Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1934)
- Date
- 1934-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450855--80921-2538764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r 1934 3 b e rl 13. Dezember 1934 M a r wände izte, ihr d jnächs ■teilunc :te uiu ig sind Landi .nnähe warten hinaus ^.nsiedgeteilt D e I i t Nr. 50 Seite 3 ieri Dez. reten strikt, . n bei haf t und i b e n : zum atzten läftigt iktion m gelsver- 'unam Ge- 2richt . Die e ge w ei tf ed l vor den 3 ge- \.sscürde, iimer )bermgsge-; der inzig Pica igem 2nde Jung ihre 8* s - Wenn die Lichtet erloschen sind. {Fortsetzung von Seite 1.) irch r e r hen e n als sruäuuncht rer räirade& So weit die Festrede des dafür Berufensten, Juda Makkabis. .Wir aber, die nachgeborenen Generationen, stoßen, wenn wir die Gedanken zu Ende denken, auf Parallelen in späterer und unserer Zeit, die mit erschütternder Deutlichkeit uns den ewigen gleichmäßigen Wellengang in der Geschichte, zumal in unserer Geschichte zeigen. Führen wir hier von den unzähligen nur drei Momente an, die uns wie Grundpfeiler der Brücke über die zwei Jahrtausende von damals bis heute anmuten. 1. Der geistige Niedergang setzte damals, vor 2000 Jahren, genau wie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, mit einer Bibelübersetzung ein, die damals wie später, an sich kaum etwas Anstößiges hatte und gewiß auch nichts Scnlimmes wollte. Setzt man an Stelle von Griechisch Deutsch, an Stelle von Hellenismus Assimilation und Reform, nennt man statt der Makkabäer die Namen der Kämpen um die Zeit von Rabbi Mosche Sofer, Rabbi Akiba Eger und in der Generation nach ihnen, bis zu S. R. Hirsch, so hat man die ganze Geschichte des Hellenismus und des Makkabäertums ins Neuzeitliche übersetzt. Was kann an einer Uebertragung und Popularisierung der heiligen Schrift Schlimmes sein, daß es solche Folgen zeitigte? Der Historiker antwortet: Die Uebersetzung und Verbreitung, der Sprung mit unserem Lichte ins Helle, geschah, vor zweitausend wie vor hundert Jahren, nicht aus eigenem Antrieb, nicht aus jüdischen Impulsen heraus. Damals geschah es auf Diktat des Ptolemäus und dem Wunsche der ersten hellenistisch orientierten Juden entsprechend, eine Brücke zwischen Jerusalem und Hellas zu bauen, später wurde die deutsche Uebersetzung aus einem Zeitgeiste heraus geboren, der die Bibel, die übersetzte, der Jugend als Eintrittskarte in die Hallen der Kultur in die Hand drückte. Es galt in beiden Fällen nicht, die Welt im Lichte des Judentums, sondern umgekehrt das Judentum im Lichte der Welt zu zeigen. Es war noch Tempel und es war noch Licht, damals wie später, aber es war nicht der gereinigte Tempel und nicht das Licht aus unberührt heiligem Oel. Hier drängt sich uns die Sprache des Chanukalichtes wie die eines Warnungssignals in' aller Deutlichkeit auf. 2. Wir erlebten damals, nach Ueberhandnahme der griechischen Kultur im Judentum, zweierlei Hellenismus, die grundverschieden von einander sind: den in Jerusalem und den in der G o - Iah, worunter man damals Alexandria und Rom verstand. Der letztere zeigte unverkennbar jüdische Werte und jüdische Inhalte. Bei aller Assimilation war das Suchen nach religiösem Zusammenhalt im Lande der Zerstreuung einfach ein natürliches Gebot der Selbsterhaltung. Der Tempel d.es Onias und die R i ,e s e n - und P r a c h t s.yira g o g e in .Alexandria waren der Ausdruck dieses religiösen Zusammenhaltes in Holz und Stein. Anders in Jerusalem. Dort trieb der Hellenismus bis zum uferlosen religiösen Nihilismus. Er konnte es sich leisten, % meinte man. Denn, wozu Religion, als Kitt, wo man doch mit Tempel, Staat und Altar der nationalen Bande und Bindungen gerade genug hatte? Hier, so glaubte man, konnten Sport und Spiel alle religiösen Handlungen ersetzen. So damals. Und heute? Ernst Simon distanziert sich in einem Artikel in der „Jüdischen Rundschau", zu dem wir bereits Stellung genommen haben (Siehe „Israelit" Nr. 49) von einer Haltung, die die jüdischen Formen als nationale Werte nur in der Diaspora bejaht, wo sie dem notwendigen Zusammenhalte des Volkes dienen, -sie aber .für das neue Palästina, wo die nationalen Momente den Zusammenhang bedingen und sichern, ablehnt. Er nennt es eine Blasphemie, wenn in der Diaspora auf diese Weise das religiös Gemeinte unreligiös gehandhabt wird. Er hat'aber kaum ein Wort der Verurteilung für den Irrwahn, wie er sich im neuen Palästina austobt und auf dem Wege der Umwertung aller religiösen in nationale Werte den „Tempel der Einigkeit und das nationale Heiligtum zu errichten glaubt. Damals, rächte sich die Ausschaltung der Religion aus dem nationalen Leben in Jerusalem bitter und blutig mit der römischen Faust bis zur völligen Zertrümmerung des nurnationalen Staates. Heute sollten die Bruderkämpfe in der areligiösen palästinensischne Arbeiterschaft, wo das gemeinsame Band des religiösen Erlebens und der religiösen Tat fehlt, eine Warn u-n g sein, bevor es zu spät ist. 3. Noch eine Parallele: Die Fortgeschrittenen in der Diaspora, die zu Römlingen avancierten Hellenisten, eine kleine aristokratische Oberschicht in Rom und Alexandria (man lese es in Josephus nach), waren der Meinung, das Gesetz sei für die Diaspora überhaupt nicht bindend. Könne man es draußen nicht mehr in 'seiner Totalität beachten, so habe es keinen Zweck, sich an Einzelnes und Weniges zu halten. Die Auffassung ist älter als der Hellenismus. Als Israel, so erzählt der Midrasch, ins babylonische Exil ging, fragten welche; „Hat die Frau, die vom Manne geschieden, hat der Sklave, den der Herr fortgeschickt hat, noch irgendwelche Verpflichtungen dem Manne und dem Herrn gegenüber? Was soll uns also noch das Gesetz?" Da rief ihnen aber der Prophet zu: „Zeiget, wo ist der Scheidebrief, der eurer Mutter geschickt wurde?" G'tt verläßt sein Volk nicht. Die Kulturträger des Hellenismus in Rom und Alexandria nahmen jene alte Doktrin auf, und es war kein Prophet da, der über das Fehlen des Scheidebriefes belehrte. Und heute? Nicht nur, daß die falschen Propheten unserer Zeit jenem Wahnwitz von einer möglichen Loslösung von G'tt und seinem Gesetz nicht entgegentreten, sie bezeugen, bestätigen und bekräftigen sogar den Scheidebrief mit der ganzen Glut ihrer Seele und der ganzen Kraft ihrer Sprache. Wie es Martin Bub e r meint, wenn er „eine prinzipielle Anerkennung sowohl der einmaligen wie der fortwirkenden Offenbarung, aber Askese und Abstinenz dem Ritus gegenüber verlangt, — gerade aus der Ehrfurcht vor dem echten, aber heute unvollziehbar gewordenen G'tteswort" (siehe den oben erwähnten Artikel), ist bei den oft nebelhaften Buber'schen Formulierungen nicht klar ersichtlich. Aber viele Andere sprechen es deutlich aus: Da etwa 60 Proz. des Thoragesetzes heute nicht mehr erfüllbar seien, (wahrhaft unerfüllbar sind nur die „Bodengesetze", viele andere werden nur für unerfüllbar gehalten, weil sie Opfer erheischen), so lohne es noch kaum, sich an die restlichen Teile gebunden zu halten. Wie, wenn im kaufmännischen Leben einer, der unverschuldet in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist, sagen wollte: „Sechzig Prozent könnte ich zwar an meine Gläubiger zahlen, da es aber keine hundert sind, so zahle ich lieber gar nicht . . ." Er wird als ehrlicher Mann zahlen, was er zahlen kann und im übrigen bessere Zeiten herbeihoffen, die ihm ermöglichen, auch den restlichen Verpflichtungen nachzukommen. Wir zahlen, was wir zahlen können, halten auch unter schweren Opfern, was uns zu halten, gegeben ist; in der Erwartung des Tages, da wir an Vaters Tisch Ihm die volle Schuld entrichten können. Unsere weisen Lehrer, die es weniger verstanden, in hohen Worten und mit fremden Zungen einfache Sachen auszusprechen, bringen es auf die kürzeste und deutlichste Formel: -p^pn iVns nm:»i ö-nars pöwn b Wo wir ein Gesetz in der Fremde nicht halten können, so le.rnen wir es, beschäftigen uns mit ihm, so daß die Schuld uns lebendig vor Augen bleibt und bis zu ihrer ermöglichten Einlösung nicht erlischt. Also lernen wir! Noch nie wie in diesem Zeitalter der großen Phrase im jüdischen Leben verstanden wir so sehr die Mahnung des Talmuds: „Stellet das Licht nicht zu hoen 'Dö n^yaV) n^lÖS nax» Es ist nicht damit getan, daß man mit schönen Predigten, Festreden, Zeitungsartikeln, mit Liedern und Legenden das Judentum zum Himmel hinauflobt, um es auf Erden praktisch mit Füßen zu treten. In Sichtweite muß das Licht bleiben, in das Leben des Tages hineingetragen werden. Wir schreien nicht Ja! Ja! Ja! zum Judentum. Wer Ja sagt, hat wohl .gestern Nein gesagt und kann morgen, bei veränderten Zeitumständen, wieder Nein sagen. Wer aber mit dem Judentum morgens aufsteht und abends zu Bette geht, dem war Judentum nie ein Problem, für das es ein Ja oder ein Nein gibt, sondern seines Daseins Wurzel, Seele und Quelle seiner Existenz. Lichter erstrahlten in der Geschichte, groß und hell, aber es waren Lichter ohne Behälter, Ideen ohne Balken und Boden in der lebendigen Tat, Lichter ohne den Schutz der Laterne. Ein Windstoß brachte sie zum Verlöschen oder, was noch schlimmer war, sie setzten, wie die Pseudomessiasse, weil ungedeckt und ungeschützt durch die Tat, eine Welt in Brand. Unser Licht erhebt sich auf dem Boden der Tat. Die Mizwoh ist der Leuchter, in dem das Licht der Thora gehütet ist. niK mim mSö *W Das der eigentliche Sinn und zugleich die Mahnung des Chanukahfestes. Zu diesen Feststellungen und Richtigstellungen müssen uns die unzähligen Reden und Betrachtungen veranlassen, die jetzt, nachdem die Lichter erloschen sind, aus den jüdischen Zeitungen uns entgegenhallen. Wochenrundschau- Jüdische Kinder in allgemeinen Schulen. hat be- Der Reichs erziehungsminister Dr. Rust jüngst eine Reihe von Werken öffentlich kanntgegeben, die in den allgemeinen Schulen der Einführung der Schuljugend in die Fragen der Erbbiologie und Eugenik, der Rassenkunde, der Judenfrage und der Bevölkerungspolitik zugrunde gelegt werden können oder gar sollen. Darunter befinden sich u. a. Alfred Rosenbergs ,,M ythosdes 20. Jahrhundert s", Th. Fritsch's Handbuch d 2 r Jugendfrage und Rosenbergs „Die Protokolle der.Weisen von Zion und die jüdische Weltpoliti k." Man geht wohlnicht fehl in der Annahme, daß diese Bücher nicht nur für die Behandlung der einschlägigen Materien in den höheren Schulen, sondern auch in den Volksschulen maßgebend sein und dort — ohne daß der einzelnen Lehrerpersönlichkeit damit .jedwedes Recht zu individuellen Einschlägen in die Stoffgestaltung abgesprochen wäre — den Geist des Unterrichts bestimmen sollen. Damit aber wird, darüber sollte man sich in jüdischen Kreisen keiner Täuschung hingeben, auch in der für alle Bewohner des deutschen Bodens obligatorischen allgemeinen Pflichtschule, die seelische Lage des jüdischen Kindes einer