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Der Israelit · 1934-12-13 · Heft 50 (13.12.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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fe bks '{äzt,«' > w - Seite 4 Nr. 50 Der Israelit 13i Dezember 1934 * «, f 3;.' Fitr? Ii'! if «8? / HZr J S Jtf 1 ||i Sit5 ii $if4 \w \(" # t» i «'I ■ "M'l Ii -iJ» h rm II1 2 1 «i •i * *i - ' r i. ^r- * i :< Mt Iv V' r : i> J SA '«Fl! " I ■v \ V in ihrem ganzen Ausmaße bisher unübersehbaren Belastungsprobe ausgesetzt. Bis hellte liegt nach allen Berichten objektiv urteilender jüdischer Eltern, deren Kinder, wiil eine jüdische Volksschule am Orte fehlt, nichtjüdische Volksschulen besuchen müssen, kein Grund vor, die Haltung der christlichen Lehrerschaft gegenüber den jüdischen Kindern zu beanstanden; der Wille zur Objektivität und Gerechtigkeit ist im großen Ganzen zweifellos vorhanden, und selbst die Tatsache, daß ein Lehrer in seiner privaten politischen Betätigung aus seinar Judenfeindschaft kein Hehl macht, schließt ein menschlich korrektes Verhalten gegenüber dem einzelnen jüdischen Schüler und die gerechta Ahndung von Uebergriffen aus den Reihen der christlichen Mitschüler gegen die jüdischen Kameraden nicht aus. Aber niemand wird behaupten wollen, daß dis Werke, die nun ganz offiziell als Quellen der Unterrichtung - über Juden und Judenfrage und als didaktische Wegeweisung den deutschen Ju- . gendbildnern empfohlen werden, den gleichen Geist gerechter, Licht und Schatten abwägender Objektivität atmen, wie er von den Lehrern zweifellos auch von oben herab gegenüberallen ihren Schülern, welcher Rasse und Religion sie seien, erwartet wird. Rosenbergs „Mythos" ist, wie die „Frankfurter Zeitung" vor kurzem meldete, zum Gegenstande einer Streitschrift von katholischer Seite gemacht worden, in der versucht wird, dem Verfasser eine große Zahl von Irrtümern und Mißverständnissen nachzuweisen, die ihm in Bezug auf die christliche Lehre unterlaufen sind, teilweise als Folga seiner Rassenideologie. Die Schrift weist nach, daß die Behauptungen über den rassisch minderwertigen Ursprung des Christentums, über seine Verbreitung mittels rassisch minderwertiger Kräfta und über seine rassische Zersetzungsarbeit einer wissenschaftlichen Nachprüfung nicht standhalten. Es wird angeregt, Herr Rosenberg möge diesen „historisch begründeten Teil" seines „Mythos" aus der Diskussion ritterlich und entschieden herausziehen. Den Thesen, die dann noch übrig bleiben, stellt sich der Paderborner Dompropst, Professor Paul Simon, mit der Schrift „Mythos oder Religion" entgegen. Man sieht also in «Jen katholischen, ebenso auch in positiv eingestellten evangelischen Kreisen, bei aller Aufgeschlossenheit für die gesunden Ideen der Rasseneugenik und des völkischen Erneuerungsbewußtseins, mit größter Besorgnis die Erhebung von Werken wie Rosenbergs „Mythos" zu halbamtlichen Grundlagen des deutschen Schulwesens. Mit welchen Gefühlen erst müssen die deut sehen Juden dem Eindringen des Geistes, der beispielsweise in Fritsch's Handbuch der Juden frage lebt, in Herz und Gemüt der Jugendbildner und der Schülerschaft gegenüberstehen, in deren Mitte ihre eigenen Kinder — soweit ihnen nicht eine .jüdische Volksschule gegönnt ist — heranreifen sollen! . Daraus müssen, wenn nicht rechtzeitig Vor beugungsmaßnahmen getroffen werden, schließlich Kindertragödien sich entwickeln, die von den obersten Spitzen des deutschen Schulwesens sicherlich nicht gewollt sind. Für die Juden Deutschlands aber ergibt sich aus dieser Konstellation mit erhöhter Schärfe die Mahnung, durch die Gründung weit zahl reicherer jüdischer Volksschulen als bisher sowohl der deutschen Umwelt als sich selber und dem ungebrochenen Leben ihrer Kinder den höchsten Dienst zu erweisen. Außerdem müßten Vorkehrungen getroffen werden, um denjenigen jüdischen Eltern auf dem Lande, die an die Scholle gebunden sind und für die wegen allzu geringer Kinderzahl die Gründung einer Schule unmöglich ist, die Unterbringung in Internaten am Orte der nächsten jüdischen Volksschule zu ermöglichen. Das Begräbnis des „jüdischen Weltkongresses." Das Komitee des „American Cohgress", also derjenigen, unter zionistischer Leitung stehenden Körperschaft) die — im Gegensatz zu dem f,American Jewish Committee" (Cyrus Adler) — bisher der Hauptträger der Weltkongreß-Idee war, hat auf seiner letzten Tagung in Baltimore beschlossen, den Kongreß-Gedanken faktisch aufzugeben. Damit hat die Logik der geschichtlichen Entwicklung endlich ein Ergebnis erzwungen, das dem vorausschauenden Blicke und dem nüchternen politischen Wollen längst als innere Notwendigkeit klar geworden war. Wir haben an dieser Stelle seit anderthalb Jahrzehnten den Traum von einem aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden demokratischen Weltkongreß der Juden aller Länder aus religiösen und politischen Gründen bekämpft, anfänglich allein,' allmählich unter wachsender Zustimmung einsichtiger jüdischer Instanzen der westlichen Länder. Es bedarf daher heute keiner Wiederaufzählung der schweren Bedenken, die einem solchen Kongreß heute mehr als; je entgegenstehen. Dagegen erscheint uns — grade in Konsequenz solcher Gedankengängen — die endliche Herstellung einer laufenden Fühlungnahme unter den verschiedenen jüdischen Organisationen, die ihr Augenmerk der Linderung der jüdischen Not in allen ihren Bezirken widmen, ein dringendes Gebot der Stunde. Der Mißerfolg, der einem, dahingehenden Versuch im vorigen Jahre in London beschieden war, dürfte von einer Erneuerung der dahin gerichteten Bestrebungen nicht abschrecken. Die Mission der „Mission." In Deutschland sieht die Judenmission durch das Rassenprinzip im Mittelpunkte des nationalen Lebens eine Arbeit von Jahrhunderten vernichtet; in Oesterreich, wo alles noch im Gären und Werden ist, versucht sie von neuem ihr Glück. Oesterreichs Juden dürsten nach einem Worte der Liebe, das auf Erfüllung ihres Anspruchs im neuen Staate deutete. Aus dem Munde der Führenden kommen diese Worte selten und spärlich. Vonkirchlicher Seite kommt aber die „Erfüllung" — in Form einer sogeheißenen Zeitschrift, die f ür und um die Juden wirbt: für ihr gleiches Recht im Staate und um ihren Eintritt in die .katholische Kirche. Daß Kardinal Innitz er dem ersten Hefte ein Vorwort widmet, beweist, wie ernst diese Liebeswerbung von höchster kirchlicher Seite genommen werden. Aus der Tatsache, daß die Mitarbeiter der Schrift fast durchwegs bekannte Renegaten sind, ersieht man aber wiederum, daß die Initiatoren der neuesten Missionsaktion in der Wahl der Menschen und Mittel wenig vorsichtig und glücklich waren. Zur weiteren Klärung der Angelegenheit geben wir hier dem Oberrabbiner von Wien, Dr. Feuchtwang, das Wort. Einem ITA-Vertreter erklärte er: „Es ist Tatsache, daß die Paulus-Aktion sich die Judenbekehrung zur Aufgabe gemacht hat, wobei sie Hand in Hand mit der Leo-Gesellschaft und de.- Zeitschrift „Erfüllung" eine sehr rege Tätigkeit in dieser Richtung entfaltet. Die Vertreter der katholischen Kirche, nach deren Auffassung das jüdische Volk auf .einem Irrwege ist und zur Kirche zurückgeführt .werden müsse, halten es nicht nur für ihre allgemeine Pflicht, die Juden zu bekehren, sondern in der gegenwärtigen Zeit für eine besondere Aufgabe, eine Missionstätigkeit unter den, Juden zu entfalten, da das Jahr 1934 als .„Gnadenjahr zur Heimholung Israels" angesehen wird. Selbstverständ- Der Sabbat für alle. Angesichts der neuerkannten Bedeutung des Sabbats für das jüdische Haus im weiten Sinne sind folgende Ausführungen eines „Baal Habajis" (so nennt sich der Autor) von Interesse: Vor mehr als zwei Dezennien schrieb ein bekannter katholischer Theologe in seiner Fachschrift: „Stets von neuem erfüllt mich tiefe Ehrfurcht vor dem Sabbatgebot im sinaitischen Dekalog. Es atmet einen sozialen Geist, der jede moderne Gesetzgebung mit Bezug auf die Sonntagsruhe einfach in den Schatten stellt. Das ganze Haus, die Familie in all ihren Zweigen wird geweiht, gehoben, geheiligt. Knecht und Magd in ihrer Kammer, selbst das Vieh im Stalle nimmt teil am wöchentlichen Tag der Ruhe. Und das soll nicht nur äußerlich geschehen durch Einstellung körperlicher Betätigung. Ausdrücklich heißt es Exodus 23, V, 12: Es möge sich vergeistigen der Sohn deiner Magd wie der Fremdling. Körperliche Erholung und seelirche Verinnerlichung in schönster Harmonie, Erhebung des erdgebundenen Menschen in die reinen, freien Sphären des Himmlischen: das ist die Idee des biblischen Sabbats." — — — Dem . feiernden Juden sagt der Herr Professor durchaus nichts Neues. Auch die Bewunderung und Hervorhebung des sozialen Momentes der g'ttlichen Sabbatinstitution kann auf jüdischer Seite kein staunendes Erkennen auslösen, weil Selbstverständliches und im Laufe von Jahrtausenden Geübtes wie Alltägliches hingenommen wird. Wundern muß man sich nur, daß es noch jüdische Häuser gibt — wir meinen „jüdisch" in gutem Sinne — die noch so unsozial und asozial eingestellt sind, daß sie ihre Hausangestellten nicht wie I—P3 '33 betrachten, wie Hausgenossen im Sinne der Perekmahnung. Der politische Umschwung hat die Idee der sozialen Gemeinschaft zur Kampfparole des Alltags gemacht. Und da sollte es noch jüdische Familien geben, die ihre weiblichen Angestellten und Stützen in die Küche verweisen? Hat man so wenig gelernt an Solidaritätsgefühl, an jüdischem Gemeinschaftsbewußtsein aus all dem Schweren und Tragischen, das uns als Gesamtheit betroffen? Es" ist traurig, noch so manchen daran erinnern zu müssen. Der jüdische Hausvater ist nicht nur Verwalter des Heims, Ernährer der Familie. Das Wort -'aa^ omawv schärfe sie (die Lehre) deinen Kindern ein, macht jeden Vater zu einem Lehrer, alle Kinder zu Schülern, jedes Haus zu einer Schule. Das jüdische Mädchen muß seinen Platz am Tische haben bis zum Tischgebet; muß &np und nJnan gleich den andern Gliedern der Familie hören, auch an jüdischen Tafelgesängen — m"Y>»T — teilnehmen, wo solche noch in schöner, altfrommer Art gepflegt werden, muß die Weihestunden des Seder genießen, und zwar vollständig, soll sich des Aufenthalts in der naio erfreuen, des Glanzes der naw-Lichter usw. Kurz, es soll wissen und fühlen, daß es als Jüdin im jüdischen Hause teilzunehmen, hat an allen Aeußerungen religiösen Lebens. Ziehe es dazu heran, wenn sein religiöser Standpunkt weniger konservativ ist als der deinige und schäme dich nicht einer taktvollen Belehrung- und Aufmunterung. Meistens fällt die wohlmeinende Mahnung doch auf guten Boden. Selbstredend spielt hier, wie im ganzen jüdischen Hauswesen, die Ehefrau mit eine Rolle, vielleicht die Hauptrolle. Das Verhältnis zu den Hausangestellten ist nicht nur ein menschlich-vertrauensvolles, sondern auch ein jüdisch-verantwortungsreiches. Das ist die große Konsequenz des vierten Gebotes und seiner machtvollen sozialen Forderung: "J-nttKl "pas?! nnt* du, dein Knecht und deine Magd! — — Kleines Feuilleton. Nachträgliches zur Chanukahymne, Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg O.-S. In Nr. 96 der „Jüdischen Rundschau" veröffentlicht Dr. Bruno Kirsch ner einen Kommentar zu Tis ns?» und rügt darin, daß S. R. H i r s c h in den Ausdruck n^mn rrai den Sinn „seine Macht, die absolute Größe ist" hineingeheimnisse. Diese Rüge ist nicht nur deplaziert, sondern auch hinfällig. Die Auslegung Hirschs hängt mit der haggadischen Deutung Berachot 58a (vgl. Onkelos und Raschi zu 2, M, 14, 31) zusammen. Sie ist viel berechtigter als z. B. die rationalistische Deutung, die Kirschner dem Schlußvers des Liedes nsraw D'jm Dpm gibt, der Dichter habe dabei „gewiß an Matation, seine 5 Söhne und einen der Enkel gedacht." Das ist aber gar nicht gewiß, vielmehr hat der Dichter an die. midraschische Auslegung gedacht, welche der Talmud, Sukka 52b, dem Satze Micha 5, 4 gibt. Ueberhaupt muß beachtet werden, daß das Lied Anspielungen enthält, die

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