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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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D I s r.a e I i t 16. September 1936 Deutung (des Gesetzes hätten wir uns,'soweit'sie sich den Tatsachen und' Einzelheiten des ganzen Gesetzeslebens fügt,. sicher gern gefallen [ lassen und gern manches Körnchen; Wahrheit, in, den schwierigen Konstruktionen der heutigen Kollek tivpsychölogeri und „G^ritolögen" herausgefunden. Was uns kränken muß, sind nur die ungewollt in . diese;- auch von Pettazzoni übernommenen überphilölogischen Forschungsweise ausgesprochenen Wertungen und Diagnosen; und dies um so mehr, als niemand Peitazzoni den Willen zu völliger Objektivität wird absprechen wollen. In Einem jedoch ist die Lektüre seiner Vergleiche und Zusammenstellungen von höchstem Nutzen: Wir sehen die Sündenbekenntnisse der vorsinaitischen Zeit deutlich vor uns aus dem Amarnatafeln und den sonstigen assyrischen Dokumenten erstehen, darin die höchste Entfaltung ein'es ecli.tj'/.^thi.$'chen' Sündenbewußtseins sich vollziehen, wenngleich mit Abstand gegenüber dem unserer Vorfahren selber! undwir sehen dementsprechend die bei früheren Kritikern übliche nachexilische Datierung der Buö- und Sühnepsalmen bei Pettazzoni völlig; verschwinden. Schon allein diese lautlose Entthronung dieses Spätdatierens, die allerdings 'durch die neueren Funde erzwungen ist, macht trotz R ■ i - ■ ";(t *; : allem Qesagten die Lektüre d,es Pettazzoni'schen Buches zu einer Freude. i>. Auch sonst mag die Lektüre 'des' dritten und des ersten Bandes für manche Enttäuschung entschädigen, die der mittlere bietet, in welchem die Behandlung der jüdischen Ueberlieferung enthalten ist. Nur entstehen - durch die vielen handgreiflichen Fehlurteile des Verfassers über unsere Institutionen auch über die, Sicherhait seiner Urteile ini entlegeneren Religionen gewisse Zweifel beim Leser. . Zu verwundern ist sein öfteres Festhalten an: den dogmatisch gewordenen Ideen der alten'Kritikerschulen, so am Ende des Kapitels: über Israel die Hinweise auf iranische Einwirkungen auf das „spätere jüdische Sühnezeremoniell", die man nach den assyrischen Funden sonst nicht mehr zu behaupten pflegte. Alles in Allem: Ein Nachkömmling der r alten Bibelkritik engsten Blickes, und daher für einen nach objektiver Wahrheit strebenden Leser auch in den an sich für uns irrelevanten Partien nicht restlos vertrauenerweckendes Sammelwerk.: Man ist oft versucht, die Maßlosigkeit, mit der einzelne Kritiker, (denen auch Pettazzoni folgt), die den Jomkippur betreffenden Pentateuchstellen für falsch erklären oder spät datieren, auf eine Animosität gegen den Jomkippur zurückzuführen, der ihnen vielleicht, da er der Tag ist, vondessen Begehung auch die entfremdetsten Juden aus Gewohnheit sich schwer trennen, noch bis kurz vor der Taufe in jener j sinnlosen und selbstquälerischen Form s. v. v. eihgebläut Wörden war, in der ihn eben, die Verständnislosen begehen. Ein anderer Anlaß, gerade die Jomkippurstellen der Thora s,o. zu zerpflücken, wie es mit den Stellen über sonstige Gesetze nicht' geschieht, läßt sich kaum annehmen. 1 Bücherbesprechungen. Die Abhängigkeit Thomas von Aquins von R, Mose ben Maimon. ";Von Salamon Koplowitz.. Mir (Polen S. P. 17.) 1935. Selbstverlag. Seit der Entdeckung Joels über 'die Abhängigkeit des Albertus Magnus und Thomas von Aquin® von dem More Nebuchäm des RMbM, sind insbesondere von Jakob Guttmann die Schriften derselben in dieser Richtung weitgehend durchfors'cht worden. Bei fast allen grundlegenden Problemen ist maii auf namentliche Hinweise auf Maimun oder wörtliche Zitate gestoßen,- Das also zusammengetragene Material ist dann von, zünftigen Thomasforschem ergänzt und berichtigt wordenj Dies© versuchte!! durch eingehende Behandlung von Einzel - Problemen das Besondere und Unterscheidende in der Auffassung des Th. möglichst zu eruieren, oder auf eventuelle der christlichen Scholastik angehörende Quellen zurückzuführen. Das Material ist also zu einer zusammenfassenden kritischen Abhandlung gereift. Von jüdischer, Seite hat nun wieder, Koplowitz insbesondere für 'die . philosophischen Probleme, diese, ungeheuren Fleiß beanspruchende Arbeit unternommen! Aus der immensen Literatur über Thomas wird alles Einschlägige angeführt und zu ihr Stellung genommen. In der .Darstellung und Auffassung der Lehren des Th. wird auf die jüngsten Forschungsergebnisse Rücksicht genommen. Die Beachtung der chronologischen Reihen* folge der Werke 'des Th. gibt ihm wertvolle Einblicke in bezug.auf Th.'s zeitweilige Einstellung und Wertung des RMbM, Bei den Lehren des RMbM kommt die j üdis c h - t r a d i ti o n e 11 e Auffassung derselben zur Geltung, Ueberall ist äußerste Vorsicht, der Wunsch zur Objektivität bemerkbar. ,\ In der Darstellung, der einzelnen Probleme wird nicht nur auf die in Abhängigkeit, stehenden Einz ellehren iiimgewiesen, sondern in deicht faßlicher Form zugleich das; ganze Problem beleuchtet und im Zusammenhange -Bedeutung und Wert der betreffenden Lehre gezeigt, wie auch die evtl. Modifikationen erklärt. Bis Guttmann allein von der gleichmäßigen Begründung der. Notwendigkeit der Offenbarung weiß, und Synave gerne auch davon etwas abgewinnen möchte, zeigt K.; daß neben Th.'s . Begriff der Philosonhiev auch die Weite seines .Glaub'ensgebie* ies von Matmonides■ nvtbeshnimt isi>:,und,= die bei ihm ' so sehr gerühmte reinliche Trennung i und harmonische Wiedervereinung ■ voin: Glaru.b e n - und Wissen auf. M. zurückgeht. Der dabei .bestehende Unterschied aber letztlich auf einem; Wesemsunterschied zwischen Judentum und Christentum beruht, das den Glauben an sich, und nur den Glauben als Tugend bezeichnet. Bei den G ' 11 e s b e w e i s e n wird die Möglichkeit des Einflusses des M.; in Auseinandersetzung mit den verschiedenen' Deutungen der Thomasforscher insbesondere .für pdie tertia via gezeigt. Bei der Attributenlehre wird die Seite 2 Nr. 38__ sehen und kosmischen Realitäten ihre eigenen philologischen Grundsätze ad absurdum führen muß. Alle Schlüsse, die man daraus zieht, daß Lev. 16 in Num. 29 unerwähnt bleibt und vice versa, sind deshalb irrig, weil die Besonderheiten des Jomkippur,^die Lev. 16 zusammengestellt sind, in Num. -29 : zwischen den Mussafopfern sämtlicher Feste ebenso wenig zu. suchen haben wie die dort gleichfalls beiseitegelassenen Besonderheiten des Schofartages und des Hüttenfestes. Interessant ist auch die Kühnheit, mit der P., auch, darin seinen Vorbildern folgend, auch das 16. Levitikuskapitel noch in zwei einander ganz zusammenhanglos gegenübergestellte Hälften aufspaltet, um noch weitere „Kultschichten" aufzudecken. Irrig ist auch die Behauptung, der „fortzusendende Bock" sei nach ursprünglichem Texte nur in die Wüste zu entlassen, nicht zu töten; dies beruht auf falscher Uebersetzung, denn es heißt inad VJNPn T\hW\t in der Wüste, nicht zur Wüste himnan^K. Auch „yeschillach" kann ganz wohl die Vernichtung des Tieres bedeuten. Es sei anerkannt, daß alle herabsetzenden Vergleiche mit kirchlicher Gnadenlehre hier vermieden sind und auch die*- heutige Gestalt der jüdischen Versöhnungslituigie mit Objektivität geschildert wird. Auch sei dem Verfasser zugutegehalten, daß die Schiefheit mancher seiner Ansichten schon bei seinen meist in nördlicheren Ländern beheimateten Quellen sich findet, unter denen er allerdings so wenig wählerisch seine Angaben sucht, daß er auch eine Phantasie Eisenmengers über den Brauch der Kappara anzuführen nicht verschmäht. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß die heutige Religionsvergleichung im Wesentlichen Kult f o r - m e n vergleichung; ist. Noch ist das Zeitalter nicht angebrochen, in dem man zunächst innerhalb einer einzigen Religion den geistigen Zusammenhang der Sinnbilder aus allen ihren Einzelheiten erforscht und erst dann Vergleiche ~mt dem Gesamtgeiste anderer Religionen anstellt. Würde eine solche innere Tatsachentreue gewahrt, so hätten wir gerade auch vom Standpunkte des Gesetzesjudentums aus nichts dagegen einzuwenden, daß man auch in unserer Sinnbildfülle den kosmischen Zusammenhängen (etwa in geläuterter „ontologischer" Manier) oder den seelischen Hintergründen (etwa in modulierter Jung'scher Methode) des Gesetzes nachspürt. Gerade daraus nämlich würde man sehen, wie der Sinn und das Ziel aller „Riten" des Thöralebens nur Eines ist: der frei über die Sünde sich erhebende Mensch als Diener und Werkzeug des freien G'ttes, der durch sein Gesetz die Mächte der Gebundenheit von der Erde scheucht Auch die kosmische und die seelische | Historische Notizen. Von Saly Geis. Das Palästina--K!offlil«fr in Odessa brachte von 1890, dem Jahre -seiner offiziellen Gründung, bis 1906-— also in der vorzionistischen Periode — zwei Millionen Mark \ lauf. Das Entstehen dieses Komitees hatte seinein 'Uranfang nach den fürchterlichen Pogromen zu Beginn der 80er 'Jahre,; * •-.;■• t . . Petach Tikwah, die älteste Kolonie iä Erez Israel, wurde 1878 gegründet. Eine Jefusaletaer Gesellschaft kaufte von einem Jaffaer Christen für 20 000 Francs 3200 Dunam Land bei dem arabischen Dorfe Emlebes (d. h, „Zuckersüß" und weist auf guten Boden hin). Dreißig Jahre später waren der Umfang des Besitzes wie auch der Wert des Bodens um das Zehnfache gestiegen. ' '*; ,.s ..; Vor hundert Jahren zählte M äh r e n über 30 000 Juden in 52 Gemeinden. Es zählten Nikolsburg 620, Proßnitz und; Boskowitz jey über 300, Holeschaü, Trebisch und Leipwitz je über 250, Rauswitz,,, Ungarisch-Brod, Groß-Meserits|ch und Eibenschitz, etwa * 150 jüdische Familien. , .,. , Oberlandesrabbinecr .war. damals Rabbi. Nebemiäs T r e b i t s c h aus Prag. T,., eine tahnudis^he .jKap'a* zität und streng thorafreu, war ,nicht —r-. was,, in seiner Zeit noch ungewöhnlich war — gegen profanes Wissen. Seinen Sohn ließ er in alten und neuen Sprachen gründlich unterrichten. 1 Giuseppe Lazzaro Morpurgo f>761—1835) war der Sohn einer reichen und philanthropischen Familie in Gorcia. Sein gutes jüdisches Wissen erwarb er in Verona bei dem späteren Oberrabbiner von Trieist; Nathan' Tedeschi, Er widmete sich dem Studium '<de'i Seerechts;iund des Versicherungswesens, errichtete 1801 eine1 Versicnerungsgeiseillschäft, 1 1807 eine Witwen-'und Waiehvefsiche'rung. 1823? gründete er die AssicÜräzioni Generaji AustrbT'taliche,;die bereits in ihren ersten sechte Jahren vier Millionen Gulden auszahlte,- >'Er''schrieb' ein Werk; über Versicherung und Würdehin mehr als lOQtj Fällen, zum Schiedsrichter gemäß dem Seerecht , ernannt. Er war Präses der jüdischen Gemeinde Triest, dichtete hebräisch, übersetzte Popes „Essay on man" ins Hebräische und verfaßte zwei Tage vor seinem Tode auf Hebräisch seine Grabschrift. * Nachfolgende .Notiz, aus; vergilbten Zeitungsblättern: weist auf Rabb. Samson Raphael Hirsehs! Studienzeit hin: \ „In den Jahren 1829—34 fanden sich sukzessive in Bonn; als Studenten: Ullmann, nachher Präsident 1 des Israelitischen Konsistoriums in Krefeld, FreriSdorf, Oberlehrer in Hannover, Griinebaum, Oberrab- •bineir ins Landau. Dr,..Geiger; Rabbiner in . Breslau, Hirsch, .Landrabbiner. zu Oldenburg, Dr, Söheyor, Uebersetzer des More Nebuchim, ,Dr. Dernburg, M. Heß, Rosenfeld, Münk und Dr. Isler aus Hamburg. Jeden Sabbat wurde ein Vortrag über ein jüdisches Thema .mit anschließender Diskussion veranstaltet.! Von 1815—36 traten in dem 4500 jüdische. Seelen zählenden L i v o r n o 7 Juden] und 16 Jüdinnen zum Christentum über. 1833,richteite:;die. deutsche Synagoge iij'Verona, einen Ghor ein und stellte dafür als Dirigenten und Komponisten einten Christen an. Diese schetaharen Kleinigkeit ein weisen aber auf die jüdische Verflachung deir italienischen Judenheit bereits;vor 100 Jähren" hin. •'•>••; ■■ ' :! ' ' ' *; . . Oberkantor Sülze r< in .Wien galt als der beste Schubertsänger. Als,, er einmal in einem Hofkonzerte das herrliche Lied „Die Allmacht" vortrug, stürzte der Wiener Erzbischof auf ihn zu, umarmte ihn und weinte an. seinem Halse. * 1582 wohnten 200 jüdische Seelen in Fürth, 1607 bestand ein jüdischer Friedhof. 1616 wurde die Haupt- oder Altschul erbaut. Diese Synagoge hatte mancherlei wechselvolle Schicksale, Im Schwedenkrieg wunde sie in eiiiiein:'Pferdestall verwandelt. Feuer-: sucht© sie -wiederholt heiin. 1680 schlug der Blitz ein. ::Bereits- 1697:,muß*e'.eine zweite .Synagoge die Kahalsschul — erbaut werden. Schon 1640 bestand ein Judenspital.:- :■■! ■ ■ . ■ " *; Bei der' Feier des 25jähirigen Bestehensi den!Israelitischen Freischule in flamburg im November 1841 fand auch ein Festessen statt, an^dem 200 Personen teilnahmen. Es gab u. a. Krebse, Austern und Schweinsköpfe auf den Speisekarten :und. auf dem Tisch. Der Direktor der Schule, {Dr. Eduard Kley, früherer Prediger am Tempel, der reformierten Sy-

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