Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1935)
- Date
- 1935-02-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450864--81043-2538893- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 6 J) e r 1 s'r a e 1 i t TiFebruar 1935 -i muel B. Sofer; R. Mosche Schück, R. Gha'jim Sofer usw.? Haben sie etwa gesagt: Man', kann Mitglied der legalen, also der orthodoxen Gemeinde bleiben, zugleich aber auch zur Grün dung einer „neologen Insel" innerhalb der orthodoxen Muttergemeinde beitragen?! K»U 1ö^> linp' Weg von uns! riefen sie solchen Elementen zu. Wir prüfen nicht Eure private Lebensweise,*) wir sehen Euch mit brüderliche Liebe in unseren ältehrwürdigen Synagogen an den heiligsten Tagen des Jahres:. D'Vflö D'nayn DJ? bbsnnb- Ihr müßt Euch aber in unsere altgeheiligten Gesetze und Gebräuche schicken Wollet Ihr aber G'tteshäuser und G'ttesdienste nach eigenen Gelüsten — dann weg aus unserer Mitte! Jahrzehnte hindurch kämpfte der große 13*10 STD *?s;amit Hilfe seines Vorstandes gegen die Errichtung einer „neologen Insel" innerhalb der damals noch einheitlichen Großgemeinde Preß bürg. Ja, er willigte sogar in die Berufung des hochberühmten Maggid R. Feisch Fisch mann b"11 zum deutschen Kanzelredner in der Hauptsynagoge ein, um nur den neolog gesinnten Elementen in der Gemeinde den Vorwand zur Errichtung einer „neologen Insel" innerhalb seiner Gemeinde zu nehmen! Und da sollen nun wir schwachen Epigonen bereit sein, selbst nur „auf dem Papier", auch nur zum Scheine, die Konzession zu einer „Insel der Seligen" zu erteilen?! Der p'tP a^lfl» in ""'tf "0 tV'IX T\"W sprach nur die Ueberzeugung all der Hunderte der zeitge nössischen D^n aus, indem er in Beurteilung der Kongreßstatuten Folgendes schrieb: n^sn n?a mb wy*\ nasrip yn "on iK'na D'-xin on -pKv "Di: ptf Tm tbia rrou Mb iios m« "»aa nriK roV nvnb ♦urmaa n^wan uaa ♦nJi»K3 mnx nm onb'wv „Aber auch ohnedies, sobald sie auftraten und . ein Bethaus sich errichteten, welches die im Gan Eden ruhenden Geonim der Welt uns verboten haben usw. Wie wollten sie nun die Freiheit unseres Glaubens uns rauben, (indem sie uns zwingen wollten), daß wir e i n e Gemeinschaft mit Menschenkindern bilden sollen, die in Glaubenssachen anderer Auffassung sind?!" Und da sollten nun wir, Abkömmlinge und Geisteserben jener üVW 'SINX' darein einwilligen, und wenn auch vorläufig nur in der Theorie, daß sogar unter den Schutzfittichen der orthodoxen Muttergemeinde für die neolog gesinnten Elemente in derselben sich eine „Insel der Neologie", Andachtssäle mit „fortschrittlichem G'ttesdienst" und aus dem Pester neologen Rabbinerseminar hervorgegangenen Redekünstlern, gründen sollen?! Wir glauben vorerst, daß hier der Wunsch der Vater des Gedankens ist, daß Herr Dr. Kurländer, eben der Redakteur des „Szombat", ein gar williges Sprachrohr für die Wünsche der neologen Führer sei! Aber — dies muß mit allem Respekt zugegeben werden — der Plan ist meisterhaft ausgeheckt! Fürwahr, ein meisterhafter 'Schachzug, ganz und gar würdig der zumeist aus geschliff erien Advokaten bestehenden Führerschaft der Neologen. Da gibt es etliche Ortschaften, wo nur eine einheitliche neologe Körigreßgemeinde existiert, ja, nach den einschlägigen ministeriellen Erlässen existieren darf. Und' dort seufzen die orthodoxen Minoritäten unter der wuchtigen Last der doppelten Steuern. Da sprechen nun die neologen Herren mit schlauer Ueberlegung: Wir wollen diesen Minoritäten gegenüber in den neuzuschaffenden Ergänzungsstatuten etwas Zuvorkommenheit und die Gewährung von Erleichterungen an den Tag legen. Hierfür aber verlangen wir das gleiche Recht und die gleiche Zuvorkommenheit für eventuelle neologe Minoritäten innerhalb gewisser orthodoxer Einheitsgemeinden. Doch erschrecket nicht, ihr frommen orthodoxen D'JTl und OTO "^yi! Wir wünschen keinesfalls iWStib n3*?n' daß sich inmitten orthodoxer Groß- *) S. meinen Artikel: Ein Zeugnis S. R. Hirschs zu den neuesten Auseinandersetzungen in der ung. Orthodoxie. Der Israelit, 1929, Nr. 34 u. 35. gemeinden f a k-t i s ch e neologe* Bethäüsvereine gründen sollen. Ach, wir kennen* unsere neologen Minoritäten innerhalb orthodoxer Einheitsgemeinden allzugut. Lieber werden sie schon die paar obligaten Besuche in der altfränkischen orthodoxen Gemeindesynagoge abstatten,1 oder überhaupt davon ganz absehen* als daß sie Geldopfer für die Errichtung eines besonderen Bethausvereins für den „fortschrittlichen" G'ttesdienst bringen sollen. So geschah es doch schon vor Jahrzehnten in Miskolc, Papa und Ungwar, wo die neologen Elemente ihre eigene Kultusgemeinde besaßen, sie aber später, weil deren Erhaltung zu kostspielig war, als „überflüssigen Luxus" auflösten und in den Schoß der orthodoxen Muttergemeinde zurückkehrten. Daher möget Ihr orthodoxen Führer ganz ruhig bleiben. Die neologen Minoritäten in orthodoxer Gemeinschaft werden nicht die zur Errichtung besonderer maa nötigen finanziellen Mittel aufbringen wollen! Es handelt sich b 1 ö ß ti in d a s P r i n z i;p , um das Stückchen Papier, oder —- wie' es Dr. Kürländer sägt bloß um die „ s c h ö n e G est e " seitens der Orthodoxie, Gebet unsibloß die p apiern e Kön z e s sion, daß unJS- DTTK und in voller Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit die Minoritäten in unseren Gemeinden behandelt werden. Wir brauchen dies aber bloß als DTSTDIDD' als ein Schönheitspflästerchen ohne jegliche praktische Nachgiebigkeit Eurerseits, Ihr Orthodoxen! Also denken und sprechen die neologen Führer. Und warum sollten ihnen die weltfremden. Osmund frommen, aber in den höheren Künsten der Diplomatie unerfahrene üTQ "^»n denn nicht auch auf den Leim gehen?! (Schluß folgt) „Als Juden wollen wir ihn lesen!" Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. III. Was wir von dem Prinzip Hirschs wegen der Beschäftigung mit profanen Wissenschaften gesagt haben, daß die eigentliche Quelle seiner Devise sein "Stolz auf sein Judentum und dessen Thora ist, gilt in noch höherem Maße von seiner gemeindepolitischen Forderung des Austritts aus der liberalen Gemeinde. Es ist ihm, dem selbstbewußten, stolzen Thorajuden, der Gedanke unerträglich, daß die Thora, die König im Jeschurun zu sein hat, in einer jüdischen Gemeinschaft die kläglcihe Rolle des Aschenbrödels spielen soll, daß es von der Laune irgendwelcher Gemeindegewaltigen abhängen soll,-ob man der Thora ein bescheidenes Plätzchen innerhalb einer jüdischen Kehilloh gönnen soll. Er empfindet es als w&n b^Tl' als eine Würdelosigkeit sondergleichen, wenn man die zu einem wahrhaft religiösen Leben notwendigen Institutionen sich erkaufen und erhandeln' muß durch Bewilligung von Mitteln für Institutionen, die der Thora zuwider sind und nur dazu dienen, wahrhaften Thorageist zu vernichten. Die Herrin darf nicht zur Bettlerin erniedrigt werden! Es sind nicht halachisclie und logische Gründe, die in erster Reihe ihn zur Forderung des Austritts bestimmen, sondern sein jüdischer Stolz und sein jüdisches Selbstgefühl sind es, die ihm ein Zusammenleben in einer Gemeinchaft mit Menschen, die G'ttes Thora ihrer G'ttlichkeit entkleidet haben, denen G'ttes Wort nicht oberstes Gesetz für ihr privates und öffentliches Leben ist, die das verhöhnen, was dem wahrhaften Jehudi die Seele seiner Seele ist, als absolut unmöglich erscheinen lassen. Rein g e f ü h 1 s mäßig ist zu erst die Begründung dieser für ihn so selbstverständlichen Forderung, die er aus dem Verhalten der Anderen zieht, die ja aus dem alten Judentum; ausgetreten sind, da sie "seine Grundlagen verleugnet haben und irgendein Gebilde geschaffen haben, das mit dem alten Judentum 'höchstens den Namen gemein hat. Ich glaube nicht, daß er den Liberaler! Dank wüßte, daß sie das Judentum vor dem Atheismus bewahrt haben. Wer den rmnn ]n'i3 leugnet, hat G'tt geleugnet, und es ist ein tiefes Wort der Weisen -»mx "Kl^il naw 'min nNV daß G'tt selbst seine Thora höher steht als ein leeres, inhaltloses Bekenntnis zu ihm. Wir kennen G'tt nur aus G'ttes Thora und unser Bekenntnis zu ihm besteht in der Erfüllung seiner Thora. Auch G'ttes Walten in Natur und Geschichte lernten wir aus der Thora kennen, bezw. durch die Offenbarung am Sinai-? die für uns einmalig und eindeutig war, wie sie eben in der offenbarten Thora niedergelegt ist. Die logischen, und halachischen Erwägungen setzten erst später ein, als er merkte, daß man seiner Förderung, die mit elementarer Gewalt aus seinem ganzen jüdischen Empfinden heraus hervorquoll, halachische Argumente entgegenhielt. Ein fassungsloses Staunen ergriff ihn, daß man aus der Halacha etwas beweisen wollte, wasfür ihn als ü b e r halachisch galt, d. h. als etwas, was für ihn vor jeder Halacha feststand, daß man mit rm'» sich nicht zu einem Verbände zusammenschließen dürfe, er fühlte sich in seinem Innersten getroffen, sein jüdisches Selbstr gefühl, sein jüdischer Stolz waren verletzt und der Schmerz und das Weh hierüber führten seine Feder in seiner Entgegnung an seinen größten Gegner, und meißelten die Sätze zu wahren Hammerschlägen, deren Wucht wir noch heute beim Lesen mit Schauern der Ehrfurcht empfinden.' Nur notgedrungen läßt er sich auf halachische Erörterungen ein, die ihm nicht als das Wesentlichste in dieser Frage erscheinen. Wir erleben hier bei ihm das Gleiche wie bei den großen Thor'afürsten Ungarns, die gleich ihm die Trennung von den neologen Thoraleugnern als von der Thora geboten-erklärten. Die größte halachische Autorität der Neuzeit, der ÖDri' der kaum jemals eine halachische Entscheidung fällt, ohne sie aus und tppölö ausführlich" zu begründen, hat für seine Fordeurng für die Trennung von den Liberalen es nicht für nötig erachtet, Beweise zu erbringen. Sie sind für ihn wie die „Genossen des Aman und Saul, die Karäer, und wie die Genossen des Zadok und Boethus, die Sadduzäer, die man aus der Gemeinschaft Israels ausgestoßen hat" üDVlflH ftf"? 13,!?5? iiWir sind, nicht für sie verantwortlich,'* wohl aber für unsere Kinder, die wir vor ihnen schützen müssen, erklärt er souverän als der große Thorafürst, dessen; Empfinden und dessen Gefühl ja an p"1P und D">pö1S orientiert sind. (Vgl. rs 'WD '1 pbft D"nn) Auch seine Nachfolger und Schüler p'P D"infr B>"KD"inö und ^510 nrD haben' es niemals als nötig, empfunden, strenge halachische Beweise für. die Trennung, zu erbringen. Auch .ihnen war diese .Forderung etwas Ueberhalachischesrocler. Vorhajachi^ches, die ihre Begründung in dem/wahren, unverfälschten jüdischen Gefühl hat. In seinem neuen Werke hat Isaac Breuer dieser Frage einen breiten Raum gewährt und es ist, wenn auch uneingestanden, dieser Teil seines Werkes, der den Unwillen seines Rezensenten im „Isr. Familienblatt" ganz besonders hervorgerufen hat. Breuer versucht die Pflicht des Austritts aus-der liberalen Gemeinde logisch zu erhärten. Wenn ihm vorgeworfen wird, daß er gerade die Frankfurter Verhältnisse zum Vergleich heranzieht, so haben seine Gegner von ihrem Standpunkte aus sicher unrecht, denn es ist ja nicht zu leugnen, daß die Gemeindeorthodoxie gerade in Frankfurt noch verhältnismäßig die größten äußeren Erfolge erzielt hat- In Frankfurt existiert auch eine Gemeindeorthodoxie, während . in' den anderen Großgemeinden auch orthodoxe Rabbiner amtieren,