Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1935)
- Date
- 1935-09-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 36 D e r. I s r a e 1 i t 5/-September11935 brüdeiydie geliebte Heimat. In Berlin, konnte er sich eine Zeitlang mit bestem Erfolge an seiner geistigen Näbrstätte, am Rabbinerseminar als Dozent für Talmud und hebräische Grammatik, die zu seinen Lieblingsfächern gehörte, betätigen. Er bezog dann seir nen neuen Wirkungskreis in Homburg v. d. H.; wo es ihm schon in kurzer Zeit gelang, sich alle Herzen zu gewinnen, und wo er,. verehrt und geachtet von allen, von der Schönheit der T<aunusstadt umgeben, sich in aller Ruhe seinen wissenschaftlichen Studien hingeben konnte. Mehrere Abhandlungen in verschiedenen Jahrbüchern sind aus , dieser Zeit der stillen emsigen Arbeit entstanden. Bekannt iünd viel gelesen, besonders auch von der Jugend, ist seine Rabbi A k i b a Eger-Biogra p_h i (Jüdischer Volksschriften-Verlag), die bei aller wissenschaftlichen Gründlichkeit durch die edle Volkstümlichkeit im Tone rasch ein Buch für alle geworden ist. Seine Homburger Zeit brachte ihn auch Frankfurt nahe, mit dem ihn auch verwandtschaftliche Beziehungen eng verbanden (zu den Trauernden gehört sein- Bruder, Herr Leo Wreschner, Frankfurt a. MJi und die Frankfurter, zumal im Kreise 'der Israelitischen Religionsgesellschaft, sahen längst im verehrten Rabbiner der Nachbar gemeinde den ihrigen. Daß sie es mit Fug und RechfPdurftjen, bewies auch sein letzter Wille, auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. seine letzte Ruhestätte zu finden. Die Bestattung am Montag vormittag gestaltete «ich durch die gewaltige Beteiligung und die zahlreichen Reden zu einer überaus wirksamen und ehrenvollen Trauerkundgebung. In Vertretung des durch einen Krankheitsfall verhinderten Herrn Gemeinderabbiners sprach als erster, Dajan Dr. E. Posen, der in Anknüpfung an einen Satz des Thoraabsehnittes das Charakterbild des Heimgegangenen kurz zeichnete und die letzten verehrungsvollen Grüße des Herrn Gemeinderabbiners wie der Gemeinde I. R. G. überbrachte. R.-A. Dr. Schlesinger schloß sich als Neffe mit warmen Worten der Dankbarkeit und der Verehrung an. Es sprachen dann nacheinander die drei Schwiegersöhne des Heimgegangenen, die Herren Rabb. Dr. J a k o b o - vits, Dr. Singermann, Berlin und Dr. Ephraim, Kissingen, die alle ergreifende Töne der Klage um den geliebten Vater anschlugen und ehrende Worte des Dankes für die Familie fanden. Der letzte große Schmerz des Dahingeschiedenen war der jähe Verlust eines geliebten Sohnes, der im Leben bereits etwas galt, und die Redner schilderten, mit welcher Seelengröße. der Vater diesen schweren Schlag trug. Mit tränenerstickter Stimme sprach auch der jüngere Sohn, der zur Zeit in Montreux lernt, den Dank an den Vater aus. Die Grüße ■ des B e r I;in e r R a bbiners eminars und des; G e s e t z'est r e u e n R a b b.i n e r v e r b.a n d e s überbrachte^in markanten und geistvollen Worten Herr Rabb. >Dr; Alexander A 11 m a n n , Berlin. Zuletzt sprachen noch die Herren Vorsteher Dr. W e r t h e i m e r und Kantor Herz den Dank der Gemeinde. Homburg an ihren geliebten Lehrer und väterlichen Führer aus, wobei noch mancher charakteristische Zug aus- Leben und Charakter des, dahingegangenen Zaddik die Hörer aufs tiefste ergriff.;; Der Name von Rabbiner Dr. Wreschhjei wird auch in Frankfurt tinvergeßlicb. bleiben;. Möj>e sein 0*0: seiner Familie und seiner Gemeinde beistehen und uns allen" ein JWWI tfrm tav. bewirken.. im«. Altona, 2. Sept. Nach schwerem Leiden verschied im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde Frau Sara Cohn, Witwe des in unserer Gemeinde unvergessenen Peter Cohn, des ältesten: Sohnes des Klausrabbiners Reb Jekew Cohn s. A. Obwohl sie hochbetagt von dannen ging, löste ihr Scheiden in; allen Kreisen tiefe Trauer aus, denn sie; war eine einzigartige fromme Frau und eine vorbildliche Wohltäterin der Armen. In ihrer Jugend war ihr frommer Vater, Karl Bing, von Hannover nach Frankfurt a. M. gezogen, um seine Kinder unter dem Emfluß S. R. H Irschs aufwachsen zu lassen. Und 'so ward sie eine Schülerin des Direktors. Mendel Hirs ch., von ihm wurde ihr die große Begeisterung für das Tenach und reiches jüdisches Wissen, eingepflanzt. Die Liebe zu den Hirsch'schen Erklärungen < zur Thora erfüllte sie bis in die Tage, wo sie unter den schwersten körperlichen Qualen auf dem Krankenlager ^daniederlag. Sie -vergaß ihre Schmerzen, indem sie den Saalgenossinnen aus dem Kommentar Hirschs die Deutung der Wochensidra vorlas. In Altona,, wo ihr die Stunde des Glückes schlug, entfaltete sie neben' ihrem frommen Wirken im Familienkreise eine rastlose Tätigkeit in der Uebung von Gemilus Chessed. Als Vorsitzende der Frauen-Chewra kadischa sorgte sie Tag und Nacht für mittellose Kranke in der Gemeinde; jede freie Stunde war sie unterwegs, um Gelder aufzubringen für verschämte Arme, denen sie z. T. Jahrzehnte hindurch über die Not des Tages hinweghalf. Die Sammlung der Challa-Büchsen lag ganz in ihren Händen, Obwohl in ihrem eigenen Hause; niemals der Ueberfluß geherrscht, hat sie einen Waisenknaben zu sich aufgenommen und bei sich erzogen. Nie hat sie das tägliche Gebet versäumt. Ihr großes G'ttvertrauen und ihre innige Frömmigkeit halfen ihr über alle eigne Enge des Lebens hinweg, so daß ihre frohe Natur, -ihr Humor und ihr ^lebendiges- Interesse für alles sie zum Mittelpunkt eines großen Verwandten- und Freundeskreises machten; Zu der Trauerfeier auf dem Bahrenfelder Friedhof hatte sich eine große Gemeinde von Verehrern zusammengefunden, all. derer, die ihr im Leben nahegestanden. Oberrabbiner Dr. C a r 1 e b a c h gab den Gefühlen des Schmerzes aller Ausdruck. Eine Mutete r d e r A r m e n nehme, von uns Abschied, eine Frau, die aus tiefer Frömmigkeit heraus-ihre Pflicht, Liebe und immer wieder Liebe auszustreuen, als ihren höchsten; Lebensberuf erkannt hatte. War die Famjlie, in der; sie ihr Lebensglückv als Gattin- und Mutter fand, durch Thora und hohen Geist ausgezeichnet, so ergänzte;sie deren hohen Rang... innerhalb der .Altonaer Gemeinde durch die echte Wirksamkeit einer ischo zadkonis, unausgesetzt den1 Lebenden wie den Toten Gutes zu tun. Der Glanz der Persönlichkeit von S, R, Hirsch hat über ihrem ganzen Leben gestrahlt, hat sie das Judentum in seiner letzten Tiefe verstehen und erfüllen lassen. So geht sie als eine Vollendete, von allen verehr/ und bewundert, den Weg der Ewigkeit, und ihr Grab ist betaut von den Tränen allder Vielen, denen sie beigestanden und Gutes getan hat. Nicht nur in den Herzen ihrer Kinder und Enkel, die z, T. nur aus der Ferne sich der Trauergemeinde anschließen können, sondern auch in ihrer ganzen Gemeinde wird ihr Name zugleich mit den großen Rabbinen der; Vergangenheit Altonas immer in Ehren genannt werden, rraxan C. Vermischtes- Berlin, 30.. Aug. Die Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde in Berlin veranstaltet auch im kommenden Winter wissenschaftliche Abendeim Logenhaus Kleiststr. 10, sowie Fortbildungskurse in den Krankeninstitutionen.' Die Fortbildungskurse beginnen nagh den hohen Feiertagen. Der erste wissenschaftliche Abend wird am 22. Oktober stattfinden. Außerdem wird voraussichtlich im November bei genügender Beteiligung abermals ein Kursus in der „Früherkennung und Frühbehandlung des Krebses" im Krankenhaus stattfinden. Meldungen hierfür werden schon jetzt entgegengenommen.: Bocholt, 30. Aug. Am 8. September, 16 Uhr, tagt die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer vom Niederrhein in M ü 1 h e i m (Ruhr). Referat Löwenstein, Essen über Kol nidre und seine Entstehungsgeschichte. Hierauf Lernen Traktat o"' tp iroia von '•Dl »flixia V"9 »p&S > »an an, bis Schluß des pna- S o e I* e ix e r s c Iv e 1 n f : DAS LICHT DER EWIGKEIT Einführung In das Welibild der jüdischen Überlieferung uon Rabbiner Dr. £lie Flunh in Rnsbada mit Geleitworten der Herren Rabb. Dr. P. Kohn, Ansbach und Dr. R. Klein, Mrnberg 253 Seiten Preis toroscli. Mki 4.- leinwandband Mk. 3.— i In fünf Kapiteln: Die Well / 6'tr/ Der Mensch / Israel / Die Thora / wird in dieser ebenso tiefschürfenden wie ergreifenden Darstellung ein vollständiges Weltbild des Judentums entrollt. Dieses hunslnoll aufgebaute Weltbild wird aus dem junersdiö'pflichen ßedanhenscha^ geformt, der in der Klassischen Literatur der ältesten jüdischen Ueberlieferung, der Kabbala, perborgen liegt. Zum ersten mal erfährt diese Literatur im deutschen Sprachhreis eine ihrer würdige Bearbeitung, die zugleich ihre ewig zeitgemäßen Werte offenbart, ihre von logischer Klarheit beherrschte Weltdeutung und ihre so unendlich trostreiche und unendlich gefühlshtnige Cebensauffassung. mie,;weltanschaulichen Prägen und Probleme, die Herz und Uerstand des Menschen bewegen, werden unter diesem „£ichte der Ewigkeit" einer ganz neuartigen-Xösung zugeführt, und aus dieser grandiosen Perspehtiue wächskschliefjlich das öebäude des Judentums in lichtnoller Erhabenheit heroor. Für all' diejenigen, die sich in unserer haltlos gewordenen Zeit nach einem neuen Zugang zum Judentum oder nach einer üertiefung in seine Weltanschauung und seine religiöse Praxis sehnen, bedeutet dieses Buch geradezu eine Offenbarung. Es wird Jn einer trüben und sorgenuollen Periode. der jüdischen Geschichte .Bielen zum wahren Führer und Tröster werden. Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen wie auch dir eKi vom Verla g e VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G.M.B.H., Frankfurt am Mai». Reclineigrabenstrafie 7 Posischeckltonio 19S02- 1