Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1935)
- Date
- 1935-09-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 36 Der Israelit 5. September 1935 Kuk in Jerusalem. Der Bittg'ttesdienst fand in Ver bindung mit pf> moa nv statt. Erklärung des Misrachi über seine Vereinbarungen mit der. Arbeiteriraktton. Luzern, 29. Aug. Im Zusammenhang mit der Rückkehr der Misrachifraktion zur aktiven Beteiligung an den Kongreßarbeiten hat die Fraktionsleitung der ITA. mitgeteilt daß in den getroffenen Vereinbarungen ferner vorge sehen sei, daß nach spätestens sechs Monaten alle öffentlichen Arbeiterküchen in Pa lästina auf rituellen Betrieb umge stellt sein werden. Das Direktorium des Ke ren Hajessod habe sich verpflichtet, die mit der Durchführung dieses Beschlusses verbundenen ein maligen Kosten zu decken. Die Kulturdebatte. Luzern, 1. Sept. Die unvermeidliche Kulturdebatte stieg am Donnerstag abend und begann mit einem Referat vott Berl Katzenelson über den Aufschwung der hebräischen Sprache. Er lobt die hebräischen Kindergärten, Elementar- und Hochschulen. Hebräisch sei die Sprache im Büro und vor Gericht. Alle Hoffnungen, die man vor zwanzig Jahren an die he bräische Sprachbewegung setzte, hätten sich nicht verwirklicht. Die Sprachbewegung könne mit der Masseneinwanderung nicht gleichen Schritt halten. Die Assimilation greife auch in den Ländern mit kompakten jüdischen Massen, wie in Rumänien und Polen, sehr um sich, die zur Entnationaliiserung führe. Auch in Erez Jisroel sei durch die Einwanderung ein Sprachenbabel entstanden, woran die zionistische Organisation nicht unschuldig sei, da sie die hebräischen Lehrer zu wenig unterstütze. Er erinnert an das kul- turelle. Vermächtnis von Bialik. — Diese Rede nimmt Rabbi Meier Berlin, da er nach der Wiederaussöhnung zum ersten Mal das Wort ergreift, zum Anlaß, den Kongreß darauf aufmerksam zu machen, daß Kultur nicht allein Sprache und neuere Literatur, sondern auch und erst recht die alten Quellen der Religion, überhaupt Lehren und Lernen und Befolgen dessen, was geschrieben steht, bedeute. Eine so geartete Kultur müsse die Verbindung zwischen unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schaffen und sichern. — J. Grünebaum meint, man berücksichtige heute schon in den palästinensischen Schulen die alte jüdische Literatur in genügendem Maße. Es sprechen noch zu diesem Punkte Rabbi Amiel im Sinne von M. Berlin, Dr. Bogratschoff, Prof. Brodetzki, Dr. Mossinsohn und Dr. Lewinsohn. Es wird die Schaffung eines Kulturdepartements in Aussicht gestellt. Aus den Resolutionen des Zionistenkongresses. Luzern, 3. Sept. Die Politische Kommission hat eine Reihe von Resolutionen ausgearbeitet, deren wichtigste der Protest gegen die Einsetzung des Legislative Council ist. Eine Resolution appellierte an die öffentliche Meinung der Welt,;,dem jüdischen Volke in seinen Be- ' . 1 mühung£n, ein sicheres und ständiges Heim zu erlangen, beizustehen."Die Entschließungen zum Araberproblem, gipfeln in dem Wunsche, freundnachbarliche Beziehungen mit den Arabern anzubahnen. An E n g l an d wird appelliert, alle aus der Balfourdeklaration sich ergebenden Verpflichtungen vollständig zu erfüllen. In einer besonderen Resolution wird von der Palästinaregierung verlangt, daß sie die von ihr beschäftigten jüdischen Arbeiter von der Arbeit an Sabbat und'jüdischen Feiertagen dispensiere, daß sie ferner den Stadtgemeinden das Recht erteile, für ihren Bereich die Zwangss«abbatruhe einzuführen. Oesterreich. Die Wahlen zum NZO.-Kongreß. Wien, 28. Aug. Wie vom Büro des NZO.-Kongresses dem ITA- Vertreter mitgeteilt wird, sind bis jetzt in Oesterreich rund 20.000 NZO. - Deklarationen unterschrieben worden. Die Woche. Dortmund, Die „Westfälische Landeszeitung, Rote Erde", gibt eine Sondernummer unter dem Titel „Wir und die Juden" heraus. Sie ist mit einem Geleitwort vom Gauleiter Streicher versehen. Goslar, In Nienburg a. d. Saale überwies der Gemeinderat einen Antrag an die Polizei zur Ausführung, wonach auf Wunsch der An-, wohner die Adolf Meyer-Straße einen anderen Namen erhalten und der Judenfriedhof h & seitigt w e r d e n s o II. "Luzern. Anläßlich des tragischen Todes der Königin von Belgien wurden die Flaggen auf dem Kongreßgebäudes des Zionistenkongresses in Luzern auf/ Haibma s t gesetzt. Das Kongreßpräsidvum hat im Namen des Kongresses ein Beileidstelegramm an die belgische Regierung, gesandt. Zürich. In dem Befinden des Bürgermeisters von Tel Awiw, Meir Dizengoff , der sich vor einiger Zeit zur Erholung in die Schweiz begeben hat und seit kurzem in Zürich weilt, ist eine erhebliche Verschlimmerung einge- treten. Prof. Zondek wurde zu einem Konsilium an das Krankenlager Dizengoffs berufen und trifft heute in Zürich ein. Prag. Als Resultat der .letzten Volkszählung in der Tschechslovakei ist zu verzeichnen, daß unter 14.729.536 Einwohnern 204.779 „jüdisch" als Nationalität angaben. Es leben in der Tschechoslovakei über 350.000 Juden. Rom. Das erste Schulschiff ,^Sarah" der jüdischen Marineschule in -Civita ist am Freitag als Handelsschiff in die See gegarigen. Der Ausreise ging eine kleine Feier voran. Warschau. In dieser Woche gehen aus Warschau zwei große Transporte mit insgesamt tausend jüdischen Palästinafahrern ab. Die eine Gruppe von 650 Olim fährt über Konstanza, der zweite Transport von 350 Personen wird über Tri est geleitet. Dieser Gruppe wird sich auch der Gerer Rebbe mit «einer Familie und zahlreichen Chassidim anschließen. Brüssel, Zum Vorsitzenden des neugebildeteh Nationalen Amtes für Arbeitslosigkeit ist Max v G o 11 s c h a 1 k , ein bekannter jüdischer Wirtschaftler aus Brüssel, ernannt worden, Kairo. Eine regelmäßige Flugverbindung zwischen Kairo und Haifa über Lydia wurde hergestellt. Die Eröffnung einer Fluglinie Bukarest — Tel Awiw steht bevor. Dieser Flug wird zwölf Stunden dauern. Jerusalem. Zehn jüdische „illegale Einwanderer verharren im Gefängnis von Akka im Hungerstreik. Die Vermittlung einer jüdischen Deputation brachte keinen Erfolg. „Dawar'' berichtet über Mißhandlungen in den Gefängnissen, die zu dem Hungerstreik geführt hätten. — Wie groß der Arbeitermaügel in Palästina ist, beweist die Tatsache, daß Arbeiter schon bei der Landung für die Pflanzungen in Schaaron angeworben werden. — In Anbetracht der guten Weizenernte in Palästina hat die Regierung eine Einfuhrsperre für Weizen für die nächsten drei Monate angeordnet. Ausgenommen ist ein Kontingent von 1500 to für die Herstellung von Mazzoth. Jaffa. Die Ruthenberg-Elektrizitäts- Gesellschaft wird in Jaffa eine Transformatorenstation errichten. Von der Palästina- Regierung sind bereits die entsprechenden Verordnungen über Enteignung von Land für den Bau der Staoion erlassen worden. New York. In Sheffield, Massachusetts, ist am 31, August der bekannte Schriftsteller und Publizist Hermann Bernstein, früherer amerikanischer Gesandter in Tirana gestorben. Bernstein, der ein Alter von-59 Jahren erreichte, hat «ich insbesondere um den Nachweis der Fälschung der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" und durch seinen Kampf gegen ihre Verbreitung in Amerika hervorgetan. nachdem sie die Judenstaatsdeklaration unterschrieben haben. Weitere 3000 Personen haben die Deklaration unterschrieben, ohne, daß sie zur -Wahl .gegangen sind, . ~ * * , ™' Nach Mitteilungen des Kongreßbürös sind nach den bisherigen Ergebnissen in Litauen bei den Wahlen zum NZO.-Kongreß 15.000 Stimmen abgegeben worden, davon in Kowno 5500. Tschechoslovakei, Prag, 28. Aug. Wie der ITA. aus Kreisen der Neuen Revisionistischen Organisation rmitgeteilt wird, haben sich in der Tschechoslovakei 36.779 Personen an den Wahlen zum Wiener Gründungskongreß ..der NZO. . beteiligt, Polen. Die Wahlen zum NZO.-Kongreß in Polen. Warschau, 27. Aug. Wie das revisionistische'Hauptbüro mitteilt, ist die Beteiligung an den in Polen stattgefundenen Wahlen zum Kongreß der Neuen Z i o A i S 1i s C h e n 0 r - ganisation in Wien außerordentlich groß gewesen. In Warschau wurden 23.717 Stimmen abgegeben, in Lemberg 15.239, in Lodz 13.718 und in Lublin 3511 Stimmen. Bei den Wahlen waren drei Kandidatenlisten -vorhanden: eine vereinigte revisionistische Liste, eine „religiöse Liste" und eine Liste der Revisionisten- Maximalisten. Nach den bisher vorliegendenWahlergebnissen aus 309 Gemeinden hat die vereinigte revisionistische Liste vier Fünftel . der bisher gezählten 197.283 Stimmen erhalten. In . Warschau und in Wilna kam es zu ernsteren Zusammenstößen zwischen Revisionisten und Antirevisionisten. Ey gab zahlreiche Verwundete auf beiden Seiten. Dänemark, Rabbiner Wolf Jacobson bleibt weiter in Kopenhagen. Kopenhagen, 1. Sept. Zu der durch die Presse gegangenen Mitteilung, daß die Leitung der Keren Hathora-Direkt i o n und der Beth Jacob- Zentrale dem Rabbiner der Kopenhagener Machsike Hadaß-Gemeinde, Rabbi Wolf Jacobson, übertragen worden sei, muß ergänzend bemerkt werden, daß Herr Rabbiner Jacobson auf dringendes Ersuchen des Vorstande« seiner Gemeinde sich bereit erklärt hat, sein Rab'binat in Kopenhagen' und seinen Wohnsitz in unserer Stadt beizubehalten. Indessen hat der Vorstand der Machsike Hadaß-Gemeinde in Würdigung der bedeutsamen Klallaufgaben, zu deren Lösung das Vertrauen der zuständigen Instanzen ihren Rabbiner berufen hat, sein Einverständnis damit erklärt, daß Rabbiner Jacobson bis zur Dauer von 6 Monaten in jedem Jahre je nach Bedarf in Wien tätig ist und auch sonst die Interessen von Keren Hathora und Beth' Jacob während dieses Zeitraumes durch Reisen fördert. Es ist ein schönes Zeugnis für die Klall-Verbundenheit der Kopenhagener orthodoxen Gemeinde, daß sie in so hochherziger Weise dazu beiträgt, dem unersetzlichen Schöpfer und Leiter des gesetzestreuen Schulwesens im Osten, Dr. Leo Deutschländer, eine würdige Nachfolge zu sichern. Palästina. Zum Ableben von Oberrabbiner Kuk Vst. Jerusalem, 1. Sept. Oberrabbiner Kuk ist knapp 70 Jahre alt geworden. Anfang Juli erkrankte er schwer, sein Zustand verschlimmerte sich-zusehends, so daß schon damals an seinem Aufkommen gezweifelt wurde. Die behandelnden Aerzte, Dr. med, Falk S c h 1 e sin g e r und Prof. Zondek, boten alle Mittel der ärztlichen Kunst auf, um das Leben des Kranken zu verlängern und seine schweren Leiden zu lindern — aber alles war vergebens, Nach vorübergehender Besserung trat vor etwa einer Woche abermals eine Krise ein, die der Patient nicht mehr überwunden hat. Am Jomkippur katan waren in allen Synagogen Palästinas und auch in vielen Synagogen der Diaspora Gebete für die Genesung des Oberrahbiners gesprochen worden. Die Misrächifraktion des Zionistenkongresses >in Luzern veranstaltete an diesem Tage gleichfalls einen Bittg'ttesdienst,; Anläßlich des; siebzigsten Geburtstages Oberrabbiners Kuks wurde in Erez Israel eine Gesamtausgabe seiner Werke vorbereitet. Großzügige