Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1934)
- Date
- 1934-08-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 31 Der Israelit 2. August 1934 Jerusalem für Abraham Stavsky hielt, würde auf diese von Dr. Eliash beschworenen Angaben Bezug genommen. Die jüdische Palästina-Einwanderung im Jahre 1933. Jerusalem, 23. Juli Das von der Palästinaregierung herausgegebene Commercial Bulletin veröffentlicht Ziffern über die jüdische Einwanderung i. J. 1933. Danach Wurden während des Jahres 40.703 jüdische Einwanderer als für die Dauer sich Niederlassende registriert. Von diesen sind 27.862 auf Grund von Zertifikaten eingewandert, 10.376 kamen als Touristen und erhielten die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung, 2465, die als Touristen oder illegal eingewandert waren, wur den nachträglich als Einwanderer anerkannt. 2067 Ju den haben das Land verlassen. Von den jüdischen Einwanderern besaßen 3250 ein Mindestvermögen von 1000 Pfund (die Jewish Agency beziffert das durchschnittliche Vermögen der Einwanderer der „Kapi talistenkategorie" mit 2000 Pfund; es wären also durch diese Einwanderer 6]/2 Millionen Pfund ins Land ge bracht worden]. Im Jahre 1931/1932 hatte die Zahl die Einwanderer der Kapitalistenkategorie nur 1060 betragen. Der Staatsangehörigkeit nach waren von den Einwanderern des letzten Jahres 13.125 Polen, 5392 Deutsche, 1411 Rumänen, 1287 kamen aüs Aden und Yemen, 1256 aus Griechenland, 1169 aus den Ver einigten Staaten, 1099 aus Litauen und 287 aüs Groß britannien und seinen Besitzungen. Berufung eines deutschen Rabbiners nach Palästina. Tel Awiw, 22. Juli. Der hier gebildete Verein „National-religiöse Vereinigung", der etwa 400 Mitglieder zählt, hat Rabbiner Dr. Emil L e v y in Berlin zu seinem Rabbiner berufen. Die Tel Awiwer Kehilla hat demt Verein eine Subvention in Aussicht gestellt. Neben den in dem genannten Verein vertretenen Kreisen, die man als konservativ bezeichnen darf, haben, wie man hört, auch die orthodoxen Kreise, die aus dem Westen eingewandert sind, die Absicht, eine Synagoge zu errichten und einen Rabbiner zu berufen. Zentralkomitee des Misrachi-Weltverbandes nach Lemberg einberufen. Jerusalem, 24. Juli. Wie die Exekutive des Misrachi-Weltverbandes der JTA. mitteilt, ist eine Tagung des Zentralkomitees des Verbandes für die Zeit vom 15. bis zum 19. August nach Lemberg einberufen worden. Personalien- Berlin, 31. Juli. Die letztwillige Anordnung von Dr. Meier Hildesheimer V'ST, war das Verbot von Hespedim an seiner Bahre. Die schmerzerfüllten Herzen vieler Freunde und Verehrer drängten aber nach einem befreienden Worte, und so versammelten sich an jedem Abend während der Schiwoh Verwandte, Freunde des Verstorbenen, Mitglieder der Adaß Jisroel-Gemeinde, um den Worten der Klage zu lauschen. Die Redner versuchten eini Teilbild aus der großen Persönlichkeit des Verstorbenen zu geben. ,Sie rühmten vor allem seine Liebe und Güte, seine Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. Mögen die vielen guten Worte der Familie ein Trost sein! Es sprachen während der Trauerwoche Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach, Altona, Rabbiner Dr. Moses Auerbach, Rabbiner Dr. Heinrich Cohn, Rabbiner Dr. Arthur L e v y , Meier Schenkolewski, Dr. Aron Keller, Dr. S. Hildesheimer. Halberstadt, 31. Juli. Am Sonntag abend versammelte sich in der Wohnung von Herrn Aron Hildesheimer, Halberstadt, dem einzig überlebenden Bruder von Dr. Meier Hildesheimer b"XT' eine große Anzahl Halberstädter Baalebatim zu einer Gedenkstunde für den verstorbenen Dr. Meier Hildesheimer b"^t- Nach dem Maariwgebet nahm Herr Schenkolewski aus Berlin das Wort, um in schlichten, zu Herzen gehenden Ausführungen die Persönlichkeit des Heimgegangenen zu zeichnen. Ergreifend erzählte er von den Sorgen und Arbeiten in den letzten Lebenswochen Meier Hildesheimers. Es gilt aber nicht mir zw trauern, es gilt alle Kräfte zusammen zu nehmen, um das Werk, dem Meier Hildesheimer die besten Zeiten seines Lebens gewidmet hat, das Rabbiner- Seminar zu Berlin, zu erhalten. Meier Hildesheimer ist nicht tot, er wird in uns und in allen kommenden Geschlechtern als eine vorbildliche Persönlichkeit weiterleben. — Nach dem Morgeng'ttesdienste am letzten Tage'der Schiwoh sprachen , die Herren Rab biner Dr. Sch 1 esinger Vi Halberstadt und Joseph Alt mann, Berlin Worte des Dankes und des Trostes. München, 30. Juli. Die Gemeinde München, und insbesondere der Verein „Ohel Jakob" wird s. G. w am 9. August den 8 0. Geburtstag von Angelo Feuchtwanger, Seniorchef des bekannten Bankhauses J. L. Feuchtwanger, feiern. Seit seinem. 19. Lebensjahr wirkt der Jubilar im Bankfach und hat in den vielen Jahrzehnten seiner Wirksamkeit vermocht, Ansehen und Bedeutung des Hauses stetig! zu steigern: sein Vater Jakob Löb Feuchtwanger hatte die Firma, die heute zu den ältesten und angesehensten nicht nur der bayerischen Landeshaupt stadt gehört, im Jahre 1857 gegründet: seine Familie ist von jeher eine der ersten der Kultusgemeinde München. Der Achtzigjährige, der heute noch so fleißig und jugendlich im< Lernen ist wie je, wirkt als wahrer Ben Thauro: "gleich unermüdlich im Besuch von Schiurim und im Geben von Zedokoh: unausgesetzt lindert Angelo Feuchtwanger, dessen gewinnender und sympathischer Gestalt allein das stille Wohltun Bibliothekar Dr. Moritz Stern in Berlin (Zu seinem siebzigsten Geburtstag) Siehe „Israelit" Nr. 27, Seite 8. gemäß ist, Not und Bedrängnis. In „Ohel Jakob", in dessen erstem Vorstand sein Bruder ^'ST gewirkt hatte, zählt man Angelo Feuchtwanger mit Recht zu den verehrtesten Männern der Kehilloh. Dem geistig noch so besonders regen Greis ist es beschieden, seinen Ehrentag voll Stolz und Freude im Kreis seiner Kinder und Enkel zu feiern. Der „Israelit", dem Angelo Feuchtwanger vom ersten Tag des Erscheinens an eifriger Leser ist, reiht sich freudig in die Schar der Gratulanten für den Achtzigjährigen ein: er verkörpert den deutschen Kaufmann in edelster Weise und blieb dabei stets ein grundfrommer, stolzer Jehudi: ad meo wo-eßrim schonoh! H. L. Babenhausen (Hessen), 23. Juli. Am 20. Juli beging Herr Lehrer Sally K a t z seinen 70. Geburtstag und konnte am gleichen Tage auf eine 50jährige Amtstätigkeit zurückblicken. Seit 27 Jahren wirkt er in der Gemeinde Babenhausen, und ist er durch sein unermüdliches Schaffen allseits sehr geachtet. Trotzdem Herr Katz, in der ihm eigenen Bescheidenheit, seinen Jubeltag verschwiegen hatte, wurden ihm von Seiten der Gemeindemitglieder, Schüler und Freunde reichlich Ehrungen zuteil. Gelnhausen, 25. Juli. Am 29. Tamus haben wir Frau Karoline Stern geb. Schmitt zu Grabe getragen. Durch das Hinscheiden einer seiner Gründerinnen erleidet unser Israelitischer Frauenverein einen großen Verlust. Vierzehn Jahre lang gehörte sie dem Vorstande des Vereins an. Wo es galt, Not zu lindern, Arme zu unterstützen, wo Waisen der Annehmer bedurften, wo es galt, Gemilus Chesed an Toten zu üben, immer war sie im Verein mit den anderen Damen des Vorstandes zur Stelle. Anläßlich des 50jährigen Bestehens des Israelitischen Frauenvereins wurden ihr in einer wohlverdienten Ehrenurkunde der Dank und die Anerkenung des Vereins ausgesprochen. — Aber nicht nur dem Verein, sondern in erster Linie galt ihr Schaffen und Wirken ihrer Familie. .Wenn ihr auch, das Glück versagt blieb, eigene Kinder zum Guten zu erziehen, so hat sie. dies durch Annahme verp wandter Kinder, durch deren sorgfältige Pflege und Erziehung, aufs schönste und beste geübt. So hat sich die Heimgegangene'durch ihr Streben und Wirken ein ehrenvolles und: dauerndes, Gedächhis geschaffen. Nach 23 Jahren Witwentums ist sie ihrem Gatten in die Ewigkeit gefolgt. — Herr Religionslehrer Lang würdigte am Grabe' in herzlichen Worten den vorbildlichen Lebenswandel der Verblichenen. . . n*axan Malsch b. Ettlingen, 23. Juli. Eine seltene Feier erlebte am npn 's 'p rilp "unsere Gemeinde. Durch eine größere Spende der hiesigen Chewra anon m^na und einen Zuschuß der „Freien Vereinigung" war es möglich, eine nnw "ibo neu schreiben zu lassen. Nachh dem die einzelnen Gemeindemitglieder am Vortage den letzten Absatz zu Ende geschrieben hatten, wurde das neue ISO am Schabbos npn 'a '? feierlich unter Vorantragung sämtlicher Thorarollen in die geschmückte Synagoge eingeführt. . Herr Bezirksrabbi; ner Dr. U c k o aus' Of f enburg hielt eine weihevolle Ansprache. Die Feier hinterließ bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck. — Das iso wurde von dem bekannten Sofer Herrn Chaim Färber, Frankfurt a. M. geschrieben und fand allseitig höchstes Lob. Vermischtes. Berlin, 30. Juli. Am Sonntag, den 19. August findet auf dem Sportplatz der Jüdischen Gemeinde im Grunewald das erste Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugend statt. Die technischen Vorbereitungen des Sportfestes hat der I. T. S. C. 05 und der Makkabi gemeinsam übernommen. Alle näheren Einzelheiten werden in Kürze bekanntgegeben. Paderborn, 26. Juli. Nach einem Bericht des „Westfälischen Volksblattes" hat die Friedhofsschändung in Paderborn ihre Sühne vor dem dortigen Schöffengericht gefunden. Die als Täter festgestellten Angeklagten Johann Schmidt, Franz Nehermann und Hermann Wüllner hielten in der Verhandlung ihr bereits im Vorverfahren abgelegtes Geständnis in vollem Umfange aufrecht. Sie hatten in der Nacht vom 28. zum 29. Juni eine Namenstagsfeier auf der „Schönen Aussicht" mitgemacht und nach ihren Angaben reichlich dem Alkohol zugesprochen. Von Schmidt sei dann der Gedanke ausgegangen, den Davidstern von der Leichenhalle des Israelitischen Friedhofs herunterzuholen. Er habe dies mit den beiden Mitangeklagten besprochen, worauf sie sich zu Dritt auf den Weg gemacht hätten. Schmidt sei dann mit Hilfe einer Leiter zum Dach der Leichenhalle hinaufgestiegen und habe allein den Davidstern heruntergeschlagen, während die beiden anderen die Leiter gehalten hätten. Nehermann sei nach der Tat zur „Schönen Aussicht" zurückgegangen, während die beiden anderen zurückblieben. Schmidt stürzte sodann 5 4 Grabsteine um, wozu er nach seinen Angaben 15 bis 20 Minuten gebraucht habe. Währenddessen habe Wüllner draußen „Schmiere" gestanden. Die Beweisaufnahme ergab einwandfrei, daß die da und dort geäußerten Vermutungen, die Sache sei von einer bestimmten Stelle angeregt worden, vollkommen unbegründet sind. Der Staatsanwalt führte in seiner Anklagerede u. a. . aus, daß von einer Trunkenheit, die von den Angeklagten als Entschuldigung für ihre Tat angeführt worden sei, wohl kaum die Rede sein könne. Insbesondere habe Schmidt durch das Umstürzen der schweren Grabsteine eine Tat begangen, die er nur im Zustande der Nüchternheit habe begehen können. Abgesehen davon sei nach neuerem Gesetz auch derjenige in vollem Umfange strafbar, der in der Trunkenheit eine strafbare Handlung begeht. Auch die weitere, als Entlastungspunkt gedachte Angabe des Angeklagten Schmidt, er leide an epileptischen Anfällen, die sich in einer Art Zerstörungswut ankündigten, könne durch das Ergebnis der Beweisaufnahme nicht als erwiesen gelten. Für die Strafbemessung sei Punkt 6 der Richtlinien zu berücksichtigen, die der Reichskanzler kürzlich aufgestellt habe. Das Urteil lautete gegen den Hauptangeklagten Schmidt wegen Grabschändung und Sachbeschädigung auf ein. Jahr, gegen Wüllner auf sechs Monate und Nehermann auf vier Monate Gefängnis. Budapest, 24. Juli. In letzter Zeit wurden die von den orthodoxen Gemeinden erhaltenen rituellen Badeanstalten (Mikwaoth) vielfach von untergeordneten Verwaltungsbehörden als gewerbliche Betriebe qualifiziert und dementsprechend besteuert; auch wurde ihre weitere Erhaltung von der Einholung eisier Gewerbe-Lizenz abhängig gemacht. Nunmehr, hat der Handelsminister grundsätzlich entschieden, daß die rituellen Badeanstalten, die nicht in gewinnsüchtiger Absicht geschaffen wurden, unbemittelten Gemeindemitgliedern unentgeltlich und den Begüterten gegen eine nur geringe Gebühr zur Verfügun gstehen, lediglich als konfe'jsionelle Einrichtungen zu gelten haben, für die nach dem Gewerbegesetz eine Gewerbe- Lizenz nicht erforderlich ist. (Weiteres „Vermischtes" siehe Seite 15.)