Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 9 D e Israelit 1. März 1934 auch die Gefahr lag, daß der Fürst an dem auf fallend schönen Mädchen Gefallen finden könnte . . . Wenn irgend einer, dann konnte Reitan, der in alle Geheimnisse seines Herrn eingeweiht .war darüber Aufschluß geben, und Schachne teilte ihm eben deshalb seinen Plan mit. „Ein vortrefflicher Ausweg!" rief der Mar schall. „Der Fürst ist bei allen seinen Fehlern ein echter Kavalier, der sich Damen gegenüber im mer ritterlich und großmütig benimmt. Wird Deine Tochter ihm klarlegen, daß von dieser Sabbatmütze ihre Zukunft abhängt, dann wird er gewiß keinen Augenblick zögern, ihre Bitte zu erfüllen- Allerdings dürfen wir uns nicht ver hehlen, daß Deine Tochter auffallend schön ist und mit ihren schwarzen Augen leicht jedes Herz in Flammen setzt; aber der Fürst ist seit seiner Liebe zu Fräulein Krulikowski nicht mehr derselbe, . der er früher war/' „Was ist das mit diesem Fräulein?"' fragte Reb Schachne, neugierig, über den Fürsten etwas zu erfahren, was er bis jetzt nicht gehört' hatte „So erinnerst Du Dich der Geschichte nicht L ' ' mehr? fragte Reitan befremdet. „Doch richtig, damals warst Du verreist, und zudem ist der Vorfall tiefes Geheimnis, weil der Fürst gedroht hat, jeden, der dabei war, aufzuknüpfen, wenn er das, was er gesehen und gehört, verraten sollte. (Fortsetzung folgt.) Zum Andenken an den Historiker Seew Jaawez V'ET' Diese Woche rundete sich ein Jahrzehnt seit .dem Tode von Jaawez. Seew Wolf Jaawez war eine einzigartige Erscheinung in der jüdischen Wissenschaft und Literatur. Ein Historiker von erstaunlichem Wissen und geschichtlichem Spürsinn, war er zugleich ein überzeugungstreuer Jude, dessen Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung, im krassen Gegensatz zu den meisten anderen jüdischen Historikern, sich an die Ueberlieferung anlehnt und darauf berechnet ist, die Kette der Tradition wissenschaftlich so zu erhärten, daß kein Gliedchen darin sich lockere. Für diese Arbeit kam ihm die künstlerische Beherrschung der Form und des klassischen Hebräisch sehr zugute. Sein großes vielbändiges Werk i>rw wibw ist von unerreichter Bedeutung, das einzige originell hebräische Geschichtswerk, das sich von dem bekannten Geschichtswerk Timm in in von Weiß nicht allein durch die jüdische Geschlossenheit, sondern auch durch die Vollständigkeit und den pädagogischen Aufbau auszeichnet. Die letzten Teile dieses Werkes werden zur Zeit durch den bekannten Gelehrten und Gaonimforscher Dr. Benjamin M. Lewin und Herrn Dr. Rosenstein in Tel-Awiw herausgegeben. Außer diesem seinem Lebenswerke und unzähligen Studien hat Jaawez auch ein kleines zusammengefaßtes Geschichtsbuch für die jüdische Schule geschaffen, das in vielen Schulen in Palästina und im Osten mit größtem Nutzen in den unteren Klassen gebraucht wird. Wolf Jaawez als Mensch und Jude genoß grenzenlose Verehrung und Beliebtheit. Seine besondere Liebe galt Erez Israel, wo er in jungen Jahren sich als Lehrer betätigte. Gesinnungswie gefühlsmäßig stand er Misrachi nahe, doch hielt sich dieser stille Gelehrte dem Kampfe der Parteien völlig fern. In den letzten Jahren lebte er in Brüssel, wo er vor zehn Jähren, viel zu früh, seine Feder niederlegte und seine reine Seele aushauchte. Die jüdische Welt, in der er sich ein glorreiches Denkmal errichtet hat, wird an ihn als an einen ihrer erfolgreichsten Lehrer zurückdenken. Rassenbewußtsein und Judentum. ' Zu dem unter dieser Ueberschrift in unserem Blatte erschienenen Aufsatz macht uns ein Leser auf zwei interessante Responsen des Rambam aufmerksam, die in denn"amn enthalten sind und die wir hier auszugsweise in deutscher Uebersetzung wiedergeben. Die erste der beiden Responsen ist an einen Proselyten (Ger) gerichtet und lautet wie folgt: „Es spricht Mosche, der Sohn Maimons, von den Vertriebenen Jerusalems in Spanien. Die Anfrage unseres gelehrten Proselyten Obadja ist an uns gelangt. G'tt möge sein Wirken belohnen und seine Belohnung sei vollständig von G'tt, dem G'tte Israels, unter dessen Fittichen er Schutz zu suchen kam. Du fragst wegen der Segenssprüche und Gebete, die Du allein für Dich sprichst oder innerhalb der Gemeinde, ob Du sagen .kannst: „Unser G'tt, G'tt unserer Väter" und „der uns geheiligt hat durch seine Gebote und uns befohlen hat," und „der uns abgesondert und erwählt hat, der unseren Vätern das Land geschenkt, uns aus Aegypten geführt, un seren Vätern Wunder getan hat" und alle ähnlichen Wendungen, Du hast alles das nach Vorschrift zu sagen Und nichts daran zu ändern, sondern so, wie jeder gewöhnliche Jude die Segenssprüche spricht so hast auch Du sie zu sprechen oder zu beten einerlei ob allein, oder ob Du etwa als Vorbeter der Gemeinde fungierst. Der Grundgedanke ist der, daß Abraham, unser Vater, die ganze Welt belehrt und ihr die religiöse Erkenntnis und die religiöse Wahrheit von der Ein heit G'ttes bekannt gemacht hat, daß er den Götzen dienst und seinen Kult verwarf und zahlreiche Men: sehen unter die Fittiche der G'ttesherrlichkeit führte und sie lenkte und belehrte. Seinen Kindern und Kindeskindern in seinem Hause befahl er den Weg G'ttes zu hüten, wie es in der Thora heißt in vwan 'Vrt 'n Deshalb gehört jeder, der als Ger in die jüdische Gemeinschaft eintritt, bis zum Ende aller Generationen, und wer den ^Name'n G'ttes auf sich nimmt, sowie er in der Thora geschrieben ist, 2U den Schülern seines Vaters Abraham und zu den Söhnen seines Hauses ... So fin det sich, daß unser Vater Abraham, der Vater ist nicht nur für seine direkten Nachkommen, die nach seinen Worten wandeln, sondern auch; t der Vater aller seiner Schüler und dazu gehört "jeder Prose lyt, der übertritt. Deshalb sollst Du sprechen: „Unser G'tt und der G'tt unserer Väter", denn Abraham, unser Vater, ist auch Dien Vater und Du kannst auch sagen: „Der unseren Vätern das Land verliehen hat," denn Abraham wurde das Land verliehen, wie es heißt: „Auf, wandele umher im Lande nach seiner Länge und Breite, denn Dir werde ich es geben." Aber die Ausdrücke: „Der Du uns aus Aegypten geführt hast, der Du Wunder getan hast' unseren Vätern," wenn Du diese Ausdrücke ändern und dafür sagen willst," der Du Israel aus Aegypten geführt hast und der Du Wunder getan hast an Israel", so tue das. Wenn Du es aber nicht änderst, so schadet es auch nichts. Denn nachdem Du eingetreten .bist unter die Fittiche der Schechina und Dich ihr angeschlossen hast, so ist kein Unterschied zwischen Dir und uns und alle Wunder, die geschahen, sie sind, als ob sie uns und Dir geschehen wären. So spricht der Prophet Jesaja: „Es sage nicht der Fremde, der _sich G'tt anschließt, absondern wird mich G'tt von seinem Volke," um wievielmehr daß Du den Segensspruch zu sprechen hast: „Der uns erwählt hat und der uns seine Thora gegeben hat," denn die Thora ist uns und dem Fremden gegeben, wie es heißt: „Volksgemeinde, ein Gesetz sei Euch und dem Fremden, der eintritt." Ferner: „Ein ewiges Gesetz für Eure Nachkommen so wie für Euch soll es für den Fremden sein." „Eine Lehre sei Euch und dem Fremden, der eintritt in Eure Mitte. Du sollst wissen, daß unsere Väter, die. aus Aegypten zogen, noch zum größten'-Teil in Aegypten Götzen gedient haben.' Sie hatten sich dort unter die Völker gemischt und von ihren Taten gelernt, bis G'tt unseren Lehrer Mosche sandte, den Lehrer aller Propheten und uns absonderte von den Völkern und uns ebenso wie alle G'erim unter die Fittiche der Schechina brachte. Und möge Deine Abstammung nicht gering geachtet sein in Deinen Augen. Wenn" wir unsere Abstammung zurückführen auf Abraham, Jizchok und Jaakauw, so darfst Du Dich betrachten als abstammend von dem, der die Welt ins Dasein rief, wie es in Jeschajahu heißt: „Der möge sprechen ich gehöre G'tt, der wird auch genannt nach dem Namen Jakows." Was wir Dir sagten in Bezug auf die Segens: spräche, daß Du sie nicht zu ändern brauchst, wird bewiesen durch folgende Stelle im Mischna-Traktat Bikkurim (2. Kapitel)? dort haben wir gelernt: „Der Proselyt bringt die Erstlingsfrüchte dar, liest aber nicht den Thoraabschnitt dabei, weil er nicht sagen kann: „Das Land, das G'tt unseren Vätern zuge-; schworen, es uns zu schenken." Und wenn er, in der Synagoge betet, sagt er „G'tt u'ilser Vater",. wenn er für sich betet, sagt er „Mein G'tt und G'tt der Väter' Israels." Dies ist eine anonyme Mischna, die zurückgeht auf Rabbi Meir, die aber nicht Halacha bleibt, wie es^ im Jeruschalmi erklärt wird. Dort heißt es: „Es wird gelehrt im Namen des Rabbi Jehuda, der Proselyt selber bringt die Erstlingsfrüchte und liest auch den Thoraib'-; schnitt. Warum? Weil es bei A b r a h a m heißt: Zum Vater der Menge der Völker habe ch Dich bestimmt." Vorher war Abraham nur der Vater Arams, von da und weiterist er der, Vater aller Menschenkinder. Rabbi Josua, der Sohn Levis, sagt, die Halacha; ist sowie .Rabbi Jehuda hier sagt. In der Tat, kam ein praktischer Fall vor Rabbi Awuha und er lehrte! wie Rabbi Jehuda." . ■, 1 Es ist also vollkommen klar, daß Du sprechen kannst: „Das Du unseren Vätern zugeschworen hast", Abraham Dein und. unser Vateir. ist, der Vater aller Gerechten, die in seinen Wegen wandeln. Dasselbe gilt aber für alle anderen Segenssprüche und Gebete, bei denen Du nichts zu ändern brauchst." Das zweite Responsum des Rambam ist an einen Proselyten gerichtet, der in der Diskussion mit seinem Lehrer behauptet hatte, die Mohammedaner seien nicht als Götzendiener zu betrachten und der wegen dieser Behauptung von seinem Lehrer getadelt und anscheinend beleidigt worden war. Er wendet sich an den Rambam, der ihm wie folgt schreibt: „ ... Daß Dir Dein Lehrer in ungebührlicher Weise .geantwortet hat und daß er Dich kränkte, mit Dir zürnte und Dich einen Narren nannte,: ist eine große Sünde. Es ist anzunehmen, daß er darin einen Irrtum begangen hat und es würde sich gehören, daß er Dich um Verzeihung bittet, obgleich Du sein Schüler bist. Dann möge er fasten, weinen und beten und sich demütigen, damit ihm Sühne und Verzeihung werde vrvi G'tt." „War er denn betrunken und wußte nicht, daß an 36 Stellen die Thora uns besonders die Liebe zum Fremden eingeschärft hat? Wo bleibt denn das Wort der Thora, „einen Fremden sollst Du nicht kränken," womit ja die Kränkung durch Worte gemeint ist. Wollte er aber einwenden, er Jiabet die Wahrheit vertreten und Du seiest der Irrende^ gewesen, so hätte er Dir die Sache auseinandersetzen und mit Sanftmut erklären müssen, um wieviel mehr da in Wirklichkeit D u die Wahrheit gesprochen; hast und e r der Irrende ist, Es kommt hinzu, daß er, der untersuchen will, ob die. Ismaeliten Götzendiener sind oder nicht, zunächst einmal auf sich selber hätte achten sollen, weil er so in Zorn geriet, bis er einen Proselyten ungerechtfertigterweise beschämte,' dabei haben doch unsere Weisen gesagt: „Wer in Zorn gerät, soll in Deinen Augen sein, als ob er Götzen dient." Wisse, daß die Verpflichtung, die uns. die Thora auferlegt hat, mit Bezug auf die Proselyten überaus groß ist. Gegenüber Vater und Mutter ist uns Ehrerbietung und'Ehrfurcht eingeschärft, gegenüber den Propheten Gehorsam und es ist sehr wohl möglich, daß jemand einen anderen Menschen ehrt, ihm sogar Ehrfurcht entgegenbringt, ihm gehorcht, ohne ihn zu lieben. Den Proselyten gegenüber aber ist uns die reiche Liebe befohlen, die doch ganz §ache des Herzens ist. „Ihr sollt den Fremden lieben," Genau so wie er uns geboten hat, seinen Namen zu (lieben, wie es heißt: „Du sollst lieben G'tt Deinen G'tt." Ja, G'tt selber liebt den Proselyten, wie es in Dworim, Kap. 10 heißt, „Der den Fremden liebt, ihm Brot und Gewand zu reichen." Daß er Dich Narren genannt hat, ist außerordentlich befremdlich. Ein Mensch, der seinen Vater und seine Mutter, seinen Geburtsort,, seinen Staat und sein Volk: mit allen ihren Machtmitteln verlassen hat und der kommt, sich einem Volke anzuschließen, das unter den Völkern verabscheut und wie. ein Sklavenvolk angesehen wird, der dennoch erkannt hat, daß die Religion dieses Volkes Wahrheit und Ge-, rechtigkeit ist, der Verständnis gewonnen hat für die Wege Israels, der G'tt nachgejagt hat, den Weg zur Heiligung beschritten und unter den Fittichen der Schechina Schutz gesucht hat, der sich mit dem Staub der Füße unseres Lehrers Mosche bestäubte, an seinen Geboten Wohlgefallen bat undder gekommen ist zu leuchten' im Lichte des Lebens, emporzusteigen zur Stufe der Engel und sich mitzufreuen und wonnig zu fühlen an der Freude der Gerechten, der die Welt aus seinem Herzen gerissen, sich nicht den Machtstolzen zugewandt und den Lügnern — wer auf diese Stufe gelangte, den darf man einen Narren nennen? G'tt behüte." Nicht Narr hat G'tt Deinen Namen genannt, sondern verständiger, kluger, einsichtiger und gradeauswande1nder Schüler unseres Vaters Abraham, der auch seine Väter und seinen Geburtsort verließ und G'tt nachwandelte und der, der Abraham, unsren Lehrer, segnete und ihm seinen Lohn gab in dieser Welt und in jeher Welt, er möge Dich segnen,'', möge Dir Deinen Lohn geben in dieser und in :der kommenden Welt, Deine Tage verlängern, bis Du die Rechtsordnungen; G'ttes der ganzen Gemeinde zu lehren vermagst, er möge Dir das Glück geben,, alle künftigen Tröstungen Israels mitzuerleben. ' Mosche, der Sohn Rabbi Maimons. Wochenkalender. Vom 3. — 10. März 1934 / Vom 16. vavep 16 l'tt Samstag 3 Ü1» - Sonntag 4 17 3 Montag 5 18 K3 Dienstag 6 19 33 Mittwoch März 7 ns 20 . Donnerstag 8 21 na Freitag 9 22 na Samstag 10 23 .'• 13 npcsn xe>n "»a »""TDD WtyT) ä'iaa a'iis ms nsna ■»ups?>nj??i Ennn pina Mauled: Donnerstag ab. 59»/2 Min. ■