Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1934)
- Date
- 1934-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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22. März 1934 Der Israelit Nr. 11 Seite 11 Personalien- Lübeck, 19. März. Ein Stück Lübeck ist von uns gegangen, als wir Frau Fanny Frankenthal, geb. Mannheim, zu Grabe trugen. 1858 noch in Moisling, der damaligen Gemeinde von Lübeck, geboren, war ihr Leben ganz erfüllt von den Traditionen ihrer Ahnen und geweiht den echt jüdischen Frauenpflichten. Wer je in den vergangenen 50 Jahren für länger oder kürzer sich hier aufhielt, der weiß, wie Frau Frankenthal ihr Haus zu einem Sammelpunkt traditionstreuen jüdischen Lebens machte. Darüber hinaus übte sie über 40 Jahre an der Seite ihres Gatten b"mnb> dem jetzigen langjährigen Vorsitzenden der Ghewra, rra in vorbildlicher Weise aus, davon viele Jahre als 2. Vorsitzende der Frauen-Chewro. In ihren beiden Kindern hatte sie das Glück, treue Jehudim z^" erziehenjdie: in'ihrem: Geiste i'ihre "Häuser führen. " Bei der Beerdigung in Moisling am Sonntag mußte die Klage wegen des Nissans verstummen, aber in dem vom Schwiegersohn, Herrn Oberkantor Groß aus Frankfurt a. M., mit tiefer Rührung vorgetragenen i"n ■ kam der Schmerz der Angehörigen und all derer, die sie liebten und verehrten, zum Ausdruck. n"3S3D Bad Homburg, 20. März. Nach längerer Krankheit verstarb Frau Dr. Dina Rosenthal geb. Strauß, die Gattin des bekannten Sanitätsrat Dr. Rosenthal in Bad Homburg. Der Heimgang dieser seltenen Frau hat in weiten Kreisen tiefe ehrliche Trauer ausgelöst. Ueber drei Jahrzehnte stand sie mit ihrem Manne dem Hause vor, in dem so viele kranke und leidende Glaubensgenossen Genesung und Erholung fanden. Mit wahrer mütterlicher Treue widmete sie sich dem Werke und wurde durch ihr liebevolles Wesen und ihre aufopferungsvolle Tatkraft manchem Patienten Gefährtin und Helferin in schwerem Leide. Eine musterhafte Frau und Mutter, die am Lebenswerke des Mannes tapfer mitarbeitete und die Kinder in seinem Sinne erzog, hatte sie doch auch Zeit für alle Pflichten gegen G'tt und die Menschen außerhalb ihres Hauses. Als vor sieben Jahren mit dem Hinscheiden des Sohnes, eines berühmten Arztes, der Opfer seines Berufes wurde, ein so schwerer Schicksalsschlag die Familie traf, war sie es, die mit unerschütterlichem G'ttvertrauen den Mann aufrichtete und ein Beispiel dafür abgab, wie man in Liebe tragen müsse, was G'tt einem auferlegt hat. Dieses G'ttvertrauen verließ sie auch nicht in den letzten Monaten, als schwere Krankheit sie ans Bett fesselte. Sie fand Milderung ihrer Leiden, wenn sie Leiden Anderer lindern konnte, ihr Glück im Beglücken, ihre Freude im Erfreuen. Nicht nur im Hause bei Mann und Söhnen, sondern auch in weiten Kreisen der Freunde weit über Homburg hinaus wird das Andenken der Frau Sanitätsrat Dr. Rosenthal fortleben. H"3S3^ Dinslaken a. Niederrhein, 20. März. Am 1. April kann Herr Lehrer M. Heilbronn auf eine 25jährige Amtstätigkeit zurückblicken. Von dieser Zeit fallen 6 Jahre segensreicher Wirksamkeit auf die Gemeinde Dinslaken. Rastlos und unermüdlich in der Arbeit, ist er jedem Schüler ein Freund und wohlwollender Führer geworden. Schlicht und bescheiden in der Lebensführung, nimmt er an der Vertiefung und Fortbildung in der jüdischen Wissenschaft allzeit regen Anteil. Antwerpen, 20. März. Auf Grund Allerhöchster Entschließung hat der König der Belgier den langjährigen verdienten Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde in Antwerpen Rottenberg zum Ritter des Belgischen Kronenordens (Chevalier de la Couronne Beige) zu ernennen. Ein vom 14. d. M. datiertes, überaus schmeichelhaftes Schreiben des Ministers des Auswärtigen Heymans lag der königlichen Ernennungsurkunde bei. Vermischtes- Berlin, 16. März. An dem Oberlyzeum der Israelitischen Synagogengemeinde „Adaß Jisroel" hat am 7. März die Reifeprüfung unter Vorsitz des Herrn Oberschulrates Kleine und am 15. März die des Realgymnasiums unter Vorsitz des Herrn Oberschulrates Prof. Dr. H ü b n e r stattgefunden und sämtliche Prüflinge haben das Reifezeugnis erhalten, drei von ihnen mit dem Prädikat „gut". Von einem Schüler wurde auf Wunsch des Oberschulrates ausdrücklich seine geradezu hervorragende Befähigung als Maler hervorgehoben. Berlin, 16. März. Auf Einladung der Agudas Jisroel-Frauengruppe Berlin sprach Herr Dr. Maximilian Landau über „Judentum und Sozialismus". Prüft man die sozialistischen Lehrmeinungen (sozialistisch im engeren Sinne) streng wissenschaftlich, so zeigt sich: Das ganze Gebäude dieser Wirtschafts- und Weltanschauungen ruht auf den Thesen des Materialismus und der Auffassung: „Das Höchste für den Menschen ist der Mensch". Erweisen sich diese Thesen als fragwürdig — und der Redner blieb den Beweis nicht schuldig —, so muß das Gebäude zusammenfallen, daß aber auch die Versuche zur prakti- I sehen Verwirklichung fehlschlagen mußten, konnte historisch nachgewiesen werden. Der Mensch ist nicht das Höchste und stärker als die Materie ist der Geist. G'tt als das Höchste, Sein Geist als Herrscher des Lebens — mit diesen Grundsätzen geht das Judentum an die Lösung, aller Fragen menschlichen Lebens und auch der vollgewerteten, aber organisch eingegliederten sozialen Frage. Verwirklichung des Judentums bedeutet seinen Bekennern also auch ihre Lösung der sozialen Frage, zu allen Zeiten und nicht minder heute. Durch die Darstellung des Gegenwartswertes unserer Tauroh für uns wurden die wissenschaftlich-interessanten Ausführungen zu einem warmherzigen Appell an das religiöse Gewissen unserer Zeit. Berlin-Charlottenburg, 20. März. Der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums veranstaltet am kommenden Sonntag, den 25. März, abends 8.30 Uhr, im Gemeindehause Rosenstr. 3, einen Vortragsabend. Es wird Herr Rabbiner Dr. Singermann über das Thema „Der Seder einst und jetzt" sprechen. Der Vortrag wird von gesanglichen Darbietun-. gen von Melodien der Haggada durch die Herren Oberkantor Katz-Cohen und Kantor Grabow s k i umrahmt sein. Berlin, 19. März .Unter dem Motto: „Gebt dem schwerhörigen Glaubensgenossen die Möglichkeit zur Teilnahme am G'ttesdienst durch Vielhörer" (elektr. Hörapparat) veranstaltet der Reichsverband Israelitischer Schwerhöriger (Risch) am 28. April 1934 im Bühnensaal des Hotels „König von Portugal", Berlin, Burgstr. 16, ein „Frühlings-Wohltätigkeitsfest" zum Besten von Vielhörer-Beschaffung und eines Sommerheimes. Prominente Redner haben ihr Erscheinen zugesagt. Um rege Abnahme der Festabzeichen wird wegen des guten Zweckes gebeten. Beratungsstelle für alle israelitischen Schwerhörigen, auch wegen Hörgeräte-Anschaffung und Reparatur, jeden Mittwoch 19 Uhr, Große Hamburgerstr. 27 (Knabenschule). Ebenda Sprach-Ableseunterricht. Berlin, 11. März. Die Veranstaltung der Adaß Jisroel-Volksschule am Sonntag, den 4. ds. Mts. nahm einen glänzenden Verlauf. Vor gefülltem Saale rollten die einzelnen Darbietungen schwungvoll mit Begeisterung und in einer bei Schülern wohl kaum zu übertreffenden Fertigkeit ab. Die Chöre zeichneten sich durch Disziplin und Schulung, Rhythmus und Klangschönheit aus, so daß jedes Wort auch in der äußersten Ecke des Saales deutlich verstanden wurde. Eindrucksvoll war der Psalm 24 — übrigens in aschkenasischer Aussprache — durchgearbeitet, Der Wechsel der Stimmen, das Solo im hohen Diskant, die Untermalungen durch den wuchtigen Baß, Piano und Forte, Stakkato und Diminuendo, alle Ausdrucksmittel der Musik waren verwendet, um eine Meisterleistung von etwa 100 Kindern den atemlos lauschenden Gästen vorzusetzen. Ein Genuß jagte den andern! Die Farbenpracht des Menuetts, die zierlichen Bewegungen der Kinder, die Mozart'sche Musik versetzte uns in eine andere Welt. Eine anerkennenswerte Leistung bot der vierzehnjährige Knabe, der den Holofernes aus Hebbels „Judith" verkörperte. Frei und völlig ihren Rollen hingegeben, bewegten sich die Knaben und Mädchen auf der Bühne, als würden sie sie täglich betreten. Auch die Kleinsten trugen mit ihrem munteren Spiel, dem Purimlied und dem lustigen Maskenzug zur Unterhaltung reichlich bei. Eine Augenweide und einen besonders zu Herzen gehenden Genuß boten die Dramatisierungen zweier. Kapitel aus Megillath Esther. Sie wurden in aschkenasischer Aussprache im Gegensatz zu den hebräischen Liedern gesprochen. Es zeigte sich hier, daß man, vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, beide Aussprachen durchaus als gleichwertig betrachten muß. — Die Leistungen der Schule wurden von den Zuschauern entsprechend anerkannt, und dem Lehrerkollegium darf nicht nur der Dank der Elternschaft, sondern der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit für ihre Arbeit gewiß sein. Hoffen wir, daß die Aufforderung des Herrn Rektor Sina- .söhn, der Adaß-Schule recht viele Kinder zuzuführen und dem Patenschaftskomitee finanzielle Hilfe angedeihen zu lassen, auf fruchtb-u^n Boden fällt. Berlin, 11. März. Die Zentral wohlfahrtssteile der deutschen Juden beabsichtigt, gemeinsam mit dem Erziehungsausschuß der Reichsvertretung der deutschen Juden und dem Jüdischen Frauenbund eine Ausbildungsstätte für jüdische Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen-einzurichten und mit dem ersten Lehrgang Mitte April ds. Js. in Berlin zu beginnen. Das Ziel der Ausbildung ist, Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen für die Arbeit in Kindertagesstätten, Erziehungsheimen, aber auch in Familien, zu befähigen. Der Lehrgang wird V/> Jahre dauern Vorbedingung ist abgeschlossene Mittelschul- oder Obersekundareife oder Nachweis einer gleichwertigen Bildung durch die schulwissenschaftliche Vorprüfung und ausreichende hauswirtschaftliche Vorbildung. Nach einem Probemonat, der die hauswirtschaftlichen Kenntnisse festzustellen hat, erfolgt die endgültige Aufnahme in den Lehrgang. In dem Lehrgang können 15—20 Schülerinnen als Internatsschülerinnen und 5—10 Extranerinnen aufgenommen werden. Der Pensionspreis beträgt Mk. 50.— monatlich; das Schulgeld Mk. 25.— monatlich. Anmeldungen sind unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufs, des Schulabgangszeugnisses und des Nachweises der hauswirtschaftlichen Ausbildung und Betätigung an die Geschäftsstelle des Lehrganges: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158 oder an den Jüdischen Frauenbund (Reichsgeschäftsstelle) ebenda zu richten. Berlin, 15. März. Im Rahmen der Agudas Jisroelgruppen Berlin hielt Herr Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach, Altona am 5. März einen Vortrag über das Thema „Das Scheitern der Kritik am ewigen Buch — ein symbolisches Geschehen"! Der Abend wurde den überaus zahlreich Erschienenen, die den Gartensaal der Kleistloge bis auf den letzten Platz füllten, zu einer Stunde der tiefgreifenden Selbstbesinnung, so sehr verstand es der Referent, das Herz der Hörer zu packen, mit Worten, die selber aus der .Tiefe eines für G'tt -und Seih. Gesetz erglühen-- den Herzens strömten'. Das ewige Buch, die Bibel, in seiner ganzen Größe, in seiner Einmaligkeit, in seiner Ewigkeit stand vor uns,;, der uns gebotene kurze Abriß der Geschichte der Bibelkritik und ihrer Widerlegung wurde zu einer entflammten Darstellung der Lehre, die G'tt dem Mosche entboten. Das Hexateuch der Samaritaner, die Ausgrabungen Sellins, die Gesetzestafeln Hammurabis und zahlreiche Einzelbeweise, um deren Erbringung sich David Hoffmanri unsterbliche Verdienste erworben, sie sind die untrüglichen Zeugen gegen einen Wellhausen, gegen, alle, die die gewaltige Einheit des Pentateuchs zerschlagen und in armselige Schichten zerlegen wollen. Dies Buch der Bibel sei ein Zeugnis zugleich für das Volk der Bibel. Seine Ewigkeit garantiere die Ewigkeit des Volkes; stark und einheitlich, ewig und allem menschlichen Zugriff sich entziehend bleibt die Bibel; und so bleibt Israel ewig und stark, wenn ihm seine Kraft aus der Bibel strömt, aus ihr allein! — Eingeleitet wurde der Vortrag durch Worte der Erinnerung auf Dr. Lipmann Schlesinger den großen Menschen, den großen Juden, den großen Agudisten, die der Leiter der Versammlung, Dr. Meier Hildesheimer, in der durch die nahenden Festage gebotenen Beschränkung, aber aus ergriffener Seele sprach. Berlin, 15. März. Der Reich sausschuß der jüdischen Jugendverbände hat bisher folgende Landesausschüsse gegründet: 1. Landesausschuß Pommern; Vorsitz: Dr. Erich Mosbach, Stettin, Lindenstr. 30. 2. Landesausschuß Rhein-Ruhr; Vorsitz: Dr. Julius Herzfeld, Essen, Hansahaus. 3. Landesausschuß Bayern; Vorsitz: Dr. Hans Teutsch, Nürnberg, Treustr. 7. 4. Landesausschuß Württemberg; Vorsitz: Dr. Alfred Einstein, Stuttgart, Mittnachtbau. 5. Landesausschuß Baden; Vorsitz: Dr. Siegwart Wertheimer, Karlsruhe, Kronenstr. 15. 6. Landesausschuß •Hessen und Hessen-Nassau; Vorsitz: Hans Gochsheimer, Frankfurt a. M., Kettenhofweg 128. Weitere Landesausschüsse sind in Bildung begriffen. Ihre Anschriften werden demnächst veröffentlicht werden. Karlsruhe, 11. März. Am 3. März ds. Js. veranstaltete der „Esra" Karlsruhe, im Munz'schen Konservatorium eine gelungene Purimfeier. Obgleich der „Esra" hier zum ersten Male mit einer großangelegten Veranstaltung vor die Oeffentlichkeit trat, war der Saal vollständig überfüllt. Nach einigen einleitenden Worten, die vor allem die Wichtigkeit der Arbeit für Talmud Tauroh Limmud-Amt des Esra und Keren Hajischuw, denen auch der reichliche Reinerlös zufloß, hervorhoben, nahm das etwa 3J4 stündige, abwechslungsreiche Programm seinen Anfang. Einige nette Theaterstücke, dazwischen Musik, Tanz der Kleinen, Kuplets, hebräische und jiddische Lieder, letztere gesungen von Herrn Kantor Glußmann, dessen klangvoller Bariton besonders gut gefiel, ernteten begeisterten Beifall. Mit einem technisch schwierigen Stück, das der kleine Geigenkünstler Jacubowitzz sehr schön spielte, endete der erste Teil der Veranstaltung. In der' Pause wurde der Tombola, deren Erträgnis ebenfalls oben genannten Institutionen zufloß, eifrig zugesprochen. Dann folgten noch ein satirisches Stückchen: „Handarbeitsabend bei Frau Kohn:, das einige örtliche Verhältnisse unter die Lupe nahm, sowie ein sehr feines Purimstück, von einigen kleinen Jungen gespielt, das besonders mit Beifall bedacht wurde, so daß das zahlreich erschienene Publikum mit dem befriedigenden Bewußtsein nach Hause ging, einige vergnügte Stunden erlebt und dazu ein gutes Werk unterstützt zu haben. Emden, 11. März. Mit dem verflossenen Geschäftsjahr trat nach achtjähriger. Tätigkeit im Vorstand Frau Ida P o 1 a c k von ihrem Posten als 1. Vorsitzende im Jüdischen Jugendbund zurück. Es würde zu weit führen, all die Arbeit, die Frau Polack im Jugendbund geleistet hat, aufzuzählen. In der Generalversammlung kam der Dank der Mitglieder dahingehend zum Ausdruck, daß man Frau Polack zur Ehrenvorsitzenden des Jugendbundes ernannte und ihr gleichzeitig ein sinnvolles Büchergeschenk überreichte. — Zum ersten Vorsitzenden wurde mit großer Majorität Herr Lehrer Julius Gottschalk gewählt. Am nächsten Heimabend schon hatte Herr Gottschalk Gelegenheit, mit Worten des Dankes an die bisherige Vorsitzende und ihre Mitarbeiter, sein Programm für die Jugendbundarbeit zu entwickeln. Man wolle die. Arbeit wie bisher in ihrem Geiste