Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1935)
- Date
- 1935-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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7. Februar 1935 Der Israelit Nr. 6 Seite 5 Es geht aber schon ein wenig über diese Auffassung und Auslegung hinaus, wenn beispielsweise in Frankfurt einer Zigarrengroßfirma die Schilder „Deutsches Geschäft" für alle Verkaufsstellen verweigert wurden, weil sie in einer ihrer Filialen einen nichtarischen Geschäftsführer beschäftigte, und die Erlaubnis erst erhielt, als dem Geschäftsführer gekündigt wurde. Das Frankfurter Arbeitsgericht, bei dem der Entlassene Klage führte, entschied aber zu Ungunsten des Klägers. Es könne einem arischen Geschäftsinhaber nicht zugemutet werden, auf das Schild „Deutsches Geschäft" zu verzichten, in einer Zeit, wo diese Bezeichnung zu einer Existenzfrage gemacht werde, darum könne, in der Kündigung kein Eingriff in die Wirtschaftslage erblickt werden. Hinter den Kulissen der Bürgermeisterwahl in Jerusalem. Ueber die Wahl des jüdischen Vizebürgermeisters und die Zusammensetzung des Magistrats in Jerusalem sind unsere Leser bereits orientiert. Erster Vizebürgermeister ist Rechtsanwalt Daniel Auster. Sein Gegenkandidat Chajim Salomon, der die meisten Stimmen der Deputierten auf sich vereinigte, fand nicht die Bestätigung der Palästinaregierung. Was hinter den Kulissen dieser Wahlkomödie vorging, wird man in allen Einzelheiten nie erfahren. So viel steht fest, daß im Gegensatze zu Daniel Auster, den man bisher in der Oeffentlichkeit wenig kannte, Chajim Salomon als religiöser Jude und Jerusalemer Kind aus dem alten Jischuw das Vertrauen aller und in besonderem Maße auch der A g u - das Jis.ro el besaß. Ueber Daniel Auster, der erst nach dem Kriege sich in Jerusalem angesiedelt hat, ist nichts Nachteiliges zu sagen. Aber eine Episode aus dem Wahlkampf stellt ihn nicht gerade ins beste Licht. Bekanntlich mußte sich die jüdische Bevölkerung Jerusalems, wollte sie trotz ihrer Majorität sich überhaupt eine Position im Stadtrate erwerben, einen alle Parteien umfassenden Wahlblock bilden. Auf einer Sitzung dieses Wahlblockes, wenige Tage vor den Wahlen, legte Herr Tschertok, der politische Leiter der Jewish Agency, schriftlichen Protest ein gegen die Beteiligung Austers an der Beratung, weil dieser vertrauliche Beschlüsse in Sachen der Bürgermeisterwahl an die Oeffentlichkeit gebracht hätte. Als Protest gegen diese Anschuldigung legte Auster seine Kandidatur nieder. Da aber dadurch der ganze Jüdische Wahlblock bedroht schien und die Zeit drängte, wurde A, ver- ' neben dem k deutet die Dehnung des durch k ausgedrückten O-Lautes an und das ' am Ende des Wortes entspricht dem griechischen i am Ende von TXOl. Fassen wir demgemäß u) TtÖTTOl i^3'8 als Einleitungsformel bei feierlichen Versicherungen (vgl. Odyssee I, 32: uj ttottoi, otov bf) vu {kou<; ßpoxoi aiTiouuvrai. auf, so verlief die im 'B^iv geschilderte Unterredung zwischen dem Manne des Gelübdes und Rabbi Josse folgendermaßen: Rabbi J.: „Wie hast du geschworen?" nvnnvx na? Der Mann: „Fürwahr, bei (dem G'tte) Israels, ich will mein Haus nicht betreten!" ■irmb rbbv tf? ivnv 'sis1« Darauf R. Josse: „Fürwahr, bei (dem G'tte) Israels, du darfst dein Haus auch wirklich nicht betreten." -iiY»a^ nbbv «tn b»rar> »Bian*. Das **n in der Entscheidung des Rabbi ist nur eine mit Sarkasmus gemischte Wiederholung des vom Manne gebrauchten. ich habe es deshalb wiedergegeben mit: „auch wirklich nicht," wie du gelobt hast. Denn in UJ TTÖTTOl ^a£' wsnn auch unausgesprochen, gedanklich der G'ttesname dem Gelübde zu Grunde nach dem Grundsatz" : j -DTK '33 jwi> ijik "frn omia Tjjitese Deutung des "'Bip'»« ist ebenso ungezwungen -wie frei von jeder Hypothese- Denn die Weglassung des G'ttesnamens zwischen diesem Worte und:. bin&> 'erklärt sich aus der gleichen frommen Scheu in der Umgangssprache, wie wir in der Schrift 0*?^« oüer G;tt setzen. Wi« ieh einer Fußtföie au diesem Wojcte in dem.;,..^»n/]^n ^b^.■Bd. I, Seite 194, von Be'n- Jehuda entnehme, hat auch Köhut es so wie ich verstanden. ' Stüuleridifektör Df. Fink. anlaßt, seine Demission zurückzuziehen, unter der Voraussetzung, daß er keine Ansprüche auf das Amt des Bürgermeisters erhebe. Der gegebene Mann für das Amt des Bürgermeisters, das den Juden ihrer numerischen Zahl nach zustand, oder wenigstens für das des Vizebürgermeisters, war Salomon, der schon in den früheren Jahren als Vizebürgermeister in der Jerusalemer Irijah fungierte. Was dazwischen hinter geschlossenen Türen vor sich ging, weiß man nicht. Das letzte Resultat ist aber, daß die Regierung über die öffentliche jüdische Meinung Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. II. Bevor wir in eine meritorische Behandlung des Gegenstandes eingehen, können wir einige Worte über die eigentümliche Motivierung in den Ausführungen des „Szombat" nicht unterdrücken. Also: um eine Predigt in ungarischer Landessprache zu Gehör bekommen zu können, und zwar aus dem geweihten Munde eines akademisch gebildeten Rabbiners, müßten in einigen großen orthodoxen Gemeinden zuerst n e o 1 o g e Bethaus vereine gegründet* werden. Fühlte es denn der aus orthodoxem Kreise hervorgegangene Redakteur und Artikelschreiber beim Niederschreiben dieser Motivierung nicht, daß diese Worte wie eine Art nTDJQ vor den staatlichen Behörden klingen können. Und weiter, gibt es denn nicht eine ganze Anzahl von orthodoxen Gemeinden, wo, da das Publikum keine andere Sprache versteht, schon seit langem in ungarischer Sprache gepredigt wird, und zwar von nicht aus dem Pester neologen Rabbinerseminar hervorgegangenen Rabbinern? Ich brauche bloß auf den erst vor kurzem dahingegangenen Hamburger Raw b"21 hinzuweisen, der schon vor dreißig Jahren in seiner ersten Gemeinde Halasch nur ungarisch, in seiner zweiten Gemeinde Miskolc auch ungarisch predigte. Ja, ich könnte unserem Artikler auch die Statuten einer uralten orthodoxen Gemeinde zeigen, wo nach vorheriger Genehmigung seitens der orthodoxen Landeskanzlei und mit nachheriger Bestätigung des Kultusministers sich ein Paragraph befindet, wonach in der Gemeindesynagoge nur in ungarischer Sprache Predigten abgehalten werden dürfen. Ferner schreibt uns Herr L. Fulda, Mainz: Der Artikel „Was bedeutet ,Qi3,N?" hat in mir die Erinnerung an das griechische (X) ttottoi wachgerufen, das häufig bei Homer vorkommt. (Gelesen o popoi). Nach dem Wörterbuch bedeutet q- .ttÖTTOI Ausruf des Stammes und Unwillens. Nach späteren Erklärern sollen die Götter bei dem Dryopernttottoi geheißen haben und $ TTÖTTOl 0 ibr Götter! ein wirklicher Ausruf sein. Vielleicht läßt sich das hebräische ■>sism aus dem ttottoi ableiten. Kleines Feuilleton, Ein altes Paradies ersteht von Neuem. Wenn die Pläne der Regierung von Irak und einiger Londoner Bäufirmen durchgeführt werden, dürfte innerhalb von drei Jahren ein neues Paradies an der Stelle ' erblühen, an der gemäß der Ueberlieferung einst der Garten Eden lag. Dreitausend Jahre lang,war das Land zwischen Tigris und Euphrat, 'dessen frühere Fruchtbarkeit persische und griechische Geschichtsschreiber priesen, eine trostlose Wüste; nun will die Irakregierung 5% Millionen Dollar daran wenden, um diese Fruchtbarkeit wieder herzustellen und die WiiiStß in Palmengärten, Maisfelder und Bäumwollplantagen zu verwandeln; Zu diesem Zwecke •soll bei Küt-el^Amära, wo sich im Jahre 1915 die •Truppen des englischen General Townsend den Türhinweg Auster an Stelle von Salomon zum ersten Vizebürgermeister bestätigte. Wir wollen hoffen, daß auch Auster sich der Verantwortung gegenüber der Jerusalemer Judenheit, die zu gut zwei Drftteln sich aus religiösen Menschen des alten Jischuw zusammensetzt, bewußt bleibt. Das Vorgehen der Regierung aber, die erst den Juden das ihnen zukommende Amt des ersten Bürgermeisters verweigert und ihnen dann einen jüdische Vizebürgermeister gegen ihren Willen aufoktroyiert, bleibt nichtsdestoweniger unverständlich. Nun aber zu des Pudels Kern. Wohl wissen es die neologen Führer, daß die von der Orthodoxie zu gewährende Konzession zur Gründung von neologen Bethausvereinen innerhalb orthodoxer Großgemeinden „bloßes Papier" sei: ttbtl TiWÜüb K^V In ihrer überströmenden Loyalität und Friedensliebe seien sie aber auch mit diesem „Papierfetzen" zufrieden. „Fürwahr, gut gebrüllt, Löwe!" müssen wir da unwillkürlich ausrufen. Seit einem Jahrhundert schon tobt der Kampf innerhalb des Judentums zwischen Neologen und Orthodoxen; und wieso entstand der Kampf? Sagten etwa am Anfange die Neologen oder die Reformer zu den Treugebliebenen, die am Beginne der Reformbewegungen überall in Majorität, ja, in erdrückender Mehrheit waren: Gebet uns Eure Synagogen her, wir wollen daraus moderne Chortempel mit Orgelspiel und Weibergesang machen?! Nein, nirgends begann es auf solche wahnwitzige Weise. Nein! Man wollte auch weiterhin innerhalb der traditionstreuen Muttergemeinde verbleiben; es sollten weiterhin die alten Synagogen usw. den Frommen verbleiben, nur wollte man auch für sich ein Plätzchen unter der Sonne: zuerst einen Andachtssaal, später dann einen selbstgebauten Orgeltempel mit allem Zubehör. Aber von der legalen Gemeinde wollte man sich eigentlich doch nicht trennen! So geschah es zu Hamburg, Frankfurt a. M., Berlin, Wien, Budapest usw. Was taten nun die D^Ttt jener Zeiten? Das Hamburger Beth-Din und die von ihm zur Hilfe aufgeforderten O^ITS R. Akiba Eger, R. Mordechai Banet, R. Mosche Sofer, und später dann Chacham Bernays und sein Schüler Rabbiner Hirsch in Deutschland? Was taten die späteren tr^Tft in Ungarn: R. Saken ergeben mußten, ein gewaltiger Damm quer durch den Tigris gebaut und dieser Fluß durch einen Kanal mit dem jetzt trockenen 'Bett des Schott-el-Gharraf verbunden werden, der mitten zwischen Euphrat und Tigris durch das Herz des Irak verläuft und beinahe die Stadt Ur, jene chaldäische Wiege unserer Zivilisation, erreicht. Durch diese Regulierung des Tigris kann ein großer Teil des zwischen beiden Strömen liegenden Landes, dessen Boden außerordentlich reich sein soll und lediglich des Wassers entbehrt, mit dem lebenspendenden Naß versorgt und fruchtbar gemacht werden. Die projektierte Tigrissperre wird nahezu 700 Meter lang und 17 Meter hoch sein; die Vorarbeiten haben bereits begonnen, und Pumpen sowie Betonmaschinen sind von Basra aus an Ort und Stelle geschafft worden. Nach dem Frühjahrshochwasser soll dann der Bau angefangen werden. Wochenkalender. Vom 9. — 16. Febr. 1935 / Vom 6. — 13. Adar I 5695 VBV>?p Samstag sapsaa 9 6 BS nnnxi Sonntag ,10 7 S ' Montag 11 8 KS -Dienstag 12 x 9 aa Mittwoch 13 r 10 13 Donnerstag Fefcf 14 Ä £ 11 73 Freitag 15 *- 12 na Samstag 16 13 IS nun Ein Danaergeschenk, Zu den geplanten neuen Kongreß-Ergänzungsstatuten in Ungarn.