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Der Israelit · 1934-12-13 · Heft 50 (13.12.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 50 Oer Israelit 13. Dezember 1934 auch dort wieder hat aufleben lassen, wo sich die Verhältnisse vorher zu allseitigem Nutzen bereits beruhigt zu haben schienen. Wie bekannt, spielen bei dem ganzen Problem die Schilder „Deutsches Geschäft", wie sie gerade auch in Frankfurt in den letzten Monaten zahlreich aufgetaucht sind, eine beträchtliche Rolle. Es ist an sich zweifelhaft, ob eine solche Kennzeichnung nach Rassenunterschieden dem Sinn der Erlasse über Nichtanwendung von Rassenprinzipien auf die Wirtschaft entspreche. Klarheit aber sollte man sich wenigstens darüber verschaffen, wie sie solche Schilder geeignet sind, Ueberschreitungen der zulässigen Grenzen Vorschub zu leisten. Es läßt sich aus Frankfurt ein Beispiel dafür anführen; Als sich nämlich zeigte, daß die arischen Geschäftsinhaber selbst nicht durchweg mit der Kenntlichmachung ihrer Geschäfte nach Rassenunterschieden einverstanden waren, erschien in einem Frankfurter Blatt eine Glosse, in der beklagt wurde, daß es in den Hauptverkehrsstraßen nicht genügend solcher Schilder gebe. Der Schluß lautete wörtlich:„Oder sollte es doch noch solche Geschäftsleute geben, welche die Sympathie einiger jüdischer Kunden nicht verlieren wollen? — Sie sollen endlich Farbe bekennen, der deutsche Käufer wird sie doch durch sein konsequentes Verhalten dazu zu veranlassen wissen." Dies ist in der Tat deutlich. Weiter erschien in diesen Tagen eine Broschüre, die sich als „Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland" bezeichnet. In ihr werden auf 175 Seiten Namen und Adressen der in Frankfurt a. M. lebenden „Rassejuden" aufgeführt, und zwar sowohl alphabetisch als auch nach Berufen getrennt. In einem anonymen Vorwort wird gesagt, daß man hier den Beweis erbringen wolle, wieviel Angehörige der jüdischen Rasse auch heute noch im nationalsozialistischen Deutschland bei bester Gesundheit ihren Geschäften nachgehen könnten. Im übrigen, so heißt der Schlußsatz, sage ein altes Volkswort: „Wer vom Juden frißt, stirbt daran." — Wie zu erwarten war, kann eine solche Privatarbeit dem Zweck, den sie in ihr Vorwort setzt, nur sehr unvollkommen dienen. Auf der einen Seite hat man Arier, Arier auch im Sinne des Berufsbeamtengesetzes, in dieses Verzeichnis aufgenommen, auf der andern Seite fehlen, wie Stichproben ergeben, zahlreiche Namen von Nichtariern, die in Frankfurt berufstätig sind. Jede Religions- oder Berufsstatistik, jede amtliche Veröffentlichung über das Verhältnis von Ariern und Nichtariern in bestimmten Berufen (wie sie z. B. für die Anwälte bereits gegeben wurde) vermögen dem Zweck der Widerlegung der Boykott- und Greuelhetze weit zuverlässiger zu dienen, Sicher aber ist, daß diese Flugschrift gewollt oder ungewollt einem ganz anderen Zwecke zu dienen vermag, und deshalb wird sie hier erwähnt. Sie enthält nämlich, wie gesagt, das berufsmäßig gegliederte Verzeichnis jener Firmen, vor denen nach den vielfach verbreiteten Anschauungen möglichst nachdrücklich gewarnt werden sollte., Wie will man es verhindern, daß die Flugschrift zu solchen Zwecken benutzt wird? Wir können nicht nachprüfen, wie weit der Kreis der Verteilung bereits gegangen ist und mit welchen Kommentaren die Verteilung erfolgt sein könnte. Dies, nämlich die Art der Verteilung und der praktische Gebrauch, der davon gemacht wird, sind die entscheidendsten Fragen bei dieser Broschüre, als deren Herausgeber übrigens ein in der Oeffentlichkeit unbekannter Name zeichnet. Da viele Hunderttausende von Nichtariern in Deutschland leben (ihre genaue Zahl ist ja noch nicht festgestellt), da die ganz überwiegende Mehrzahl von ihnen Deutschland nicht verlassen will (obgleich vieles für sie schwer zu ertragen ist), da überdies nur eine kleine Minder heit Deutschland' überhaupt verlassen könnte, selbst wenn sie es wollte, — so läßt sich die Judenfrage in Deutschland, was man auch im einzelnen wünschen mag, zwangsläufig nur so lösen, daß man den Nichtariern in Deutschland ihren Lebensraum sichert und sie an bestimmten Aufgaben teilnehmen läßt, und zwar so eindeutig, daß auch in der Bevölkerung nicht mehr Unklarheiten darüber entstehen können. Das Beispiel Frankens, wo jetzt schon in manchen Orten genau registriert wird, wieviel Juden abwandern, wo, wie die „Fränkische Tageszeitung" soeben berichtet, etwa in Fürth nichtortsansässige Juden sich nicht mehr langer als 12 Stunden im Orte aufhalten dürfen, solche Beispiele lassen sich gewiß nicht auf Deutschland ausdehnen. Der „Antisemitismus der Tat", wie ' er von Franken aus auch für das übrige Deutschland gepredigt wird, macht eine Lösung des Problems nur immer schwieriger. Und doch wird diese Lösung sich nicht vermeiden lassen!' Agudo und Misrachi, In der Monatsschrift „Nachlath Zwi" veröffentlicht Dr. Isaac Breuer einen Aufsatz über die palästinensische ,, Knesset h Israe l." Es wird darin der Nachweis geführt, daß die „Knesseth Israel", deren innere Schwäche, ja Lebensunfähigkeit allgemein erkannt und anerkannt ist, durch die jüdischen Parteigegensätze mit Notwendigkeit auseinandergerissen werden muß, solange ihr die einzig wahrhafte Einheitsgrundlage der jüdischen Gesellschaft: die Anerkennung der V e rp f 1ichtungskraft des Thoragesetz e s , fehlt. Eine Gesundung der Knesseth Israel könnte daher nur eintreten, wenn ihre Verfassung abgeändert und restlos auf das Religionsgesetz fundiert wird. Der Aufsatz schließt mit einem Appell an den Misrachi,- sich zu diesem Zwecke mit der Agudas Jisroel zusammenzuschließen. Der Verfasser sagt: „Würde die Erkenntnis des unersetzbaren Kulturwertes der Thora bei den Führern aller „Richtungen" sich durchsetzen, so wäre heute noch die Ausgestaltung der Knesseth Israel zu einer wirklich lebendigen Volksgemeinschaft, wäre die Rettung der Einheit des Judentums im heiligen Lande, diese unerläßliche Bedingung der Rettung des Nationalheims selber, heute noch möglich. Könnten Agudas Jisroel und Misrachi sich auf ein gemeinsames, mit letzter Energie zu vertretendes Reorganisationsstatut von Knesseth Israel einigen — Amiel und Bauminger geben solcher Hoffnung Raum — so wäre in einem lebenswichtigen Punkte eine thoratreue Einheitsfront geschaffen, deren hohes Ziel bestünde in der Rettung von Knesseth Israel, in der Rettung des Nationalheims." Die jüdische Einwanderung nach Syrien und Libanon. Paris, IL Dez. Die bereits mitgeteilten Verhandlungen des „Komitees zur Verteidigung der jüdischen Rechte in Mittel- und Osteuropa", dessen Präsident der ehemalige Minister Senator Justin G o d a r t ist, mit der Regierung über eine jüdische Einwanderung nach Syrien, sind nun so weit gediehen, daß die Zulassung von jüdischen Industriellen, Technikern und Handwerkern für das Gesamtgebiet von Syrien nunmehr gesichert ist. Zur'Regelung der Einwanderung jüdischer Landwirte soll erst eine S i e H - lungsorganisation geschaffen werden., Es gelang vor allem, den französischen 0 b e r kommissar von Syrien, Graf de Mar tel, der sich bislang einer jüdischen Einwände rung und Ansiedlung in Syrien widersetzte, ir dem Sinne umzustimmen, daß er nunmehr d]( Zulassung einer Einwanderung von zunächst 10.000 Juden selbst empfiehlt. Die Verteilung der Einwanderer auf die einzelnen Gebiete unc die Auswahl des Bodens für die Ansiedlung sind so getroffen, daß die Einwanderung dem. Lande nur zum Segen gereichen kann und eine Annähe rung zwischen Juden und Arabern zu erwarten sei, die sich über die Grenze von Syrien hinaus auswirken dürfte. Näheres über den Ansiedlungsplan wird in nächster Nummer mitgeteilt 13000 Dunam auf dem Berj Kanaan für jüdische Siedlung freigegeben, Jerusalem, 9. Dez. Durch eine Entscheidung des stellvertretenden Distriktskommissars für den Norddistrikt P e r o w n e , sind auf dem Berg Kanaan bei Safed 13 000 Dunam als unzweifelhaft jüdisches Eigentum anerkannt und für jüdische Siedlung freigegeben worden. Damit wurde ein Bodenstreit zum größten Teil entschieden, der in den letzten Jahren die Behörden wiederholt beschäftigt! hatte und vor einigen Wochen durch eine Aktion arabischer Nationalisten neuerlich vom Zaun gebrochen worden war. Ueber die Eigentumsverhältnisse bei den noch strittigen 7000 Dunam des insgesamt 20.000 Dunam umfassenden Gebietes auf dem Kanaan-Berg, wird das Gericht für- Bodentransaktionen zu befinden haben. Die infolge des arabischen Einspruchs in Frage gestellte Durchführung der großzügigen Erweiterungspläne für die Stadt Safed scheint nunmehr gesichert zu sein. Die in Frage stehenden Terrains wurden vor 41 Jahren erworben und gingen dann in den | Besitz der von Baron Edmond de Rothschild gegründeten Palestine Jewish Colonisation Association (Pica) über. Als der Kauf getätigt wurde, unterzeichneten sämtlichen Grundeigentümer der Nachbarschaft, unter ihnen, auch das Oberhaupt des Wakf (mohammedanischer Regierungsfonds), dem eines der Nachbargrundstücke gehörte, eine Erklärung, in der die Richtigkeit der Grundstücksgrenzen bestätigt wird. Zwanzig Jahre später wurde das Eigentumsrecht der Pica von privater^.Seite bestritten. Nach jahrelangem Hin und Her verfügte nun der stellvertretende Distriktskcmmissar Perowne die Ausscheidung der 13.000 Dunam aus dem Verfahren und ihre Freigabe für jüdische Siedlungszwecke. Hebräisch im Amts- und Postverkehr Palästinas. Jerusalem, 10. Dez. Vom 1. Januar 1935 angefangen werden durch 20 Postämter in Palästina hebräische Telegramjme nicht nur wie bisher in lateinischen Lettern, sondern auch in hebräischen Schriftzeichen sowohl entgegengenommen als auch zugestellt werden. Die Postämter in Jerusalem, Jaffa, Tiberias und S^afed werden vorläufig, bevor nicht entsprechende neue Vorkehrungen getroffen werden ,in diese Neuregelung nicht einbezogen. . Mit dieser neuen Anordnung ist. ein weiterer wichtiger Schritt zur Durchsetzung des Hebräischen, das eine der drei offiziellen Landessprachen.. Palästinas ist, auf sämtlichen Gebieten::de& amtlichen Verkehrs getan worden.

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