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Der Israelit · 1935-03-28 · Heft 13 (28.3.1935) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 13 (28.3.1935)
Date
1935-03-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 Nr. 13 Der Israelit 28. März 1935 Aus der Festschrift anläßlich des 75jährig. Bestehens der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Mainz. (Wegen Raummangel verspätet.) Unter der Leitung ihres großen Gründers, Rabbiner Dr. Marcus Lehmann s. A., und seines kongenialen Nachfolgers, Rabbiner Dr. Jonas Bondi s. A. hat die Schule sich bis auf den heutigen Tag als erfolgreiche Stätte jüdischer und profaner Bildung bewährt. Sie hat im religiösen und kulturellen Leben der Kehilla Magenza und deren Umgebung nunmehr schon (dreiviertel Jahrhundert hindurch eine nicht wegzudenkende Rolle gespielt bei der Erziehung jüdischer Jugend zu lebenstüchtigen, verantwortungsbewußten, vom Geiste des unversehrten Judentums erfüllten Persönlichkeiten. — Die Gegenwart weist mit Eindringlichkeit auf den besonderen Zweck der jüdischen Schule hin: eine Jugend zu erziehen, die das Judentum kennt und liebt, in der Tauroh wurzelt und ihr den Weg für die Zukunft bereitet. Lebensvoll muß diese Aufgabe gestaltet werden. Nur so bleibt unsere Schule dem Sinn ihrer Gründer treu. Daß die Entstehung der Schule einer wirklichen ■ Notwendigkeit entsprach, ergibt sich aus nachfolgenden Ausführungen über die jüdischen Schulverhältnisse in Mainz seit der Zeit der Emanzipation bis zur Gründung unserer Anstalt. Man brauchte eine Erziehungsstätte, die die Forderungen des historischen Judentums mit denen der modernen Bildung zielbewußt vereinte. Mit der Errichtung der Schule schufen die Führer der Religionsgesellschaft Pionierarbeit nicht nur für ihren engeren Kreis, sondern sub specie aeternitatis für die Erhaltung des gesamten jüdischen Lebens in unserer Stadt. Die jüdischen Schulverhältnisse in Mainz von 1800 bis zur Gründung der Unterrichtsanstalt der L R. G. Die Pforten des Cheder hatten sich geschlossen. Die Ghettomauern waren im Jahre 1798 gefallen. Die Emanzipation der Juden hatte im Rheinland früher als in anderen Landesteilen Vorurteile beseitigt und für ein neues Leben der Juden Raum geschaffen. Waren bis dahin, bis zum Anfang des 19. Jahrhun"- derts, die geistigen Interessen vornehmlich der jüdischen Literatur und der jüdischen Wissenschaft zugewandt, so zögerte man jetzt nicht, auch die moderne Bildung zu erstreben, so wie man auch in Sprache und Kleidung sich der Umwelt anpaßte. Die rabbinischen Autoritäten hatten gegen diese Neuerungen keine Einwendungen erhoben. Gerade in unserer Stadt war frühzeitig allgemein für gute Schulen gesorgt, war doch Mainz bis gegen Ende der kurfürstlichen Herrschaft Universitätsstadt gewesen. Wohl war während der Freiheitskriege mancherlei versäumt worden. Aber sehr bald, nachdem Napoleons Macht gebrochen und Europa zur Ruhe gekommen war, wurde neu aufgebaut. Das Geschlecht, das in den 20er und 30er Jahren die Schule besucht hat, besaß eine Bildung, die gegen diejenige unserer Zeit nicht zurückstand. Außer der allgemeinen Volksschule hatte Mainz ein Gymnasium und eine Realschule, die jüdischen Schülern offenstanden und in verhältnismäßig großer Zahl von ihnen besucht waren. Der Anfangsunterricht der jüdischen Kinder lag in den Händen jüdischer Lehrer, die in größerer Anzahl vorhanden waren und im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer die christlichen Lehrer an Zahl übertrafen. Außer den Privatlehrern der Periode von 1800 bis 1850 bestanden eine Anzahl Knaben- und Mädchenschulen. Darf man diesen Schulen nachrühmen, daß sie Ersprießliches geleistet und die von ihnen gewählte Bildungsaufgabe erfüllt haben, so war ihr Bestand, da sie Privatunternehmen waren, an die Lebensdauer ihrer Schöpfer gebunden. Keine brachte es wohl auf mehr als 30 Jahre. Die Anstalt, die wir durch G'ttes Gnade in diesen Tagen feiern dürfen, blickt auf eine 75jährige Tätigkeit zurück. Drei bis vier Generationen haben hier ihre Heranbildung im Geiste echten Judentums gefunden. Mögen auch künftige Geschlechter als wackere Juden und Menschen in der Schule der Israelitischen Religionsgesellschaft erzogen werden. Betrachtungen zu Rambams Säkularfeier. Von Lippmann Kurzweil in Kopenhagen. Es gehört nicht zu den alltäglichen Ereignissen, einen achthundertjährigen Geburtstag zu feiern. Jedoch würde diese Tatsache nicht ausreichen, um die Spalten eines jüdisch-pädagogischen Blattes füllen zu dürfen. Die gesamte jüdische Welt, gleichviel welcher Lebenseinstellung nimmt Anlaß, unserm Geistesriesen eine recht markante Geburtstagsfeier zu veranstalten. Weshalb? Ist die Judenheit endlich aus dem Assimilationsrausch erwacht, will sie sich mit dem Manne eins wissen, der für die Einheit G'ttes gekämpft, für die G'ttlichkeit und deshalb Unantastbarkeit der Tau.- roh gestritten? Ist es nicht Hohn und Spott, wenn Männer das Podium besteigen und für Rambam Gedenkreden halten, während sie Schritt für Schritt des Meisters Werk zertreten? Ist es nicht genug mit dem Grabe in Tiberias, soll sein g'ttbegnadeter Geist überall, wo Juden wohnen, eine Grabstätte finden? Die Geburtstagsfeier allein macht den Rambamgeist nicht lebensfähig. Jüdische Vätersitte wartet nicht auf die Gedenkfeier, jeden Morgen 'sind - wir neuge- . boren und mit uns unsre Großen fvergl. 'i Jia'Ki- Der gesetzestreue Jude beschäftigt sich jahrein, jahraus mit Rambams nun n3»a< ja noch mehr, er handelt im Sinne dieses Meisterwerkes, für ihn, den Thoratreuen, ist an jedem Tag Maimonides' Geburtstag. Wenn nun -die Geburtstagsfeier doch sein muß, wenn wir unseren Schülern von der „Rüstung" des Weltjudentums für das Rambamjahr Kenntnis geben müssen, weil sie ja durch Haus oder Presse von den Feiern erfahren werden, so müssen wir ihnen eine Darlegung u n s r e s Standpunktes bieten. Wir thoratreuen Lehrer wollen das uns Verpflichtende eines Rambam herausstreichen. Bekanntlich drückte der Antijudaismus unserem großen Lehrer den Wanderstab in die Hand, und wohin ihn auch das Schicksal führte, bewahrte er das, was er in seinem npinn v niedergelegt. Solche Geisteshelden verdienen . es wahrlich nicht, daß man sie nur gelegentlich feiert. Scheuen wir uns nicht, unsre Zöglinge zu überzeugen, daß alle unsre Großen?'st jeden Tag Geburtstag haben! In diesem Sinne ist jüdische Jugend für das, was andre vorbereiten, zu erziehen und zu ertüchtigen. Eine weitere Mahnung, die uns das Rambamjahr der andern laut werden läßt, berührt die Frage der jüdischen Lehrerbildung. Schon lange vor 1933 haben wir an dieser Stelle für die Forschung und Unterweisung in der jüdischen Pädagogik eine Lanze gebrochen. Die jüdische Lehrerbildungsanstalt kann nicht an Rambams yrnn ied vorbeigehen. Hier finden wir die Elemente der jüdischen Religiosität, j ü - d i s c h e n Psychologie, jüdischen Weltanschauung und endlich den jüdischen Weg des Alles- Verzeihens und Alles-Verstehens. Das sog. Fach „Religionslehre" müßte eine systematische Bearbeitung des ausführlichen Registers zum -pinr. v umfassen. Damit ist dem zukünftigen Lehrer die Basis für jüdisches Wissen und jüdisches Schaffen gegeben. Wenn diese an sich selbstverständlichen Forderungen in den „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen" nicht enthalten sind, so hat dies seinen Grund. Nicht etwa den, daß der Rambam bei der „Reichsvertretung der deutschen Juden" in Ungnade gefallen ist. Diese Eventualität hat das Rambamjahr mit seinen rhetorischen und literarischen Erzeugnissen unmöglich gemacht. Der große Fehler — von jüdischer Seite aus gesehen — liegt darin, daß das Gelehrtenkomitee der Reichsvertretung sich aus Nur-Pädagogen und nicht in erster Linie aus Pfadfindern zusammensetzt. Pfadfinder brauchen wir,, die die Wege unsrer Altvorderen für unsre Zeiten und unsre Verhältnisse ausfindig machen. Rambam war in erster Linie Pfadfinder, das bezeugen jene Kommentatoren, die die Quellen nachweisen. Pfadfinder im Sinne von K n-r) ]«sn ■•zpyz -j^ ->rs „wenn du es nicht weißt, du schönste unter den Frauen, dann ziehe hinaus, den Spuren der Schafe nach, und weide deine Böcklein in den Wohnungen der Hirten," wozu Raschi bemerkt: vnxni Timsn i-insrt wm ibzpv .'jups-in TrnaR 'a-na luiann ,'i3i trn'Dna ysbi „betrachte die Wege deiner Urahnen, die meine Thora entgegennehmen, meine Hut und Gebote hüteten, geh auch du in ihren Wegen!" Diesem kategorischen Imperativ fehlt jede Romantik, jede Möglichkeit, neue Richtlinien zu unterschieben. „Zu hüten die Hut," nicht erst, wenn eine Säkularfeier ruft, denn ein jüdisches Jahrhundertfest fordert eine" tägliche, ununterbrochene Vorbereitung. Genesis Kap. 49, Vers 6 zeigt deutlich, daß unsre großen Väter nicht gleichgültig waren, wer von ihren Nachkommen sich ihrer heiligen Namen bedienen durfte. Adel verpflichtet! Rambam feiern bedeutet seiner würdig sein, heißt sein bedingungsloser Schüler sein! Der mO-Abend.*) Aus einem Mischnakommentar nach dem Forschungssystem Rabbiner S. R. Hirschs Vsr- Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. J '« naipn'' pnn o-nos 'oa „An den Vorabenden der Peßachfeste, kurz bevor der Tag zur Neige geht, halte der Mensch keine Mahlzeit, bis es dunkelt, und selbst ein Armer in Israel esse nicht, bis er angelehnt sitzt, und nicht weniger gebe man ihm, als vier Becher Wein, selbst von der Armenschüssel." In seinen Einzelheiten wird der *no~ Abend beschrieben. Seine Entwicklung erstreckt sich schon auf den vorhergehenden Tag. ~-3">y* Beim 'ip noo auch sei der Appetit für den Abend aufgespart. Die Erwartung und Spannung des Geistes sei nicht durch Uebersättigung beeinträchtigt. Schon kurz bevor der Tag zur Neige geht, bei Beginn jier 10. Tagesstunde, halte der Mensch kerne Mahlzeit, bis die Finsternis herab sich .senkt. Nacht muß es sein, wenn, G'tf 'vertrauend, Israel der Rettung aus Sklavennacht gedenkt. Selbst in der Nacht der wirtschaftlichen Not läßt1 G'ttvertrauen hoffnungsfroh das Fest dr Freiheit feiern. 'W 'ski. Der Anne selbst j *) Mit Genehmigung des Verfassers seiner Hagodoh Schel Peßach: 1»^ mim : entnommen. K sitzt angelehnt beim Mahl. Er denkt nicht , seiner Armut, wenn er" das Brot der Armutseiner Väter ißt. Die Freiheit, die Erwählung zum G'ttvolk schätzt höher er als irdisch Geld und Gut., „Sprechet zur .ganzen' Gemeinde Israels, (II. B.. M. 12, 3.) vollkommen sei Eure Freude, - Selbst der, der.arm ist", freue sich. (Vd ranmnw1) Losgelöst, unabhängig sei die Freude des Geistes von irdischer Vorbedingung. Er muß sein Elend zu vergessen suchen am Fest der Freiheit; behilflich muß hierbei ihm jeder sein, nicht weniger als vier Becher Wein darf man ihm geben, auch er bringt Toast aus auf Freiheit, Rettung, Erlösung und" Erwählung, selbst wenn er von der Armenschüssel wird ernährt. Rechenaufgaben in der jüdischen Schule. Der Aufsatz von Herrn Rabb. Dr. Merzbäch veranlaßt mich, folgendes mitzuteilen. Ich habe schon im vorigen Jahre begonnen, mir eine Sammlung von Aufgaben für die jüdische Schule anzulegen, und zwar in sehr einfacher Weise. Ich führte das dritte und vierte Schuljahr mit etwa 30 Kindern." Ich ließ mir nun zunächst von jedem Kind 4 „Und"-Aufgaben mit jüdischem Inhalt „erfinden". Die Kinder hatten dazu eine Woche Zeit. In derselben Weise bekam ich je 4X30 „Weniger"-, „Mal"- und „Teilungs"-Aufgaben. Also etwa 480 Aufgaben aus dem Rechenstoffgebiet des dritten und vierten Schuljahres. Es sind viele fast gleiche Aufgaben darunter, aber immerhin auch eine ganze Anzahl recht brauchbarer Aufgaben, die natürlich vom Lehrer nach den verschiedensten Seiten zu ergänzen sind. Ich beabsichtige, diese Sammlung im fünften und sechsten Schuljahr fortzusetzen und dem Rechenstoffgebiet entsprechend zu erweitern. Nur um zu zeigen, wie die Kinder (vielleicht unter Mithilfe der Eltern, die sehr erfreulich wäre!) Aufgaben fanden, die der Anregung Dr. Merzbachs entsprechen, seien einige Beispiele angeführt: 1. Ein Junge zählt die Verse jeder einzelnen nno in nv.p- Wieviel Verse hat rnep las? 2. Abraham war im Geburtsjahr Isaks 100 Jahre alt. Als Isak geopfert werden sollte, war dieser 37 Jahre. Wie alt war demnach Abraham damals? 3. Nauach wurde 930 Jahre alt, Abraham 175 Jahre. Differenz? Nur Beispiele, wie gesagt! Aus einer Sammlung von 480 Aufgaben für das dritte und vierte Schuljahr! L. Freimark in Mainz. Bücherbesprechungen. iah imnv Hagodoh schel Pesach. Von Rabbiner Dr. A. Michalski. Nach dem Forschungssystem Rabbiner Samson Raphael Hirschs ^'p^xi erläutert. J. Kauft mann Verlag. Frankfurt a. M. kart. Mk. 2.—, geb. Mk. 3—. „Nicht nur durch sinnbildliche Mizwaus, wie Chomez und Mazzoh, sollst du so den Gehalt und die Bedeutung der großen Befreiungsbegebenheit aussprechen und ihre Folge als Boden deines Lebens aufnehmen; sondern auch im Wort, im lebendigen Wort .sollst.du mit jedem Jahre am Abend des Pesachfestes erneuern das Andenken an diese G'tt offenbarende und Jisroel gründende Begebenheit; ihren vollen Gehalt für dich durchs lebendige Wort beherzigen, und vor allem sie als Grundlage ihrer G'tteserkenntnis und ihres Lebens in die Gemüter deiner Familie, zumal deiner Kinder, einführen". Diese Worte Rabbiner Hirschs b'V im ann sagen uns klar und eindringlich, was die n-in mit ihrem mb mim von uns fordert. Das Verständnis für das Wort der mm. für jüdische Mizwohtat und jüdischen Brauch ist jedoch in unsrer Zeit nur noch Besitztum eines kleinen Kreises. Es . zeigt sich in unsrer Gegenwart aber ein merklicher 'Wandel zum Besseren; viele jüdische Menschen, bei sonders aus dem Bezirke der Jugend, die seither religiösen Belangen indifferent gegenüberstanden!:streben danach, aus dem Borne jüdischer Lehre zu schöpfen. Es ist darum zu begrüßen, daß diesen Su,chenjden und all denen, die' den Sederabend und seine : Handlungen mit lebendigem. Geiste zu erfüllen trachten, wieder ein geeignetes t Hilfsmittel in dem oben angezeigten Hagadakommentar Dr. Michalskis gereicht wird. Ueber dem Büchlein schwebt der Geist Rabbiner Hirschs b~*t Der Sederabend, an der Hand des Michalski'schen Kommentars gegeben, wird den w\ mit seinem höhnenden aa^> n*"* nvarn nn zum Verstummen bringen, dem Aufnahmewilligen jedoch Quelle der Belehrung und Förderung seines Jüdischseins sein. Der Verfasser läßt zur Einführung seinem Kommentar das 28. Kapitel des 'aiin vorausgehen, ferner zur Einfühlung eine.: Erklärung des '. letzten P">d : von otiod aus einem Mischnakommentar nach dem Forschungssystem Rabbiner Hirschs b-v-. Wir empfehlen das angezeigte Büch dringend und uneingeschränkt zum fleißigen Gebräuche für Schule und Haus. '(' '•>» kvw''& ''bk nnVp' nsnnnr unrii ^KUP' ms b? b* vm

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