Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1934)
- Date
- 1934-10-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11. Oktober 1934 D Israelit Nr. 41 Seite 13 derung, Ansiedlung und Verfassungsform schilderte. Gegen Einwanderung und Ansiedlung führen die Araber einen ununterbrochenen Feldzug, der. auch eine Menge einschränkender Gesetzesbestimmungen zur Folge hatte. Dazu kam eine ver~ brecherische Konkurrenz und Spekulation von Juden selbst, die dazu beigetragen hat, daß in den letzten vier Jahren nur 92 000 Dunam Boden durch Juden erworben wurden, davon drei Fünftel durch den jüdischen Nationalfonds. Die Möglichkeit, Boden in genügendem Ausmaße entsprechend der stärkeren Einwanderung zu beschaffen, muß ohne Aufschub geschaffen werden. Die Sache des Legislative Council sieht heute anders aus als damals, da sie 1923 zuerst auf die Tagesordnung kam. Damals machte die Judenheit Palästinas nur 12 Proz., 1931 17 Proz., heute aber nahezu 25 Proz. der Gesamtbevölkerung aus.' Der Eihwanderungsprözeß ist noch in vollem Gange, so daß ein in diesem Augenblick geschaffene Legislative nur dazu dienen könnte, die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes zu hindern und dem bisherigen wirtschaftlichen Aufschwung ein Ende zu setzen. Die Juden können es nicht hinnehmen, in dem einzigen Lande, wo sie sich daheim fühlen möchten, zu einer nationalen Minderheit gestempelt zu werden. Vorbedingung für jede durchgreifende verfassungsmäßige Aenderung ist ein f r i e dliches Abkommen zwischen Juden und Arabern auf dem Boden der Mandatbestimmungen. Auch im Interesse der dringend erwünschten freien jüdischen Einwanderung richten sich die zionistischen Instanzen gegen den geplanten Legislative Council. Dr. Brodetzky geht noch weiter auf die Frage der Einwanderung ein und bestreitet, daß bei der Hintenanhaltung der Einwanderung der Grundsatz der Aufnahmefähigkeit eingehalten wird. Palästina kann Tausende von Juden mehr aufnehmen als es jetzt geschieht, denn der Mangel an Arbeitskräften macht sich allüberall bemerkbar. Die Besetzung ausgesprochener jüdischer Arbeitsstellen durch Araber führt dazu, daß in rein arabischen Bezirken keine arabischen Arbeiter zu bekommen sind. Durch den Mangel an Arbeitskräften werden Tausende von Juden vom Boden wieder losgelöst. Redner erhebt Anklagen gegen England, daß es. seinen Mandatsverpflichtungen insofern nicht nach-, kommt, als es das jüdische Unternehmertum nicht ermutigt, sondern im Gegenteil durch Entziehung der Arbeitskräfte lahmlegt. Der Einwanderung dankt Pa-; lästina sein Aufblühen, durch Verhinderung der neuen Kräftezufuhr ist der Aufbauprozeß in Frage gestellt.. Er schildert im Einzelnen, was alles die' Juden im letzten Jahrzehnt kraft der freien Einwanderung, nicht zuletzt auch für die Araber geschaffen haben.' Er wünscht keinen Boykott arabischer Arbeit, denn das gute Einvernehmen zwischen 'beiden' Vol'k steilen muß unter allen Umständen aufrecht erhalten, werden. Jüdische Arbeit in Palästina bedeutet nicht Ausschaltung der Araber, sondern vernünftige und gerechte Verteilung der Kräfte. Die Konferenz möge von--der Regierung eine Politik verlangen, die für wahre Zusammenarbeit zwischen'' Regierung; Ju- 'den und Arabern in- Palästina die Wege bereitet. Palästina. > 10 Millionen Pfund von Juden in Palästina'! investiert. i Jerusalem, 4. Oktober. Nach Berechnungen des Wirtschaftsreferenten des Allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes Frumkin werden die jüdischen Neuinvestitionen bis zum Jahresende 10 Millionen Pfund erreichen. Diese Berech-' nung stützt sich auf die vorliegenden Ziffern für die ersten neun Monate des Jahres. Von der Gesamtsumme entfallen 4.500.000 Pfund auf Neubauten in TelAwiw, 'Haifä und Jerusalem; 1.750.000 Pfund auf alte und neue Cyprus-Plantagen; 1 Million Pfund auf Industrie Und Händel, 800.000 Pfund aus' Bauarbeiten 'in den Kolonien, 250.000 Pfund auf gemischte Land-:v wirtschafte und 500.000 Pfund auf Transportwesen.- Die Woche- Berlin. Der Kulturbund Deutscher Juden in Berlin begann seine diesjährige Spielzeit mit. einer Erstaufführung von Stefan Zweigs „Jeremias" als Wohltätigkeitsvorstellung für den Zentralausschuß deutscher Juden für Hilfe und Aufbau, der damit seine Werbeaktion für den Winter einleitete. Dessau. In der Synagoge in Grob zig (Anhalt), die in das Eigentum der Stadtgemeinde Gröbzig übergeht, weil eine lebensfähige jüdische Gemeinde am Orte nicht mehr besteht, fand ein feierlicher Ab - schiedsg'ttesdienst statt, zu dem der Vorstand des Anhaltischen Landesverbandes Israelitischer Kultusgemeinden und Mitglieder der Gemeinden Dessau und, Kothen erschienen waren. Landesrabbiner Dr. Walter (Dessau] erinnerte in seiner Abschiedspredigt an die wechselnden Schicksale, die diese jüdische Landgemeinde während ihres dreihundertjährigen Bestehens erfahren hatte. Königsberg. In der Syna- ,goge in R ö s s e 1 (Ostpr.) wurden von unbekannten Tätern mehrere Fensterscheiben zertrümmert. Es ist Anzeige .erstattet worden; die Ermittlungen schweben noch. — In die Synagoge von Christburg (Ostpr.) ist ein Einbruch verübt worden. Gestohlen wurde eine Decke, und ein Leuchter. Wien. Zum Kapitel ,,Ueberjudung der intellektuellen Berufe" wird von jüdisch-offizieller Seite festgestellt, daß unter 5000 Volksschullehrern in Wien nur 12 Juden sind. In anderen Staats- und städtischen Aemtern befinden sich seit langem so gut wie gar keine Juden. — Zum achthundertjährigen Geburtstage von Maimonides wird hier ein „Rambammonat" proklamiert, in dem alle Rabbiner Wiens in den Synagogen Predigten über Maimonides halten werden. In allen jüdischen Schulen werden in diesem Monat die Schüler über die Persönlichkeit und das Wirken des Rambam belehrt. Eine große Feier wird im großen Saale des Wiener Konzerthaus'fes abgehalten werden. London. Seit dem 8. Oktober tagt hier eine Konferenz zur Herbeiführung eines inner zionis tischen Friedens zwischen den Allgemeinen Zionisten und den Revisionisten. Lemberg. Wiederum kam es am 8. Oktober zu einem Bombenattentat gegen ein jüdisches Geschäft, nachdem, wie bekannt, ein früheres ähnliches Attentat ein Todesopfer mit Frau Datenfeld gefordert hatte. Der Attentäter wurde verhaftet. Jerusalem. Entgegen anderslautenden Meldungen wird nun bekannt gegeben, daß Rechtsanwalt Daniel Auster sich doch entschlossen hat,: . sein .Mandat anzunehmen, so daß die bereits angekündigte Nachwahl für den Jerusalemer Stadtrat unterbleiben kann. Neapel. Auf dem hier tagenden Internationalen Kongreß für Kolonialforschung, an dem sich auch der König beteiligt,' ist ein Vortrag von Professor Artom über Palästina, insbesondere das palästinensische Schulwesen vorgesehen. Zum Vizepräsident des Kongresses wurde Prof. D i r i n g e r gewählt, der, ein Jude und aus Polen stammend, sich durch archäologische Ausgrabungen in Italieh einen großen Ruf erworben hat. Konstantinopel. In Konstantinopel ist . soeben ein vollständiges hebräisches G e b e t b ü c h,in hebräischer Sprache, aber in lateinischen. Lettern erschie-% rien. Die Transkription wurde ."von einem sephardischen Juden besorgt. Saloniki. Auf Grund der vom Salonikier Päiästinä-Amt t ausgegebenen Zertifikate sind in den.letz^j ,ten 18 Monaten vom April 1933 bis Sep- . .tember 1934 2121 Personen nach Palästina ausgewandert. Von den 610 Zertifikaten erhielten Hafenarbeiter, die sich nach Haifa begaben, 243. Diese Hafenarbeiterfamilien zählen zusammen 980 Personen. Im letzten Jahre allein sind 1220 Personen nach Palästina ausgewandert, darunter 657 Mitglieder von Hafenarjbeiterfamilien. Istambul. Der türkische Innenminister Schuk r-i , Bey teilt mit, daß in den Monaten ,Juli' und August d,, J. 1800 Auslandspässe an türkische . Juden ausgefolgt wurden. Die Massenauswanderung türkischer Juden ist eine Folge der neuen Judenverfolgungswelle,,'. . New York. Im Alter von 52 Jahren ist der ,'. früher vielgenannte, und vielgelesene jüdische Dichter AJ;M. Diüo.n gestorben. Außerdem wurden 500.000 Pfund in Bodenkäufen und 500.000 Pfund in Waren investiert. Die jüdischen Investitionen werden am Ende des Jahres um 65 Proz. höher sein als am 31. Dezember 1933. Gleichzeitig veröffentlicht der Wirtschaftsreferent des Arbeiterverbandes Ziffern, die die Möglichkeit der Arbeitsbeschaffung für jüdische Einwanderer beleuchten. Die in jüdischem Besitz befindlichen Plantagen bedecken ein Gebiet von 145.000 Dunam und beschäftigen 4500 jüdische Arbeiter. Dieses Pflanzungsgebiet könnte jedoch mit Leichtigkeit 13.000 bis 14.000 jüdischen Arbeitern Beschäftigung geben, seine Aufnahmefähigkeit für jüdische Arbeitskräfte ist somit nur zu einem Drittel ausgenutzt. Da außerdem 1934 und 1935 von der Regierung über 1]A Millionen Pfund für öffentliche Arbeiten ausgegeben werden, wird die Nachfrage nach jüdischen Arbeitskräften gewaltig steigen. Frumkin fordert daher mit Nachdruck eine Verstärkung der jüdischen Einwanderung. Kr weist . darauf hin, daß Tausende von Arbeitsplätzen in jüdischen Landwirtschaftsbetrieben infolge des Mangels an jüdischen Arbeitern an illegale arabische Einwanderer aus dem Hauran und Aegypten vergeben werden. Hoher Prozentsatz deutscher Juden in der palästinensischen Landwirtschaft. * Tel A w i w , 3. Oktober. Nach den neuesten Schätzungen leben zurzeit in Palästina rund 15.300 jüdische Erwachsene aus Deutschland, davon 2500 in den Kolonien. Es wird jetzt angenommen, daß der Prozentsatz der deutschen Juden, die in der Landwirtschaft Palästinas tätig sind, höher ist 'als der entsprechende Prozentsatz von Juden aus anderen Ländern. Zur Einführung der jüdischen Einwanderer aus Deutschland in das Kulturleben Palästinas ist ein Zentralkulturkomitee begründet worden, das hebräische Abendkurse und hebräische Konversationszirkel ins Leben gerufen hat, in denen aktuelle Fragen des jüdischen Lebens Palästinas erörtert werden. In den Kolonien gehen die jüdischen Siedler aus Deutschland daran, eigene Kleinwirtschaften einzurichten. Zur Ueberwindung der Anfangsschwierigkeiten solcher Betriebe sind genossenschaftliche Einrichtungen geschaffen worden. Eine Umfrage bei den aus Deutschland eingewanderten Aerzten und Intellektuellen hat ergeben, daß es den meisten von ihnen gelungen ist, ein bescheidenes Auskommen zu finden. Japan. Gegen judenhetzerische Propaganda russischer Weißgardisten in Manschukuö. Tokio, 3. Oktober. Als Vertreter der jüdischen Bevölkerung von Mandschukuo wurde der Herausgeber des offiziellen Organs der Zionistischen Organisation von Shanghai, „Israels Messenger", Herr Nissim Benjamin Esra, vom japanischen Außenminister empfangen, den er bat, bei der Regierung von Mandschukuo dahin vorstellig zu werden, daß Maßnahmen gegen die antisemitische Propaganda -weißgardistischer russischer Einwanderer in Mandschukuo und gegen die fortwährenden antijüdischen Provokationen dieser Elemente getroffen werden. Herr Esra machte den Außenminister darauf aufmerksam, daß die weißgardistische Judenhetze in Mandschukuo in letzter Zeit einen bedrohlichen Umfang angenommen hat. Die von russischen Emigranten herausgegebenen Zeitungen veröffentlichen Artikel, in denen die Bevölkerung zu Judenpogromen aufgereizt wird. Durch dauernde Veröffentlichung falscher Tendenzmeldungen versuchen diese Zeitungendie Beziehungen zwischen der Regierung und den Juden in Mandschukuo zu vergiften. Der Außenminister nahm den durch Schilderung von Einzelfällen reich belegten Bericht des jüdischen Vertreters mit Interesse entgegen und versprach, der Regierung von Mandschukuo nahezulegen, die Veröffentlichung aufreizender Meldungen gegen die Juden zu verbieten. (ITA.) nnttiuroiti E nnfrfflrciCTMffiMM irschstr. 9