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Der Israelit · 1934-11-08 · Heft 45 (8.11.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 45 (8.11.1934)
Date
1934-11-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 45 Der Israelit 8. November 1934 h u n g einer Prüfung zu unterziehen. Hier zeige sich der dritte grundlegende Gegensatz zwischen der Amiel'schen Anschauung und derjenigen der Herren Usiel, Nissenbaum und Gottesdiener, Der Misrachi, so meint Amiel, habe sich daran gewöhnt, die religionslose Schule der Zionisten gewissermaßen als die Normalschule zubetrachten, wogegen die misrachistischen Schulen sich mit der Rolle der Ausnahmeschulen abfinden. So ist die der jüdischen Weltanschauung geradezu hohnsprechende Einteilung des zionistischen Schulwesens in allgemeine" Schulen und ,,nichtaUgemeine" Schulen entstanden, wodurch in der Vorstellung der Kinder schon von früh an eine gewisse Inferiorität des religiösen Erziehungswesens gegenüber dem nichtreligiösen entsteht. Hier liege eine der Wurzeln des betrübenden Versagens des Misrachi-Schul- Systems. Der Misrachi müsse eben auf dem Standpunkt stehen, daß die sogenannten allgemeinen Schulen keineswegs „allgemeine" und „Regelschulen" seien und daß in ihnen nicht nur keine G'ttesfurcht, sondern auch keine Weisheit wohne, denn nach jüdischer Anschauung ist Vorbedingung aller Weisheit die G'ttesfurcht. Rabbiner Amiel benutzt endlich die Gelegenheit, auch dem neu erstandenen Misrachi- H a w a t i k ein kräftiges Wort zu sagen. Dieser Misrachi-Hawatik sei keineswegs watik (süß), sondern höchst „bitter". Bitter sei es, daß Männer, die ihre Arbeit jahrzehntelang dem Misrachi gewidmet hätten, der Partei nun in der Stunde der Gefahr in den Rücken fallen. Daß dies aber möglich geworden sei, liege ebenfalls in dem fundamentalen Irrtum begründet, der den Misrachi hinsichtlich seiner Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation solange beherrscht habe. Wenn man die zionistische Organisation fälschlicher Weise als den eigentlichen jüdischen Zibbur betrachtet und den Misrachi statt dessen als eine Partei, dann kann man es natürlich leicht übers Herz bringen, sich von dieser Partei zu trennen, ohne das ernste Verbot des *rnxn ]Q TZniSfl b& als Warnung zu empfinden. Man bleibt ja weiter bei der zionistischen Organisation und redet sich ein, daß diese der Zibbur sei. Niemals aber wäre diese Absplitterung möglich gewesen, wenn diejenigen, die sie vollzogen, sich immer darüber klar gewesen wären, daß ihr Zibbur der Misrachi SGi und daß die zionistische Organisation niemals den Anspruch auf diesen Ehrentitel erheben dürfe. Man muß mit einiger Spannung den Wirkungen entgegensehen, die Rabbiner Amieis mutiges und gedankenklares Auftreten innerhalb der misrachistischen Anhängerschaft ausüben wird. Koscher, Neukoscher und Inseratenfang. Eine vielverbreitete jüdische Zeitung in Deutschland unterhält eine Auskunftei für jüdische Erholungsbedürftige, um diese zu beraten, wo sie ohne Störung und Zurücksetzung ihre Erholungswochen verbringen können« Sie stuft ihre Empfehlungen, nach ihrem eigenen Eingeständnis in einem uns vorliegenden Briefe der Zeitung an einen angesehenen jüdischen Hotelier in Thüringen, wie folgt ab: Sie empfiehlt a) rituelle Hotels, die im „Speisehausverzeichnis" oder in den Anzeigen ihres Blattes vertreten sind, b) „neukoschere" Häuser, die ihr durch Anzeigen in ihrem Blatte bekannt sind, c) nichtjüdische Hotels und Pensionen, die durch Anzeigen in der jüdischen Presse (also in ihrem Blatte] dokumentiert haben, daß ihnen an jüdischem Besuche gelegen ist; mit einem Worte: durch Insertion in dem Blatte, das diese Auskunftei unterhält, „gekaschert" sind. Neben dieser famosen Auskunft der Auskunftei über die Art ihrer Auskunftserteilung liegen uns noch ein paar kleine Dokumente vor, die noch ungleich mehr besagen: Auf einem bekannten Kurplatz erhielt die Inhaberin einer nichtjüdischen Pension eine Karte von der Redaktion besagter Zeitung, in der ihr mitgeteilt wird, daß ihr Haus von einem jüdischen Kurgaste empfohlen wurde. Die gedruckte Karte zeugt für den Massenabsatz solcher Avise, die zu Dankbarkeit — und Insertion verpflichten sollen. In diesem Falle biß aber die Dame nicht an, sondern brachte die Anzeige — in der ehrlichen Absicht, eine aus dem Rahmen gefallene Angelegenheit wieder einzurenken — dem Wirte des am Platze befindlichen jüdischen Hotels. Er schrieb an den Gast, der Gast kam mit seiner Frau und sprach sich über den Aufenthalt höchst zufrieden aus, wunderte sich nur, daß die betreffende Zeitung ihm nicht von vornherein das jüdische Haus empfohlen hatte. Wir wundern uns nicht! Ein kleines Verzeichnis dieser famosen Auskunftei empfiehlt uns in Oberhof neben dem bekannten „Hotel Blum" noch drei andere Häuser, die in niehtjüdisehem Besitze sind und unrituell geführt werden; in Friedrichroda zwei Pensionen, die „neukoscher" und ein nichtjüdisches Hotel, das volltrefa geführt wird. Auf Vereinfachung und Uebersichtlichkeit der Auskünfte wird gesehen: Was mit einem Sternchen versehen ist, ist rituell, zwei Sternchen bedeuten „neukoscher"; wo gar kein Sternlein leuchtet, handelt es sich um ein nichtjüdisches Haus, dessen einziger Koscherzettel das Inserat in einer jüdischen Zeitung, präziser: in dem Blatte, das solchermaßen Auskunft erteilt, ist. Ein Kuriosum? Aber damit ist das Ungeheuerliche dieses „Dienstes am Publikum" nicht gezeichnet. Das gleiche Blatt spricht im Leitartikel seiner letzten Nummer von der gesteigerten Verantwortung der jüdischen Presse, die mit ihren großen Zwecken gewachsen sei. Wo bleibt die Verantwortung, wenn man es mit seinem Gewissen zu vereinbaren glaubt, ahnungslose Fragesteller vom gutjüdischen Hotel und der Not seines Besitzers weg in die unseligen Neukoscher-Stätten zu verweisen, oder — was das Gleiche ist — in nichtjüdische Betriebe, wo sie bestenfalls vom Wirte, keineswegs aber von den Gästen gern gesehen werden? Baron Edmond deRothschilds, Am Freitag füllten sich die Synagogen zu Jerusalem und es wuchs die Gemeinde vor der Heiligen Mauer, die Psalmen betete für die Genesung „des Baron", des 3"H3' — denn einen anderen Namen hatte das dankbare Erez Israel schon seit fünfzig Jahren für den Baron Edmond de Rothschild nicht —\ eine Stunde später aber trug der Telegraphendraht nach dem Heiligen Lände und nach allen Himmelsgegenden, wo Juden den Namen des Pariser Barons seit einem langen Menschenalter mit Ehrfurcht und Liebe nannten, die traurige Kunde vom Ableben des jüdischen Fürsten. Er war ein Neunziger — "man mußte sich an diese Tatsache erst erinnern, um sich mit dem Heimgang dieses Unermüdlichen, dieses Ewigliebenden und Ewighelfenden, dessen Name eine ganze Epoche jüdischer Not, jüdischer Hilfe und jüdischen Aufbans bezeichnet, sich einigermaßen abzufinden. Edmond de Rothschild war Sohn or. James Mayer Rothschild, des fünften der „Fünf Frankfurter", die alle Söhne von Über die Schule von Schern und Ewer. Rebekka, in Vorahnung von Mutterglück und Mutterschmerz, ging hin, um „G'tt zu befragen" (Kap. 25, S. 22). Sie ging, bemerken die Weisen, in das Lehrhaus von Schern und Ewer, die ihr mit einer welthistorischen Perspektive Auskunft über das schwere, schmerzliche Ringen unter ihrem Herzen geben konnten. Dieses Lehrhaus von Schern und Ewer spielt eine gewisse Rolle in der Vätergeschichte unserer Wochenabschnitte, wenn es auch stets hinter den eigentlichen Geschehnissen im Schatten bleibt. Schern kennen wir als den jüngsten, aber seiner Bedeutung und Berufung wegen doch erstgenannten Sohn Noahe. Die weise Ueberlielerung weiß zu berichten, daß er schon von Geburt her mit dem Milohzeichen für große Aufgaben berufen war. Er war Träger des G'ttesnamens, Urahn Abrahams, hatte die Hohepriester würde ausgeübt zu einer Zeit, als Tempel und Altar nur noch Posten in der Weltidee G'ttes waren. 340 Jahre, entsprechend dem Zahlenwerte von dbv hielt G'tt von der Sintflut bis zum Turmbau Frieden und übte . Nachsicht mit dem wieder langsam in Verfall geratenen Menschengeschlechte. Schern hatte als erster, als sie aus der Arche auszogen, in der neuen Welt auf dem Altare G'ttes geopfert, da Noah infolge einer Verletzung bei der Löwenfütterung ein Gebrechen davontrug, das ihn für den heiligen Dienst ungeeignet machte, Schern sei identisch mit Malki Zedek, dem König von Salem, der Abraham mit Brot und Wein entgegenkam und der „Priester des höchsten G'ttes" genannt wird. Er hatte die Gewänder des Hohenpriesters von seinem Vater Noah geerbt, auf den sie vom ersten Adam überkommen waren. Gerade bei dieser Begegnung gingen aber Amt und Kleid auf Abraham über. Und das kam daher, weil Schem-Malki Zedek ihn mit den Worten begrüßte p'^J? '*b Dias Tiin- Abraham wies die Huldigung mit dem Verweise zurück: „Darf man den Knecht erst und dann den Herrn begrüßen?" Als Antwort überreichte Schern Abraham die heiligen Gewänder, der sie von nun an tragen sollte. Schem-Malki Zedek nannte die von ihm regierte Stadt, Salem (dVp *]}>»)/ Abraham dagegen n», wie es heißt nST "i ins- Was tat G'tt? Er legte beide Namen zusammen, und so entstand die Stadt Jerusalem. (Siehe Talmud Sanhedrin, Midrasch Rabba und „Pirke de Rabbi Eleasar"). Wer war aber Ewer? Nach Bericht der Thora, der Sohn Schelachs, Enkel des Arpachschad und Urenkel von. Schern, welcher „der Vater aller Söhne von Ewer (M. I. 10, 21)" genannt wird. Abraham, „der Iwri'V leitet . diese Bezeichnung von., .'w?' ab, Hebräer und Hebräisch gehen auf diesen Namen zurück. 135? heißt auch nach einer talmudischen Definition der J e n s e i t i g e. -Er allein hatte den. Kampf mit der Welt auf der an deren Seite aufgenommen,' war mithin würdiger Ahn von Abraham. Nach talmudischer Ueberlieferung hatte Schern eine Hochschule für die G'ttesweisheit gegründet und erhalten, gewissermaßen als Vorschule der späteren Offenbarung. Später trat noch sein Urenkel Ewer als Lehrer in die Schule ein, so daß nunmehr die Schule von Schern und Ewer das Zentrum der Lehre und der G'ttesweisheit ist. In dieser Schule wirkte das höchste G'ttesgericht in Permanenz und dort wurde auch das Geheimnis des jüdischen Kalenders (lia'vn no) gelehrt. Schern und Ewer erreichten ein hohes Alter, das noch in die Zeit von Jakob hineinragte. Als Jizc h o k vom Morijah herunterkam, eilte er in das Lehrhaus von Schern und Ewer, aus welchem Grunde er bei der Bestattung der Mutter nicht genannt wird. Auch Jakob hielt sich vierzehn Jahre in diesem Lehrhause auf, wp er sich vor dem Hasse Esaus geborgen fühlte. Darum D'ViiR awv, er saß in den Zelten, in zwei Zelten, zu Füßen von Schern und von Ewer. Esau trug Bedenken, die Hand gegen Jakob zu erheben aus Furcht vor dem Gerichte des Schern und Ewer, (Rabba 67). Alle . Ueberlieferungen, Lehrsätze und Erkenntnisse, die Jakob im Lehrhause von Schern und Ewer gewonnen hatte, übertrug er auf Josef, der sie dann weiter gab, damit sie sich von Generation auf Generation verpflanzten. — — — Wir möchten in- Anknüpfung an diese Zusammenstellung agadischer und midraschistischer Aussprüche über die erste jüdische Hochschule, wohl in der Geschichte der Menschheit, nur eines bemerken: Schern und Ewer gehören zusammen. Wenn in unserer Vorstellung , dp als Träger, und;Künder des g'ttlichen Namens, als Symbol für die g'ttiiche \5tahr-

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