Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1935)
- Date
- 1935-07-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Nr. 27 Der Israelit 4. Juli 4935 Augen eines Missionars, der besesse n, ist von seiner Idee, war es, der sich ins Gespräch "'mischte und diese entschiedene Antwort gab. Karmi war eines der älteren Mitglieder, obwohl auch noch sehr jung, schon verheiratet, und hatte1 neben Baruch die Leitung, vor allem die g£isti£e Füh rung in diesem kleinen Reiche. „Nein, nein!" lehnte er entschieden ab, „kein neues Tel Awiw wollen wir, aber vielleicht ein neues Rechowoth und Gederah, zumindest ein jüdisches Deganjafr. Dazu fehlt uns aber leider zur Zeit die Häuptsache „Das Geld?"; ,' „Nein, oder was vielleicht auf das Gleiche hinauskommt, der Boden. Wir können uns nicht ausbreiten und die Nahrung noch nicht aus eigener Erde ziehen, und so lange dieses nicht ist kann unsere Verwurzelung in der' Scholle, ^die . wir über allesblieben, noch nicht vollkommen sein." : ....;: - „ .i; .■ .; . Karmi, einer der Gründer, gab' weiter leidenschaftlich und dennoch klär Auskunft über' die jkurze Geschichte ' und die Zukunftsplahe' pHer Zukunftssor;gen-der..kleinen Siedlung. .-. -,. -. ,,Wir -waren vor knapp:'zwei Jahren Unserer ■ "sechs, sechs junge Menscheft'-"aus : Elßutschränd mit .keinem anderen K^j^^''j^sa!i'ß-^S[ixaß^Ter c Muskeln und unserer (. ..frQiysn,: ^&QÖP&-> heute zählen vfir ■■ über dreißig;" ^Ghawerim, sschis Ehepaare. Wir haben alle'Leiden und Trübungen des Siedljers a$f , Uns genommen,'1 alle.'Freuden und Enttäuschungen der Urbarmachung öden Bodens ausgekostet, auch einmal den Platz gewechselt, als man uns den ersten leihweise überlassenen Wohnsitz kündigte. Es fehlte auch nicht an Krankheiten ' infolge des ungewöhnten Klimas und 4er ungey/.ohnten Arbeit. Wir "haben,;,, so glaube ich, die. Kinderkranjkheiteii:binter uns, des Bodens wie der Menschen.- Gehungert : haben wir nicht, es gab immer Arbeit und Verdienst genug, daß wir uns satt essen konnten. Aber es."(;st Arbeit auf fremdem Boden, jeden Tag widerruflich, wenn andere Umstände eintreten. Wir leben für den Tag, von der Hand in den Mund, und können zunächst für unsere.' Zukunft, nichts tun. Hörte eines Tages die Arbeit, in der Nachbarkolonie auf, wir müßten hieiif den Plaiz: "räumen und alle begonnene Arbeit im Stiche lassen. Wir haben aber sechs kleineFamilien unter uris/'-die sich, vermehren, und Ander er,, denken.;, ebenfalls ah Familiengründung. Wir brauchen Boden, Boden, Boden, eigene Erde, die uns nährt.und noch ein Uebriges für den Markt abwirft" :^ (Fortsetzung folgt.) Afrika und das Emigrantenproblem. - Ueber diesen Gegenstand referierte auf dem IV. Paneuropäischen Kongreß, der. soeben in Wien getagt hat, Dr. Max Grunwald, etwa in folgenden Gedankengängen: In Europa leben derzeit viele .Tausende.nutzbarer Menschen,;: die (phne eigene^ Verschulden weder in .der. Heimat ..noch im ^europäischen .Auslande eine Existenz finden. Als Zufluchtsziel '.> für; diese Sub- •sistenzlosen. kommt (jetzt fast nur Afrika in Betracht, und zwar solche Äfrikakqlonien, die. «ich klimatisch, hygienisch, und wirtschaftlich zur .Aufnahme .europäischer Siedler schon jetzt eignen oder in jabsehbarer Zeit■-. aufnahmefähig .gemacht, werden k&nntefl, zu derenr Erschließung, Auswertung und Erhaltung, es aber dem Mutterlande an Menschen, Mitteln' oder an beiden mangelt. Für Frankreich z. B. sind seine afrikanischen Kolonien unentbehrlich als Absatzgebiet, Rohstoffquelle, Militärreservoir . und Brückenpfeiler für seine Yerkehrsverbindungen nach dem Süden Afrikas, Asiens und Amerikas. Frankreich braucht deshalb, besonders; in den Tropen: Die Erhaltung d,er Eingeborenen als Arbeiter und Soldaten, während gegenwärtig, im Durchschnitt auf 1 qkm nur 5 Einwohner kommen und auch diese Ziffer infolge von Meuchen, enormer Kindersterblichkeit, Unterernährung, - Stamm eskriegen und Abwanderung sinkt. Frankreich braucht, also mehr Verwaltungsbeamte, zur hygienischen,Erschließung mehr Aerzte, zur Rationalisierung des Land,- baues Landwirte zur Hebung der Bodenschätze (schon jetzt kommen 99 Proz. ..allen Radiums und 63 Proz. allen Zinns aus Afrika) und zum Ausbau des. Verkehrswesens Ingenieure, Techniker und geschulte Arbeiter. Zur Hebung von Handel und Industrie Pri vatinitiative. Zur Bekämpfung der Scharam Ausbrei tung, zur Ehtsumpfung von Fieljerherden und züt Bö kämpfuhg des Forstfrevel Forstwirtschaft. Schließlich zur Pflege, geistiger" Kultur und patriotischer Bindun, der Bevölkerung mehr Lehrer, aber auch Auffüllung durch Weiße, wo die Franzosen eine erhebliche Min derheit bilden. ' , Aus Eigenem kann Frankreich diesen Bedarf an Menschen und Kräften nicht decken, denn es leidet selbst an Unterbevölkerung, leidet aber nicht so wie andere Staaten unter Arbeitslosigkeit, so daß der Franzose durchschnittlich weniger geneigt ist, in die Kolonien zu gehen. Frankreich braucht somit drin' gend Einwanderung in seine afrikanische Kolonien Eine solche Einwanderung muß aus Europa kommen vda die anderen Kontinente und zum Teil Afrika selbst Afrika scharfe Konkurrenz bieten. Sie muß Frank reich durch Dankbarkeit patriotisch verbunden wer den, sich zu Kulturarbeiten willig und fähig erweisen und in größeren Gruppen stattfinden, um fremden Einflüssenerfolgreich;, entgegenzuwirken., und Afrika als letzte Kolonie Europas zu erhalten. .Hierzu , ejgnet sich am; besten Massensiedlurigeuropäischer' Emigranten. Sie läßt sich am leichtesten durchfuhren durch Verständigung Frankreichs s mit anderen Kolo nialstaaten wegen der großen Anzahl 'der' Emigr-antejn und Emigrationskandidaten. : „Wegeji; der. Notwendig keit, möglichst alle Gebiete^ die sicham ehesten "für europäische Siedlung' eignen; für'iiaie in AussicHt'zu nehmen, Zuf. sÄufbitiffgung' de* 5 erfoederliehen Kosten für Transporte ,und .Investierungen und.fZur Vj^ri^eidung zwisphenBtäatlicber-^ib.ungen,/dd £restij|e der Weißen in Afrika scn^ad^en\^und.''^Qn^ton''' qa. neuen Kriegeh liefern.konWtenV ** ti t?-:ov-\ Nach 'einend Programm :>:S§s- Marschalls rtLyMtey ließen sicli.ji|it55iP Jahnen -etwa' 15 Millionen ^Europäer in Afrika .ansiedeln.Das wäre. Jiicht >,nur^ .ein . Akt der Humanität, nicht nur ein Anfang, den, Päneüropagedanken zu verwirklichen, sondern auch ein rentables Geschäft. Afrika für Europa retten heißt: Europa retten durch Afrika. Als Einwanderungsländer kämen mehr oder weniger die meisten afrikanischen Kolonien in Frage. Die Ausführungen Dr. Grunwalds gipfelten indem, Vom- Kongreß angenommenen Aiftrag, eine; ständige Kommission einzusetzen, mit der Aufgabe« die ,Sied lungsmöglichkeiten in Afrika im Rahmen Paneuropäs zu prüfen lind der Leitung1 der' Paneufopaunipn entsprechende Verschlage zu - -unt«rbr.eii<£nt''- Daß i-der Völkerbund r: das Emigrantenproblenr.;.©Ich; juii edgejn gemacht hat,-ist zu begrüßen.. ^Sepe .Bemühungen zur Lösung dieser eminentbrennenden ^Frage können durch eiile solche „Stimme "a'üsi'deht PublikÜnt" nur einen neuen' Ansporn,•'durch• "inte'nsltre Arbeit einer solchen IPaneuroparJKommission; hur ergänzt und gefördert werden. Ebenso würde sie eine .Ergänzung zum Aufbau Palästinas bilden. .Handelf es sich' hierbei zürn irgföBeri- Teil um Elemfentej1 denen jede Möglichkeit;.izur Auswanderung an.< die'stesr. Land fehlt, Herzl 'selbst hat den; Gedanken an Afrika neben Palästina nie aufgegeben. Eine weitere Folge wäre: Afrika ' für Palästina." , ' V ' "r " " ■-• Ganz ■ abgesehen von-'Aegypten,1'' demv Oebuftslande von Moses und der zweiten Heimat Maimunis, reichen d?e jüdischen Siedlungen.;in Npr^afrika^zum Teil in Zeiten vor der. christlichen Aera. zurück. In Marokko, waren sie in manchen Gegenden "die Lehrer der ^einheimischen Bevölkerung-^frn Ackerbau. In -Oräftihaben sie -die WeinkülturU eingeführt. In- Tripolis'bilden die jüdischen-Herbergen einen wichtigen Faktor. im Fremdenverkehr. In vielen Gegenden liegt das Handwerk last gänzlich , in! jüdischen Händen. Wie 'vor' '400: Jahren ^die Einwanderung "aus Spanien, würde jetzt ein Zuzug europäischer"-Juden dem Judentum , Nordafrikas.., neues . Blut . zuführen. Sollte Ab essinien einer solchen Besiedlung' erschlossen werden, '^o würden die Falaschäs; durch den jüdischen Zustrom einen starken Halt und. Auf trieb erhalten.^ Inr den. englischenS. Kolonien ^bieten ^ic|i. schon jetzt geeignete Siedlungsgebiete und Existenzmöglichkeiten.' Iii1 Angola ließen sich geeignete Hochplateaus zur Aufnahme und Erhältung jüdischer Emigranten geeignet machen.. Das. Afrika von heute steht an Zivilisation., zum großen; Teil -&o -fideb^uber^ dem dejr Vorkriegszeit, daß es in maichen Gebigten soga'Hdiie Europas xübertrifft, Entweder eignet, tsicb .Europa; ihi Zeichen der Emigrantennot über die Kolonisierung Afrikas, oder Afrika einigt sich mit Asien über die Aufteilung Europas. ' Zum Andenken an Frau- Sarah Schenirer rrtf* Die Siwannummer des in Lodz, Warschau und Krakau. erscheinenden, von AV G, Friedenssohn geleiteten'1,, Bre s J a k ä u w>'J o ü-rn a 1 s i'-iist d^ m A ndenken an.>F''ra.4i Sarah Schepirer, gewidmet. In Großformat, 50;S'eiten umfassend, enthält,die Schrift eine große'iReihe v'vn' Aüfsätzeii1 über'lind um jene geniale Frau, der es" be'schieden-war.'/eähe' Bet wegung, ins Leben zp. rufen, die, sich in der Folge a^s.. geistige Rettungsaktion für die jüdische n T ö c h t e r i n P o 1 e n erwiesen hat. Unter den Mitarbeitern, di§ in.' dieser Nummer; etwas; über jene einfache, große Frau und ihr Lebenswerk zu: sagen haben, iindeh wir uv v. Ä. & Fwe^denson, I. L. Orlean, Dr. Deutschländer,rDr. Nathan Birnbaumf Dr. Salomon- Birnbaum, Hilel. SeLdmann,;. Pr. Benzion Feßler, A. M. Rpgowi, Elimelech ' Steieir, I.' Emiat, H,; Kleppfisch. Herzergreifend sind die l^achrufe,vdie die Schülerinnen, und.' Mitarbeiterinnen ihrer Lehrerin, Mitarbeiterin und , mütterlichen;' Freundin, widmen. ,Einige d.er Aufsätze sind von bleibe^idem lite.rarüschem Wert, das Ganze ein Aufruf an .Äe jüd^ lichkedt, das .große" Werk von Sarah'.'-•Schenitef zxL erhalten und auszubauen. - Kp^p^ej Wie unsere Kinder ErezJisr^el seilen/) mU'f nr>i/i; ■,} ^;,br[ih : i.: tII» Admas 4&äüdesch, -i aiS LaMtf LMm& msmam- .';.•..'• '*'• .-• ':*:.•.•'•«. i . r:■:' . - •. O-..;!w,3 ir'i~':; -Alle»; Juden, obwohl -. durichs:^^{Gjjl^tiüb^aff j.fn die Welt zerstreut, haben einen gemeinsamen^ Wunsch, eine und dieselbe Sehnsucht, die an ihnen nagt, nämlich nach ■ Palästina zu kommen. Tausend Dinge und Orte sind es, die uns dorthin locken! Stellen, die uns durch die Tauroh lieb und vertraut sind, und zu ^enen uns, unser , Herzmit ^ajjen., Fasern binzieht!; ., Das Wort „Palästina" sagt, uns.Ja vieJl zu wenigt „Ädmas Käudesch!" heißt das Land unserer Sehnsucht und Hoffnung. Boden der KedusctioV'ei'n'-Landr da« uns~ *z;ür: Heiligkeit erziehtl; ■ ""Erez-,Israel-ist;das I^ndsunserer-'Väter; unsere; ^eimat! Gibt- 0s einen- Menschen, gleich-: welcher. Nation, den es nicht iinmer wieder:, ins Vaterland zurückzieht?rNüh;,;ünd gerade ein Volk wie Israel, das: 'sb'imit1 der' Vergangehheit verkhüpft' ist; soll es das: iiieht rgerade 'ganz besönderS -naoh ' Efez, seiner Heimat, hieben? . .; r .'^.^ ' V-s' fT/,-M'efttsor,;.;umefaurod.'" -,LJ^ter die Völker, zerstreut t-und,; doch getrennt,, ^ndy.erÄclijiB^eh ,yon. allen anderen,lebt ' es,im Golus. Ja, |an& anders als alle anderen! Denn, wo Jehudim auch leben, seines in Deütschland, -England oder Frankreich oder gar in' einem anderen. Erdteil, sie alle bindet das gemeinsame: Band! derjTauroh,. in-allen nagt die .gleiche .Sehnsucht..nach: Erez Israel, Admas Kaud'esch!! '> ', Besonders" in der' heutigen -Zeif, da .die Last-desr Golus uns' immer^tiefer beugt,' wird*'unser' Velrlähgem •stets - stärker; '• ., i"t. ■• v^: b^: i^Or/::;i Welch;e»n •Glück,.:.einmal ein,;freier; Mensch, zur. sein,.,sein;JIude/unter Juden!.Ungestört dem G'tt unserer Väter leben zu können,"in dem'Laride, *wo seine- ,,ScHechiho" üns besonders nahe ist. Mitzuhelfen am. Aufbau de«;Landes unserer Hoffnung, Aufbauen, aber »tiri auf Gründlage der Thöral Es.-Äst traurig, zu hören, welch , unfrommes .Leben .unter.x; vielen dort herrscht! Solch ein Aufbau kann wirklich nicht zu: dem/führen,; was wir wölle'n, kann uns kein Land derr Hoffnung für die Zukunft"' sein, Boden der Kedüschof ^Tauroh,: -ez qhajim hi lam.achasikimrbQ!" ..Tauroh: ist-die Quellej$es I^eJ^ens! DeshaJ.^»müssen,.wir,wenn' wir nach .Ere^z gehen,: unser, Leben so gestalten, «wie; es jeder religiöse; Jude ''tüh.5on.:y"üTäuröh im derech Erez!" ■ ''C:<-'";'• ' "' ' r s /fv-^>;i; ' Drei herrliche Gaben50verlieh ünsT G'tt;:-1;„Thora, Oläm :Haba ^uhd-.-Erez. Ism«!!'-' Uhd'tjsölleiiu ij/ir dies östliche Geschenk, -G'ttes,^ -Erez, - Israel^.^Kerkermem und e^' entweihen dutch uns aiiserwaKltem. Voil^ Unb'eiiiges? Nein,' Wir"'nlüsseh 'dieser hotten1 'G'abe1 Würdig' sein- und es: ■ ini 'Sinne G'ttW' w'iedererrichten; —- Welch herrlich eigene Gefühle müssen, einen wohl bewegen, wenn man zum ersten Male den Fuß. auf Admas Kaudesch setzt. Wie wundervoll muß es einem ums Herz sein, an der Klagemauer, wo Tausende von Jahren .hindurch .^ieh Jehudim'bei ihrem Vater ausgeweint? haben, unsere Gebete, die Tehllaus, zu G'tt richten! zu können, an! der heiligen Stätte .-zu sein, wo einst der »Tempel .stand 1;Wie .muß., es (.uns zum „Kewer Rochel"^^ dem Grabe, unserer Stammutter,, ziehen, die noch, immer uih ihre Kinder weint und nach ihnen ruft! >J; ' - 1 l'u r Erez' Isfael ist nichtnur das Larid unserer Hoffnung: fürdie Zukunft, 'sondern;Auch das [Land der Erinnerung an.die Vergangenheit, r an die?* Geschichte-, unseres; Volkes! Jedes Fleckchen im Lande zieht ,un- *) 'Aus der Serieder Adfsätze der Schüler der R, Hirsch-Schules in Frankfurf a, M.