Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1932)
- Date
- 1932-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 8___Der Israelit_' __18. Februar 1932 reifen find überall.organisiert. „Zionistisch muß dieses große Treffen sein, oder lieber gar nicht fern, verfügt die „Jüdische Rundschau". Bereits strömen die Fußballmannschaften aus Amerika, England, Australien, Polen, Rumänien, Litauen, Syrien und Aegypten ins Land, zu denen die Fußballspieler in Palästina selbst noch hinzukomrnen. Aus Deutschland haben sich Hockey-, Handball - und L e i ch t a t h l e t i k - M a n n s cha f t e n angemeldet. Hedad! Heil! ... Die Massen werden kommen, wie seinerzeit die Wallfahrer zu den hohen Festen. Der Konnex zwischen dem Galuthmenschen und dem Palästinenser wird hergestellt sein, vielleicht auch zwischen M a k k a b i und Poel, die sich bisher als feindliche Brüder befehdeten. Sie werden sich im Sporte finden.; Diese Fanfaren, wie man sie heute in allen zionistischen Blättern täglich zu lesen bekommt, geben sehr zu denken, viel mehr als das Sportfest selbst. Lieber und teurer als alle Konnexe, die die zionistische Organisation von der makkabäischen Olympiade in Tel-Awiw erwartet, wäre uns der K o n n e x z w i s ch e n F u ß b a l l s p i e l e r und Sabbat, zwischen Fuß und Kopf, überhaupt zwischen dem Körper und der Seele der neuen jüdischen Generation in Palästina. Solche Friedensschlüsse werden -aber weder erhofft, noch gewünscht, noch angekündigt. Reue Wallfahrten — nicht zum heiligen Tempel, aber zum Stadion von Tel-Awiw, nicht zu den hohen Festen der Thora und Geschichte, sondern zu einem Feste des jüdischen Fußes und der jüdischen Hand, auf jüdischen Höhen, von denen herab Propheten gegen den Baal donnerten und die Makkabäerhelden für die Ehre ihres Volkes gegen die Kultur des Olympus kämpften. Recht gut zu diesem ganzen Tamtam paßt der Ausspruch eines zionistischen Sendboten aus Palästina, der dieser Tage in Warschau, Wilna und Kowno einige Aufregung hervorgerufen hat. „In früheren Zeiten", so sagte der Apostel, „lautete der Ruf der Jungen in Palästina jat sran irmnn ym rup' heute rufen sie: *-71^ pT smn nnsn nx m^nVi nnwn nx „Zeit zum Düngen der Felder und Melken der Kühe!" Düngen und Melken sind nützliche Verrichtungen, rwn,? ersetzen sie aber nicht. Wo ihnen das vorangeht, ist .Gewähr gegeben für die Erfüllung des ivv mrm ">21 inyn DDmx* Mit solchen Blasphemien, wie sie jene Antithese darstellen, wird dem Aufbau gewiß kein guter Dienst geleistet. Eine Aufrichtung des Galuthjuden will die Makkabiade bezwecken. Des „ G a l u t h juden" vielleicht. Der einfache G 0 l u s j u d e aber wird bestürzt den schweren Kopf schütteln und weiter beten, daß bald die Zeit herankomme, da sich unsere Söhne, auch die im Lande, Heimsinden im Sinne des 27121b ü'ia inen* WolfHeidenheini und seinlklachsor. Zu seinem 100. Todestage. Von Rabbiner Dr. Josef Anna in Frankfurt a. M. Am 22. Adar dieses Jahres kehrt zum hundertsten Male der Tag wieder, an dem Rabbi Wolf Heidenheim aus dem Leben schied. Die Firma Lehrberger u. Co., die die Nachfolgerin der von Heidenheim im Jahre 1799 in Rödelheim gegründeten Buchdruckerei darstellt, überreichte der So n c i n 0 - Gesellschaft, die sich die Pflege des jüdischen Buches zur Aufgabe gemacht hat, die Erstausgabe des Machsors, das mit der Uebersetzung und dem Kommentar Heidenheims versehen ist. Diese Ausgabe erschien in den Jahren 1800 bis 1803. Neben den großen Vorzügen drucktechnischer Art, die diese Erstausgabe auszeichnen, ist es auch die außerordentliche Genauigkeit, mit der der gelehrte Herausgeber den Druck persönlich überwacht hat. Mehr noch als dem Bibliophilen bedeutet es dem Sprachgelehrten und dem Erforscher der Piutim, wenn er ein Werk benützen kann, das von Heidenheim selbst gezeichnet ist. ("Tiaa")! Hellte, da das Lebenswerk Heidenheims in aller Welt höchste Anerkennung gefunden hat, mag es kleinlich erscheinen, nochmals auf die empfehlenden Approbationen (miasoni nia'in) der Gelehrten feiner Zeit hinzuweisen; und-doch waren sie in der Zeit des Erscheinens aus doppeltem Grunde höchst bedeutsam für den Herausgeber. Es ergibt sich das schon daraus, daß gerade bei diesem Werke, wie wohl kaum mehr bei irgend' einem anderen Werke der jüdischen Literatur, die Erneuerung des mit den Gutachten verbundenem Cherem notwendig wurde. . Doppelte Bedeutung hatte es, wenn sich Verfasser und Herausgeber vor der Drucklegung größerer Werke Anerkennungsschreiben anerkannter Gelehrter verschafften. Es ist vielleicht kein Wunder, daß gerade in dem „Volke des Buches", wie man das jüdische Volk gerne 1 nennt, der kritische Sinn gegenüber dem neuen Buche am ersten erwachte. Ein Buch eines unbekannten Verfassers konnte nur Aufnahme im Kreise der Gelehrten erwarten, wenn es von einer auf dem Gebiete jüdischen Wissens anerkannten Autorität empfohlen wurde. Nur so ist es zu verstehen, daß fast allen jüdischen Büchern solche Approbationen beigedruckt sind, wenn nicht der Verfasser in der Lage war, sich auf dem Titelblatt als Verfasser früher veröffentlichter Weke zu bezeichnen. — Mit diesen empfehlenden Worten verband man dann gewöhnlich einen Cherem, einen Bannfluch, der über den ausgesprochen wurde, der es wagte, das Werk ohne Genehmigung des Verfassers von neuem zu drucken. Oft berief man sich dabei auf das Wort der heiligen Schrift *jin Vini i’on xb (Deuteronomium 19, 14): Du sollst nicht verrücken die Grenze deines Nächsten. Wolf Heidenheim wurde es nicht schwer, für diese seine neue Machsor-Ausgabe solche Empfehlungsschreiben zu erlangen. Im Jahre 1800 bezeugten den hohen Wert dieses Werkes die Oberrabbiner von Altona, Rotterdam, Frankfurt a. O. und Hanau; es folgte 1803 R. Pinchas Horovitz, Oberrabbiner von Frankfurt a. M. und 1805 weitere Approbationen. In sämtlichen Schreiben wurde für den Neudruck des Machsor durch dritte eine Sperrfrist von 25 Jahren angeordnet. Trotzdem kündigte schon 1805 ein Verleger in Frankfurt a. M., Lemle Geiger, einen Nachdruck an. Dieser Nachdruck wurde nie veröffentlicht, da R. Pinchas Horovitz seinen alten Cherem erneuerte und in allen Synagogen ausrufen ließ, daß jeder vom Cherem betroffen werde, der in irgend einer Form dieses Unternehmen unterstütze. -.-Von späteren Nachdrucken des Heidenheim-Machsor sei nur noch der des Jahres 1807 erwähnt (bei Anton Schmidt, Wien), weil sich gegen ihn das Frankfurter Rabbinat von Neuem wandte. Es veröffentlichte nochmals eine Erklärung, die eine Bekräftigung des alten Cherem darstellt; ihr schloß sich R. M. T. Sondheimer in Hanau an, der auch seinerseits in heftigen Worten vor jeder Unterstützung dieses Unternehmens warnte. Auch im Jahre 1817 klagt Heidenheim nochmals über einen weiteren Nachdruck durch dieselbe Firma, zumal hierbei im Vorwort der Drucker versucht, die Käufer durch eine falsche Darstellung des Sachverhalts irre zu führen. Baschwitz, der früher an der Druckerei Heidenheims beteiligt war, habe, so wurde behauptet, den neuen Verleger des Machsors zu diesem Neudruck ermächtigt. Demgegenüber stellt Heidenheim fest, daß die ganze Sache erfunden sei und daß Baschwitz, der sich schon im Jahre 1806 von Heidenheim trennte, gar kein Recht zu solchem Vorgehen zugestanden hätte. Vielleicht darf zu solchem Zeitpunkt an das Gelöbnis erinnert werden, das die jüdische Gelehrtenwelt an der Bahre Heidenheims zum Ausdruck brachte: daß es eine Ehrenpflicht sei gegenüber diesem Gelehrten, der zu Lebzeiten so viel enttäuscht wurde, seinen reichen literarischen Nachlaß der wissenschaftlichen Welt zugänglich zu 'machen. (Eine Würdigung der Persönlichkeit und Lebensarbeit Heidenheims, aus seiner Zeit heraus begriffen, erscheint in nächster Nummer. Red.) Ein hÄbes Jahrhundert Zwangs Herrschaft einer «einheiMHey"! Großgemeinde. Von Oberrabbiner pH. Fischer in Sarospalak. Zur 60. Iahreswiederkehr der staatlichen Anerkennung der autonomen orthodoxen Landesorganisalion in Ungarn. - (Schluß.) Es wäre aber vielleicht tatsächlich etwas pietätlos von uns, wenn wir hier bloß die Darstellung dieses religiösen Charakterbildes beabsichtigten. So wollen wir nun einmal die Stellungnahme der e i n h e i t l ich e n Wiener Kultusgemeinde zu Jellineks Vorgehen und Wirken ebenfalls auf Grund unseres Buches darzustellen versuchen, und namentlich fragen, ob erwähnte Gemeinde wenigstens in bezug auf ihre orthodoxen Mitglieder die unumgänglichen Konsequenzen aus der Anstellung und amtlichen Wirksamkeit desselben gezogen hat. Denn es läßt sich ja denken, daß eine „einheitliche" Gemeinde irgend einen extremen Reformer zu ihrem Geistlichen bestellen, doch aber ihre orthodoxen Mitglieder auf ihre eigene Fasson selig werden läßt. Geschah es auch in der Wiener „einheitlichen" Kultusgemeinde also? Hieraus müssen wir eben auf Grund der in unserem Buche gelieferten Daten mit einem entschiedenen „Nein" antworten. So lange esdie „einheitliche" K ult u s g e m e i n- Ä e m t t i h r e n Mach t Mitteln vermocht hatte, ihre 0 rth 0 - d 0x e n M it gl ie der zu knebeln, — und dies geschah bis zu den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, da man eben aus Furcht vor einer gänzlichen Sezession der Orthodoxen in gewisse Konzessionen an dieselben einwilligte, — s 0 lange m achke man sich nicht die mindesten Skrupel hieraus! Und hier liegt die große religionspolitische Belehrung, die wir unserem Buche als „Beitrag zur Geschichte der Israelitischen Kultusgememde Wien" entnehmen können. Hier nun die Daten: Als der eigentliche Rabbiner der einheitlichen Kultusgemeinde, der als talmudische Autorität hochgefeierte R. Elasar Horowitz b'^v der ein Enkel des R. Pinchas Horowitz b"LN Verfasser des Hasloh und Lieblingsschüler des Chatham Sofer V'XT' gewesen ist, gleich nach dem Amtsantritte Jellineks Verwahrung gegen fein das Relrgionsgefetz verletzende Gebaren bei Trauungen beim Vorstand einlegte, so konnte der neuangestellte junge Prediger diese Beschwerden des bedeutend älteren.und. in der rabbinischenMelt von ganz Europa (man braucht nur einen flüchtigen Blick auf die in dem mpbrr t> rriw gesammelten Gutachten zu werfen)., hochgefeierten Rabbiners mit dem Witzworte exledigen, daßchm solche.Lappalien' sich bloß „ein. Zögling der Preßburger RabbinatsschUle" kümmert! (S. das Antwortchreiben Jellineks an den Gemeindevertreter Joeph von Wertheimer, S. 83 u. 84.) Ja, noch mehr! Zur Verrichtung von Trauungen waren bloß die zwei Prediger Mannheimer urvb Jellrnek bevollmächtigt. Und als im Jahre 1862 von orthodoxer Seite das Ersuchen an die Polizeidirektion gerichtet worden war, daß Rabbiner Horowitz für die ganze Wiener Stadt und Rabbiner S. Spitzer für den Leopoldstädter Bezirk gestattet werde, israelitische Trauungen nach „altgläubiger Sitte", ohne Verhinderung seitens der „sogenannten reformierten Juden und Prediger", zu verrichten, — da wurde dieses Ersuchen abschlägig erwidert. (S. 120, Note.) Wir brauchen uns den Kopf nicht darüber zu zerbrechen, wer der Jnpirator dieser Absage war! Wird doch uns S. 121 berichtet, daß während Jellinek nicht selten von der Kanzel gegen die „Rückständigen" Stellung genommen, sein allgemein bekannter literarischer Famulus Simon Szanto in der „Neuzeit" noch zügelloser gegen die Religionsgemeinden losging, und ebenso hatte im inneren Betriebe der Gemeinde der Sekretär Dr. L. A. Frankl jede konservattve Betätigung hintanzuhalten versucht.