Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1934)
- Date
- 1934-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sexte 6 Nr. 45 D er Israelit 8. November 1934 Komitee nur mit seiner Hilfe in Funktion ge setzt und eine Zeitlang wirken konnte, Das 1932 neu hergerichtete und erweiterte Rothschild'sche Krankenhaus in Frank furt a. M. (Georgine Sara von Rothschild-Stif tung) — um nur ein uns naheliegendes kleines Beispiel zu erwähnen — war in erster Reihe durch eine hochherzige Spende der Gattin von Edmond, Frau Baranin Adelheid von Rothschild, ermöglicht worden. (Siehe „Israelit" Nr. 17—18, 1932.) - Es geht nicht an, ein Leben der Hilfsmeisterschaft von sieben Jahrzehnten (als Zwanziger begann er diese lichte Laufbahn) in einen Zeitungsartikel zu fassen. Nur von seinen letzten Lebensjahren, die uns allen noch in frischer Erinnerung sind, sei hier noch ein Wort gesagt. Fünfmal besuchte er Palästina, um das Werk seiner Liebe und großen Hoffnung zu besichtigen. Als er 1925 als Achtzigjähriger mit eigener Jacht in Palästina landete, wurde ihm von der jüdischen Bevölkerung ein Empfang bereitet, wie er keinem König rauschender und herzlicher je zuteil wurde. In der Synagoge zu Sichron Jakow, wohin ihn jüdische und arabische Reiterscharen begleiteten, richtete er einen Appell an die Jugend, in den Traditionen der Väter zu handeln und in ihren Wegen zu wandeln. Bei aller Liebe zur Arbeit und zum Boden müssen jüdische Religion und Tradition im neuen Nationalheim den ersten Platz einnehmen. Das waren die goldeden Worte ,,des Baron", des „bekannten Philantropen", der nach oberflächlicher Schätzung annähernd 100 Millionen Goldfrancs für die Erschließung des Landes ohne Menschen für jüdische Menschen ohne Land geopfert hat, der Sümpfe austrocknen ließ, um sie in Gartenland zu verwandeln, der in Einöden industrielle Unternehmungen erstehen ließ, die heute noch Tausenden Brot geben. Er wußte, daß „nicht vom Brote allein der Mensch leben kann" und daß Judesein gleichbedeutend sei mit Träger höchster jüdischer Ideale, wie sie uns von den Vätiern überkommen sind. So ließ er in seinen Siedlungen neben Asylen und Krankenhäusern auch Synagogen .und Schulen bauen. Mögen aie letzteren der Worte und des Willens „des Barons" stets eingedenk bleiben. In Tel Awiw wurde damals ein Volksfest zu Ehren „dos Barons" gefeiert; in die Synagoge wurde er von einer Abordnung mit Thorarollen In der Hand abgeholt. Auch hier beschwor er die Jugend, mit Hinweis auf die Thorarollen, bei aller berechtigten Freude ob der in fünfzig Jahren geleisteten harten Arbeit, die hohen jüdischen Ideale weiter zu pflegen und auch mit den Arabern in Frieden zusammenzuleben. Auch das ist ein Vermächtnis, das im Andenken an den großen Juden und Menschenfreund hochgehalten werden muß.; Ein jüdischer Fürst, wohl der letzte in seiner Art, ist, fünfzig Jahre nach dem Heimgange von Moses M o rit e f i o r e , von uns geschieden. Viele Ortschaften, Straßen und Schulen in Palästina tragen seinen Namen, zeugen von dem großen Herzen, das so warm für das heilige Land geschlagen hat und unablässig und schöpferisch neue Werke zu seiner Erschließung für Israels Söhne geschaffen hat. In seinen Werken hat er sich das größte Denkmal, das je einem Menschen in der neueren Geschichte errichtet werden konnte, selbst errichtet. Es wird aber nur dann ein leuchtendes Denkmal sein, wenn es auch den jüdischen Willen des großen Menschen in die Zukunft hineinträgt und im Rausche des Aufbaus jene Mahnungen zur Hochhaltung der jüdischen Traditionen nicht untergehen. Es ist noch das Einzige, was wir heute dem Andenken „des Barons", des STppn 2*71 wünschen können. * ' (Siehe weitere Berichte über die Bestattung in Paris und Trauerkundgebungen in der Welt auf Seite 10.) Treffen des Noar Agudati. Im Anschluß an dieses Referat entwarf Dr. Isaak Breuer ein Bild der gegenwärtigen inneren Lage des neuen Jischuw und machte die Notwendigkeit und die Aufgaben einer starken agudistischen Arbeiterorganisation in Erez Jisroel klar. Es sollen hier die von dem Referenten als Grundlage des Referates aufgestellten Leitsätze wiedergegeben werden: 1. Der Agudismus erstrebt die Rückkehr des Volkes der Thora in seine Geschichte. 2. Demgemäß fordert der Agudismus die Bereitstellung des Volkes der Thora für seine Wiedervereinigung mit dem Lande der Thorä unter der Herrschaft der Thora. 3. Agudist ist, wer aus. der Vereinigung heraustritt und in der Arbeit für die Bereitstellung seine privaten Interessen hinter die Interessen des Volkes der Thora zurücktreten läßt. 4. Der agudistische Arbeiter als Pionier der Bereitstellung. 5. Erez Jisrael der Gegenwart als Gradmesser der Bereitschaft des Volkes der Thora. 6. Der agudistische Arbeiter in Erez Jisrael Pionier im Kampfe um die Herrschaft der Thora über die Wirtschaft. 7. Erfordernis des engsten Zusammenschlusses der agudistischen Arbeiter in Erez Jisrael. 8. Erfordernis einer entsprechenden Erziehung in den Hachscharoth. 9. Erfordernis einer ideologischen Schulung in den Hachscharoth. 10. Noar Agudati eindeutig agudistisch. ' 11. Erfordernis der Erziehung agudistischer Arbeiter. 12. Erfordernis der Aufstellung eines agudistischen Arbeiterprgoramms für Erez Jisrael. 13. Erfordernis der Heranbringung von Gedaulei Jisroel ans Wirtschaftsleben in Erez Jisrael. 14. Erfordernis wirtschaftlicher Leistungen in Erez Jisrael. 15. Erfordernis unablässiger Aufrüttelung der Gola. - Fred! Lustig verlangte nach Schluß der. Diskussion Bekennermut zu Agudas Jisroel. „Wir empfinden „Elbona schel Thora", die: Verachtung der Thora im jüdischen Volk und in unserem Leben am stärksten, wir wollen uns ganz anschließen an die. Tradition,,, an die Rabbaninv an die Masse der..Jereim: Deshalb sind wir Agudisten. Wir. sehen in der Erez Jisrael-Arbeitj heute d i e agudistische Gegenwartsaufgabe: Lehachasir memscheleth Hathora 1'arn Jisrael. Darin stimmen mit uns nicht alle Agudisten überein. Aber wir können nicht arbeiten ohne die Gesamt-Bewegung der Aguda, also müssen wir Bewegung in ihr,,sein." Nachmittags hielt Herr Dozent Ch. J. Jakobowitz eine halachische Drascha : .über „Mizwath Jischuw Erez Jisrael und Keduschath Haarez". Seine Ausführungen bewegten sich in folgenden Gedankengängen: I. Hinweis auf '• die bekannte Meinungsyer-, schiedenheit zwischen 0*30*1 uild piaT °k WS»' Kn^ll^a' V'K □iE?'' ist, und ob es auch nTn ]an, angeht.' : ■' ' ' Hauptquelle: 33, 53-)3T»n |*301 undniXan -)bt> Zu der Ansicht von inON T)b%ti' vgl. ]3K •mn•D'aain nra dp K,,hun rnmni «rry "O irs;n Jedenfalls, wenn die niX» von der'rjhlll aus auch nicht nT!"J.Jö*Q angeht, psTTö bleibt sie; in Kraft. ". Die rijrini»; - nainn nbv> kVw — ist nun für B^ai gemeint, schließt aber nicht aus, daß jeder Einzelne heute, wie früher, verpflichtet ist, die mx» zu, erfüllen, (irbvri rws '% IL Der Grund für. die n'bSfist nach priori T\"W K"T "0 wegen pKl ni^nn niS», das;scheintauch die Ansicht von mairD 'Oin zu sein. Nach ü"V)nö r\"W aber hat dietfbv ftlXa nichts, mit pK3 nvi^nn niXa zu tun, vielmehr ist der Grund der n^tf wegen pNn nEmj?« Was immer anging und auch heute angeht III. Die niX» der n^Vsr'wird noch bekräftigt, durch den ]"n»T von m» "»inx 'S- Die epan mmn gehen zwar pK1? fiXim pKS an, weil sie^ mit dem Landenselbst nichts zu tun haben, das. Ideal der nilD war aber immer, daß alle Ä1X» — auch tpan mmn — im Lande ausgeführt werden sollen (vgl. die jnatP DX nTii HEns). IV. Hinweis, daß gerade nach den obenerwähnten Ansichten, wonach 21TI wegen. der pKH nvmp angeht, das kleinste Vergehen in •>"K viel schwerer wiegt als in pxl? »IXin« Man würde rn ein f^a bv? plE^sn *ma sein. Das; war der Sinn des Ausspruches der" D^Jfl»: •(jnVffn rwsi rop "o iiVd "») :kvt vivv ntoiK pit. Schon während dieser ersten Tage, gab es Zeiten, in denen von ganz anderer Seite her sich ein Verbundensein der Menschen, zeigte und dadurch: noch... vielfach gesteigert wurde.. Das waren die Sudoth in den Sukkoth des Beth Chaluz, in denen zwanglose Unterhaltung, Worte der Thora, begeistert gesungene Lieder und das. Sukkah-Gefühl sich zu einem starken Erlebnis der Simchath Hachag verbanden. Der Tisch in. der Sukkoh war, dann immer der Mittelpunkt der von „ihren" Häusern zurückkehrenden Chawerim. Im Rahmen der Sudah Schiischith in der großen Sukkah des Waisenhauses sprach der Rosch Jeschiwa, Rabbiner Dr. Josef Breuer,, zu den Herzen unserer Chawerim, — von den Brücken, die von unserer Tätigkeit zu den ewigen Dingen führen, von der Bedeutungsschwere unserer Tat. Neben den Aussprachen im großen Kreis wurden wichtige Führerbesprechungen abgehalten, die die Richtung unserer Bundesarbeit.festlegten die Organisationsformen und praktische Haclschara-Fragen und unser Verhältnis zu Erez Jis rael zum Gegenstand hatten, außerdem Besprechungen der Handwerker-Chawerim zur Behandlung der sie bewegenden Sonderfragen. Am Abend des Schemini-Azereth waren wir wie immer abends in der großen Synagoge in der Friedberger Anlage. Nach der Seudah bildeten sich Gruppen; einige Gruppen sangen Lieder,, eine Gruppe hielt Schiur, die letzte Gruppe hörteeinen Ueberblick über die inner-jüdische Entwicklung im Lauf e . des 19. Jaihrhunderts. \ Im kleineren Rahmen als',;elie Referate, wurden am späten Vormittag' des 'Schemini -Äzereth: sowie am 'Nachmittag' Aussprachen abgehalten,. Wie etwa über 'die Gründe der früheren Untätigkeit der Orthodoxie und ihrer Jugend für' Erez Jisrael, in der wir berechtigte und unberechtigte Gründe fanden und erkannten, da ohne die materielle und seelische Hilfe der Orthodoxie und ihrer Führer die Jugend allein nicht in der Lage wäre, eine: aus thoratreuer Substanz geborene und in Bewertung, unsererEigenartdurchgeführte Erez Jisrael-Arbeit zuleisten/ Das Jahr 1933 war also ein-Weckruf für 'die Orthodoxie und Entscheidung gegen die berechtigten Hemmnisse der orthodoxen Paläsina-Arbeity (Gefahr der Assimilation an. den Zionismus) ein Mittel der Be-, sinnung, nicht etwa der Beginn einer rein materialistischen Palästina-Strömung in. der Orthodoxie. Weiterhin wurde untersucht, wieweit ein agudistischer. Kibbuz; in Erez Jisrael inijieubil- I!