Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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26. März 1936 Der Israelit Nr. 13 Seite 11 Bensnbto ian d'Tid zu Ende gerollt wurde. Rabb. Dr. Grunewald, Mannheim, - zeichnete in prägnanter Formulierung das Leiben und Wirken Dr. Pfälzers, der Vorsitzende des Oberrats der Israeliten Baden«, Prof. Dr. Stein, nahm bewegt Abschied von dem Kollegen dm Oberrat, der ein treuer und tätiger, unermüdlicher Diener des badischen Judentums war. Die Gemeinde beklagte ihren guten Hirten und Führer, die Berufskollegen den echten Wahrer des Rechts, die Zionisten und Gesetzestreuen in .Baden wußten Dank dem Manne, dem die Liebe zur Tradition und die Sehnsucht nach Erez Israel — er durfte es vor zwei Jahren sehen und in sich aufnehmen — eingewurzelt war, — Alle die sprachen, wußten eine andere Seite des Heimgegangenen zu rühmen. Und dann trugen sie ihn von dem Garten seines Hauses, in dem an einem Vorfrühlingstage der aufgebahrt war, hinaus und geleiteten ihn zum Dorfe, aus dem er gekommen war. In Hemsbach, wo das alte Bes Olom seit Jahrhunderten die Ruhestätte der Toten der vielen Kleingemeinden ist, ruht nun auch Oberrat und Parnesi Dr. Moritz Pfälzer aus Weinheim, Die Wandernden, die zum letzten Mal in tiefer Bewegung die Stätte betreten, an der ihre Väter und Großväter und Ahnen ruhen, werden auch am Kewer dieses Mannes, der die kleinen rrftnj? und ihre Sorgen gekannt und sich um sie rastlos gemüht hat, eine stille Wedle verharren. Sein Andenken und die Erinnerung an ihn werden sie mit hinausnehmen in die fernen Länder. Die aber, die nach '"K ziehen, werden das> heilige Land igrüßen von einem, der es geliebt hat mit solcher psn mn» daß um ihretwillen rrapn den um Dr. Pfälzer Trauernden Seinen Trost senden möge. <T*aMr) - Zum Ableben von Oberrabbiner Fuchs V"XT« Oradea, 24. März. Zu unserem Nachruf auf Oberrabbiner Fuchs Vst ist noch ergänzend mitzuteilen, daß er nach gründlichem Studium auf den größten Jeschiwoth in Ungarn, u. a. auch in Preßburg, mit 24 Jahren seine erste Rabbdnerstelle in Kronstadt antrat. Auf den Sitz seines Vaters in Oradea kam er im Jahre 5678. Es waren 18 Jahre des Aufschwunges und der Hochblüte für die Gemeinde. Was er auf dem Gebiete der Kindererziehung im Geiste der Thora geleistet hat, wird das ewige Erbgut für seine Kehilla bleiben, nicht minder die Volkserziehungsarbeit, die er durch die Gründung des Jüdischen Handwerkervereins leistete. Für alles, was irgendwie mit Thora und Jüdischkeit zusammenhing, setzte er seine ganze Kraft und seine ganze Seele ein. Wie schon berichtet, ist die im Jahre 5689 geschaffene Orthodoxe Kanzlei in Transsylvanien fast sein Werk. In Oradea fand damals die große Gründungsver&ammlung unter seiner Leitung statt. Er gehörte auch bis zuletzt dem Fünferkomitee, das an der Spitze der Kanzlei steht, an. Neben der immensen talmudischen Gelehrsamkeit besaß Rabbi Fuchs Weltwis§en und eine Rednerigabe, die ihn zu den besten Kanzelrednern in den früheren ungarischen Landen machte. Die Agudas Jisroel war die Hoffnung seines Lebens. Es ist noch erinnerlich, mit welchem Feuereifer er sich auf der zweiten Kenessio Gedaulo in Wien für den § 4 einsetzte, und für dieses Prinzip kämpfte er auch im großen Rabbindschen Rate, dessen Mitglied er war. Wenn der Agudas Jisroel- Gedanke in Rumänien heute einen festen Boden hat, so ist es zum größten Teile ihm zu verdanken. Obwohl er. seit Jahren herzleddend war, ließ er den Rat der Freunde, sich Schonung aufzuerlegen, vollkommen unbeachtet. So sprach er auch auf jener großen Versammlung vor tausend Menschen von der L e b e n s n o t w e n d i g k e i t der Agudas Jisroel für die Weltorthodoxie, Es war sein letztes Vermächtnis. Mit diesem Bekenntnis "brach er zusammen und hauchte seine reine Seele aus. Die Bestattung am Dienstag gestaltete sich zu einer gewaltigen Trauerkundgeibunig, an der auch die .ganze Umgebung teilnahm, Fast alle Rabbinen der umliegenden Gemeinden waren anwesend. Vor dem Hause wurden ergreifende Hespe dim gehalten, u. a. auch von Dr. Salomon £ h r m a n n , Frankfurt a. M., der zur /Zeit seine intensive Propagandaarbeit in Rumänien entfaltet. Auf dem Friedhof wurden weitere Reden zu Ehren des Heimgegangenen gehalten. Im Aguda- .lokal fand noch am Abend nach der Beisetzung eine T r a u e r v e r s a m m 1 u n g statt, in der neben Anderen auch Herr Dr. Eirmann die Persönlichkeit des großen Rabbi schilderte. jrn . ' <*«f5 Aus den Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel Paris, 15. März. Die Pariser Ortsgruppe der „Agudas Jisroel" hatte für den 15. März eine Versammlung in den Festsaal des „Journal" einberufen, zu der sich etwa 450 Personen einfanden, darunter <u. a. ider. Grand-Rafobin de Paris, M. Julien Weil, die Präsidenten derorthodoxen Gemeinden und zahlreiche Persönlichkeiten aus den verschiedenen Kreiden der Pariser Jüdenheit, Der Vorsitzende der Pariser Gruppe, Mäitre M. Muller, eröffnete den Abend mit einem Hinweis auf 'die überaus schwierige Arbeit auf Pariser Boden, der vollen Einsatz der agudistischen Menschen erfordere. Mehr als überall sei in Paris die Notwendigkeit einer lebenskräftigen agudistischen Gruppe vorhanden, aber schwieriger als überall seien die Bedingungen, unter denen der mühevolle Aufbau igeleistet werden kann. Immerhin habe die Gruppe einen sehr erfreulichen Wiederaufstieg genommen, der hoffentlich zu einer erfolgreichen Tätigkeit führen wird. Alsdann ergriff Herr Jacob Rosen he im, das Wort, um in äußerst eindrucksvollen Ausführungen Haltung und Zielsetzung der Agudas Jisroel darzulegen. In prachtvoller Rede entwickelte er die historische Grundlegung der agudistischen Ideologie, deren praktische Durchführung auf allen Gebieten der jüdischen Tätigkeit und die Aufgaben, deren Erfüllung noch aussteht, Jacob Rosenheim wies auf die unheilvolle Auswirkung der religiösen Krise hin, die sich immer deutlicher bemerkbar mache, Individuum und Gemeinschaft seien gleichermaßen verpflichtet, die Mauer um das jüdische Erbe, von allen Seiten bedroht, aufzurichten, Agudas Jisroel sei die Hüterin und Kämpferin für die Gestaltung unserer jüdischen und nationalen Zukunft, getragen vom Geiste der ewig-wahren UefoerMeferung, — Die Versammlung, die zum ersten Male in Paris Gelegenheit hatte, den Präsidenten der Organisation zu hören, bereitete ihm nach seiner Rede eine spontane , Ovation. — Herr Rabbiner S. L au g e r betonte die Notwendigkeit, angesichts der ungeheuren Gefahren, die der jüdischen Diaspora drohen, eine geschlossene und wirkungsfähige jüdische Masse unter der Fahne der Agudas Jisroel zu organisieren. Den Beschluß des Abends bildete eine sehr lebendige und zündende Ansprache des Herrn Harry Goodman aus London, der vor allem den ostjüdischen Teil des Publikums mit einer sehr wirkungsvollen jiddischen Rede bedachte, die ihm den stürmischen Beifall - der Versammlung eintrug. Leipzig,, 15. März. In einer größeren Versammlung, gemeinsam veranstaltet von Orts-, Jugend- und Esra P. A, J,-Gruppen, hielt Herr Rabbiner Dr. L i pschütz einen iaon auf Rabbi K u k , Leo Deutschländer und Sara Schendrer. Anschließend gab Herr David Uli mann, Frankfurt a. M,, ein umfassendes Bild von der Erez Jisroel-Arbeit der A. J. und dem Weg der Aguda-Jugend nach Erez Jisroel, Herr Rabbiner R o g o s n d t z k i leitete die Tätigkeit der Agudas Jisroel-Frauengruppe mit einem Vortrag ein über nnswn mrm. Diese Gruppe nahm die Pflege wichtiger Institutionen (nipa) erfolgreich wieder in Angriff, Herr Lehrer Steinberg berichtete auf Grund seiner in Erez Jisroel gewonnenen Eindrücke -über die Lage des gesetzestreuen Judentums im Heiligen Lande. — Ein wissenschaftliches Referat des Herrn Studienrats Sohn vermittelte den Hörern Grundsätze jüdischer Lebensweisheit, — Herr Dr. A. Adler gab einen Bildbericht über seine Palästdnareise mit Hinweisen auf das jüdische Leben und seine Kernfragen. — Der Iwrith-Vortrag des Herrn P. W o 11 m a n n, Frankfurt a. M., „Unsre Verpflichtung gegenüber der hebräischen Sprache" fand großes Interesse, — An ständigen Einrichtungen der Ortsgruppe besteht neben Gmoro-Schiurim eine Arbeitsgemeinschaft über Rambam und *nRört mi3» unter Leitung des Herrn Studienrats Sohn, Dem Vorsitzenden, Herrn Steinmarder, gelang es, für den Kibbuz in G e d e r a h eine Thorarolle zu erwerben, die Herr Rabbiner Dr. E. Carlebach persönlich zu überbringen in Aussicht gestellt hat. Durch Entsendung eines Vertreters, Herrn Dr. D z i a 1 o w s k i , in den Sozialausschuß der hiesigen Religionsgemeinde erhofft die Ortsgruppe eine angemessene Förderung ihrer intensiven Tätigkeit zur Unterbringung Jugendlicher in Jeschiwa und Hachscharah. Hamburg, 17. März. Am 16. Adar wiederholte Herr Oberlehrer Dr. M a n d e 1 b a u m , Hamburg, die Vorführung seiner prachtvollen Bilderreihe: „Palästina vom Wege aus gesehen" in der A. J.-Ortsgruppe Hamburg-Altona, diese^ä Mal in Altona in der Aula der Gemeindeschule." Die Zuhörer bekamen einen lebendigen Eindruck 'des Heiligen Landes. Alle Bilder, dem'Lande in schwierigen Wanderungen abgerungen, künstlerisch aufgenommen, zwangen die Zuschauer stark in ihren Bann. M, Vermischtes. Berlin, 24. März. Am Sonntag, den 29. März, vorm. 10 Uhr, wird die Ausstellung von Schülerarbeiten des Realgymnasiums und Oberlyzeums der Israelitischen Synagogengemeinde (Adaß Jisroel) zu Berlin, Siegmundshof 11, eröffnet. Die ausgestellten Arbeiten zeigen den systematischen Aufbau des Unterrichts in den technischen Fächern von Sexta bis Obersekunda. Die Ausstellung ist dem Publikum un- In unserem Verlage erschien soeben: DAS BUCH EINDEUTUNGSVERSUCH VON OBERRABBINER DR. JOSEPH CARLEBACH 77 Seiten, Preis broschiert Mk. 0.75 - gebunden Mk. 1.50 Aus dem Inhalt: Es bleibt doch alles beim Alten ♦ Wie Koheleth zum Pessimisten wurde Alles hat seine Zeit ♦ Die Weltschau ♦ Besinnung ♦ Des Lebens Widersprüche »Du lebst ja noch! »Nutze geschäftig die Stunde! ♦ Freue dich der Tage Kraft! ♦ Einleitung, Nachwort und Anmerkungen. Kohele m wechselnden Urteil der Zeiten Aus Anlaß der Berufung Dr. Carlebachs als Oberrabbiner nach Hamburg machen wir ein Sonderangebot seiner bisher bei uns erschienenen Werke: DAS HOHE LIED Sonderpreis Mk. 5.00 PROPHETEN anstatt: broschiert Mk. 3.00, gebunden Mk. 4-00 S o n d e r p r e i s broschiert Mk. 2.00 oder gebunden Mk. 3.00 Diese Sonderangebote gelten nur bis Pessach 5696 (7. 4.36). VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G. M. B. IL FRANKFURT AM MAIN, SCHÜTZENSTRASSE 12, Postscheckkonto Nr. 19802