Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450816--80240-2538042- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1. März 1934 Der Israelit Nr. 9 Seite 11 Korrespondenzen. Palästina. Palästinensischer Citrusexport bis Ende Januar; 2'//» Millionen Kisten. Jerusalem, 7. Febr, Der Gesamtcitrusexport Palästinas während der laufenden Saison beträgt bis Ende Januar 2LU Millionen Kisten. Bis zum 28. Januar waren 2,227.402 Kisten gezählt. Der Hauptteil des Citl'USöXPOrtS betraf Apfelsinen. Die Ausfuhr ging zum überwiegen- .den Teil über den Hafen Jaffa. S1/, Millionen Pfund jüdisches Kapital in Palästina im Jahre 1933 investiert. Jerusalem, 21. Febr. Im Verlauf des Jahres 1933 haben Juden, wie aus den der ITA. vorliegenden halboffiziellen Zahlen hervorgeht, in Palästina 5.500.000 Pfund investiert; das bedeutet gegenüber 1932 mit nur 3.250.000 Pfund Investitionskapital eine Erhöhung von 2.250.000 Pfund. In der zweiten Hälfte des Jahres 1933 wurden in Palästina 133 Fabriken errichtet, 50 weitere Fabriken befinden sich im Bau. Das Wachstum Tei-Awiws in Ziffern. Tel Awiw, 15. Febr. Der ITA. wurde Ziffernmaterial übergeben, durch das das bemerkenswerte Wachstum der Stadt Tel Awiw, das unvermindert anhält, illustriert wird. Die Zahl der Häuser im Stadtgebiet von Tel Awiw ist von 50 i. J. 1909, dem Jahre der Gründung der Stadt, auf 4472 im vergangenen Jahre gestiegen. Der Flächeninhalt des Stadtgebiets ist von 109 Dunam bei der Gründung auf 6500 Dunam i. J. 1932 angewachsen. Der Ausbau der Stadt geht aus folgenden Ziffern hervor: 1909 50 Häuser, 109 Dunam; 1914 139 Häuser,- 991 Dunam; 1919 200 Häuser; 1921 1431 Dunam; 1923 1474 Häuser; 1927 3781 Häuser; 1932 4472 Häuser, 6500 Dunam. Die Zahl der Fabriken und Werkstätten betrug 1932 über 2000; in ihnen waren etwa 7000 Menschen beschäftigt. Weitere Tausende von Arbeitern waren beim Häuserbau und den mit ihm im Zusammenhang stehenden Berufen, sowie bei öffentlichen Arbeiten tätig. Einschließlich der Büroangestellten und Verkäufer betrug die Zahl der Lohnempfänger schon in jenem Jahre über 15 000. Die Bautätigkeit in Jaffa ist i. J. 1933 gegenüber dem Vorjahre auf das Doppelte gestiegen. Während 1932 für Bauarbeiter in Jaffa 101 500 Pfund ausgegeben wurden, waren es i. J. 1933 248.000 Pfund. Die Zahl der Bau-Lizenzen ist von 420 auf 680, die Zahl der neu fertiggestellten Zimmer und Geschäftsräume von 740 auf 2200 gestiegen. Personalien. Reinheim (Hessen), 26. Febr. Am 17. Februar feierte der Altveteran von 1866 und 1870, Herr Nathan S c h a c k , in dem nähen Georgenhausen in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 9 0. Geburtstag. An der Feier beteiligten sich nicht nur die ganze Gemeinde, an der Spitze der Herr Bürgermeister, sondern auch die Nachbargemeinden Roßdorf, Oberramstadt, Reinheim, die letztere war vertreten durch ihren Vorstand und Lehrer. Unter den zahlreichen Gratulationen und Geschenken befanden sich auch ein Schreiben des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, welcher dem Jubilar sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift übersandte. Wir wünschen dem Jubilar einen weiteren gesunden Lebensabend, -xvso a-nwn nxö iy. Gerolzhofen, 22. Febr. Das Bezirksrabbinat Schweinfurt hat dem Lehrer Heinrich Reiter für langjähriges, treues Wirken in Schule und Gemeinde und für gewissenhafte Fortbildung in den jüdischen Disziplinen den lan-Titel verliehen. Vermischtes. Berlin, 20. Febr. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt folgendes mit: 1. Der Führerrat hat zum Leiter der Gruppe „Jugendpflegeverbände" an Stelle des ausscheidenden Herrn Fritz Schwarzschild den neuen Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Herrn Dr. Paul Eppstein, in den Führerrat der jüdischen Jugend berufen. Fritz Schwarzschild behält weiterhin den Vorsitz im Fachausschuß für Berufsumschichtung und Berufsberatung. 2. Im Einverständnis mit der Jugendführung des Deutschen Reiches wird bekanntgegeben: Das Tragen von einheitlicher Tracht ist nur jüdischen Jugendgruppen gestattet, die dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände angeschlossen sind und von diesem Führerausweise erhalten haben. Die Tracht der jüdischen Jugendbünde, für die keine besonderen Bestimmungen getroffen werden, soll den Umständen entsprechend so schlicht wie möglich gehalten sein. 3. Wir weisen darauf hin, daß zur Vermeidung von Schwierigkeiten die Jugendbünde aufgefordert werden, die Vorbereitungen für die Erteilung der Ausweise mit größter Schnelligkeit durchzuführen. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Abwicklung der Sammelanforderungen der Bünde für Führerausweise bis zum 15. Februar abgeschlossen sein muß, da sonst für die im Rückstand bleibenden Gruppen ernstliche Schwierigkeiten in ihrer Arbeit entstehen k.önnen. Berlin, 13. Febr. Im Israelitischen Krankenheim Berlin N 24, Ehässerstr. 85 ist die Stelle des dirigierenden Arztes der chirurgischen Abteilung neu zu besetzen. In Betracht kommen nur in Berlin ansässige Bewerber mit vorzüglicher Fachausbildung, die auch wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen haben. Berlin, 26. Febr. Die A d a ß J i s r o e 1 - V o 1 k sschule, Berlin ladet zu einer Matinee am Sonntag, den 4. März, 11.15 Uhr in das Logenhaus, Kleiststraße 10 ein. Das abwechslungsreiche Programm bietet Gesangs-, Sprechchöre und Aufführungen in hebräischer, deutscher und englischer Sprache, Tänze, gymnastische und turnerische Vorführungen. Als Unkostenbeitrag werden 25 Pfg. pro Person erhoben. Gäste sind herzlich willkommen! Berlin, 26. Febr. Ueber „Das Scheitern der Kritik am Ewigen Buch — ein symbolisches Geschehen" spricht Herr Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach (Altona) Montag, den 5. März, abends 8.15 Uhr im Rahmen der Agudas Jisroel-Gruppen Berlin im Gartensaal des Logenhauses Kleiststr. 10. — Mitglieder und Freunde werden um zahlreiches Erscheinen gebeten. Berlin, 25. Febr. Der Deutschen Allgemeinen Zeitung wird aus Buenos Aires berichtet: Ein Prozeß, der hier mit großem Interesse erwartet wird, weil er eine Art juristischen Präzedenzfall konstituieren wird, wird in, den nächsten Tagen gegen den Herausgeber der großen Nachmittagszeitung „Critica" beginnen. Der Staatsanwalt E 1 i z a 1 d e hat Anklage gegen Direktor B o t o n a von der „Critica" laut Artikel 219 des Strafgesetzes erhoben, weil er in seiner Zeitung Berichte über die innerpolitische Lage Deutschlands und besonders im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand gebracht hatte, die, wie es in der Anklage heißt, „den wahren Tatbestand verdrehen und geeignet seien, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Argentinien und Deutschland zu stören." Artikel 219 des Strafgesetzes besagt, daß derjenige strafbar sei, der gegen den Frieden und die Würde des Landes handle. Berlin, 26. Febr. Die „Deutsche Zeitung", Berlin veröffentlicht unter der Ueberschrift „Ueber die Hintertreppe" . . . folgende Zuschrift: Liebe „Deutsche Zeitung"! Du hast ganz recht in deinem Aufsatz „Kleinkunst Hintertreppe": sie kommen zurück, alle, und haben die Absicht, sich hier sehr fest wieder „zu verankern". Alle leerstehenden Wohnungen in der Gegend des Kurfürstendamms werden n eu besetzt. Wer aber genau wissen will, was „los ist", lese die Rede, die Direktor Heinrich Stahl auf einem von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin im Zoo veranstalteten „Werbeabend für die Winterhilfe" gehalten hat. Nur zwei Stellen der Rede will ich hier anführen: „Trotz allem wurzele ich nicht nur in meinem deutschen Vaterlande, lebe ich nicht nur zusammen mit den deutschen Volksgenossen, ich habe auch die Hoffnung, daß wir alle, die wir hier leben, immer nur dieses deutsche Vaterland als unsere Heimat anerkennen und daß unsere Verbundenheit mit ihm uns die Pflicht auferlegt, uns in die Neuordnung der Verhältnisse hineinzufinden . . ." ' Die andere Stelle lautete: „Noch ein Wort zur Frage Palästina. Wir sind den Männern und Frauen dankbar, die dort das Aufbauwerk für eine neue Heimat den Juden vorbereiten, die eine neue Heimat suchen, wir halten es aber nicht für angebracht, weder für Palästina noch für uns, wenn durch übertriebene Propaganda zur Auswanderung angeregt wird, Wir wollen für uns und für unsere Jugend in und für Deutschland schaffen." Ist es nicht zum Weinen, wie sie Deutschland lieben? Müssen wir sie denn doch wieder aufnehmen und dauernd behalten? Eine Zeitlang war es so schön ohne sie." - Kommentar überflüssig. Berlin, 23. Febr. Die „Juristische Wochenschrift" veröffentlicht eine Entscheidung des Landgerichts Berlin zur Frage der Ablehnung eines jüdischen Richters. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, daß § 42 ZPO. nicht erfordert, daß der Richter objektiv* befangen ist; es genügt nach dieser Vorschrift zur Ablehnung, daß eine verständige Partei aus sachlichen Gründen berechtigt ist, Befangenheit zu besorgen. Die Beklagte hat mit Anführungen in ihrem Schriftsatz bestimmte einzelne Juden in ihrer Ehre angegriffen. Sie hat darüber hinaus den Angehörigen der jüdischen Rasse vorgeworfen, sich aus Gewinnsucht und ohne Rücksicht auf Sitte und Recht, selbst durch Betrug und Erpresung, am Vermögen Deutscher zu bereichern. Inhalt und Form ihrer Angriffe verletzen naturgemäß die Empfindungen eines jüdischen Richters, der sie lesen und anhören muß. Es ist deshalb ohne weiteres verständlich, daß es die Beklagte für schwer vorstellbar hält, daß nach solchen Angriffen ein jüdischer Richter ihr gegenüber noch völlig unbefangen bleibt. (LG. Berlin, 63 ZK., Beschl. v. 10. 11. 1933. — 32. O. 497. 32.). Berlin, 25. Febr. Der „Jewish Agency" ist es gelungen, die Schwierigkeiten zu beheben, die sich bisher bei Zertifikatinha^ern (sowohl bei Arbeiterals bei Kapitalistenzertif-aJiten) einstellten, wenn die Zertifikatinhaber zunäch?/j allein nach Erez Jisroel eingewandert waren und Familienangehörige zurücklassen mußten. In diesen Fällen muß für die Folge der Zertifikatinhaber dafür sorgen, daß gleichzeitig mit seinem Paß auch die Pässe der zurückbleibenden Familienangehörigen visiert werden. Er hat alsdann bei der Ankunft im Lande der Hafenbehörde zu melden, daß seine Familie nachkommen wird und möglichst anzugeben, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Hafen sie eintrifft. Dies muß auf alle Fälle innerhalb von 12 Monaten vom Tage der Visumerteilung an gerechnet geschehen sein. Auch in Fällen, in denen der Zertifikatinhaber sich schon im Lande befindet und die Familienangehörigen im Ausland geblieben sind, haben sich diese an das zuständige britische Konsulat zu wenden und unter Angabe der Zertifikatnummer und des Datums der Ausstellung die nachträgliche Erteilung eines gesonderten Einreisevisums zu beantragen. Als Familienangehörige gelten Frau und Kinder unter 18 Jahren. Leipzig, 21. Febr. Am Sabbatabend, den 10. Februar, fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung der A.-J. - Jugendgruppe statt. Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte: 1. Tätigkeitsbericht; 2. Kassenbericht; 3. Entlastung des Vorstandes; 4. Anträge; 5. Neuwahl des Vorstandes. — Im Tätigkeitsbericht konnte die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß auch das vergangene Jahr durch reichlich geleistete Arbeit ausgezeichnet war. Neben der Abhaltung der täglichen, rege besuchten .Schiurim war es uns vergönnt, den Sijum auf Tr. TenT»? in feierlicher Weise zu begehen. Auch die Erez Jisroel- Arbeit hat einen erheblichen Aufschwung erfahren. So waren die Einrichtung eines Erez Jisroel-Büros und die Aufstellung von 250 neuen Keren Hajischuw- Büchsen binnen wenigen Wochen ein deutliches Zeichen für das Interesse weitester orthodoxer Kreise an dem Aufbau Erez Jisioels im Geiste der n-nosimm Endlich konnte ja ein derartiger Bericht nicht schließen, ohne des schweren Verlustes zu gedenken, den die Orthodoxie durch das Ableben ihrer größten Führer ^"plXT im vergangenen Jahre erlitten hat. Hieran schloß sich der Appell, daß dies uns, dje Gemeinschaft, im verstärkten Maße dazu verpflichte, für die Belange der Orthodoxie einzutreten. — Der Kassenbericht konnte allerdings ein nicht so günstiges Ergebnis wie im Vorjahre aufweisen, da durch Fortzug vieler Mitglieder ein dementsprechend geringerer Eingang von Beiträgen zu verzeichnen war. — An diese Berichte schloß sich eine rege Diskussion an. Es beteiligten sich hieran in der Hauptsache die Herren: Dr. Dzialowski, Dr. Lipschütz, Prinz, Kosiner, Gelles. — Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgende Zusammensetzung: Ernst Hallemann, Emanuel Holzer, Michael Holzer, Hirsch Merkin (Vorsitzender), Salomen Schwarzmann, Simon Spiegel und Max Wanderer. — Der neue Vorstand hat seine Arbeit mit der Durchführung der Adar-Aktion begonnen. Hamburg, 26. Febr. Am Sabbatausgang „Mischpotim" hatte sich ein vielköpfiges Publikum im Hörsaal des Vereins Mekor Chajim eingefunden, welches den weiten Raum bis auf den letzten Platz füllte, um dem Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Ansbacher aus Wiesbaden zu lauschen. Der Redner verstand es, über „Thora-Treue in heutiger Zeit" anschaulich zu den Zuhörern zu sprechen. An Hand verschiedener Midroschim zeigte Herr Rabb. Dr. Ansbacher auf, wie unsere Altvorderen in Zeiten schwerer wirtschaftlicher und seelischer Not Israels die Schickungen als von Haschern Jisborach gesandt aufgenommen und neuen Mut und Lebenswillen gerade aus den Prüfungen gezogen haben. So sollen auch wir die neue Zeit, in der die wahre Mission Jisroels und der Charakter des jüdischen Volkes sovielen Verkennungen ausge-