Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1934)
- Date
- 1934-03-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12- Nr. 11 Der Israelit 22. März 1934 fortsetzen, ja sogar noch versuchen, das geistige Niveau zu erhöhen. Als vornehmste Aufgabe betrachte er es, die vielen Gruppen zur gemeinsamen jüdischen Arbeit im Jugendbund zusammenzufassen. Erfreulich ist es, daß dies in ganz kurzer Zeit den energischen Bemühungen von Herrn Gottschalk schon gelungen ist. — Eine Laienspielgruppe, ein Singkreis und eine Schachgruppe sollen gegründet werden. Das Hauptziel bleibt natürlich die geistige Schulung der Jugend. Jede Woche findet nach wie vor ein Heimabend statt, mit einem der Zeit entsprechenden Referat. Die schulpflichtige Jugend soll zu einer Jugendgruppe, einem Kinderkreis zu allseitiger, umfassender Jugendarbeit zusammengeschlossen werden. Unter der be- %vährteri Leitung von Walter Eckstein arbeitet schon seit langem mit gutem Erfolg eine Sportgruppe. — Der Jugendbund war leider gezwungen, sein bisheriges schönes Heim aufzugeben. Den Bemühungen des Vorsitzenden ist es aber gelungen, einen vollwertigen Ersatz zu finden. Am 4. März ist dieses Heim mit einer kurzen akademischen Feier seiner Bestimmung übergeben worden, zu der Herr Landrabbiner Dr. Blum, der Gemeindevorstand sowie die Vertreter der einzelnen Organisationen eingeladen waren. In trefflichen Worten unterstrich Herr Landrabbiner Dr. Blum die Ausführungen des Herrn Gottschalk und versprach, auch seinerseits zu jeder Zeit mithelfen zu wollen. Emden, 28. Febr. In H°r ostfriesischen Agudas Jisroel herrscht zui i reges Leben. Am 18. Februar sprach Herr Laii - ■ oiner Dr. de Haas aus Oldenburg im Rahme: ur agudistischen Arbeitsgemeinschaft in P a p e : ... r g über das Thema: „Eine Antwort aus ernsten 2 ■ Namens der Gemeinde Papenburg begrüßte I . r Grünfeld die zahlreich erschienenen Hö - -i worauf Landrabbiner Dr. de Haas in einem eineinhalbstündigen Referat den Sinn heutigen Erlebens aus geschichtlichen Quellen deutete. Der Redner verstand es dabei, die historische Aufgabe der „Agudas Jisroel" gerade in unsreer Zeit klar und überzeugend herauszustellen. Stürmischer Beifall lohnte den Redner. Als zweiter Referent entwickelte der Bezirksleiter der ostfriesischen Aguads Jisroel, Kurt Lypold, Sinn und Ziele der Agudas Jisroel. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß bald eine agudistischxe Ortsgruppe ins Leben trete. — Am Mittwoch, dem 21. Februar, sprach Rabbiner Dr. Ansbacher, Wiesbaden, in der Ortsgruppe der Agudas Jisroel in Emden über? „Lichtseiten ernster Zeiten". Der Redner verstand es, an Hand geistreicher Ausbeutung von Thoraworten dem Ernste der Zeit eine überraschende Fülle von Lichtseiten abzugewinnen und dabei die Grundsätze der Agudas Jisroel zu entwickeln. Der Vorsitzende, Herr J. v. der Walde, gab dem Dank der ganzen Versammlung für die Ausführungen des Redners beredten Ausdruck. Am darauffolgenden Tage referierte Dr. Ansbacher über das gleiche Thema in der Ortsgruppe A u r i c h. Der Redner stellte dabei die Aufgaben und die Leistungen des Keren Hajischuw der Agudas Jisroel in den Mittelpunkt und wußte in ein, drucksvollen Worten die Verpflichtung zur Mitarbeit an einem thoratreuen Erez Jisroel-Aufbau den zahlreich erschienenen Zuhörern ans Herz zu legen. Lebhafter Beifall dankte dem Referenten und Herr Simon Samson, der Leiter des Abends, gab die Versicherung ab, daß die agudistische Arbeit in Aurich die Wege, die Herr Dr. Ansbacher vorgezeichnet habe, beschreiten werde. In einer anschließenden Mitgliederversammlung erstattete Herr Kurt Lypold einen Rechenschaftsbericht. Der Auricher Talmud Thora- Verein schloß sich korporativ der Agudas Jisroel an. Es sprachen noch die Herren LehrerLachmann, Karl van Dyk und Simon Samson. Kassel, 16. März. Die Iraelitische Brüderschaft hielt kürzlich ihre Generalversammlung ab. An Stelle des im Januar nach Palästina yerzogenen Vorsitzenden, Herrn M. Löb, wurde der bisherige Schriftführer, Herr Lehrer S. Neumann, zum Vorsitzenden gewählt. Die Chewra, die durch Wegzug viele Mitglieder verloren hat,, zählt zur Zeit noch etwa 250 Mitglieder. Am Schluß der Tagesordnung entrollte Herr Neumann ein lebenswahres Bild des bisherigen;Vorsitzenden, seine einzelnen Leistungen besonders hervorhebend. Sodann ehrte er mit Worten der Anerkennung den auf eine 40jährige verdienstvolle Tätigkeit im Vorstand zurüäblickenden Kreisvorsteher, Herrn Leo Lazarus, ihm ein Thoramäntelchen mit entsprechender Widmung überreichend. Den Abschluß der sehr gut besuchten Versammlung bildete der Vortrag des Landrabbiners Dr. Walter: „Randbemerkungen zum Kaddischgebet". Breslau, 5. März. Am Samstag, dem 18. Februar 1934, sprach Herr Direktor Feuchtwanger in einer gut besuchten Mitgliederversammlung über das Thema: „Thora im derech erez heute". Schon in alter Zelt haben sich der Talmud und die Poskim mit diesem Problem befaßt und eine Fülle von Gesichtspunkten für und wider die Beschäftigung mit dem außerjüdischen Kulturgut geltend gemacht. In allen späteren, auch den modernsten Diskussonen tauchen diese Gesichtspunkte häufig in veränderter Form wieder auf. Schließlich hat im 19. Jahrhundert Samson Rapael Hirsch dem alten Wort „Thora im derech erez" einen neuen umfassenden Sinn gegeben. Für uns Heutige aber liegt das Problem wesentlich anders als zur Zeit S. R, Hirschs. Der Gedanke, daß man Kulturgut in unbegrenzter Weise von einem Volk zum anderen austauschen kann, ist uns fremd geworden. Wir vertrauen nicht mehr der Allmacht dieser Synthese, wenn auch der Kern der Hirschschen „Thora im derech erez" uns heute noch wertvoll bleibt. Der ursprüngliche Sinn dieses Wortes aber erlebt in Erez Jisrael eine neue Auferstehung, und es ist die Aufgabe der Orthodoxie im Misrachi und in der Aguda einzusehen, daß nicht durch kulturelle Wirksamkeit in Erez Jisrael allein für die Thora gewirkt und geworben werden kann, sondern nur durch Hineinstellen in die breite Front des Berufslebens in Wirtschaft und Arbeit. An den Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion, an der sich die Herren Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann, Josef Walk und Curt Schneller beteiligten. Friedberg (Hessen), 20. März. Die Verfügung des KultU5miniser5| nach welcher die jüdischen Kinder entweder am Sabbat dem Unterricht auf Antrag der Erziehungsberechtigten fernbleiben können oder im Unterrichte vom Schreiben, Zeichnen, Handarbeit usw. nicht befreit werden können, beschäftigte die gestern einberufene Elternversammlung, die von den Eltern sämtlicher Schüler besucht war. Nach einem kurzen, aber eindrucksvollen Referate des Lehrers Seelig, in welchem er ganz besonders auf die hohen erzieherischen und ethischen Werte des Sabbatgedankens aufmerksam machte, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, alle jüdischen Kinder Friedbergs, sowohl diejenigen der Volksschulen als auch der höheren Schulen (Oberrealschule, Gymnasium und Lyzeum) am Sabbat und an allen jüdischen Feiertagen befreien zu lassen. Ein diesbezügliches Schreiben, das die Befreiung beantragt, wurde sogleich von alle nAnwesenden unterzeichnet. Somit besucht am Sabbat kein jüdisches Kind in Zukunft den Unterricht. Nach einer kurzen Aussprache zollte .Lehrer S e e 1 i g den Eltern Dank und Anerkennung für die Einmütigkeit, mit der dieser Beschluß gefaßt wurde. Er ermahnte die Eltern, nun auch den Kindern im Hause wahre Sabbatstunden zu bieten. Scheveningen, 11. März. Am Samstag abend hielt Herr J. Broner aus Antwerpen im voll besetzten Saale des Hotels „Van den Abeelen" einen Vortrag über: „Von Golus zu Geuloh", Die sehr interessanten Ausführungen gipfelten in dem Gedanken, daß eine Geuloh nur dann erfolgen kann, wenn jeder durch. seine Lebensführung daran arbeite. Die Erziehung hierzu sei eine Hauptaufgabe der Agudoh, zu der jeder überzeugte Jehudi den Anschluß finden müsse. Das hier sehr stark pulsierende agudistische Leben, besonders unter der Jugend, die begeisternden Worte des Redners, veranlaßten die noch abseits Stehenden zum größten Teil, noch am gleichen Abend sich als Mitglieder der Agudoh anzumelden. | Antwerpen, 18. März. Die Jeschibah Etz Chajim in Heide (Belgien), über die im „Israelit" schon mehrfach berichtet wurde, kann nunmehr auf ihr vierjähriges erfolgreiches Bestehen zurüekbliehen. Unter bewährter Leitung von Raw F. Schapiro aus Litauen haben hier im letzten Sommersemester über 40 Schüler gelernt, die zugleich auch mit Kost und Quartier versorgt wurden (darunter auch mehrere junge Leute aus Deutschland). Trotz aller Schwierigkeiten geht nunmehr die Leitung der Jeschiwa daran, einen langgehegten Plan wahr zu machen und wird m. G. H. zu Beginn des kommenden Sommersemesters auch Fachkurse zur Berufsausbildung eröffnen. Dadurch wird den Bachurim die Möglichkeit geboten, neben dem Lernen auch eine berufliche Ausbildung zu erhalten. Näheres geht aus dem Inserat in dieser Nummer hervor. Budapest, 27. Febr. Dieser Tage starb auf seinem Gut bei G a 1 a n t a im 56. Lebensjahre der Großgrundbesitzer Arpad Fridecky. Als man sein Testament öffnete, erlebte man die folgende Ueberraschung? Fridecky, der<einem alten katholischen ,Ge-. schlecht entstammt, hatte sein Vermögen im Werte von etwa 75 000 Döjlar djer Israelit i s c, h e n K u 1 - t u s g e m e i n d e in Ga Ija n.t.a vermacht) Der katholischen Kirchengemeinde fiel nur ein geringer Betrag zu. Die .Verwandtschaft, will nun die Rechtsgültigkeit des Testaments anfechten. Es handelt sich: um eine entfernte Verwandtschaft, eine Nachkommenschaft hinterließ Fridecky nicht. Die Beweggründe, warum Fridecky die jüdische Kultusgemeinde zur Universalerbin seines Vermögens einsetzte, sind unbekannt. Man weiß nur, daß Fridecky seit Jahren mit dem katholischen Ortspfarrer auf Kriegsfuß stand. 1 Budapest, 13. März.1'Die Frau eines Kaufmanns hatte, da ihr dieser das Geld zur besseren festlichen Ausstattung der . Rosch Haschonotage verweigert hatte, ihren Mann verlassen, zog zu .ihren Eltern Und kehrte auch auf mehrmalge Aufforderung des Mannes nicht mehr zu ihm zurück. Nun' .klagte der Gatte wegen treulosen' Verlassens und verlangte die Scheidung aus dem Verschulden der Frau. Die Kurie hat das Verlangen abgewiesen. In der Begründung heißt es, daß der Ehemann seine Frau am festlichen Begehen der Feiertage nicht hindern dürfe' und daß daher die Frau das Haus mit Recht verlassen habe. Die Vorenthaltung;des für die Feiertage erbete-; nen Betrages sei mit der. Stellung eines Familienoberhauptes unvereinbar, weshalb die Ehe aus dem Verschulden des Mannes zu lösen war. Galanta, 15, Märzz. Der Kaufmann Max Kalis ch in Galanta erhielt anläßlich des 60jährigen Bestandes seines Geschäftes von der Bratislavaer Handels- und Gewerbekammer die Golde he Medaille und das Ehrendiplom als Anerkennung seiner Verdienste im öffentlichen Interesse. Bei der feierlichen Uebergabe hielten der Präses der Gewerbegenossenschaft und der Stadtrichter Begrüßungsansprachen. Herr Kaiisch war Jahrzehnte lang Präses der hiesigen orthodoxen Gemeinde und der Schaß-Chewra. Aust C. S. R., 18. März. Die hiesige Beth-Jakob- Schule veranstaltete anläßlich des Purim-Festes eine Feier mit reichhaltigem Programm. Zur Aufführung gelangten einige historische Balder, die im Unterricht behandelt und zusammengestellt wurden. Auch eine Midrasch-Darstellung von Abraham und sonstige Rezitationen wurden aufgeführt. Besonders reizvoll wirkte der Schlußreigen, von acht Schülerpaaren, angetan mit gleichen Tanzkleidchen, unter Absingen einer eigens zu diesem Zwecke von der Leiterin der Schule verfaßten Beth-Jakob-Hymne, die Ziel und Zweck der Beth-Jakob-Schulen zum Inhalte hatten, so die Verdienste unserer jüdischen Frauen, angefangen von Mirjam und geendet mit Esther, besangen. Vor vollbesetztem Hause zeigten die kleinen Schauspielerinnen ihre Kunst, wal umso anerkennenswerter ist, als die Schule erst seit kurzem besteht. Ihre Leistungen machten der Leiterin der Schule, Frl. Hannchen Ber- [ linger, alle Ehre und das Publikum spendete begeisterten Beifall. Frl. Berlinger verriet bei dieser Veranstaltung erneut ein hohes pädagogisches Talent sowie bedeutendes Organisationsvermögen. Das Kuratorium der Beth-Jakob-Schule erlaubt sich deshalb, Frl. Berlinger auf diesem Wege die vollste Anerkennung zu zollen, sowie den wärmsten Dank zum Ausdruck zu bringen, mit dem aufrichtigen Wunsche, daß uns diese vorbildliche Lehrkraft zum Segen unserer Jugend recht lange erhalten bleiben möge. Fämiliennachrichten. Geburten: Ein Sohn, Lehrer Erich Neumann und Frau Fränze geb. Müller, Gießen, Asterweg 48- —- 2 Töchter (Zwillinge), Bez.-Rabbiner Greilsheimer und Frau Karoline geb. Schießinger, Mosbach (Baden). Barmizwoh: Chaim, Sohn des Herrn I. Isaak, Frankfurt a. M., Ostendstr. 5 II, is 'S 24. März. — Simon, Sohn des Herrn Leopold Grünbaum, Würzburg, Augustinerstraße 1, tiodt 'R nv 31, März 1934. Vermählte: Nathan Bing mit Gella Aron, Montreal, Canada aus Frankfurt a. M-, Rückertstr. 44. 2. Nissan 5694. Die Frankfurter Woche. Schlußfeier in der Samson Raphael Hirsch-Schule. Am Sonntag, den 25. März, vorm. 11 Uhr findet in der Aula der Samson Raphael Hirsch-Schule die diesjährige Schlußfeier und die Entlassung der Untersekundaner und Untersekundanerinnen statt. Freunde und Gönner der Schule sind herzlichst eingeladen. Semesterschluß an der Frankfurter Jeschiwa. Wie alljährlich bildete das große Verhör der Jeschiwa im schönen Hörsaale in der Friedberger Anlage den Abschluß des diesjährigen Wintersemesters, Es war ein Genuß zu hören, mit welcher Präzision und welchem Eifer die jungen Leute aus allen Gegenden Deutschlands, die noch vor nicht allzulanger Zeit dem Talmudstudium völlig fernstanden, den an sie gestellten Anforderungen gerecht wurden. Das große Verhör erstreckte sich auf den ganzen Sonntag bis in die siebente Abendstunde, in welcher dann unter Anwesenheit des Kuratoriums und zahlreicher Gemeindemitglieder Herr Dajan Dr. Elieser Posen die SchlußänspTache hielt und .seiner Freude darüber. Ausdrück" gab, daß es trotz der Ungunst der Zeit möglich war, die Jeschiwa; in ihrem, Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten. Er sprach den Dozenten auch der Kinderkurse, dem Kuratorium und dem großen Kreise der Gönner der Jeschiwa, namens der Leitung tiefempfundenen Dank aus. Herr Dr. Posen entwickelte des weiteren die Gründe, welche den Rektor der Jeschiwa, Herrn Dr. Josef Breuer, veranlaßten, im abgelaufenen Semester sich zu dem Versuche beurlauben zu lassen, in F i u m e eine Jeschiwa zu gründen, uni denjenigen jungen Leuten aus Deutschland die Möglichkeit zu geben, eine Jeschiwa zu besuchen, die aus Deutschland ausgewandert waren. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß entgegen den Befürchtungen, die anfangs für die Zukunft der Frankfurter Jeschiwa gehegt wurden, ist aber erfreulicherweise zu konstatieren, daß die Zahl der Anmeldungen für das kommende Semester so groß ist, daß die Hoffnung ausgesprochen werden darf, daß Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer, wiederum zu Beginn des kommenden Semesters die Leitung der' Frankfurter Jeschiwa übernehmen wißd»