Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1934)
- Date
- 1934-01-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450808--80104-2537897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Kaunas 1× ep/1000678
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
« 4." Januar 1934 1933. Eine Reihe wichtiger Anweisungen für Zertifikatsbewerber wurde im Anschluß hieran von Herrn Jacobson im einzelnen behandelt Und in Leitsätzen zusammengefaßt.; Nach eingehenden Verhandlungen, die von a&udisüscher Seite von 'dem. Vorsitzenden der Palästina-Zentrale und Herrn Rabbiner Dr. Moses Auerbach mit den Herren Dr. Senator, Mitglied der Agencv, und dem leitenden Herrn des Palästh^Amtes in Berlin geführt wurden, . über- ": "'nahm Herr Jacobson in liebenswürdiger Weise und aufopfernder Hingebung die Vertretung der Palästina-Zentrale bei. der Beratung über die von agudistischer Seite eingereichten Zertifikate. Für die erste Schedule wurden in acht Serien 120 Anträge eingereicht. Sie wurden in fünf Sitzungen bearbeitet und 29 Zertifikate bewilligt. Für die zweite Schedule, für welche 126 Anträge eingegangen waren, konnten wegen zu späten Eingangs vorläufig nur 49 Anträge behandelt werden: Von diesen 49 Anträgen wurden 16 Zertifikate" bewilligt, davon 9 Bewerbungen aus unserer ersten Hachschara-Stellen deutscher Agudisten in Polen. Außerhalb der durch die Palästina-Zentrale eingereichten Anträge wurden 5 Zertifikate' durch das Eingreifen unseres Vertreters, positiv entschieden' (drei Agudisten, .zwei Misrachisten)., . ' Schwierigkeiten bei der Einreichung hatten die Bewerber, die hinsichtlich ihrer beruflichen Ausbildung nur mäßigö Qualitäten aufweisen konnten, da viele unserer Antragsteller keine Sprachkenntnisse . haben. .Ganz-besonders wurde bei Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen aui Beherrschung des Hebräischen bestanden. Die berufliche Ausbildung soll 'möglichst eine , mehrjährige Qualitätsausbildung sein. Die Hach- . schara — .sowohl, die handwerkliche als auch die landwirtschaftliche — soll nicht kürzer . als neun Monate sein. Die Zugehörigkeit zu einer Organisation spielt eine entscheidende Rolle. Unannehmlichkeiten entstandendadurch, daß ...., unsere. Bewerber die Frage, , ob sie Mittel zur U eberfahrt hätten, bejahten, obgleich sie ihnen teilweise fehlten. Die nachträglichen Anträge auf Unterstützung haben zur Folge, daß auch die . übrigen Angaben als unzuverlässig angesehen und .•, evtl. durch zionistische. Organe nachgeprüft wer- . den. Unrichtige Angaben im Fragebogen können die Entziehung eines bereits bewilligten Zertifikates zur Folge haben. Ferner ist unangenehm, wenn Bewerber, die vorher um die Bewilligung besonders drängten, nach der Bewilligung ivnter; allen möglichen Gründen eine. Ver- Schiebung des Termins beantragen. Das Palästina-Amt der' Aguda kann die berufliche Ausbildung der Antragsteller in den meisten Fällen;.nicht nachprüfen- Lücken-- lose Z e u g n i s s e machen die Bewilligung eines Gesuches von vornherein aussichtsreicher. Anträge von' Bewerbern unter 18 Jahren werden nicht bearbeitet, diejenigen von Bewerbern über, 35 Jahr e n. werden der Palästina- Regierung ' zugeleitet, da für höhere Altersstufen nur ein kleines Kontingent dem Palästina-Amt zusteht. .• Verheiratete Frauen erhalten kein Zertifikat, wenn sie nicht von ihrem: Ehemann angefordert werden. Auf Touristenvisum eingewanderte Männer gelten bis nach ihrer Legalisierung als ifverschoK len" und können ihre' Angehörigen selbstver- , ständlich nicht anfordern. . - c, •" •-.». r Zu erwägen ist, ob man nicht, im Gegensatz. ' zu der bisherigen Praxis versuchet sollte, den- "'• selben Modus einzuführen wie in Polen, ' nach- :)] dem jypn jeder Schedule eine bestimmte Anzahl . von Zertifikaten, der polnischen Landesorgani-: sation, zur Verteilung an die agudistische Palästina-Zentrale reserviert werden. Wir würden auf diese Weise einen größeren Einfluß auf die Sichtung des Materials nach agudistischen Gesichtspunkten bekommen. Zu der Protestkommission, in der zu Protest gelangte Ablehnungen nochmals behandelt werden, hat bis jetzt unser Vertreter noch keinen Zutritt. Die nötigen Schritte, um diesem Mangel abzuhelfen, sind bereits eingeleitet.! Die Frage der Hausangestellten. und Hausgehilfinnen und die Bewerber mit in Erez Jisroel jetzt am meisten verwendbaren Berufen wurde in einer Aussprache von dem Referenten eingehend beantwortet. Mittelstandssiedlung, Herr Isaak N u ß b a u m , Berlin erhielt sodann das Wort zu seinem Referat, über Mittelstandsiedluri^. Er bezeichnet es als eine der: vornehmsten Pflichten der Palästina-Zentrale, die Siedler vor Bodenwucher und Preissteige- 4 .' ' ■ rungen bei Bodenkäufen zu schützen. Ferner durch geeignete Bodenkäufe in Verbindung mit den in Betracht kommenden Organisationen da- D e r Israelit für Sorge zu tragen, '.daß zunächst Boden "für .Mittelstandssiedler erworben-: wird und diesen nach Vorarbeiten durch a*gudistische Arbeiter! Siedlung ermöglicht wird. Für die Arbeiter selbst soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich auf einem Teil des Bodens seßhaft zu machen. Auf Grund der 'bisherigen Erfährung ist eine gemischt-wirtschaftliche Siedlung (Citrus-Kultur, Milch- und Gemüsewirtschaft, Geflügel und Bienenzucht) zu empfehlen. Referent schlägt vor, daß für die Miitelstahdssiedluhg zunächst durch Zeichnungen ein Kapital von Mk. 100.000 aufgebracht werden soll, welches zum Bodenkauf benötigt wird. Die Zeichner können auf Wunsch Besitzrechte am. Boden erwerben. Ein Teil des Kapitals soll aber dem Keren Hajischuw zur Verfügung gestelt. wlerden, wofür Referent sich mit Mk. 10.000 an die Spitze der Zeichnung stellt und sich bereit erklärt, die Verhandlungen wegen Bodenkaufen und Besiedlung des Bodens in Palästina persönlich zu ' leiten. Im Anschluß hieran wurde berichtet, daß der Keren Hajischuw im Laufe der letzten Wochen 20 Dunam Boden zwecks Errichtung einer Arbeitersiedlung erworben hat, auf dem-bereits :mit dem Bau von Arbeiterwohnungen begonnen ist. Es sind etwas über 20 Mitglieder der Poale Agudas Jisroel in Kfar Sabä als landwirtschaftliche Arbeiter tätig. Es wurde sofort eine Kommission unter Vorsitz von Herrn Simon Mug d an zur weiteren Ausarbeitung der Nußbaum'schen Vorschläge gegründet. Als Material wurden dieser Kommission: bereits ausgearbeitete Pläne von Mittelstandsiedlungen a,uf Boden der PICA unterbreitet. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen- Deutsches Reich« Misrachi und Agudas Jisroel. Frankfurt a. M., 2. Jan. Die' ITA. verbreitet eine Nachricht, -wonach zwischen Agudas Jisroel und Misrachi Verhandlungen schwebten wegen gemeinsamer Einberufung eines ' orthodoxen ' Weltkongresses nach Jerusalem. Wahr ist an dieser Nachricht nur soviel* daß die Misrachi-Konferenz, die iin Sommer in Krakau stattfand, einen solchen Weltkongreß ins Auge faßte und daß die Leitung des Misrachi der Leitung der Agudas Jisroel den Vorschlag zur gemeinsamen Einberufung erst inder jüngsten Zeit brieflich unterbreitet hat. 1 Eine Stellungnahme der Agudas Jisroel hierzu ist bisher noch niöht 'erfolgt. 1 Widerruf von Einbürgerungen. Berlin, 27. Dez. Der „Zentralverein" hat angesichts der vielen schwierigen Rechtsfragen, die mit dem neuen Gesetz über die Ausbürgerung verbunden sind, eine juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle eingerichtet, an die sich Interessenten wenden können. Die Zentrale der Beratungsstelle ist in Berlin, sie unterhält aber Filialen in allen Landesverbandsgeschäftsstellen des Zentralvereins. Zum Schriftleitergesetz. Berlin, 22. Dez. Aus den Bestimmungen des Schriftleitergesetzes, das am 1. Januar in Kraft getreten ist und das die Eintragung aller als Schriftleiter tätigen Personen bei dem zuständigen „Landesverband der , Deutschen Presse" in die Berufsliste, fordert, ist für weitere Kreise noch folgendes von Interesse. Nicht als Schriftleiter gilt und zu einem Antrage ist daher nicht -verpflichtet, wer seine Tätigkeit bei einem ■Druckwerk ausübt, das weder eine Zeitung, noch eine Zeitschrift ist, ferner wer seine Tätigkeit bei _ Nr. 1 Seite 7 einer Zeitschrift ausübt, die nicht politischer Art ist, und drittens wer seine Tätigkeit bei einer. Zeitung oder Zeitschrift ausübt, die im amtlichen Auftrage herausgegeben ist. - Druckwerke, die in Zwischenräumen von mehr als 3 Monaten erscheinen oder nur von bestimmten Personenkreisen bezogen werden können (Druckauflage nicht höher als 500) gelten weder als Zeitung, noch als Zeitschrift. Aus der Tätigkeit der ORT-Organisatiön. Berlin, 27. Dez. Der unter dem Namen ORT bekannte internationale Verein zur Förderung von Handwerk, Industrie und Landwirtschaft unter den Juden hat in der. letzten Zeit eine verstärkte Tätigkeit ausgeübt. In Frankreich ist den bestehenden und demnächst zu eröffnenden Fachkursen, in denen auch eine größere Anzahl deutsch-jüdischer Emigranten ausgebildet werden, zur Erinnerung an Painleve dessen Name beigelegt worden. Das Komitee in Riga beschloß, die bisherige Tätigkeit des ORT in Lettland durch Errichtung mehrerer Fachkurse für Erwachsene zu erweitern. In Litauen wird ein zweiter Sonderkursus für deutsch-jüdische Jugendliche eingerichtet. In Kowno eröffnet ORT in der nächsten, Zeit mehrere Vrevollkömnungskurse für Handwerker und Gesellen, um den jüdischen Handwerkerkreisen die Anpassung an die Vorschriften des neuen Handwerkergesetzes zu ermöglichen. Die Warschauer,-Mädchenhandwerkerschule des ORT ist vor kurzem von den Behörden inspiziert und wegen ihrer Leistungen belobt worden. ' Landesausschuß Bayern der jüdischen Jugendverbände. Nürnberg, 2. Jan. Am Sonntag, den 17. Dezember 1933 versammelten sich in Nürnberg nahezu 60 Jugendvertreter Bayerns zur Konstituierung des Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände. Der Tagung wohnten außer Vertretern der verschiedensten Organisationen auch der Präsident des Rates der bayrischen israelitischen Gemeinden, Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München und der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Herr Kommerzienrat Rosenzweig bei, die ihre tatkräftige Unterstützung in warmen Worten zusagten. Nach einem Referat über den in Frage kommenden Aufgabenkreis wurde von den Delegierten der verschiedenen vertretenen Orte Bericht über die verschiedenartigen Verhältnisse in der Jugendarbeit erstattet. Anschließend einigten sich alle Organisationen für die Führung des Landesausschusses auf die Wahl einer Dreierrates, an dessen Spitze' Dr. Hans T e u t s c h , Nürnberg steht und dem weiter Dr. Georg Josephthal, München (in dessen Händen die Geschäftsführung ruht) und Adolf K o h n , Nürnberg, der 'als Vertreter der gesetzestreuen Richtung bestimmt wurde, angehören. Daneben wurde ein erweiterter Führerrat, bestehend aus sieben Vertete'rn der führenden Richtungen gewählt. Die Aussprache zeigte' den Willen aller zu gedeihlicher gemeinsamer Arbeit. -•s- Oesterreich. Interkonfessioneller Hilfsausschuß für die Hungernden in der Sowjetunion. Wien, 22. Dez. Kardinal-Erzbischof Dr. Innitzer eröffnete im erzbischöflichen Palais eine internationale Konferenz zur Hilfeleistung für die Hungernden in der Sowjetunion. Dr. Innitzer erklärte, es sei Zweck der Konferenz, das Weltgewissen aufzurütteln. Nach dem Kardinal sprachen Vertreter aller Konfessionen. Für die Juden ergriff als Repräsentant des von der „Agudas Jisroel" ins Leben gerufenen Wiener „Komitees für Rußlandhilfe" Universitätsprofessor Dr. E i s 1 e r das Wort. Neben ihm war als Vertreter-- des jüdischen Komitees Dr.' Leo Deutschländer anwesend, der den Hilfsausschuß einlud, sich von der bisher von jüdischer Seite geleisteten Hilfsarbeit zu überzeugen. Der Einladung wurde schon im Laufe 'der Woche durch einen Besuch mehrerer Delegierter im Büro des jüdischen Hilfskomitees Folge geleistet.