1' Sterhbäüm ' sieht,' tritt er vor seine Thekej begrüßt sie mit Händeschütteln. Womit 'kann ich Ihnen dienen?" „Ich hätte gern ein billiges Buch für . einen kränken Knaben von zwölf Jahren." Es ■Werden 'zwei '(ganz vergilbte Bücher, ganz veraltert und unbekannt, gebracht.'v,Ich kann'doch eo ' eiwas Vergilbtes »^ichf verschenken." „Ja,"— aber es wird so wenig danach verlangt." Wir überlegen hin und her, „Darf es etwas Hebräisches sein?" „Lieber etwas in deutscher Sprache." „Jetzt liäbe ich das Richtige," kommt der Besitzery ,;es ist nicht teuer." - Er bringt: ein kleines isehwar-» 'zes Buchr Gebete für Freitag Abend, erklärt und übersetzt von einem Reformrabbiner. Das ist das an zjä'n'to {Ungarn) berufen wurde, wo er V?s/an. sein Lebensende'wirkte. . " - . > - ' Rabbi Low, bald in der jüdischen Welt unter dem Namen „Schemen Rokeach" bekannt, galt als einer der; größten Gelehrten seiner Zeit. : Seine Jeschiwa war eine .'Pflanzstätte der Thora'-für viele Hunderte in jedem Semester. Im ganzen , gingen,.'mindestens 2000 Schüler durch diese Thorälehranstalt, von denen viele Später als Lehrer der Thora Namen und Ruf besaßen. Außer dem großen Responsenwerke ,»Schemen Rokeach", das ihm den Namen gab, verfaßte Rabbi Eleasar Low eine große Reihe von halachischen und rabbinischen Werken, auch agadischen Abhandlungen, die zu den kostbarsten Perlen des rabbinischen Schrifttums gehören. Es gibt kaum ein Gebiet der talmudischen Wissenschaft, das nicht von _ diesem Rabbi bearbeitet und beleuchtet würde. Ein reicher Schatz von Erklärungen harrt noch der Drucklegung, darunter Randglossen zu sämtlichen Traktaten des Talmud sowie eine Sammlung von Predigten.; Heute, nach hundert Jahren, ist Abanjszänto noch eine blühende Gemeinde, deren religiöses Leben von Oberrabbiner Rabbi Jakob Mosche Deutsch, •bestens betreut wird. Die Jeschiwa, unter Leitung von Rabbi Deutsch, ist wieder wie damals eine yiel* gesuchte Pflanzstätte der Thora. Als g'ttbegnadeter Redner wirkte Rabbi Deutsch auch auf die charakterliche Ausbildung seiner Schüler im Sinne von *>oi» rrnftv ein. Möge das mst des Gäon, der vor hundert Jahren hier die .Augen geschlossen hat, unserer Gemeinde beistehen, daß sie seiner würdig bleibt. ' O. St. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Eine gesteigerte Rettungsaktion in Polen. Das „Zelt Sarahs». Von Isak Lewin. Der wirtschaftliche Verfall des polnischen; Judentums ist ungeheuer. Di« brausende Welle der Verarmung droht nun bald auch die wenigen zurückgebliebenen, noch bestehenden jüdischen Existenzen zu. verschlingen und alle Herzen und Gemüter' heschleicbit die-schwere, die schwerste aller Sorgen: Die. Sorge- Ums ^tägliche .'Brcjt; die Sorge um die Mögticnkeit,- fürs Leben zu verdienen. V Besonders tragisch -ist die Lage der Tugend> "Dieschwärze Wölke der Ungewißheit: raubtihr) feden Sonnenstrahl am- Horizont ihres Dasein®. In;-.;letzter : Kraftanstrengungkämpft sie mit dem schreckliehsteir undgefährlichsten Feindder "Jugend:1 mit der-; Ver*! zweiflung, Sie *sucht Hilfe; Und Hilfe für die i Jugend"'" heißt:...il}r eine, Richtung geben,1 ihr deff Weg zeigen, 1 der zur Selbständigkeit führt.> "■■' * Die jüdische Zukunft ist "in einen:"' dichten'; Nebel : gehüllt. Wir wissen nicht; wo und wae^wir. in' einigen; Jahren sein werden. So' wendet . sich! die Jugend mit ihrem, ganzen Eifer jener Richtung zu, die ihre" Produktivisierung anstrebt. Soll jeder junge Jude oder Jüdin ein Faöhi in ' Händen^^;;habeh, dann'-können-sieruhiger in die Zukunft schauen. Dann können; .sie UDJf^eJzt. ein«m ^eiormraDDUier. uasm c&s an. < ^füief, bald dort ihr: Zelt aufschlagen,;.Dann, haben- Leblich richtige Buch; welches fromme Buchhändler [ ^chon ^großes, vielleicht das größte, ..Vermögen: ,'die.7 dauernde [ Möglichkeit, - das Jirot, zu verdienen, ünabhäng.ig~ von allen /modernen;Maßregeln,. ,die- 'darauf zielen, dem Menschen das . durch ihn;. erworbene Gut zu* entziehen. ":;■•■ '' Viele Institutionen sind in Polen entstanden, die der Jugend empfehlen! Noch' ein drittes Geschäft suchten wir auf, dort bedient eine FTau die Kunden, Mutter von Kindern. Als bestes „und wertvollstes Büch ihres Bestandes, sucht sie uns, eine Bibel-in Deutsch zu Verkaufen, die ein (Rabbiner geschrieben, der den Begriff des Wunders gänzlich aus der Welt ■unserer religiösen Anschauungen bannen - will;' er selbst ist völlkommen neolog. Ich hoffe, mit dieser Schilderung tatsächlicher Zustände, an das Gewissen und den Geschäftssinn unserer jüdischen Buchhändler zu appellieren, denn in ihrer Hand liegt es zum guten Teil, jüdische Jugend für Religiöses wie Irreligiöses zu interessieren, sie zur Tauroh hinzuführen, wie sie auf Irrwege zu leiten. A. '3er „Schemen Rpkeach". Zu seinem hundertsten Todestage. Die Gemeinde Abanjszänto (Ungarn) rüstet sich, am 27, Schwat ds. Js. d e n hundertste n Todestag des weltberühmten Rabbi Eleasar Low „Schemen Rokeach") zu begehen. Rabbi Low hat in dieser Gemeinde im Jahre 1837 seine große.reine Fachschulbildung zwischen der Jugend verbreiten sollen. Mit Anerkennung darf ihrer hier gedacht v werden, denn Großes haben sie bereits geleistet, i Ab er. ein kardinaler Mangel ließ sich doch hier spüren. Eine religiöse Fachschule größeren Maßstabes war noch nicht da. - Was hat eigentlich, könnte man fragen, Religion mit Fachschulbildung,' gemeinsames? Ist es denn wenig, wenn dafür gesorgt wird, daß jüdische Lehrstätten: entstehen, an denen die Jugend, sei es dieser sei es jener Richtung'. ihren Durst nach Erlangung^ eine®.*praktischen Berufes stillen kann? Wozu da«; Prädikat: „religiöse" Fachschule? . . : Aber zweierlei Umstände sind es, die hier in Erwägung gezogen werden . müssen'. Erstens ist die Schule bei Juden immer ein zweites Heim gewesen, wo das Kind und später die .heranreifende Jugend den größten Teil des Tages verbracht haben; tri dieser Umgebung wurde nicht nur. Wissen geschöpft, sondern auch der Charakter und die Gesinnung ge-

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