Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1934)
- Date
- 1934-01-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr, 1_._" Dem auf Vorschlag von Kardinal Innitzer gewählten Präsidium gehören außer den Würdenträgern der christlichen Konfessionen der Wieher Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g an. <, Ungarn. Die Hochschulunruhen in Ungarn. Budapest, 23. Dez. Die technische Hochschule ist weiter geschlossen. Dem Rektor dieser Anstalt ist von den liberalen Zeitungen offen vorgeworfen worden, daß er die barbarischen Ausschreitungen gegen die jüdischenrföchschüler begünstigte. Der Rektor hat gegen 4 jüdische und 5 christliche Studenten das Disziplinarverfahren eingeleitet, während allgemein bekannt ist, daß die jüdischen Hochschüler in den Wirken lediglich die RöIIe des leidenden Teiles spielten. Inzwischen hat der Uiterrichtsminister einer bei ihm vorsprechenden jüdischen Deputation erklärt, die Regierung sei entschlossen, im kommenden Semester die Ordnung an alten Hochschulen zu sichern und mit allen Mitteln das Recht der jüdischen Studenten zu wahren. Das wichtigste sei, daß man den Absolventen der Hochschule, die allgemein keine Stellungen und keinen Lebensunterhalt finden, behilflich sei, sich in das Wirtschaftsleben einzuordnen. Polen. Die Jawnekonferenz in Litauen. Kowno, 1. Jan. Eine große Chinuchkonferenz hat in Kowno stattgefunden, die fast von sämtlichen Rabbinern Litauens und allen orthodoxen Schulleitern und Lehrern besucht war. Es wurde nach vielen Referaten und ausgiebigen Verhandlungen u. v. a. beschlossen, in Verbindung mit den von der Regierung ausgearbeiteten neuen Lehrpläneric für die Primärschule beim Bildungsministeriüm auch einen Normalplan für die jüdische Schule durchzusetzen, wonach den jüdischen Disziplinen und dem jüdischen Religionslehrer in der Schule der ihnen gebührende Platz angewiesen wird. Ferner soll die ganze gesetzestreue Jugend Litauens in einer Organisation „Ben Sakkai" zusammengefaßt werden, deren Programm im Einzelnen auszuarbeiten einer gewählten Kommission übertragen wird. Aus der Mitte der Jawne-Zentrale bildete sich ein Instruktorenkomitee, bestehend aus Rabbinern und Lehrern, deren Mitglieder von Zeit zu Zeit in die Provinz hinausfahren, um die thoratreuen Kräfte für die Zwecke des Jawne zu gewinnen. Die Zentrale gibt auch die nötigen und geeigneten Lehrbücher heraus, zu deren Anschaffung und Einführung die einzelnen Schulen verpflichtet sind. Die weiteren Beschlüsse beziehen sich auf Einzelheiten der Organisation und; die Mitgliedsbeiträge.- Der 1. Schwat wurde zum Propagandatag für die Jawneorganisation erklärt. An diesem Tage w;erden in allen Jawneschulen die Zwecke und Ziele der Organisation den Schülern erläutert. Auch müssen an diesem Tage alle Rechnungen der Sammelaktionen abgeschlossen und ins Reine gebracht werden. England. Sitzung der „Foundation'*. London, 25. Dez. Hier fand dieser Tage eine Sitzung des Verwal-; tungsrates der Foundation (des gemeinsamen Organis von ICA und JOINT für das Darlehenskassenwesen) statt. Es würden,, wie alljährlich, die Fragen der Krediterteilung an die jüdischen Kooperativbanken und Genossenschaften in den östlichen Ländern behandelt. Aus Polen nahmen an der Sitzung die Herren Senator Raphael Scheresche wski und der Präses der Warschauer Gemeindvertretung, Herr Stadträt Jäcpb Trockenheim, teil. Es wurden folgende Kredite bewilligt: für Ltiauen 25,000 Doli., Beßarabien Doli. 5000, Ältrumänien 15.000 Doli.,. Tfanssylvanien 20.000 Doli, für die deutschen Flüchtlinge, die nach dem 1, Januar 1933 nach Erez Jis- Der Israelit; rÖel gekommen.,.sind und dort Kooperative gegründet haben, iO.ÖÖO; Doll.'Jur d^e Wilnaer Zentral-Koope-. rätivbarik Doli, 5Ö.0ÖÖ, ,;Fürdie Kooperative im'Kohgreßpoleri und Gälizien .wurde vorläufig nichts angewiesen, weil die Unterhandlungen mit den jüdischen Kooperativen in Polen nach der Liquidation der früheren Warschauer Kooperativbank noch nicht beendet sind. Die endgültige Lösung dieser Frage soll •wämmaaumammmm^ s Die Woche- Frankfurt a. M. Der Offenbacher Rabbiner, Dr. Max Dienemann, der wegen eines Vortrags in Schützhaft genommen War, ist entlassen worden. Berlin. Der Reichsinnenminister hat angeordnet, daß in den deutschen Kalendern, insbesondere soweit sie von Behörden herausgegeben werden, die jüdischen Fest - und Gedenktage nicht mehr aufgeführt werden. Hamburg. Der Mitinhaber des Bankhauses M. Warburg, Dr, Karl M e 1 c h i o r, ist im Alter von 62 Jahren gestorbeil. Am gleichen Tage ' verstarb auch ein anderes Mitglied des Hauses Wärburg, Dr. Aby Warbürg. Die R e i c h s V e r t ir e t ü n g der Deutschen Juden widmet Dr. Karl Melchior einen ehrenden Nachruf. Warschau. Siebenhundert jüdische Gemeinden Polens haben der englischen Regierung eine Protestresolution gegen das System der Touristenjagden in Palästina überreicht. Prag. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung in der Slovakei hat sich die Zahl der zur jüdischen Nationalität sich bekennenden Juden von 1,35 Proz. auf 1,29 Proz. sämtlicher Statasangehörigen vermindert. Die Zahl der sich zur jüdischen Konfession bekennenden Juden ist von 2,60 Proz. auf 2,42 Proz. zurückgegangen. Posen. Einige junge Nationalisten schleuderten Bomben in zwei jüdische Warenhäuser. London. Der Jewish Cölonial- Trust Ltd. teilt in einem Rundschreiben mit, daß er mit dem 1. Januar seine bänktechnische Arbeit einstellt und an die Anglo Palestine Bank Ltd. überträgt. Jassy. Unerkannt gebliebene Täter haben in der Nacht eine Jassyer Synagoge, nachdem sie die Inneneinrichtung völlig zertrümmert hatten, in Brand gesteckt. Außer den Thorarollen, die wie durch ein Wunder unversehrt blieben, konnte nichts gerettet werden. Jerusalem, Zwei in einem Polizeiauto sitzende, zur Deportation verurteilte jüdische Familien aus Afghanistan wurden von Banditen entführt. Ein Verwandter einer der Familien ist verhaftet .worden. — Im Monat November sind 3837 Juden auf Zertifikate nach Palästina eingewandert. Hiervon sind 538 Kapitalisten. — Ein Fräuenkomitee unter Vorsitz von Frau Eder hat 9Ö0(J Lstr. gesammelt, aus dem deutschjüdische Frauen und Kinder in Palästina unterstützt werden sollen. — In einem offiziellen „Blaubuch" von 441 Seiten berichtet die Paläst inaregierung über die Ent^ wicklung des Landes im Jahre 1932. Am 30. Juni 1932, also vor anderthalb Jahren, betrug die Gesamtbevölkerung -in Palästina 1.052.872 Seelen und wies eine Zunahme von rund 20.000 Seelen seit 1931 auf, an der die Judfjn nur mit 6187 beteiligt waren, während sich die mohammedanische Bevölkerung um 11.747 vermehrt hatte. Die Bevölkerungsentwicklung seit dieser Zeit dürfte wohl ein andres Bild zeigen. Tel-Awiw. Von den 17 Jugendlichen, die wegen der bekannten Unruhen in Tel-Awiw vor dem Jaffcier Gericht standen, wurden zwei f.rei^ gesprochen. Die weiteren Verhandlungen wurden vertagt. Saloniki. Von Castoiia in Griechenland, wo 100.000 J'iden wohnen, begab sich eine Delegation nach Palästina, um dort die Vorbereitungen für die Ansiedjung von 300 jüdischen Familien aus der Stadt zu treffen. Landsleute in Amerika brachten für diesen Zweck 100.000 Dollar auf. — Gegen 100 jüdische Familien aus Saloniki haben sich nach Haifa begeben, wo sie als Häfenarbeiter beschäftigt werden. 200 weitere Familien werden ihnen demnächst folgen. Bombay. Heir ist ein Landesverband des Welt Verbandes für Sabbatschutz Schomre Schabbos, . der, jetzt seinen Sitz in Amsterdam hat, ins Leben gerufen worden. Zum Vorsitzenden würde Herr A. Manässe gewählt. Man hofft, alle Zentren des Landes in die neue Liga einzubeziehen. 4. Januar 1934 auf einer auf den 6. Januar nach Paris einberufenen Sitzung stattfinden. Zu' Ehren der Anwesenheit■.; <iesHefrrx , Jacob T r o c k e n h e im ..hatte. Mr.^Goodman einen Empr fang veranstaltet, wahrend dessen eine Aussprache mit dem polnischen Aguda-<Fühi:er überalle schwebenden agridistischen Gesamtheitsfragen stattfand. Eine Rede Weizmähns über die ÄraBef-Politik. London, 1. Jan. '\ In der Schlußsitzung der'Jahreskonferenz der englischen zionistischen Föderation hielt deren Vorsitzender Dr. Chaim Weizmänn eine große Rede über die englische Palästina-Politik und die Notwendigkeit der Aufrechterhaltuhg freundschaftlicher Beziehungen zu den Arabern; Er führte ungefähr aus: Man beschuldigt uns, arabische Arbeit zu boykottieren, und gibt uns zu verstehen, daß unsere Einwänderungs-Schedule wegeh der großen arabischen Arbeitslosigkeit beschnitten würde. Ich möchte da zwei Dinge klarstellen: Erstens: Wo iri jüdischen Kolonien arabische Arbeiter beschäftigt werden, geschieht dies nicht aus humanitären Gründen, sondern weil arabische Arbeit billiger ist; zweitens: In' den meisten neuen jüdischen Kolonien werden Lohnarbeiter überhaupt nicht beschäftigt, weil die ganze Arbeit von den Kolonisten getan wird: Unter der palästinensischen Jüdehheit gibt es eine „nationale" und eine „private" Sektion. Die „private" Sektion beschäftigt arabische Arbeiter, die kleinere „nationale" Sektion nicht', weil deren Fonds zu dem ausdrücklichen Zweck aufgebracht würden, Juden auf dem Lahde anzusiedeln.. Was die private Sektion anbetrifft, so werden innerhalb derselben Juden lange nicht in dem Verhältnis beschäftigt, wie es ihrem finanziellen Beitrag zum Staatshaushalt .— über 40 Proz. — entsprechen würde. Daß aber ein Araber einmal . einen gelernten jüdischen Arbeiter beschäftigt, gehört zu den seltensten Ausnähmen, Es kommt einmal der Tag, da Araber und Juden einsehen werden, daß es ein gemeinsames Ziel "gibt, für das sie arbeiten — dann werden solche Unterscheidungen aufhören, Seit vielen Jahren wirke ich für eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit, aber immer waren es die Araber, die die ihnen entgegengestreckte Hand zurückwiesen. Auch das wird sich ändern,. aber nur, wenn wir den Arabern klar gemacht haben, daß wir sie nicht beherrschen, aber auch nicht von ihnen beherrscht werden wollen, und daß Palästina ein Land ist, in dem wir kraft eines Rechts siedeln. Die Ansicht, wir müßten noch mehr Araber beschäftigen, ist hinfällig: wir würden dadurch nur eine neue Reibungsfläche schaffen. Der einzige Weg zur Lösung des Problems ist, den Lohn- und Lebensstandard der Araber zu heben. Die Regierung sollte die arabische Landwirtschaft, die sich zu 65 Proz. auf die Hügelregion konzentriert, verbessern. Sie sollte den Fellachen von. dem drückenden Zins befreien, den seine Wucherherren ihm auferlegen, damit er ein freier Mensch wird,' nicht Sklave des Effehdi. Wir Juden waren es, die eine . arabische Müsterfarm errichtet haben. Nicht die Juden, sondern die alten Umstände haben den arabischen Bauern' zu einem unglücklichen Wesen gemacht. Ich würde es gerne sehen, wenn ein Teil unseres Geldes zur Besserung des Loses der arabischen Arbeiter benutzt werden würde. Was die Kürzung der Arbeiter-Schedule betrifft! sagte Dr. Weizmänn, so sind uns die naiven Argumente der Regierung unverständlich. Es gibt keine logische Rechtfertigung für diese drastische Beschneidung der von uns beanspruchten Schedüle, Dennoch glaube ich, daß die Mandatannacht es gut mit' uns meint; wir sollten nicht immer wieder protestieren, sondern versuchen, sie zu überzeugen. Wir müsseh Geduld üben und werden am Ende die Gewinnenden sein. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Erich Gabriel; Söhn,des Herrn Georg Freudenitein, Hans Sachsstr. 3, Synagoge Untcrlindau, insi '£> Üip.; Verlobte: Herda Krämer, Butzbach, Bernhard Tannenbaum, Hersfeld, jetzt Amsterdam- - G e s t o.r b e.n : Leo Grünebaum, Gr. Bockenh. Str. 6—10. 19 Jähre, Dez. 1933.