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Der Israelit · 1935-09-05 · Heft 36 (5.9.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 36 (5.9.1935)
Date
1935-09-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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5, September 1935 Der Isra e Ii t Nr. 36 Seite 9 Feiern, die aus diesem Anlaß geplant, waren, hatte sich der Öberrabbiner verbeten. Im Februar d. J. hatte die Stadt Tel Awiw ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Rabbi Abraham Jizchak Hakohen Kuk, der seit 1923. Chiefrabbi, von Palästina und seit 1919 Oberrabbiner von Jerusalem war, wurde 1865 in Griva- Sengalin bei Dünaburg geboren. Seine Tätigkeit als Rabbiner begann er 1888. 1904 kam er nach Jaffa, wo seine halachischen Entscheidungen über Fragen, die mit der jüdischen Kolonisation zusammenhängen, starkes Aufsehen erregten. Er suchte durch Friedensliebe alle heranzuziehen. Während des Stavsky-Prozesses gab Oberrabbiner Kuk öffentlich seiner Ueberzeugung von der Unschuld der Angeklagten Ausdruck und nahm an der Verteidigungsaktion hervorragend Anteil.. Zu den religiösen Problemen des Palästina-Aufbaus hat Oberrabbiner Kuk zum letzten Mal anläßlich der vor kurzem in Krakau abgehaltenen Misrachi-Weltkonferenz Stellung genommen. Oberrabbiner Kuk gründete 1918 die Organisation „Degel Jeruscholajim", deren Ziel es war, „die nationale Wiederbelebung zu den ursprunglichen Quellen des' Judentums zurückzuführen." 1922 gründete er in Jerusalem die „Jeschiwa Merkasit Olamit".. Von seinen Schriften sind die halachischen Abhandlungen ,,Ez Hadar" (über Ethrogim) und „Schabbat Haarez" (über Schemitta. und Jowel), „Oroth Meophel" und „Oroth Hatchijah" — Betrachtungen über die Renaissance, ,,Oroth Hateschuwah" (über den Wert der Buße für das gesellschaftliche und private Leben)', das Gesetzesgebiet Palästinas betreffende Homilien „Mischpath Kohen" und eine Sammlung von Briefen aus dem Jahre 1908—1920 hetvotzuheben. Niederlassungen Feierlichkeiten statt, die alle zur Bekräftigung des religiösen Gedankens im neuen orthodoxen Jischuw beitragen werden. ' ' Die Jeschiwa „Beth Jossef" in Tel Awiw, genannt „Die Nowogrudoker Jeschiwa", wandte sich an die Agudazentrale in Jerusalem mit der Bitte, ihr 50 Zertifikate für Jeschiwajünger zu besorgen. Die Frage der 50 Zertifikate wurde schon aus Anlaß des Besuches des Sluzker Raw und Rabbi J. M. Lewin in der Jeschiwo erörtert. Nunmehr scheint der Wunsch Erfüllung zu ünden. Auf der Liste befinden sich geeignete Jünger aus Warschau und anderen Städten der Gola. Herr Nurok vom Einwanderungsamte versprach, die angeforderten Zertifikate außer der Schedule zu bewirken. Die Propaganda für Keren Hajischuw in den Städten und Kolonien hat vielversprechend begonnen. Auch der W a a d H a c h i n u c h ist in Funktion getreten. Seine Inspektionsbesuche in den verschiedenen Schulen ergaben einen erfreulichen Erfolg. Ein Weckruf der Zeiire Agudas Jisroel an ihre Mitglieder wie an die gesamte Jugend Palästinas unter dem Titel mwnn fand überall ein ver-r ständnisvolles Echo, und ist zu hoffen, daß die Wirkung nicht ausbleibt,. Die Nachricht vom Ableben Dr. Deutschlände r s •"J'XT brach hier wie ein Blitz ein. Erst vor wenigen Tagen hatte die orthodoxe Jugend in Palästina heiße Gebete für diesen geliebten Führer in den heimatlichen Synagogen sowohl, wie vor der Westmauer verrichtet. Sein Besuch vor zwei Jahren in Erez Jisroel und sein Aufenthalt an allen orthodoxen Stützpunkten des Landes sind noch in frischer Erinnerung. Trauerkundgebungen sind an verschiedenen Stellen abgehalten worden. züglich des abessinisehen Konfliktes schwirren, fast eine panikartige Stimmung hervorgerufen. Auf der einen Seite verstärken diese Maßnahmen das Sicherheitsgefühl im Lande, auf der anderen Seite aber werden dadurch die Befürchtungen, daß Palästina in den Konflikt mit hineingezogen wird, genährt. Besonders die arabische Presse setzt weitgehendste Hoffnungen auf den „bevorstehenden Krieg", in dem sie „ein Gnadengeschenk vom Himmel" erblicken und von dem sie eine Neuorientierung in Palästina erwarten. In Leitartikeln und Betrachtungen rufen die arabischen Blätter das arabische Volk auf, auf der Hut zu bleiben und keine Gelegenheit zu verpassen. Die unmittelbare Folge des Erscheinens der Kriegsschiffe war ein Sinken der ägyptischen Wertpapiere. Auf die panische Stimmung trat aber wieder Beruhigung ein, so daß sich die Papiere um 15 Punkte wieder erholten. Es werden behördliche Maßnahmen getroffen gegen Kaufleute, die die Situation für Preissteigerungen ausnutzen oder zu- Spekulationszwecken mit der Ware zurückhalten. Kanada. Wahlen in Kanada mit Rücksicht auf den Versöhnungstag verschoben. Ottawa, 27. Aug. Die kanadische Regierung hat die für den 7. Oktober festgesetzten Wahlen mit Rücksicht darauf, daß der Versöhnungstag auf den 7. Oktober fällt und die jüdischen Wähler an der Ausübung ihres Wahlrechts verhindert wären, auf den 14. Oktober verschoben. Ursprünglich sollten die Wahlen am 30. September stattfinden, es war jedoch nicht möglich, die Vorbereitungen bis zu diesem Termin abzuschließen. Nach der Wahlordnung muß die Wahl immer an einem Montag stattfinden. Die jetzt mit Rücksicht auf den jüdischen Feiertag vorgenommene nochmalige Hinausschiebung der Wahl hat auch einen besonderen Ministerratsbeschluß erforderlich gemacht, durch den der Nationalfeiertag, der auf den 14. Oktober fällt, ausnahmsweise auf den 24. Oktober verlegt wird. Personalien- Rabbiner Dr. Leopold Wreschner V^T» Frankfurt a. M„ 3. Sept. Nach längerer Krankheit hauchte am jüngsten Sabbat in Frankfurt, wo er Genesung suchte, Rabbiner Dr. Wreschner, der Homburger Raw, seine reine Seele aus. Der deutsche Rabbinerstand, der in den letzten Jahren so manchen schweren Verlust erlitt, hat wiederum eine seiner ragendsten Persönlichkeiten verloren, das orthodoxe Judentum in Deutschland beweint einen Lehrer und Führer, in dem sich tiefe Gelehrsamkeit mit glühender Liebe zur Thora und Mizwohtat, immenses Wissen auf allen Thora- und profanen Gebieten mit einer schöpferisch tätigen Menschenliebe so harmonisch verbanden, daß man allgemein, auch weit über seine Gemeinde hinaus, in höchster Verehrung zu ihm hinaufschaute. Ein Siebenziger, ging er von uns, aber in dieser Siebenzigzahl waren „alle gelebten Tage enthalten" 'tt* n n a ir/iuar- Ein Leben, reich an Arbeit und gesegnet mit Erfolgen, sank ins Grab; der Segen wird nachwirken für Generationen. Einer altehrwürdigen Rahhinerfamilie in der Provinz Posen entstammend, im Tuande, das damals noch ganz befruchtet war vom Geiste eines Rabbi Akiba Eger V-xuwuchs der Jüngling buchstäblich »3*u n*vmn heran, zuerst vom Vater, dem als Talmid Chochom bekannten, erst vor wenigen Jahren mehr als neunzigjährig heimgegangenen Wolf Wreschner ^"Xt in die Hallen der Thora eingeführt. Unter der Führung von Rabbi Esriel Hildesheimer auf dem Berliner Rabbinerseminar bekam er dann seine Formung für sein späteres Leben und Lehren. Ueber dreißig Jahre wirkte er als Rabbiner in Samt er, Prov. Posen, wo er ganze Generationen für Thora und positives Judentum großzog, wo er dem Gemeindeleben eine Prägung gab, die auch die späteren Umwälzungen nicht verwischen konnten, wo er Alt und Jung bei Schiurim und in Lernvereinen sammelte und vor allem seiner Gemeinde ein Leben in G'ttesfurcht und. Reinheit vorlebte, das allen nachahmenswert schien. Grenzenlos war die Verehrung, die auch die anderen Konfessionen dem jüdischen Rabbi und dem liebevollen -Menschen entgegenbrachten. Ais der Kriegssturm über das Posensche Land fuhr und die große Umwälzung brachte, verließ Rabbiner Dr. Wreschner, wie viele andere seiner Amts- Die letzten Stunden des. Oberrabbiners und die Bestattungsfeierlichkeiten. Jerusalem^ 4. Sept. Am Sonntag morgen hatte .sich der Zustand von Oberrabbiner Kuk, der im Montefiore-Hospital lag, so verschlimmert, daß man die Angehörigen und nächsten Freunde ans Krankenbett rief. Unter den Anwesenden im Krankenzimmer sah man auch Oberrabb. Josef Zwi Duschinsky von der Agudas Jisroel-Gemeinde. Um 5.15 Uhr trat der Tod ein, nachdem kurz vorher der Kranke das Bewußtsein wiedererlangt hatte. Man hörte deutlich, wie er das hundertstimmige Schma leise mitmurmelte. Schon gegen sechs Uhr war die ganze Stadt von der Trauerkunde erfaßt worden, Extrablätter trugen sie ins Land hinaus. Sofort schlössen sich die Aemter und die Büros der jüdischen Organisationen, die Geschäfte folgten. Auf den öffentlichen Gebäuden wurden Trauerfahnen aufgezogen, die Lichtspieltheater wie die Cafes schlössen. In der Kuk'schen Jeschiwa, wohin der tote Rabbi verbracht wurde, -hielten Jünger die Trauerwache. Eine Ehrengarde der Polizei erschien vor dem Lehrhause. * . m Die Bestattung fand am Montag früh auf dem Oelberg statt. Man schätzte die Zahl der "Teilnehmer auf 100.000, zu denen mindestens 30.000 Menschen aus der Provinz herbeigeeilt waren. Alle Dächer und Balkons waren schwarz von Menschen. Schüler der Jeschiwa und der Talmud Thora-Schulen gingen dem Züge voran und rezitierten Psalmen. Unter den Ehrengästen sah man auch die Spitzen der Behörden und hohe Geistliche der verschiedenen Konfessionen. Eigentliche Trauerreden wurden, nach dem letzten Wunsch des Rabbi, nicht gehalten. Nach dem Kaddischgebete des Sohnes, Rabbi Zwi Jehuda Kuk, sprachen nur Rabbi Isser Salman M e 1 z e r für die religiösen Institutionen und Chacham Joseph Levy für das sefardische Rabbinat einige Worte, . die im lauten Schluchzen der Menge fast vollkommen untergingen. Die Arbeit in den jüdischen Betrieben ruhte während der Bestattung vollkommen. (Siehe auch Leitartikel.] Brie! aus Jerusalem. Jerusalem, 28. Aug. Aus Anlaß des 15. A w fanden in allen orthodoxen „Sabbatruhe nach Tunlichkeit". Jerusalem, 30, Aug. Das palästinensische Oberrabbinat hat sich seinerzeit an die Regierung mit dem Ersuchen gewandt, daß den jüdischen Eisenbahnern am Sabbat ein Ruhetag gewährt werde. Die betreffende Denkschrift wurde nunmehr durch den Chefsekretär der Palästina-Regierung folgendermaßen beantwortet: „Der eingebürgerte Brauch, den jüdischen Arbeitern wöchentlich einen Ruhetag, nach Tunlichkeit am Sabbat, zu gewähren, wird durch die zeitweilige Verordnung der Bahndirektion, den Verkehr am Sonntag einzuschränken, nicht berührt. Sie können versichert sein, daß die Direktion sich auch weiterhin an die bisherige Uebung halten wird, soweit die Erfordernisse des Verkehrs dies zulassen." Aktion zur Befreiung in Sowjetrußland verhafteter hebräischer Schriftsteller. Jerusalem, 30. Aug. Der hebräische Pen-Klub Erez Israels befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Schicksal der in Sowjetrußland von den dortigen Behörden verhafteten hebräischen Schriftsteller H. J. L o n e k i und A. Freimann, Die Verhaftung der beiden Schriftsteller erfolgte wegen der Veröffentlichung ihrer hebräischen 'Schriften in Palästina. Der Pen-Klub hat beschlossen, sich an die Exekutive der Jewish Agency mit dem Ersuchen zu wenden, sie möge eine politische Aktion mit dem Ziele einleiten, die Freilassung der Verhafteten durch die Sowjetregierung zu bewirken. Gleichzeitig möge die Exekutive Schritte unternehmen, um die Gleichberechtigung der hebräischen Sprache in Rußland zu erlangen. "Die gleiche Aufforderung hat der hebräische Pen- Klüb äii die Londoner Pen-Klub-Zentrale gerichtet. Englische Kreuzer in Haifa, Haifa, 3. Sept. In den Hafen von Haifa sind am Montag drei englische Kreuzer eingefahren. Ihnen folgen dieser Tage acht Zerstörer. Auch andere Vorsichtsmaßnahmen sind, nach englischen Zeitungsberichten, gegen überraschende Angriffe aus der Luft oder von der See her getroffen worden. Die Ankunft der Kriegsschiffe hat im Zusammenhange mit den anderen Gerüchten, die hier be-

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