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Der Israelit · 1933-03-30 · Heft 13 (30.3.1933) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 13 (30.3.1933)
Date
1933-03-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 13 Der I s r a e i i t 30. März 1933. Sprechsaal Religion und Wirtschaft. Sehr geehrte Redaktion! Mit der Veröffentlichung des Referates „Religion u n d W i r t f ch a f t" , das Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona, am 5. Februar in Köln gehalten hat (Bericht in der Beilage „Jüdischer Volksfreund" vom 16. März, Seite Zff.) hat sich Ihre Zeitung ein großes Verdienst erworben. Selten waren solche grundlegenden Ausführungen zur Formung von Zeit und Wirklichkeit aktueller als im Umbruch dieser Gegenwart. Das bedeutsame Referat müßte in Sonderdrucken verbreitet*) und allen Instanzen der jüdischen Oeffentlichkeit, nicht zuletzt den Verbänden der Jugend, zugestellt werden. Das Referat von Dr. Carlebach eröffnet den Angriff gegen die diversen Spielarten liberalistischer Weltaufsassungen und willkürlicher religiöser Konstruktionen, wie sic gerade der jüdische Liberalismus mit seinem ihm zwangsläufig zugehörenden marxistischen Anhängsel Jahrzehnte hindurch in das festgefügte Gebäude des Judentums hineintragen konnte. Dieser Liberalismus, der alle positiven und ewigen Formen und Werte, alle Grundwahrheiten und Offenbarungen des Jüdischen planmäßig und nacheinander zur Auflösung brachte, hat das Judentum zum Objekt des Diskutierens herabgewirtschaftet, — in einer Art und Weise, daß eben jeder Ignorant sich „seinen" Schutchan Aruch, »sein" Judentum und „seine" jüdische Weltanschauung für den Hausgebrauch fabrizieren konnte. Der liberalistische Gedanke an sich ist heute überwunden. Nur in der Religion, im Judentum besonders, sucht er sich zu stabilisieren, — möglich sogar, daß er sich, nachdem sein Name in Acht und Bann getan ist, eine neue Firma beilegen wird, und daß die Bequemlichkeit, der zuliebe man Geist. Gesetz, Religion G'tt den „Erfordernissen" der Wirtschaft untergeordnet hat, eine etwas zeitgemäßere Formulierung erfährt. Das liberalistifche Weltbild muß sich, notgedrungen, „umstellen", muß wieder einmal den „Anschluß" finden. In Wahrheit ist keine Aufastung reaktionärer und veralteter und übler hinter den Schritten der Zeit herhinkend als gerade jene „Bewegung" mit dem pompösen Namen Liberalismus. Hier gilt es, den Elan der Kreise der jüdischen Tradition und der jüdischen |:) Ist bereits vorbereitet. Red. Positivität in die Wagschale zu werfen, um den liberalistischen Ungeist, die Methoden einer Bibelkritik, eines Zeitalters der „Aufklärung" und der Herrschaft der „Vernunft" aus dem großen Gebäude des Judentums hinauszudrängen! Das Judentum, das die finaitifche Offenbarung und das Gesetz der Thora als ewig und unveränderlich anerkennt, hat heute keine Umstellung nötig, braucht auch gegenwärtig nicht mit den Begriffen der Autorität und Disziplin zu operieren. Gerade deshalb ist es berufen, den innerjüdischen, geistigen Säuberungsprozeß zu übernehmen. Ausgehend von den wertvollen Ausführungen des Herrn Dr. Carlebach muß in dieser Zeit, wo ein überkultiviertes und liberal-überspitztes Geschlecht sich von den Idealen der französischen Revolution und der bürgerlich-kapitalistischen Gesinnung abkehrt und zu dieser j Abkehr von dem Werden der Entwicklung geradezu gezwungen wird, die endgültige Sammlung und entschiedene Zusammenfassung der gejsetzestreuen Kräfte des deutschen Judeni iu ms erfolgen. Aus dieser Konzentration der po- | sitiven Inden muß sich die KampfgemeinsMjft. gegen jede Manier der jüdisch-religiösen Auflösung^oilden. Liberalismus. Jndifferentismus. Kommunismus — eine Linie hat sie nacheinander herbeigezogertz Sie alle haben die Grundlagen des Judentums zerstöbt. Vergessen wir , nicht, daß nach dem Abbau des Sabbats folgerichtig die j Preisgabe der anderen jüdischen Gegebenheiten kommen m u ß t e , — man hat selbst den Respekt vor dem Jaum 'Kippur den „wirtschaftlichen Notwendigkeiten" geopfert! Vergessen wir nicht, daß diese Argumentationen der liberalistischen Wortführer gerade in diesen Tagen einen recht herben Stoß erlitten haben: man hat jüdische Geschäfte am Sabbat zwangsweise schließen müssen. — und i st doch nicht verhungert! Man wird sich auf noch weitere Einschränkungen auf dem Gebiete der individualistischen Wirtschaft gefaßt machen müssen, — und man wird sich selber eben noch mehr einschränken müssen, — und man wird dennoch nicht verhungern! So ist heute zur Wiederherstellung des Judentums der unerschütterliche Kampf für die Sabbat-Idee der wichtigste Faktor einer jüdischen Kampfgemeinschaft. Dasselbe hat für die Heilighaltung der Festtage zu gelten. Der Kampf um die Jomim nauroim darf nicht — rote es scheinbar in den letzten Jahren unter dem verheerenden Einfluß des Liberalismus modern geworden ist — zwei Wochen vor Rausch-Haschonoh einsetzen und nicht mit einfachen Bitten an die Herren Unternehmer erledigt werden, das jüdische Personal zu beurlauben. Dieses Ringen muß zu einem ständigen und planmäßigen werden, und wenn eben die jüdische ' Presse — oft aus einer völlig überholten Neutralität heraus — ihre Spalten diesen wahrhaft jüdischen Bewegungen nicht öffnet, dann muß der Idealismus der verarmten jüdischen Gemeinschaft, so weit sie von der Bedeutung dieses Kampfes überzeugt ist. aufs höchste angespannt werden, um die bestehenden gesetzestreuen Organe auszubauen, zu erweitern, für ihre Verbreitung zu werben und sie vor allen Dingen zu zeitgemäßen. kämpferischen, anti-neutralen Faktoren umzugestalten. „Der Mensch ist mehr als ein Wirtschaftswesen", sagte Dr Carlebach in seiner Rede in Köln. Das kapitalistisch-liberale Zeitalter hat unser Judentum verwirrt, hat es zu einer Mißgestalt, oft sogar zum Gespött geformt. Diese Form ist nicht die jüdische Norm. Um aber die über Zeit und Raum hinausragende Ewigkeit des traditionellen Judentums zum Quell für eine Rückkehr und eine innere Erneuerung der Juden zu machen, j bedarf' es endlich, endlich der ermannenden Tat, einer I mitreißenden und hingebenden Aufforderung. Unser jüi discher Aufbau hängt nicht von Sympathiekundgebungen 'oder Haßgesängen ab. Unser jüdischer Aufbau muh bei! der Wiederaufrichtung unseres innerjüdischen Geistes bej ginnen, muß als erste Voraussetzung den- Kampf für die j restlose Anerkennung der Thora, des Sabbats, des ■ G'ttesgedankens, der Unterordnung des Geschäfts, des 'Handels und Wandels unter Judentum und Religion haben. Ihre Zeitung kann in einer Situation, wie sie jetzt unsLvom Lenker der Weltgeschichte sinnvoll überantwortet worden ist. den ersten Pfad durch das Gestrüpp vergangener Jahrzehnte jüdischer Selbstpreisgabe schlagen. Ihre Zeitung muß in fester Entschlossenheit sich selbst den Aufstieg zu einem Mittelpunkt der innerjüdischen Erneuerung, Reinigung, und Einigung erkämpfen. Ihre Zeitung muß zur Sammlung der gesötzsstreuen Menschen heute erziehen und rufen und eine,,offensive Front gegen alle Schädlinge und Schänder des Judentums und des g'ttlichen Namens schaffen. Darum glaube ich, daß die Ausführungen des Oberrabbiners Dr. Carlebach. Altona, nicht mehr in den Rahmen einer Generalversammlung odereines einzelnen Vereins hineinpassen, — sondern darüber hinaus der gesamten Oeffentlichkeit des positiven und religiös-kämpferischen Judentums den starken Impuls zur Festigung und Aufrüttelung zu geben haben! In vorzüglicher Hochachtung I. Raphael. -Fleischsaft Alleinvertrieb: S„ ThaBmanra, Frankfurt a. M. Telefon 44022 Ostendstrasse 12 Helfet» fo wird Sucfi gefioffen! Familienvater in mittels. Ztarlt, siebt seine Lxiftenz unter Druck des? 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