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Der Israelit · 1936-02-27 · Heft 9 (27.2.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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27; Februar 1936» Der Israelit Nr. 9 Seite 7 Gemeinden wieder einmal .die Möglichkeit hatten, in jüdischem Kreise sich, auszusprechen .und sich als Glieder deines großen Gänzen zu fühlen. Von deir-'Brcslaucr "Jüdischen Winterhilfe. •"*'•';>-':^ "" ' ' Breslau, 21. Febr. TE&e ' "Syna^g'oge^n^ieaneinde Breslau umfaßt etwa 1&0Ö0 Mitglieder: ^Davöh. werden 4552 Personen gegenwärtig" Von der1 Jüdischen Winterhilfe unterstützt, also 20''bis 25 'Proz. der gesamten Gemeindeimitglisder. Die Zahl der Unterstützunigsempfäniger ist in der letzten Zeit gegenüberfeiern;. Vormonaten gestiegen. Ende Dezember betrug sie nur 4381, Ende November rund 4000 Personen. Die gegenwärtig unterstützten 4552 Personen setzen sich aus 2257 Fällen, die durchschnittlich zwei Unterstützungsempfänger aufweisen, zusammen. im einzelnen erhalten .etwa ' liOÖ Einzelpersonen, 500 Familien zu zwei Personen, 300 zu je drei Personen, 190 zu vie't Personen," 100 zu 5 bis 6 Personen und 11 über 7 Personen Unterstützung. 2500 Erwachsene und 500 Kinder wurden neu eingekleidet. Im übrigen hält sich die sonstige Unterstützung im Rahmen der Richtlinien für die Jüdische Winterhilfe. Auch in Breslau sind viele ehrenamtliche Helfer bei der Jüdischen . Winterhilfe tätig. Oesterreich« ' Der Rogätschovref Gaon in Wien. '" . V, Wien, 24. Febr. Der Gaon unserer Zeit, Rabbi Jossef Rosen aus Dwinsk, genannt der R o g a t s c h o w e r Gaon, ist seit einigen Monaten schwer leidend, und es ist ergreifend, aus der östlichen Presse zu ersehen, wie heiß in allen Getrrieihden in banger Angst um das kostbare - Leben des Gaon gebetet wird. Vor einiger Zeit wurde Gelmer der bedeutendsten Professoren aus Wien nach Riga, wo der Gaon jetzt seinen Wohnsitz hat, berufen. Diese Woche entschloß er sich, in Begiei-. tung seines Arztes nach Wien zu fahren, um kr einem bekannten Sanatorium Heilunig zu suchen. In Warschau, wo der Zug in früher Morgenstunde, ankam, war der, Andrang_ am /Bahnhof so gewaltigdaß efn großes Polizeiaufgebot zur Aufrech'tei"baHun^''''Her Ordnung nötig war. In -Wien, wo der SchneUzug in früher Abendstunde ankam, war es nicht viel anders. Die Rabbinen und zahlreiche Thoragelehrte der Stadt wairen alle , am Warschauer Bahnhof zur Begrüßung versammelt. Schulkinder,- bildeten, Spalier .und riefen im Chore das vorgeschriebene . pbnv. T»*i3' als der Wagen des Rabbi vorbeifuhr. Möge «r»n ,die Gebete der vielen Tausenden um die volle Genesung des großen Rabbi erhören. Ungarn. Brief ans Ungarn. Budapest, 20. Febr. Der Prälat Alexander E r a s t, Kultusminister a. D. hat gegenüber einem jüdischen Journalisten interessante Aeußerungen über Juden und Judentum getan. Die Juden hätten ebenso Tugenden und Fehler, wie alle anderen Völker. .Auch, die Behauptung, woüiach die Juden überall 'die Revolutionen, vorbereiten, treffe nicht zu. Es liege im Interesse des überwiegendenTedlsjl der Juden, daß keine, Revolutionen statt-' finden,, daß keine .Bürgerkrie'ge die innere Ordnung' stören, denn solche Umwälzungen seien fast immer vqn Judenverfolgungen begleitet.' Die historische 'Bedeutung des Judentums sieht Prälat ürns'i in der Er- "• . ö .".'>,: . .!>;; , "■■ i: Stärkung des Glaubens an den einzigen G't'f. „Wir müssen ^feststellen," fügte er hinzu, „daß Moses gewaltige moralische Gesetze und bleibende Lehren in einer Zeit verkündet hatte, da die Völker, die heute die Lehren M*os& ablehnen, noch nicht einmal" 'existiert; haben. Ich halte es für ein wahrhaftiges Wunder, daß, sich das Judentum erhalten, hat Üiid schreibe dies der. inneren moralischen Kraft der jüdischen Religion., zu .,.(,...... Ich, schätze überaus hoch den glaübi: gen Juden, und diese meine Anerkennung ist iim so größer; je auJrichiiger der Jude an. den Vorschriften' seiner .Religion. festhält. Wenn teilweise' einzelne Ju-1den.an, dem Antisemitismus schuld sind, so sind diese' fast au^schiießliph anfciöder areligiose Elemente. IdV ke.nnej .jd^ -Lehren. <Us Judentums und ich weiß*,' daß Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) " Tel Awiw. Wie das American Eco- ' nomic Committee tfor Palestine in seinem i: Tätigkeitsbericht für das Jahr 1935 mitteilt, wandten sich im Jahre 1935 2355 Immigranten oder künftige Immigranten an das Zentrale Informationsbüro für wirtschaftliche ' Fragen, die -ihr Kapital in Palästina investieren wollen. Bemerkenswert ist, daß die persönlichen Anfragen aus Deutschland zurückgegangen sind. Von 1162 persönlich oder durch Vertreter Anfragenden stammen 46 Prozent aus Deutschland (gegenüber 56 Proz. im Vorjahr), 10 Proz, aus Polen, 8 Proz. aus Aroerika, 5 Proz. aus Oesterreich, die restlichen 31 Proz. aus 35 verschiedenen Ländern. Das abnehmende Interesse an der Gründung industrieller Unternehmen, das bereits im vorletzten Jahre festzustellen war, hat sich 1935 weiter verschärft. Ursachen hierfür sind das unibeschränkte Dumping, ungenügender Zollschutz für junge Unternehmen. mit gesunder Basis, das Fehlen vollständiger Zollbefreiung aller industriellen Maschinen und Ausrüstungen, Mangel an pachtweise erhältlichem Fabrikgelände, Mangel an langfristigen Industriekrediten, Mangel an Arbeitskräften. J ä f f a. Die seit Mitte des Monats einsetzende Preisbesserunig für Citrusfrüchte hält an, Anfang dieser Woche wurden für Grapefruit bis 16/3 sh, für Orangen ungefähr 14 sh erzielt. Für große Früchte sind die Preise jedoch nach wie vor ungünstig. Nach Rumänien wurden wieder Verschiffungen vorgenommen, obwohl die Laige ungeklärt ist. Das Angebot der rumänischen Regierumg, Erleichterungen für Ladungen auf rumänischen Schiffen zu gewähren, ist palästinensisch erseits abgelehnt worden. Die palästinensisch-rumänische Handelsbilanz ist für Rumänien ■.derartig günstig, daß derartige Bedingungen nicht akzeptabel sind. Tel Awiw. Der Handel zwischen Palästina und Deutschland hat sieh im ersten bis <l*Hte» Quai tÄVHt^a^-im Vergleich zum Vorjahr wie folgt'entwickelt.: WäVend sich der deutsche-Export nach Palästina ^ege-M^b^r dem Vorjahr um LP 350.000 erhöht hat, ist der palästinensische Export näqh Deutsjphlarrd. um ebenfalls* LP 350.000 zurückgegan-- gen. Der. deutsche Exportüberschuß nach Palästina hat sich daher mehr als verdoppelt. Insgesamt wird der deutsche Export nach Palästina im Jahre 1935 die Höhe von LP 2 Millionen überschreiten. J e r u s alem. Die „Investment Corporation of Palestine Ltd.", die im letzten Jahre von der Bankfirma Jacob Japhet u. Co. Ltd. mit einem Kapital von LP 20.000 gegründet wurde, gibt eine. Obligationen-Emission vo*n . LP 100.000. für deutsche Juden heraus, die Beträge zum Transfer durch die Haavara - vorgemerkt haben. Die Zeichnung dieser Obligationen ist von vornherein mit einem 40p.rozentigen Kursverlust verbunden, für LP 1.— werden 20 RM. in Zahlung genommen, obwohl der offzielle Kurs nur etwas über 12 RM. beträgt. Die Obligationen, die mit nur 4 Proz. erheblich unter dem landesüblichen Satz verzinst werden, haben eine Laufzeit von 15 Jahren und werden vom dritten Jahre an mit halbjährlich Va« des Betrages amortisiert." Mit den eingezahlten Markbeträgen sollen deutsche Waren gekauft und an palästinensische Unternehmen übergeben werden. Die Uebergabe soll in^Form langfristiger Kredite an industrielle Unternehmen und von Hypotheken auf Häuser erfolgen. Es ist vor allem daran gedacht, transferierte Baumaterialien gegen zweite Hypothek zur Verfügung zu stellen. Die Transfergeschäfte dieser Gesellschaft unterliegen der vorherigen Genehmigung durch die Haavara. Die Leitung der „Investment Corporation of Palestine Ltd." liegt in den Händen der Firma Jacob Japhet, Mitglied des Board ist u. a. Dr.. Foerdier, Tel. Awiw.. Tel Awiw. Nach der Herausgabe des „Palnews Wirtschafts- Jahrbuches für Palästina 1935", das im vorigen Jahre erschienen ist, bereiten die Herausgeber "von „Palnews"' das Jahrbuch 1936 vor, das im April vor. der Eröffnung der Levante-Messe erscheinen wird. Haifa. Nachdem soeben die Außenhandelsziffern für September dm Commercial" Bulletin veröffentlicht wurden, läßt sich ein zusammenfassender; Ueberblick über die Entwicklung des palästinensischen Außenhandels in den drei ersten Quartalen des Jahres 1935 gewinnen:" '■ diese ein ehrliches und reines Leben vorschreiben. Dieses reine und ehrliche Leben erscheint beim nichtreligiösen Juden nicht mehr derart gesichert. So wie ich auch für den Charakter eines antireligiösen Menschen einer anderen Konfession nicht einstehen kann." Die autonome Orthodoxe Israelitische Kultusgemeinde in Budapest hat an sämtliche Mitglieder ein Rundschreiben gerichtet, worin sie sie ermahnt, bei Besetzung von freien Posten in allererster Reihe die schabboshaltenden Bewerber zu berücksichtigen. Zur gleichen Zeit hat die Gemeinde im Einvernehmen mit dem Vereine „Tifereth Bachurim" eine amtliche Stelle für Stellenvermittlung geschaffen. Die Tauf-Epidemie dauert in Ungarn weiter an und fördert immer neue Opfer. Noch in den letzten Tagen haben zwei sensationelle Austritte aus dem Judentum stattgefunden: Oberregierungsrat Dr. Alader D e m e n y , Vorstandsmitglied der Pester Israelitischen Neoiogen Kultusgemeinde, der während der letzten Aibgeordnetenwahlen als jüdischer Wahlmacher der Regierung fungierte und nicht genug sein Judentum betonen konnte, hat die Religion seiner Väter auch formell verlassen. Der zweite ist Dr. Artur R a d o , ein vielgenannter Führer der ungarischen Gegenrevolution. Die orthodoxe „Zsido Ujsäg" erinnert in diesem Zusammenhange daran, daß es in der Budapester neoiogen Gemeinde bereits wiederholt vorgekommen sei, daß aktive Vorsteher, z. B. die Barone Herzog und D o m o n y i, sich taufen ließen. Noch heute wirkt ein getaufter Jude als Schulinspektor in Ungarn, der früher Prediger einer neoiogen Gemeinde war. In der Stadt Debrecen mehren, sich in der letzten Zeit die judenfeindlichen Ausschreitungen. Antisemitische Plakate und Flugzettel kommen in Verkehr, die Besitzer jüdischer Firmen werden behelligt und Kunden der jüdischen Ladenbesitzer werden durch photographische Aufnahmen an den Pranger gestellt. Auch das Zentralkomitee der Orthodoxie beschäftigte sich mit diesen Vorfällen und hat nach Anhören des Referates von Sam. Bernfeld beschlossen, bei zuständiger Stelle zu intervenieren. ' Der Vorsitzende der Israelitischen Neoiogen Landeskanzlei, Hofrat S. Stern, hielt anläßlich der vier- 2lsiöhatten. Wiederkehr der Rezeption eine sehr resignierte „wn «-^ nichlr Wiir erinilern uns bloß. Das Feiern bat keinen SU». - ^E heutigen Situation, in welcher das Gesetz der_Rezeptlüü_^ unberührt weiterlebt im Gesetzbuche, aber der Geist, yelcher dieses Gesetz ins Leben gerufen hat, nicht mehr wirkt." „Zsido Elet" in Budapest veröffentlicht eine Unterredung, die sein nach Wien entsandter Berichterstatter mit dem greisen Agudoführer, R. Wolf Pap-, p e n h e i m , hatte. Es sind Aeußerungen über die Aguda-Organisation, die Beth Jakob-Schulen, usw. Zu den Bestrebungen der um die Schiffschül gruppierten Orthodoxie sagte Herr Pappenhelm u. a. folgendes: „Jetzt, da eine Regierung an der Spitze Oesterreichs steht; die dem religiösen Geist die entscheidende Rolle zugesteht, haben sich unsere alten Hoffnungen nach Selbständigkeit erneuert, und wir haben uns wegen unserer Sepärierung an die'"Regierung gewendet, diesmal hoffentlich mit Erfolg. Nach meiner Ansicht werden der neuen orthodoxen Gemeinde bereits bei der Gründung 500 Familien angehören." In Ungarn wird ein neues Industriegesetz vorberaitet. Angeblich soll es eine Bestimmung enthalten, wonach die Gewerbescheine denjenigen entzogen werden können, die sich als unverläßlich erweisen. Diese Nachricht hat selbstverständlich große Unruhe in den jüdischen Kreisen hervorgerufen, man wittert neue Fallen für die Gewerbetreibenden jüdischer Konfession. Ob mit Recht, wird die nahe Zukunft zeigen. Der Oberrabbiner der orthodoxen Kultusgemeinde in Kiskörös, Verfasser eines bekannten homiletischen Werkes, Rabbi Dow Löblovitsch, ist im 69. Lebensjahre in Budapest plötzlich gestorben. Er wurde in seiner Kehilloh, in welcher er 36 Jahre lang wirkte, zu Grabe getragen. Hespedim wurden gemäß der letztwilMgen Verfügung des Verblichenen an der Bahre nicht gehalten. Nach der Kewuroh hielten die Rabbiner der fünf Nachbargemeinden herzliche und ergreifende Nachrufe. Die Jischuw Erez Jisroel-Organisation der Budapester autonomen Orthodoxen Israe-

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