Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1934)
- Date
- 1934-11-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. November 1934 Oer Israelit Nr. 45 Seite 5 I Mayer Amschel waren, der 1760 das Bankgeschäft in Frankfurt a. M. begründete und dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch seine bekannten Beziehungen zum Kurfürsten Wilhelm von Hessen einen Aufstieg einleitet, wie er einzig in der Geschichte dasteht. Edmond war 1845 in Boulogne in Frankreich geboren und von Jugend auf dem von seinem Vater gegründeten Pariser Hause eingegliedert. Schon in jungen Jahren zeigte er große Begabung und gesteigertes Interesse für alle Dinge auch außerhalb der Zahlen, für Kunst und Wissenschaft, auch für Politik, nicht zuletzt aber auch für religiöse Wissenschaft. Das goldene Herz der Rothschilds, dieses Erbstück der Familie, war ganz auf ihn übergegangen. 1877 holte er sich seine Frau aus Frankfurt, nach der Rothschildtradition natürlich aus der Familie, und zwar die Tochter seines Vetters Barons Wilhelm Karl von Rothschild, Adelheid, die in bald sechzigjähriger Ehe ihm nicht nur eine treue jüdische Gattin, sondern auch Mitgängerin und eine Mitarbeiterin in der hohen Schule der Menschlichkeit und jüdischen Wohltätigkeit geworden ist. Aus der Ehe sind drei Kinder — zwei Söhne und eine Tochter — hervorgegangen, von denen der ältere, James, in jungen Jahren nach England ging, um sich dem Londoner Hause zuzuwenden. Lord James R o t h s c h i 1 d ist heute Mitglied des Englischen Oberhauses und oberster Leiter fast aller philantropischer Unternehmen seines Vaters, soweit sie Palästina betreffen. Der jüngere Sohn Maurice, der dem Pariser Hause treu geblieben ist, Mitglied des Senates, wirkt im Sinne und im Auftrage seines Vaterg in Frankreich und von dort aus für die jüdische Gemeinschaft in der Welt. Mit diesen kurzen Angaben ist ein Lebensrahmen nur schwach gezeichnet, der von einem Wirken und Wollen, von einem Handeln und Helfen ausgefüllt ist, die ganze Bücher nicht zu erschöpfen vermöchten. Seine Bedeutung allein für Palästina in der Zeit des Werdens seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis heute ist ein „Goldenes Buch" in der neuzeitlichen jüdischen Geschichte. Wenn es eine Brücke gibt zwischen der ältesten Kolonisation Palästinas auf philantropischer Grundlage zum großen Jischuw der Gegenwart, so heißt diese Brücke Baron Edmond de Rothschild. Als die Begeisterung der ,,Bilu" (der ersten Chaluzim unter der Parole rftVll 15^ aj?S>* rT»!a) zu Ende der achtziger Jahre am harten Boden in Palästina und an den tausend ungeahnten Schwierigkeiten für die an schwere Landarbeit nicht gewöhnte Menschen auf der von Arbeit bisher heit lebt, so verbinden wir mit den Gedanken an die Form, an den Ausdruck, an die hebräische Sprache. Und sie wirken zusammen. An erster Stelle steht avr der heilige Inhalt, und diesem hat "129, die hebräische Ausdrucksform, zu dienen. na» bezieht seine Bedeutung und seine Heiligkeit von t>B>- Eine deutliche und dringliche Mahnung an unsere Zeit, die auch hierin gern die Form über, oft sogar gegen den Inhalt stellt. Kleines Feuilleton. Gute Worte. Man erzählte Rabbi Akiba Eger von einem armen Manne, der ein Stück trockenes Schwarzbrot mit einer Zwiebel zum Abendbrote hatte, worauf er das Schmaagebet verrichtete und zu Bette ging. „Ein bedauernswerter Mensch!" sagte der Berichterstatter. „Und ich werde noch mehr d e h bedauern," erwiderte der Rabbi, „der mit einem fetten Gänsebraten im Magen ohne Schmaagebet zu Bette ginge." Einst kaufte sich die Rebbezih von' Posen ein ganz dickes Gebetbüch. „So weit ist es schön gekommen/' seufzte Rabbi Akiba Eger scherzend, „die Tefillah wird immer nicht aufgelockerten Erde zu zerschellen drohte, war es „der Baron", der — wie man damals sagte, auf Intervention des großen Zionsfreundes Rabbi Schmuel M o h 1 i w e r, — den jungen Kolonisten in die Arme griff und gleich darauf die Kolonien Rischon le Zion, Sich.ron Jakob und Rosch-Pina ganz in seinen Schutz nahm. Es galt, begangene Fehler gutzumachen und großzügige Umwandlungen nach der natürlichen Eignung der Menschen und des Bodens vorzunehmen. So mußten die judäischen Siedlungen zum Wein- und Orangenbau übergehen, die Kolonien in Galiläa sich neben dem Getreidebau auch der Seidenzucht zuwenden. Das er¬ Baron Edmond de Rothschild s. A. forderte viele Millionen, und der Baron gab sie, gab und gab immer und wieder. Der weltberühmte Weinkeller in Rischon ist sem Werk. Als in den ersten Jahren der Weinabsatz stockte, kaufte er die ganze Produktion an und brachte sie auf die Märkte. Eine Administration wurde eingesetzt, die aber einen schweren Stand mit den jüdischen Bauern hatte, die auf dem mit ihrem Schweiße bearbeiteten Heimatboden sich nicht immer strengen administrativen Verordnungen fügen wollten. Wiederholt mußten Untersuchungskommissionen im Auftrage des Barons die Beschwerden der Kolonisten prüfen und die Streitigkeiten schlichten. 1900 übergab der Baron — er hieß damals schon nur noch „der Baron" oder der jnvn a,fci3 - die Verwaltung der Kolonien an die I C A , wobei er aber immer noch Herz und Hand für sein Werk offen hielt. Nur fünf Jahre konnte es der große Palästinafreund ertragen, von seinem Liebdicker und der Schulchan Aruch (der gedeckte Tisch) immer magerer." Der Chose von Lublin (bekannter Kabbaiist) pflegte zu sagen: „Ich bin bereit" — das ist nichts. „Ich will" — das geht schon eher. „Ich bin — so ist es richtig!" Rabbi Lewi Jizchok wurde von seinem reichen Schwiegervater dabei angetroffen, wie er selber das Bett richtete für einen Wanderarmen. „Das könnte doch auch Petruska, der Diener, für ein paar Groschen machen," belehrte ihn der Schwiegervater. „Auch eine Logik," sagte Rabbi Jizchok, „Petruska „eine Mizwo mechabed sein" und noch dafür bezahlen." Abraham saß am Eingange des Zeltes, um, wie Raschi bemerkt, nachzusehen, n&l laiy w DR' ob Menschen kommen und gehen. Berufsbettler, das wußte Abraham, würden ohne seine-Hilfe seine Türe finden. Er wollte denen entgegenkommen, die 3ff1 "1317 sind, die kommen und doch zuletzt pochenden Herzens zurückgehen, ohne anzuklopfen — den verschämten Armen. Das defekte Aütö und der Sabbat. Aus Danzig wird folgende Begebenheit berichtet.' p Am letzten Samstag kam der Sohn des früheren Ministers, Jean Pilsudski, ein Neffe des . Feldlingswerke gelöst zu sein, schon 1905 nahm er wieder die Verwaltung in eigene Hand und gründete zu diesem Zwecke die Palestine J e - wish Colon isation Association (PICA), deren Vorsitz sein Sohn James heute noch führt. Seine Beziehungen zur zionistischen Weltorganisation und ihren ersten Aufbauplänen waren keineswegs gute, vorübergehend sogar recht gespannte. H e r z 1 fand mit seinem großen Charterplan bei ihm keinen Anklang, so daß man die scharfen Worte Max N o r d a u s auf den.ersten Kongressen gegen „die jüdischen Barone und Magnaten" auch auf ihn beziehen mußte. Er fürchtete damals von einer Uebersteigerung der Forderungen und vom Lärm durch die große Glocke des politischen Zionismus die Erweckung von Mißtrauen in Konstantinopel und die Gefährdung seines Werkes in Palästina. Andererseits gab es unter den Führern des neuen Jischuw welche, die das Werk des Barons als zu philantropisch, zu bürgerlich, zu sehr von der Gunst der Großen abhängig verachteten und bekämpften. Im Laufe der Zeit gelang es aber der PICA auf der einen und den Besonnenen im neuen Jischuw auf der anderen Seite, die Gegensätze zu überbrücken, und besonders im und nach dem Weltkriege, in dem bekanntlich, sein ältester Sohn James als Major in der Jüdischen Legion mitgekä m p f t hat, waren die Differenzen restlos getilgt. Das Balfourmandat wurde, wie allbekannt, in der Form eines Privatbriefes des Lord B a 1 f o u r an Baron Edmond de Rothschild verkündet. So wurde er auch Ehrenpräsident der 1929 gegründeten J e w i s h A g e n C y, Mit der flutartigen Steigerung der jüdischen Not in der Welt wuchs sich auch in seinen Augen das philantropische Werk von einst zum großen Gedanken eines Jüdischen Nationalheimes aus. Freilich wollte er dieses Nationalheim, wie er immer und immer wieder öffentlich und in privaten Gesprächen äußerte, auf gut jüdischen Grundlagen gegründet sehen. Manche Vorgänge und Auswüchse der letzten Jahre auf dem Boden seiner Liebe und Sehnsucht haben schmerzliche Gefühle in ihm erweckt, denen er anläßlich seiner Besuche in Palästina stets offenen Ausdruck gab. Ueber seiner Palästinaarbeit darf die großzügige soziale Mitarbeit des Barons in allen großen jüdischen Verbänden - nicht übersehen werden. Außerordentliche Summen hatte er auch in den letzten swei wahren dem Wohlfahrtswerk zu Gunsten der nach Frankreich ausgewanderten deutschen Juden zugeführt, so daß das Pariser Hilfsmarschalls, der ein hohes Amt im Ministerium bekleidet, in Danzig mit seiner Frau im Auto an. Da ein Reifen geplatzt war, verwies man ihn auf das Autogeschäft des Herrn Mendel Berandt in der Frauengasse. B., ein frommer Jude, drückte dem hohen polnischen Beamten sein tiefes Bedauern aus, ihn heute, am Sabbat, nicht bedienen zu können. Herr Pilsudski erwiderte, diese Festigkeit im Glauben imponiere ihm so sehr, daß er kein anderes Geschäft aufsuchen möchte. Wer so zu G'tt und seiner Religion halte, würde auch im Geschäfte der zuverlässigste sein. Gegen Abend kam Pilsudski mit seiner Frau wieder zu Berandt. Da noch eine Stunde bis Nacht war, bat sie B. ins Haus, bewirtete sie und hielt sie so lange hin, bis mit „Hawdoloh" der Tag zu Ende war. Dann bediente er die polnischen Gäste, die sich mit der Versicherung größter Hochachtung von ihm verabschiedeten. Wochenkalender. Vom 10. _ 17. Nov. 1934 / Vom 3. — 10. Kislew 5695 •>nv sp 10 '^»ITp Samstag 3 uo nnhn Sonntag 11 4 V. Montag 12 5 K» Dienstag Nov. 13 pumna 6 a» Mittwoch' 14 7 w Donnerstag 15 8 13? Freitag 16 9 n» Samstag 17 io _ ..w KS'I