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Der Israelit · 1934-10-11 · Heft 41 (11.10.1934) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 41 (11.10.1934)
Date
1934-10-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 41 Der Israelit 11. Oktober 1934 Personalien* Dr, phil« et med, Eduard Biberield, ein Siebzigjähriger. Frankfurt a. M., 9. Oktober. Es ist sonst nicht unsere Gewohnheit, Geburtstagsfeiern einen besonderen Artikel zu weihen. Wenn aber der 70. Geburtstag einem Manne gegönnt ist, der mehr als irgend einer unserer Zeitgenossen, mit der Geschichte der Orthodoxie in Deutschland verknüpft ist, dann ist es journalistische Ehrenpflicht, dieses Tages zu gedenken. Dies gilt doppelt von unserem Organ, welches der Jubilar in früheren Zeiten so stark geistig befruchtet hat. Breslau — Karlsruhe — Berlin, in diesen drei Brennpunkten des jüdischen Lebens wurde und lehrte und wirkte Dr. Eduard Biberfeld. Das alte Beshamedrasch in Breslau! Wir wissen nicht, ob noch ein Schatten von ihm vorhanden ist, aber in dem Jubilar lebt es. Dort war stetige Einkehr der Thoragrößen aus dem alten Litauen, und der unerbittliche Wahrheitsgeist des Lernens dieser Männer, das auch die Forschungsmethode des Siebzigjährigen kennzeichnet, ward dort dem Kinde schon und dem Knaben eingeflößt. Zu den Füßen seines unvergeßlichen Vaters *?"'£h betreut von einer Mutter altjüdischen, großen Formates, lernte er in Breslau bis zum anbrechenden Jünglingsalter unermüdlich und kam, des Wissens und der Ehrfurcht vor den Thoragelehrten voll, nach Berlin. Es war die Blütezeit von Rabbi Esriel Hildesheimer b"tir die Maienblüte des Rabbinerseminars, dessen Gründer den Jüngling alsbald liebte und liebend beeinflußte. Was dem Beshamedrasch in Breslau fern geblieben war, in der Adaß Jisroel Berlins pulste und flutete es damals mächtig, das gemeindepolitische Kämpfen um die Geltung der Thoratreue. Die innige Freundschaft, welche den Jubilar stets ^*nanV mit dem gütigen Dr. Hirsch Hildesheimer V"Jlt verband, machte alsbald aus dem Lernenden einen Lehrenden; Dr. Biberfeld wurde Journalist, wozu er kraft seines literarischen Feingefühls und Ahnungsvermögens besonders begabt ist. Da zeigte es sich, daß die Luft des alten Beshamedrasch eine ganz vorzügliche Vorschule für die öffentliche Vertretung der orthodoxen Interessen ist und bleibt. Man sagt in der Welt, daß Dr. Biberfeld eine schwer zugängliche, ja manchmal schroffe Natur sei. Das entspricht den Tatsachen nicht. Wie hätte er sonst überall die Besten an seinem jeweiligen Wirkungsort zu ehrlichen, hingebenden Freunden gewinnen können. So in Karlsruhe, um nur einige Namen zu nennen: die verewigten Vorkämpfer der Orthodoxie, einen Samuel Strauß, einen Rafael Wormser. Dort hat der Jubilar mit dem prunklosen, aber um so ehrlicheren Ausdruck seiner von Lebensbejahung durchglühten Ueberzeugungstreue, lehrend Jung und Alt beglückend, kämpfend die Achtung der Gegner erworben. Bald ward ihm Gelegenheit geboten, zu beweisen, daß er auch zur technischen Führung einer großen thoratreuen Gemeinschaft die trefflichste Eignung besitzt. Es nahte der Lebensabend seines großen Lehrers und die Adaß Jisroel berief den Jubilar zu Wardein der religiösen Betreuung der Gemeinde. Da wurde Mustergültiges vorbereitet und geschaffen und von diesem Tage verkörpert Dr. Biberfeld die Geschichte der Adaß Jisroel. Um Berlin, um der 'Sache der Orthodoxie in Deutschland, sich ganz frei von persönlichen Interessen widmen zu können, entschloß sich Dr. Biberfeld, ganz in den Spuren der Jugendträume von Rabbi Akiba Eger, einen Beruf zu ergreifen, der ihn befähigte, helfend und heilend in unabhängiger Weise zu schaffen. Doch ist die medizinische Tätigkeit auch heute seine Nebentätigkeit. Seine Haupttätigkeit gilt dem Leben der Thora. Ob er in den altehrwürdigen Räumen des Berliner Beshamedrasch lehrt und forscht und schreibt, ob er hinaustritt in die Arena des Kampfes für die unerschütterliche Grundlage der Reinheit des Gemeindelebens, ob er mannhaft für die Größe und Wahrheit des religiösen Lebens eintritt (vergl. Xanten und den Tierschutzkongreß in Kopenhagen), ob er die Gemeinde Adaß Jisroel unermüdlich und allen Schwierigkeiten trotzend, mit einem mustergültigen Schulwerk begabt, ob er (vergl. insbesondere seine Tätigkeit bei der Reorganisation der Freien Vereinigung im Jahre 1907) den ehrlichen Ruf nach gemeinsamer Interessenvertretung aller wahrhaft Thoratreuen erhebt, es ist immer dasselbe: Eine autark herosiche D'örm miös, ein tiefes Eindringen in deren Geist und Leben. Der Jubilar hat es stets abgelehnt, in den äußeren Formen an der Führung der Orthodoxie teilzunehmen. Aber in seiner ungebrochenen Jugend ist und bleibt er einer unserer besten Führer. na» D'ipjn nun isH P. K. Leipzig, 7. Oktober. Im 53. Lebensjahre verschied Gemeinderabbiner Dr. Felix Goldmann in Leipzig. Der Verstorbene gehörte zu den führenden und repräsentativen Persönlichkeiten des gemäßigten und im gewissen Grade positiv eingestellten Liberalismus. Eine ganz hervorragende Rolle spielte er im C e n - tr'al verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wo er jähr zehnteläng ah führender Stelle wirkte. Er war Vorsitzender des Landesverbandes Mitteldeutschland des Centraivereins und gehörte auch dem Initiativ-Komitee der Jewish Agency an. Als Schriftsteller hat er sich einen Namen durch grundlegende apologetische Veröffentlichungen gemacht, unter denen „lieber das Wesen des Antisemitismus" und „Die Juden" im deutschen Kultur kreise". Demnächst wird von ihm eine soeben vollendete Schrift „Deutsch-jüdische Existenz heute" erscheinen. Seine philantropische Betätigung im Großen und Kleinen sichert Dr. Goldmann ein ewiges Angedenken im Herzen Unzähliger. Momberg, 8. Okt. Herr Heinemann Blumenf e 1 d hier feierte heute seinen 8 0. Geburtstag und wird am 22. ds. Mts. mit seiner Frau Karoline geb. Katzenstein das Fest der Goldenen Hochzeit begehen. .»"»viy Momberg, 9. Okt. Frau Bertha Blumenfeld, geb. Alexander, begeht am 16. Oktober ihren 7 5. Geburtstag. .»"»wy Babenhausen, 7. Okt. Zu Ehren des von uns nach fast 28jähriger Tätigkeit scheidenden Lehrers Sally K a t z fand an n'irsna ms? in unserer Synagoge eine schlichte Abschiedsfeier statt. Der erste Vorsteher, Jakob F u 1 d, dankte in einer Ansprache für die der Gemeinde und Schule geleisteten Dienste, wünschte Herrn Katz und Frau einen recht glücklichen Lebensabend und übergab ihm nach Sabbatausgang ein Geschenk der Gemeinde. Herr Katz antwortete tief bewegt in einer Ansprache, in der er die Mitglieder zur Erhaltung der nb'np und ihrer heiligen Institutionen aufforderte. Von Herrn Rabbiner Dr. Merzbach in Darmstadt wurde dem Scheidenden der nan-Titel verliehen. Vermischtes- Berlin, 7. Okt. Diejenigen jüdischen praktischen Aerzte, Fachärzte und Wissenschaftler, die innerhalb der ,,G esellschaft der inDeutschland lebenden Juden zur Förderung der Erbpflege" in Berlin und im übrigen Reich mitzuarbeiten gewillt sind — die behördliche Genehmigung zur bevorstehenden Gründung liegt bereits vor — werden gebeten, sich bei Frauenarzt Dr. W. Nußbaum, Leiter der Arbeitsgemeinschaft für jüdische Erbforschung und Erbpflege, Berlin W. 57, Potsdamerstraße 92 zu melden. •& Bad Dürrheim (Kindererholungsheim), 5. Oktober. Während der Feiertage weilten noch 60 jugendliche Kurgäste im Friedrich Luisen-Hospiz. Ein großer Teil von ihnen lernte erst hier jüdisches Familienleben und jüdische Feste kennen. Die Leitung des Heims, pflegt in vorbildlicher Bewußtheit religiöses Leben. Beim weihevollen G'ttesdienst brachte der Vorbeter die Bedeutung der Feste in kurzen Ansprachen den Kindern nahe und entwickelte weiter den Gedanken, sich zu mühen, das Leben jüdisch zu gestalten. In diesem Zusammenhang wurde auch der wichtigen Aufgabe des Palästina-Aufbaus gedacht,, der nur gelingen kann, wenn er im jüdischen Geiste vollführt wird. Höhepunkte der kindlichen Freude bildeten die Sukkoth- und die Simchas-Thora- Feier. — Auch für das körperliche Wohl der Kinder sind hier die besten Voraussetzungen vorhanden. Der hochgelegene Schwarzwaldort bietet neben stärkender, ozonreicher Tannenluft, heilende Sonnenbestrahlung von intensivster Wirkung und kräftigende Solbäder. Ks ist erstaunlich, zu beobachten, mit welch sicherem Einfühlungsvermögen die mütterlich fürsorgende Oberin die Eigenart jedes Kindes erkennt. Bei dieser individuellen Behandlungsart werden höchst befriedigende Kurerfolge erzielt und sogar in schwierigen Fällen überraschende Heilungen erreicht. Bocholt, 4. Okt. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer am Niederrhein hält ihre nächste Tagung am 14. Oktober, 16 Uhr in Mülheim (Ruhr), im Gemeindehaus ab. Tagesordnung: "i «p tranr Stockholm, 8. Okt. Ein seltenes Fest konnte vor kurzem die orthodoxe Synagoge auf St. Pauls-Gatan begehen. Frau Davidovidz ließ auf ihre Kosten ein Sefer schreiben und übergab die heilige Rolle mitsamt kostbarem Zubehör der Synagoge. Das Sefer ließ Frau D. in Erez Jisroel bei einem Besuche dortselbst anfertigen. Auf dem Rückwege von E. J. erkrankte sie aber schwer, so daß ihre Genesung als eine besondere g'ttliche Fügung betrachtet werden konnte. Die Feier im Hause der Spenderin und in der Synagoge ging unter Beteiligung des ganzen frommen Kreises in Stockholm vor sich und war von einer Herzlichkeit getragen, die zeigt, daß auch im kalten Schweden neue jüdische Impulse erwachen, Herr Rabbiner Suber hielt in der Synagoge die Festrede. Darauf sprach auch Herr Jacob E 111 i n - g er. für den Vorstand den Dank der Gemeinde an die edle Stifterin aus und wies auf die bedeutsame Tatsache hin, daß in 'dieser Feier die drei H<auptmomente des jüdischen Lebens: Thora, Erez Israel und jüdische Gemeinde vertreten sind. Möge der Anlaß zur Erstarkung des jüdischen Lebens in der schwedischen Metropole dienen. Die Frankfurter Woche/ Die Sefer-Einweihung in der Israelitischen Religionsgesellschaft. Wie bereits in der vorigen Nummer angekündigt, findet die Fertigstellung des zum Synagogenjubiläum gestifteten Sefers am Sonntag, den 14. Oktober, nachmittags 5.30 Uhr in der Aula der Samson Raphael Hirsch-Schule statt. Anschließend ist ein geselliges Beisammenseih vorgesehen. Teilnehmerkarten sind, soweit noch, vorrätig, nur noch zu haben in der Gemeindekanzlei, Friedberger Anlage 6. Infolge des beschränkten Raumes kann nur eine bestimmte Teilnehmerzahl zugelassen werden. Ein Kartenverkauf bei der Feier selbst findet nicht mehr statt. Die feierliche Einbringung in die Synagoge wird dann am folgenden Freitag abend, Scnabbos ~\b ~\b 's, im Anschluß an den G'ttesdienst in der Synagoge stattfinden. Ein Rambam-Vortrag im Mekor Chajim. Die Lehrpläne der jüdischen Lehrhäuser und Vereine stehen diesen Winter überall im Zeichen des Rambam aus Anlaß des achthundertjährigen Geburtstages von Maimonides. Der Mekor Chajim eröffnet die Reihe seiner Geschichtsvorträge diesen Samstag abend mit einem Vortrag des Herrn S. Schachnowitz über „Das Leben und die Persönlichkeit von Maimonides". Der Vortrag findet 8.30 Uhr im Vereinslokale Hans Handwerkstr. für Herren und Damen statt. Auch Gäste sind willkommen. Das zweite Minjan. Es wird uns geschrieben: Wie voriges Jahr findet auch diesen Winter nach dem ersten Morgeng'ttesdienst ein zweiter G'ttesdienst statt, mit dem man dem Wunsche Vieler entgegenkommt. Aus bestimmten technischen Gründen findet das zweite Min j an diesen Winter nicht in der Synagoge selbst, sondern im Hörsaale statt. Da in diesem Hörsaale im Anschluß an den G'ttesdienst der Morgenschiur des Mekor Chaj i m vor sich geht, (ungefähr eine Viertelstunde)1, so ist den Teilnehmern des zweiten Minjan, die sich rechtzeitig zu diesem einfinden, beste Gelegenheit gegeben, schon vor dem Gebete Misch na h oder Dinim zu lernen. Jüdische Frauenvereinigung E, V. Wie im vorigen Jahre werden wir auch diesen Winter unsere Vortragsabende gemeinsam mit der Agudis tischen Frauenortsgruppe halten. Wir beginnen das Semester mit dem Geschichtsvortrag des Herrn Redakteur S. Schachnowitz über „Vom Abschluß der babylonischen Schule bis zu Maimonides" am Montag, den 15. Oktober, abends 8.45 Uhr, im Hörsaal Friedberger Anlage. Wir hoffen auf recht regen Besuch bei allen Veranstaltungen und sind überzeugt, daß Mitglieder und Gäste, die uns sehr willkommen sind, viel Anregung empfangen werden. Agudistische Frauenortsgruppe. Am Montagabend, den 15. Oktober, abends 8.45 Uhr, wird unser Wintersemester 1934/35 mit dem von der Jüdischen Frauenvereinigung bereits angekündigten Geschichtsvortrag von Herrn Redakteur S. Schachnowitz über „Vom Abschluß der babylonischen Schule bis zu Maimonides" beginnen. Wie im vergangenen Winter wird auch jetzt wieder die Agudistische Frauenortsgruppe gemeinsam mit der Jüdischen Frauenvereinigung E. V. die Montagsabende veranstalten. Dankenswerterwelse haben wieder viele Dozenten uns ihre Zusage gegeben und wird unser reichhaltiges Winterprogramm besonders interessant und lehrreich werden. Die Iwrith - Kurse unter Leitung von Herrn P. Wollmann, der englische Kurs unter Leitung von Frau Helen Posen, die Schneiderstunden von Frau L ö b fanden den denkbar größten Beifall. Alle drei Kurse wurden äußerst lebhaft besucht und haben die Teilnehmerinnen sowohl in der hebräischen und englischen Sprache als auch in der Schneiderkunst große Fortschritte gemacht. Frau Meta Posen-Prins, Fichtestr. 8 (Tel. 45969) nimmt noch gerne Neuanmeldungen für die drei verschiedenen Kurse entgegen. Agudistischer Lehrkreis Frankiurt a. M. Zu Sommerende wurde innerhalb der Agudas Jisroel-Jugendgruppe ein Agud istischer Lehrkreis mit einem Referate und einer eingehenden Aussprache über „Die ethischen Postulate des Judentums im Vergleiche zu der Moralphilosophie von Leo Tolstoi" eröffnet. Für den Winter tritt dieser Agudistische Lehrkreis mit einem Programme hervor, auf dem u. a. Vorträge von Dr. S. Ehrmann, Studienrat M..Munk, Rektor Karl Ochsenmann, Dr. Jakob Katz. A. Bokor, David Ullmänn vorgesehen sind. Die Referate und Aussprachen findet je am Donnerstag abend 7.30 Uhr im Heime Schwanenstraße 12 statt. Erstes Referat am 11. Oktoberi „Wir verteilten! . . Unter dieser Uebe.rschrift brachten wir vorige Woche einen Bericht über die Verteilung der Nötstandsaktion der L R. G., der uns in Zahlen 'ein kleines, klares Bild -von -den -Aufgaben und

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