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Der Israelit · 1934-08-02 · Heft 31 (2.8.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 31 (2.8.1934)
Date
1934-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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2. August 1934 Der Israelit Nr. 31 Seite 9 England. Abschied des polnischen Gesandten, Grafen Skirmunt, von London. London, 26. Juli. Der polnische Gesandte in London, Graf Skirmunt, empfing die Führer der englischen Agudas, Jisroel H. A. Goodman, Rabbiner Dr. Schönf e 1 d und Rabbiner T w e r s k i, die ihn begrüßten und darauf hinwiesen, daß die Agudas Jisroel in Polen, die loyal die Regierung des Marschalls Pilsudski unterstützt, mit Recht erwarten dürfe, daß die polnische Regierung alles, was in ihrer Macht steht, tue, um die so schwere materielle Lage der Juden Polens zu verbessern, wie dies auf politischem Gebiet bereits geschehen sei. Graf Skirmunt antwortete, wenn er der Judenheit Sympathien entgegenbringt, so sei dies nur ein Ausdruck derjenigen Gefühle, die die polnische Regierung, die er vertritt, den Juden gegenüber hegt. Die Juden genießen in Polen gleiche Rechte wie alle anderen Bürger, die polnische Regierung werde ihre Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der jüdischen Bürger fortsetzen. Ein von dem Verband der polnischen Juden in England zu Ehren Skirmunts veranstalteten Abschiedsessen, zu dem etwa zweihundert hervorragende Persönlichkeiten der Londoner Gesellschaft geladen waren, bot Führern des englischen Judentums Gelegenheit, auf die schwierige wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung Polens hinzuweisen und den Gesandten zu bitten, sich für eine auf wirtschaftliche Gesundung des jüdischen Bevölkerungsteils abzielende Politik einzusetzen. In seiner Antwortrede legte Gesandter Skirmunt die auf den Grundsätzen bürgerlicher Gleichberechtigung und gleichen Schutzes für alle Staatsbürger beruhende Judenpolitik Polens dar und gab gleichzeitig den Sympathien der polnischen Regierung für den Palästina-Aufbau Ausdruck. Als Abschiedsgeschenk wurde dem Gesandten sein von dem verstorbenen großen jüdischen Maler Leopold Pilichowski, dem früheren Vorsitzenden des Verbandes der polnischen Juden, gemaltes Porträt überreicht. Zum Schluß des Banketts wurde bekanntgegeben, daß zur Durchführung einer Hilfsaktion für die von der Ueberschwemmungs-Katastrophe betroffene jüdische Bevölkerung ein Ausschuß gebildet wurde, dem Simon Marks, Lord Melchett, Gustave Tuck, Lady Prinz, Henry van den Bergh, Mrs. Irwell und Sir Meyer Spielman angehören. Macdonald über seine bisherigen Erfolge. London, 22. Juli. Der Oberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. Macdonald, erstattete dieser Tage in einer Pressekonferenz einen Bericht über den Stand des Auswandererproblems, der zunächst auf Grund eingehender statistischer Erhebungen feststellt, daß von den bisher aus Deutschland in die Machbarländer ausgewanderten und dort nicht verwurzelten Personen 4500 zur Uebersiedlung in überseeische Länder in Betracht kommen, davon 3600 Juden und 900 Nichtjuden. Man rechne pro Kopf ein Erfordernis von Lst. 50.—, so daß also insgesamt 225.000 Lst. erforderlich seien, um diesen Teil des Emigrantenproblems zu lösen. Man hoffe, daß die Organisationen die Hauptlast aufbringen, rechne aber auch auf Beiträge aus öffentlichen Mitteln. Unbedingt notwendig sei jedoch die Unterstützungsarbeit in den Nachbarländern, solange bis die Ausgewanderten, die in den Lädnern ihres jetzigen Aufenthalts wirtschaftlich nicht eingegliedert sind, weitergeleitet werden können. Am wichtigsten war die Mitteilung des Oberkommissars über die bevorstehende Lösung des Problems der Identitäts- und Reisedokumente für die aus Deutschland Ausgewanderten ohne gültigen Paß. Von der Schaffung eines neuen Dokumentes nach der Art des Nansenpasses habe man nach längeren Erwägungen abgesehen. Vielmehr sollen Personen deutscher Staatsangehörigkeit, die keinen Paß haben oder die Erneuerung ihres Passes bei den deutschen Konsulaten nicht erlangen können, ferner Personen, die seit ihrer Auswanderung aus Deutschland staatenlos geworden sind oder von vornherein einen Staatenlosenpaß besaßen, dessen Gültigkeit erloschen ist, ein Dokument erhalten unter dem Namen „Identitäts- und Reisedokument". Die deutschen Konsulate sind von ihrer Regierung ermächtigt worden, in Fällen, in denen sie aus irgend einem Grunde nicht in der Lage sind, den Paß eines deutschen Reichsangehörigen zu verlängern oder einen neuen Paß auszustellen, über die Ablehnung einen schriftlichen Bescheid zu erteilen. Auf Grund dieser Bescheinigung wenden, sich die Interessenten an die Paßbehörden ihres Aufenthaltsortes, die das Identitäts- und Reisedokument ausstellen. Diejenigen Staaten, die in erster Reihe an der Auswandererfrage interessiert sind, ha- Die Woche. Danzig. Hier sind die jüdischen Studenten an der Technischen Hochschule aus den allgemeinen Zeichensälen entfernt worden und man hat ihnen ein spezielles Zeichenzimmer als Ghetto angewiesen. Die Studentenvereinigung Union wurde von der Leitung des Technikums ohne weiteres aufgelöst. London. Anläßlich der Anwesenheit prominenter amerikanischer nichtzionistischer Agency-Mitglieder in Europa ist eine Besprechung dieser Kreise nach Zürich auf den 16. August einberufen worden. — Jabotinsky hat ein Telegramm an den High Commissioner for Palestine gerichtet, worin er diesem die volle Verantwortung für die Sicherheit von Stavsky und Rosenblatt zuschiebt. Kaunas. Zur Anbahnung von Versöhnungsverhandlung zwischen Litauen und Polen weilt zur Zeit der erste Botschaftsrat der polnischen Botschaft in Paris, Minister Mühlstein, in der litauischen Hauptstadt. Mühlstein entstammt einer frommen jüdischen Familie und hat vor einiger Zeit eine Tochter des Barons Maurice de Rothschild geheiratet. Riga. Bei dem lettländischen Unterrichtsministerium ist ein Departement für jüdisches Erziehungswesen geschaffen worden, zu dessen Leiter der agudistische Sejmabgeordnete Vittenberg ernannt wurde. Dorpat. An der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ist ein Ordinariat für jüdische Wissenschaft geschaffen und ein Seminar unter der Leitung des ordentlichen Professor Dr. Lazar Gulkowitsch eingerichtet worden. Saloniki. Vor dem Kreisgericht in Adrianopel sind drei Personen wegen Beteiligung an den jüngsten antisemitischen Ausschreitungen in Thrazien zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ramie. Mehrere jüdische Arbeiter, Mitglieder der Histadruth, hatten sich vor dem Polizeigericht zu verantworten wegen des ihnen zur Last gelegten Niederreißens eines Hauses in Rechoboth. Das Haus war von revisionistischen Arbeitern erbaut worden. Die angeklagten Arbeiter wurden mangels ausreichender Beweise freigesprochen. Jerusalem. Die vor einiger Zeit angekündigte Delegation indischer Mohammedaner unter Führung von Schaukat Ali nach England ist bis zum November aufgegeschoben worden. — Von dem Lst. 100.000 betragenden Sammelergebnis der Keren Hajessod-Kampagne in Südafrika sind Lst. 60.000 für die Errichtung neuer landwirtschaftlicher Siedlungen in Palästina zur Verfügung gestellt worden. — Die Führer der Histadruth hoowdim haben die ihnen wegen Postenstehens zum Schutze der jüdischen Arbeit in den Orangenplantagen auferlegten Gefängnisstrafen verbüßt und sind dieser Tage aus der Haft entlassen worden. Haifa. Wie die mit der Durchführung des deutschpalästinensischen Transfers betraute Gesellschaft mitteilt, sind auf Sonderkonto 1 und 2 bis zum 1. 6. 34 6l/i Millionen Reichsmark eingezahlt worden. Die Entwicklung der Transferoperation hat somit einen verhältnismäßig bedeutenden Umfang angenommen. ben diese Vorschläge angenommen. Hinsichtlich der Gültigkeitsdauer dieser Reisedokumente bestehen jedoch Verschiedenheiten. In England, Polen und Schweden wird das Dokument auf ein Jahr ausgestellt, in anderen Ländern nur auf 6 Monate. Das Dokument dient dann zur Ausstellung von Visen und man hofft, daß die meisten Staaten diese Visa kostenlos ausstellen werden. Ueber die genauen Bedingungen und über die Ausfolgung der Dokumente erteilen die jüdischen Hilfsorganisationen Auskunft. Palästina. Der Arlosoroff-Mord und Abdul Medschid. — Wortlaut der Eingabe von R.-A .Dr. Eliash an den Obersten Gerichtshof Palästinas. Jerusalem, 23. Juli. Der Wortlaut der eidlich bekräftigten Eingabe über ein neuerliches Geständnis Abdul Medschids, an der Ermordung Dr. Arlosoroffs beteiligt gewesen zu sein, die R.-A. Dr. M. Eliash, unmittelbar vor Beginn des Berufungsverfahrens im Stavsky-Prozeß an den Obersten Gerichtshof richtete und von der man eine entscheidende Wendung in dem Verfahren zur Aufklärung des Mordes erwartet hatte, wurde soeben veröffentlicht. Abdul Medschid hat Dr. M. Eliash gegenüber, der sein Verteidiger in dem gegen ihn schwebenden Verfahren wegen Ermordung des arabischen Barbiers Lufti ist, noch einmal gestanden, daß er derjenige war, der bei dem Attentat Dr. Arlosoroff ins Gesicht leuchtete, während sein Begleiter Issa el Derwisch den tödlichen Schuß abgab. Dieses Geständnis hat Abdul Medschid seinem Anwalt nach der von diesem am 6. Juli vor dem Oberrichter P. E. P. Cressal beschworenen Erklärung am 19. Juni im Jerusalemer Hauptgefängnis gemacht. Die dem Affidavit Dr. Eliash's böigegebene Erklärung lautet: „Am Dienstag, den 19. Juni 1934, ungefähr um 11.30 Uhr vormittags, kam ich in das Jerusalemer Hauptgefängnis zum Zwecke einer Unterredung mit Abdul Hamid Boukhari, mit dessen Verteidigung ich von seinen Verwandten einige Zeit vorher beauftragt worden war. Dies war mein erster Besuch bei ihm. Ich hatte es vermieden, ihn während der Durchführung des Arlosoroff-Prozesses, in dem er als Zeuge auftrat, zu besuchen. Ich richtete an ihn mehrere Fragen betreffend den Fall Lufti, die er beantwortete, und brachte dann mein Bedauern darüber zum Ausdruck, daß sich mein Besuch bei'ihm hinausgezögert hatte. Ich setzte ihm die Gründe hierfür auseinander und dadurch kam unser Gespräch auf die von ihm im Arlosoroff-Prozeß gemachte Aussage. Er erklärte mir dann, daß die Aussage, die er gemacht hatte, falsch war; die Wahrheit sei, daß sein Bruder Abdul Medschid und Issa el Derwisch an dem Arlosoroff-Mord teilhatten, daß sein' Bruder mit der Taschenlampe in Arlosoroffs Gesicht geleuchtet und Issa den Schuß abgegeben hat. Dies wisse er von seinem Bruder. Er sei von der Wahrheit dieses Berichtes vollkommen überzeugt. Bei seiner Vernehmung habe er darum in entgegengesetztem Sinne ausgesagt, weil er etwa zwei Monate lang in der „Zinzane" (Einzelzelle) gehalten worden sei und bei seiner Befragung durch die Polizei die Ueberzeugung gewonnen habe, man wünsche eine solche Aussage von ihm und es wäre für ihn das Beste, sie zu machen. Seit dem Prozeß habe er seinen Bruder nicht mehr gesehen. Man habe ihn von ihm isoliert gehalten. An demselben Nachmittag sah ich Abdul Medschid im Gefängnis. Ich richtete an ihn mehrere Fragen betreffend den Fall Lufti und er sprach von der Unschuld seines Bruders und der Schuld Issas am Lufti- Mord. Sodann fragte ich ihn, ob Issa mit dem Arlo- . soroff-Mord etwas zu tun habe. Er antwortete: „Sie wissen, ich habe dies in Abrede gestellt". Ich fragte ihn, ob dies, d. h. die Verneinung, wahr wäre, und er sagte, das sei nicht der Fall; die Wahrheit sei, daß er und Issa den Mord an Arlosoroff verübt hätten. Er könne mich davon überzeugen, daß das, was er jetzt sage, wahr sei, indem er mir mit allen Einzelheiten jede Oertlichkeit angeben würde, zu der sie von der Unterhaltung im Mukhtar-Zirkus kamen, bis zu dem Augenblick, da sie davonliefen, darunter einige jüdische Lebensmittelgeschäfte, in denen sie gegessen hätten. Geleugnet habe er, weil man ihm gesagt habe, er werde für seine Tat gehängt werden. Er werde an der Ableugnung festhalten, bis man ihm versprechen werde, daß er für die Tat nicht gehängt werden würde. Arlosorfof sei durch eine Kugel von derselben Art getötet worden, wie man sie bei Issa gefunden habe. Seit dem Prozeß habe er seinen Bruder nicht gesehen, er sei von ihm isoliert gehalten worden." Das vorstehende Dokument war von Dr. M. Eliash am 25. Juni unterzeichnet worden. In dem eindrucksvollen Plaidoyer, das R.-A. Horace B. Samuel vom 16. bis 18. Juli vor dem Appellationsgerichtshof in

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