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Der Israelit · 1936-02-27 · Heft 9 (27.2.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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# Seite 8 Nr. 9 Der Israelit erschien soeben In unserem Verlage JLJ *^^L SiÜ U Ü KOHELETH EIN DEUTUNGSVERSUCH VON OBERRABBINER DR. JOSEPH CARLEBACH 77 Seiten, Preis broschiert Mk. 0.75 - gebunden Mk. 1.50 Aus dem Inhalt: Es bleibt doch alles beim Alten ♦ Wie Koheleth zum Pessimisten wurde ♦ Alles hat seine Zeit ♦ Die Weltschau Besinnung ♦ Des Lebens W i dersprüche ♦ D u lebst ja noch!»Nutze geschäftig die Stunde! ♦ Freue dich der Tage Kraft! Einleitung, Nachwort u n„d Anmerkungen. Koheleth im wechselnden Urteil der Zeiten. Aus Anlaß der Berufung Dr. Carlebachs als Oberrabbiner nach Hamburg machen wir ein Sonderangebot seiner bisher bei uns erschienenen Werke: DAS HOHE LIED Sonderpreis Mk. 7.00 anstatt: broschiert Mk. 3.00, gebunden Mk- 4.00 Sonderpreis broschiert Mk. 2.00 oder gebunden Mk. 3.00 Diese Sonderangebote gelten nur bis Pessach 5696 (7.4.36). VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G. M. B. H. FRANKFURT AM MAIN, SCHÜTZENSTRASSE 12, F«-.tscne^u«nf0 Nr. 19802 Iiitischen Kultusgemeinde veröffentlicht -'"c:n Autrut- Nach dem Aufruf-*- ^Organisation: Ermögiichun'* -1 -rLllJan nach Erez Jisroel für streng religiöse Olim, sowie entsprechende seelische und körperliche Ertüchtigung dieser, die Unterstützung der bereits bestehenden streng religiösen Institutionen m Erez Jisroel, die unter der Leitung des Rabbinates des Waad hoiir hoaschkenasi stehen, die Gründung und Unterstützung von Jeschiwoth und Talmudthoroth im heiligen Lande, den Kauf von Immobilien und landwirtschaftlichen Besitzungen usw. Polen. Für verstärkte Auswanderung von Juden aus Polen nach Palästina und anderen Ländern: — Intervention Polens bei der englischen Mandatennacht gefordert. Warschau, 20. Febr. In der am 20. Februar Nachmittag abgehaltenen Sitzung der Budget-Kommission des polnischen Senats haben die Senatoren Graf R o s t w o r o w si k ' und Fürst Radziwill aufsehenerregende Vorschläge für eine konstruktive Lösung der Judenfrage in. Polen gemacht. Die beiden Redner wandten sich gegen das Treiben der antisemitischen Nationaldemokraten und wiesen darauf hin, daß die wirtschaftliche Entwicklung eine verstärkte Abwanderung von Juden aus Polen notwendig gemacht habe. Die polnische Regierung müsse daher diplomatische Schritte unternehmen, um England als Miandatarmacht für Palästina zu veranlassen, eine verstärkte jüdische Einwanderung aus Polen nach Palästina zu ermöglichen. Auch im Zusammenhang mit der Aktion der Samuel-Gruppe soll* die Regierung der Frage der Auswanderung von Juden aus Polen ihr Augenmerk .zuwenden. Graf Rostworowski schlug vor, daß die polnische Regierung England auf diplomatischem Wege veranlassen solle, eine größere Zahl von Palästina-Zertifikaten für Juden in Pollen auszugeben. Die Juden - frage, erklärte der Redner, verschärfe sich von Tag zu Tag und es bestehe kerne Aussicht auf eine Entspannung der Situation, Die Zahl der Juden in Polen sei zu groß. Die wirtschaftliche Entwicklung in Polen verlaufe' so, daß immer mehr Juden die Erw-erbsmöglichkeit verlieren und die Reihen der Erwerbslosen anschwellen lassen. Im weiteren Verlauf seiner Rede griff Graf Rostworowski die Nationaldemokraten wegen der von ihnen verübten antisemitischen Exzesse an. Eine solche Politik, erklärte er, körine keinesfalls eine Lösung der Judenfrage herbeiführen. Das Problem müsse vielmehr so formuliert werden, wie dies seinerzeit der frühere Abgeordnete Grünbaum getan habe, der erklärte, es gebe in Polen eine Million Juden zu viel. Darum sei es' Pflicht der polnischen Regierung, die jüdische Auswanderung zu fördern. Im vergangenen Jahre sei die Auswanderung nach Palästina groß genug gewesen; aber in diesem Jahre sinke sie infolge der Politik der Mandatarmacht, die die Tendenz verrate, mit Rücksicht auf die internationale Lage die jüdische Einwanderung nach Palästina zu drosseln. Die polnische Regierung müßte ideshalb alle möglichen Schritte unternehmen, um durch 'diplomatische Aktionen mehr Zertifikate zu bekommen. Nach Polen kämen heute weit weniger Zertifikate als nach Deutschland, das nicht mehr als 500.000 Juden habe, während in Polen dreieinhalb Millionen Juden leben. Warschau, 23. Febr. Im Namen der Regierung antwortete Innenminister R a c z k i e w i c z in der Budget -Kommission des Senats auf die vor kurzem von den Senatoren Graf Rostworowski und Fürst 'Radziwill erhobene Forderung, die polnische Regierung möge auf diplomatischem Wege eine größere Zahl von Einwanderungszertiükaten für polnische Juden erlangen und auch für die Förderung der Auswanderung von Juden aus Polen nach Ländern außerhalb Palästinas Sorge tragen. Innenminister Raczkiewicz erklärte, die polnische Regierung stehe grundsätzlich einer Verstär- _21, Februar 1936 kung der jüdischen Auswanderung aus Polen freundlich gegenüber. Diese Frage erfordere jedoch eine internationale Aktion und liege nicht innerhalb der Kompetenz der polnischen Regierung. Rückt die Regierung von dem Schächtverbotsprojekt ab? Warschau, 20. Febr. Die halboffizielle „Gazetta Polka" veröffentlicht einen Artikel, au® dem deutlich zu ersehen ist, däß die Regierung über die Einbringung eines Schächtverbots-Anträg im Sejm keineswegs erfreut ist und nicht beabsichtigt, den Juden ein Schächtverbot aufzuzwingen. Eher scheint die Regierung geneigt zu sein, die Schechita gewissen Einschränkungen zu unterwerfen. Die von der Konferenz der jüdischen Großgemeinden Polens gewählte Exekutive des Komitees für die Abwehr der Schächtverbots-Gefahr hat beschlossen, in der nächsten Woche sine (Delegation zum Staatspräsidenten Prof. Moscicki zu entsenden, um den Präsidenten über die wahren Gründe der Schächtsverbot-Propaganda und die Bedeutung der Schechita für die jüdische Bevölkerung aufzuklären. Der Abordnung werden die Großrabbiner von Beiz, Sochaezow und Alexander, der ehem. Abgeordnete Rabbi Lewin sowie sämtliche aktiven jüdischen Parlamentarier, und zwar die Senatoren Prof. Schorr und Trockenheim und die Abgeordneten Dr. Sommerstein, Rabbiner Rubinstedn und Minzberg angehören. Neuwahlen in den jüdischen Gemeinden Polens. Warschau, 20. Febr. Der Chef der Abteilung für Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden im polnischen Kultusministerium hat dem Vorsitzenden der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Eli Mazur, mitgeteilt, daß aller Wahrscheinlichkeit nach noch im Laufe des Monats Februar eine Verordnung über die Durchführung von Neuwahlen in allen jüdischen Gemeinden Polens erlassen werden wird. Verurteilung nationaldemokratischer Terroristen in Polen. Warschau, 23. Febr. Das Kreisgericht von Radom hat den Vorsitzenden der nationaldemokratiLschen Partei im Distrikt Przytyk, wo es in der letzten Zeit wiederholt zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen ist, Vinzenz Korozak zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, weil er terroristische Ue'berfälle auf Bauern organisiert hatte, die sich geweigert hatten, den von den Nationaldemokraten geforderten Boykott der Juden mitzumachen. Zwei andere nationaldemokratische Rädelsführer wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, öas Zeugenverhör ergab, daß die Terroristen für ihre Tätigkeit Bezahlung erhalten hatten. Der polnische Uinterrichtsminister verurteilt die judenfeindlichen Exzesse an den Hochschulen. Warschau, 24. Febr. Der polnische Unterrichtsminister Prof. Szwientoslawski befaßte sich im Sejm während der Debatte über das Budget des Unterrichtsministeriums u, a. auch mit dem Schulwesen der Minderheiten in Polen. Im Anschluß daran berührte der Minister die Verhältnisse an den Hochschulen, wobei er die judenfeindlichen Ausschreitungen, dlie sich in letzter Zeit immer wieder an den Hochschulen Polens wiederholen, schärfstens verurteile. Zu den H o c h s c h u 1 - E x z e s s e n bemerkte der Minister: Nicht durch lärmende demagogische Losungen oder Exzesse, sondern nur durch ernste, bis zum Aeußersten angestrengte großzügige Arbeit werden Staaten und Völker sich in dem Wettkampf der Welt den Sieg sichern. Dies zu verstehen, ist für uns eine Notwendigkeit. In der Debatte sprach der jüdische Deputierte Rabbiner R u b i n s t e i n sein Bedauern darüber aus, daß der Minister in seiner Rede das jüdische Schulwesen

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