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Der Israelit · 1932-01-28 · Heft 5 (28.1.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 5 (28.1.1932)
Date
1932-01-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 5 Der Israelit 28. Januar 1932 Zigarren dQ Wolf Zeil ■* Tel. Hansa 27930 Stärkung seiner Autorität ist dringend erforderlich. Als größte Gemeinde Europas hat sich die Warschauer Kehilla auch an der großen Volksarbeit für Ereg Jisroel, Emigration und dergl. mehr zu beteiligen. Zusammenarbeit mit den anderen Parteien ist der Orthodoxie erwünscht, wurde aber von den Anderen bis jetzt verhindert. Rauschender Beifall quittierte die feurige und inhaltsreiche Programmrede. Im Sinne dieser Ausführungen wurde dann eine Deklaration der Orthodoxen Fraktion verlesen. Als zweiter Redner ergreift der zionistische Handwerker Polinover das Wort und beschwert sich gegen angebliche Benachteiligung der Vertreter der nationalen Minderheit im Kehillorat. Es wird,ihm, da er nicht zur Tagesordnung spricht, das Wort entzogen. In langer Rede entwickelte sodann Dr. Gottlieb oas Programm einer nationalen Kehilla, wie sie die Zionisten sehen. Er verliest auch eine Erklärung, die besagt, die Macht in der Kehilla sei in die Hand einer minderwertigen religiösen Gruppe übexgegangen, de mit offener Feindschaft den nationalen Forderungen entgegenstehen. Es wird von den Zionisten schärfste Opposition der Kehillckteitung angesagt. Eine Erklärung' der Misrachi-Fraktion fordert die „religiös nationale Kehilla",. Es werden noch verlesen Deklarationen der Unparteiischen, die den Parteicharakter in der Kehilla bekämpfen-, dafür aber für Stärkung der Religion in der Kehilla sorgen wollen. kampfabstimmung über Keren Hajessod in der Warschauer Jüdischen Gemeinde. Warschau, 23. Jan. sienJn der letzten Sitzung der Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurde von der von der Agudas Jisroel geführten Mehrheit unter stürmischem Protest der Zionisten ein Antrag auf Zuwendung von je 10 000 Zloty für Keren Hajessod, Keren Kajemeth und Mechaluz abgelehnt. Die Zionisten erklärten, daß sie das Gesmntbudget cck>lehnen werden. Litauen. Eine orthodoxe Zeitung in Litauen. K o w n o , 19. Jan. Nach langen Unterbrechungen hat nun die litauische Orthodoxie wieder ihr eigenes Organ. Die seit Jahresbeginn in Kowno erscheinende Zeitung „Jiddische Welt" zeigt einen frischen Zug im politischen Teil und guten Geschmack in der Aufmachung, wie in der feuilletonistischen Abteilung. Bekannte Männer des orthodoxen öffentlichen Lebens, auch aus dem Auslande, wie aus Deutschland, Oesterreich und der Schweiz, zählen zu den beständigen Mitarbeitern. Erziehungsfragen und die Probleme der Jefchiwoth nehmen einen großen Raum in der Zeitung ein. Wir wünschen unserem Bruderorgan-in Litauen von Herzen Glück'und die Anerkennung und Unterstützung, die' eine solche Tribüne für die Stimme der gesetzestreuen Masse heute gerade in Litauen verdienen. Schweiz. Der Völkerbundsrat nimmt den Bericht der Kalenderreform-Konferenz zur Kenntnis. Gens, 26. Jan. Der Völkerbundsrat befaßte sich in seiner Sitzung am Montag, den 25. Januar, mit dem Bericht der Konferenz für Transit und Verkehr, in dem ein großer Raum der Frage der Kalendererform gewidmet ist. In dem Bericht sind bte- Verhandlungen der Kalendererform-Konferenz, u. a. auch die Darlegungen der Vertreter des jüdischen Komitees betreffend Kalenderreform, wiedergegeben. Der Völkerbundsrat stimmte den Schlußfolgerungen der Konferenz zu, denen gemäß eine baldige Stabilisierung der beweglichen Feiertage zu erstreben, jedoch von einer irgendwie grundlegenden Aenderung des Gregorianischen Kalenders im Hinblick auf die religiösen und andere Bedenken vorläufig abzusehen sei. Somit ist der Plan der Einführung der den Sabbat gefährdenden Blanko-Tage für diese Zeitepoche gefallen. Amerika. Erleichterung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten? N e w y o x t, 24. Jan. Der Ausschuß für Einwanderungsfragen des amerikanischen Senats stimmte einem Gesetzentwurf zu, wonach Männer oder Frauen von amerikanischen Einwohnern außer der normalen Einwanderungsquote in das Land kommen dürfen. Sollte der Kongreß der Vereinigten Staaten diesen Entwurf annehmen, so würde dies eine Erlösung aus einer schweren Zwangslage für Tausende und Abertausende Juden und Jüdinnen in den osteuropäischen Ländern sein, deren Gatten bezw. Gattinnen seit mehreren Jahren in Amerika wohnen und sich dort eine Existenz geschaffen haben. In den Jahren 1921 bis 1930 sind unter insgesamt 4.107,209 Einwanderern 339.054 Juden in die Vereinigten Staaten gekommen. Von in dem gleichen Jahrzehnt aus den Vereinigten Staaten' ausgewiesenen 92.157 Personen waren 1756 Juden. Nur 9 Prozent der deportierten Juden haben sich kriminelle Akte zuschulden kommen lassen. (ITA.) Die Woche. Berlin. Auf dem jüdischen Friedhof Butte n h e i m - H i r s ch a i d wurden 67 Grabsteine umgeworfen und zum Teil sehr schwer beschädigt. Der Sachschaden ist sehr bedeutend und wird auf Tausende von Mark geschätzt. Als Täler ist der Kleinglltler Kaiser aus Seigendorf ermittelt worden. Die Tat erregt bei der Bevölkerung der ganzen Umgebung großen Abscheu. Die kleine Gemeinde hat eine Aktion eingeleitet, um den Friedhof wieder instand zu setzen, was ihr aus eigenen Mitteln unmöglich ijl. Dessau. Der Gemeinderat von Dessau hat gemäß einem Antrag der nationalsozialistischen Fraktion mit großer Mehrheit beschlossen, das Schächten im Städtischen Schlachthaus zu verbieten. Wien. Wie die „Arbeiter-Zeitung" berichtet, überfiel eine Sturmstaffel der Nationalsozialisten eine Gruppe jüdischer Pfadfinder, die am Sonntag auf einer Wiese im Wiener Wald eine Sportübung veranstaltete, und mißhandelte die Mitglieder der Gruppe zum Teil sehr schwer. Krakau, ^ährend einer zionistischen Veranstaltung drangt., nationalistische Studenten in den Saal und störten die Kundgebung, so daß die Polizei eil. eten mußte. Ein großes Polizeiaufgebot ko. 'te schwere Ausschreitungen vor den Eingängen v.s Saales verhindern. Belgrad. In seiner Rede anläßlich der Eröffnung der neuen Legislaturperiode des Senats Jugoslaviens erklärte der erste Präsident des Senats, Dr. Ante P a v e - £ lic, u. a.: „Bei uns gibt es keine Minoritätsfragen ch,scharfen Formen.: W ir k en nen auch d ^n Antls emiti^mus nicht als eine Bewegung. Bei uns gibt-es keinem Aktion, die der Ausdrück eines Rassen- oder, Religionshasssss wäre. In unserem Lande herrscht für Wen volle Freiheit für die Aus- Übung des Religionsbekenntnisses. Rewyork. j; Paul M. War bur g., der berühmte Finanz- Politiker in Amerika, einuWrch. des Hamburger - Bankhauses jWarburg^ ifti; ich Wer'-'von 66 Jahren gestorbe n. Jerusalem. Die Sch ulen der Jewish Agency in Palästina sind noch geschlossen. Die Exekutive der Jewish Agency hielt gemeinsam mit Vertretern des Waad Leumi, der Histadruth, der Elternschaft und der Lehrerschaft eine Konferenz ab, in der versucht wurde, den Streitfall beizulegen. Man erwartete am Montag die Lösung. 10 600 sabbattreue Juden gegen die Zwangssonnlügsruhe. N e w y o r k, 21. Jan. Auf Anregung des Vereines der Schomre Schabbos in Newyork haben 10 000 sabbattreue jüdische Geschäftsinhaber Newyorks der Staats-Legislative eine Petition überreicht, in der gebeten wird, das Gesetz über die Sonntagsruhe in der Weise abzuändern, daß sabbattreuen Geschäftsleuten und Handwerkern erlaubt werden soll, an den Sonntagen ihrer Beschäftigung nachzugehen: gegenwärtig seien diese ihrer Religion treu bleibenden Juden infolge der Sonntagsruhevorschriften gezwungen, zwei Tage in der Woche zu feiern. (ITA.) Personalien. Gedenkstunde für Rabbiner Dr. Breuer f. A. m . . Afchaffenburg, 24. Jan. Dre Jung-judlsche Vereinigung Aschaffenburg, in'deren: Programm Dr. Breuers Vorträge eine hervorragende Rolle spielten, veranstaltete am Dienstag, den 19. Jaguar, am Abend, an dem Dr. Breuer wieder dort sprechen wollte, eine besondere Gedenkstunde. Zunächst ergriff der Vorsitzende, Referendar Martin Freund, das Wort, nicht nur, wie er ausführte, um einer selbstverständlichen Pflicht zu genügen, sondern aus dem inneren Bedürfnis heraus, eine große Dankesschuld abzutragen, welche die Aschaffenburgev jüdische Jugend dem Verewigten zollt. Alle diejenigen, die seine Schüler gewesen, erinnerten sich dankbar der vielen geistigen Anregungen, die sein Unterricht gegeben hat. In dieser Stunde stehe aber besonders vor Augen, was der Verewigte der Jung-jüdischen Vereinigung gewesen ist, deren geistiger Mittelpunkt er durch die von ihm geleiteten Ausspracheabende über „Soziale Fragen im Lichte des Judentums" geworden war. Jetzt erst wird vielen zum Bewußtsein kommen, was Dr. Breuer gerade der Jugend bedeutet hat. Zum äußeren Zeichen der Trauer erhob sich die Versammlung zu einem Augenblick stillen Gedenkens. Herr Hauptlehrer Schloß zeichnete nun in einem tlef empfundenen Nachruf Dr. Breuers große Persönlichkeit. Nicht nur durch sein Wort, sondern auch durch herrliches Vorbild sei Dr. Raphael Breuer Lehrer und Führer geworden. Nicht erst jetzt, Indern immer schon war man sich klar über die Lauterkeit und Größe seines Charakters, über feine wahrhaft tiefe Frömmigkeit und sein rastloses Schaffen und Wirken. Eingehend schildert der Redner nun Dr. Breuers Stellung zur Jugend. Er selbst, der bis zu seinem jähen Tode jugendlichen Eifer und jugendliche Spannkraft besaß, war der Jugend durchaus nicht fremd gegenübergestanden. Ihm war.nur daran gelegen, der Jugend den Geist vom Judentum eiüzuhauchen, von dem er selbst durchdrungen war. Er, der von manchen für weltfremd gehalten wurde, kannte die Menschen und auch die Psyche der Jugend mit all den steinigen und klippigen Wegen dieser revolutionären Sturmzeit. Mit oer Mahnung, in seinem Geiste weiter zu leben und nicht zu vergessen, was er der Aschaffenburger Jugend gegeben, beendete Herr Hauptlehrer Schloß seine innige Gedächtnisrede. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden, in dem er Herrn Hauptlehrer Schloß und der zahlreichen Trauergemeinde seinen herzlichen Dank aussprach, nahm die schlichte Feier ihr Ende. —m. Frau Iulre Marcus f,"v. Berlin, 23. Jan. Am 8. Schewat hat Frau Julis Marcus n"y im 83. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet. In ihren Adern floß das Blut zweier ehrwürdiger jüdischer Geschlechter. In Lübben (Schlesien) geboren, eine Tochter von R. Eisig- Caro eines bekannten Zalmib Cho^.om, der durch kaufmännische Tätigkeit seinen Lebensunterhalt sich erwarb, war sie in Berlin, wohin ihr Vater verzogen war, in einer von echt jüdischem Geiste erfüllten Atmosphäre herangewachsen. War doch das Haus des Vaters, des Gründers der Berliner v"D K-nrv eine Heimstätte von Talmide. Cchachomim, gingen doch, dort zahlreiche Rabbinatskandidaten aus und ein. Mütterlicherseits stammte sie von R. Akiba Eger^'rr, ab: ihr Großvater R. Abraham Eger W, war ein Sohn des berühmten Thoragelehrten, dessen Einzug in Posen sie miterlebt hatte. Mit Stolz erzählte sie von jenem unvergeßlichen Erlebnis Diesen Schatz von Vätererbe und edlem Familiengut trug 'ie als unverlierbares Erbe in sich, und allezeit zeigte fte ich als, eine treue Siegelbewahrerin , der hohen Tradition. Im Jahre 1872 heiratete sie,,nach Pinne, einer, kleinen posenschen Stadt; mit: 'emer? j angesehenen, großen Kehilla. Es war ein großer Zug ihres Wesens, daß sie in dem Provinzstädtchen nicht in Sehnsucht nach dch Reichshauptstadt sich verzehrtesondern sich dort astfden Boden der Wirklichkeit stellte. Ihr ganzes Den-! ken, Tun und Treiben galt der Familie. Ihrem Mannch der'in der Heimat und weit darüber hinaus seiner hochgeächteten Stellung sich erfreute:.— die jüdischö' Gemeinde i wählte ihn zum cms, die politische zum Bürgermeister — war sie nicht nur die vertraute, beglückende Gattin, sie war ihm darüber hinaus die stille weise Beraterin, wenn es dem Wohle des Gemeinwesens galt. Ihre Kinder erzog sie zu aufrechten, pflichtbewußten, jüdisch den-: kenden und wirkenden Menschen. Wenn auch die Wolkeman ihrem Lebenshorizonte sich noch so schwarz zusammen-; ballten — sie verlor ihren Gemahl im besten Mannes-- alter, sie mußte infolge des Weltkrieges die liebgewordene Heimat verlaßen — ihr unerschütterliches G'ttvertrauen verlor sie niemals. Sie war eine reiche, starke.. Persönlichkeit, die die Herzen aller Freunde gewann. Dist^ Würde reinen, schönen Menschentums edelte sie, eiich wunderbare Miscbung von Weisheit und Güte, Vornehmheit der Gesinnung und stets hilfsbereiter, tätiger Menschenliebe. Ein reiches Menschenleben hat sich vollendet, ein weiter Kreis von Verwandten und Bekannten traueri um die Heimgegangene und empfindet tief, was sie ihm im Leben aus der Fülle ihres Herzens und ihres Geistes gegeben hat. Ueber Grab und Tod hinaus weiß er sich: der Verblichenen in Dankbarkeit und Verehrung ver°,: bunden. n":mn. Mainz, 24. Jan. Eine markante Persönlichkeit ift Herr Hermann Reiling, desse» 70. Geburtstag kommendeninw bei den Angehörigen und Freunden top Jubilars insbesondere auch in der Mainzer Jsraelmschen Religionsgesellschaft freudige Anteilnahme erweckte

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