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Der Israelit · 1932-01-28 · Heft 5 (28.1.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 5 (28.1.1932)
Date
1932-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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28. Januar 1932 'Breuers —, muß jetzt für die gesamte Jugend, die die Schulen der Orthodoxie besucht, die Parole werden. Diese Jugend braucht aber auch ein von einem orthodoxen jüdischen Historiker mit Wärme und Schwung und unter Heranziehung der Ergebnisse Der Aegyptologie und der Assyriologie geschriebenes Geschichtswerk. Heute muß diese Jugend, wenn sie sich über jüdische Geschichte informieren will, zu einem Graetz und zu einem Dubnow greifen, — und der Schaden ist unberechenbar. Aus einer orthodoxen Jugend mit guter jüdischer und guter allgemeiner Bildung wird eine lElite erstehen, die die Blicke der großen Gesamtjudenheit auf sich lenken wird. Von ihr wird ein starker jüdischer Einfluß bis weit hinein in die Kreise der indifferenten Judenheit hineingehen. Auf diesem Wege wird dann die Orthodoxie nicht nur sich vor Gefahren retten, sondern auch ihre Verantwortlichkeit ganz Israel gegenüber wahrhaft betätigen. Nathan Birnbaum propagiert seit Jahren den Gedanken einer Elite der Orthodoxie. Doch «das genügt in der gegenwärtigen Katastrophenzeit nicht mehr. Wir brauchen heute zur Rettung die Orthodoxie als Elite, — und dies ist nur mit einer durchgreifenden Neueinstellung in der Jugenderziehung in der geschilderten Weise zu erreichen. Agudas Jisroel hat mit ihrem Mädchenschulwerk im Osten den Blick für Notwendigkeiten bewiesen. Es war ein großer Wurf! Möge Agudas Jisroel nun auch einen großen Wurf für die Jugend des Westens wagen. Notwendigkeiten darf man nicht warten lassen! mm miss Korrespondenzen « nacbricbten. Deutsches Reich. Alazzoverforgung auf Pesiach. Frankfurt a. M., 25. Jan. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" bittet uns, darauf hinzuweisen, daß sie seit vielen Jahren die Abgabe von Mazzos zu ermäßigtem Preise (in einzelnen Fällen auch unentgeltlich) in ihren Aufgabenkreis gezogen hat und daß sie daher bittet, sich wegen der in der jüdischen Presse in der letzten Zeit vielfach erörterten Frage der diesjährigen Mazzosversorgung, auch soweit es sich um neue Anregungen handelt, mit ihr in Verbindung zu setzen. Reichskonferenz des Reichsverbandes ostjüdifcher Organisationen in Deutschland, Berlin, 20. Jan. Am Sonntag, den 17. Januar fand in Berlin in den Räumen der Eierbörse die von 71 Delegierten aus ganz Deutschland beschickte Reichskonferenz des Reichsoerbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland statt. Nach Wahl des Präsidiums und den einleitenden Referaten von Benzion Fett über „Die Lage des Reichsverüandes" und von Haarpuder über den „Rechenschaftsbericht" für das abgelaufene Jahr, hielt Dr. Koretz das mit großem Beifall aufgenommene Referat über „Die Lage der Ostjuden in Deutschland". Ausgehend von der schweren wirtschaftlichen und. kulturellen Lage des Ostjudentums in Deutschland macht der Referent die Konferenz auf die seitens des neuen Ministerialentwurfes des Judengesetzes dem Ostjudentum drohenden Gefahren aufmerksam, da dieser Entwurf eine Einschränkung der Rechte der Ostjuden in den Einheitsgemeinden bedeutet und das jüdische Kulturleben auszuhöhlen geeignet wäre. Er behandelt die am 10. Januar vom Großen Rat des Preußischen Landesverbandes einstimmig angenommene Resolution und dankt dem Rat und dem ganzen preußischen Judentum dafür, daß sie im Augenblick der Gefahr für den Schutz der Rechte der Ostjuden und für das Interesse der Einheitsgemeirrdsn sich eingesetzt haben. Der Israelit Spät nachts wurde die Reichsexekutive einstimmig gewählt. Präsident der Reichsexekutive ist Moses Goldmann, Mitglieder find Dr. Koretz, Kornfeld, Feigenbaum, Jtzkowitz, Schönhorn, Goldhammer, alle in Berlin, ferner Lecker - Magdeburg, Fischl - Hannover, Dym - Dresden, Fuchs-Oberhausen, Krakowski-Barmen, Holländer-Karlsruhe. Die folgenden Resolutionen wurden einstimmig angenommen: 1. Die VII. Reichskonferenz des Reichsverbandes ostjüdischer Organisationen in'Deutschland erhebt Protest gegen den Judengesetzentwurs des Kultusministeriums. Er bedeutet einen erheblichen Rückschritt gegenüber dem Judengesetz von 1847. Vor allem wendet sich die Tagung dagegen, daß nunmehr die Möglichkeit der Entrechtung von Ausländern eingeführt und die Gleichstellung der Juden in der jüdischen Gemeinde aufgehoben werden soll. Die ausländischen Juden bilden ein wertvolles Element der jüdischen Gemeinde und tragen zu ihrer Erhaltung wesentlich bei. Die Tagung bittet die preußische Judenheit, einhellig an dem Gesetzvorschlag des Landesverbandes von 1928 im Sinne der Beschlüsse des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes vom 10. Januar 1932 festzuhalten. 2. Die VH. Reichskonferenz protestiert gegen die Ausschreitungen und Ueberfälle auf die jüdischen Studierenden an den Hochschulen Polens durch die nationaldemokratischen Studenten. Die Reichskonferenz fordert von der polnischen Negierung, die Sicherung der Lernfreiheit der studierenden jüdischen Jugend an den polnischen Hochschulen gemäß der Verfassung. 3. Dei Reichskonferenz beschließt, daß der Name des Verbandes ostjüdifcher Organisationen in Deutschland von nun an „Reichsverband ostjüdischer Organisationen in Deutschland" zu lauten hat. 4. Die Reichskonferenz beauftragt die Exekutive, eine intensive Kulturtätigkeit unter den Ostjuden zu entfalten, und ihre besondere Aufmerksamkeit der Erziehung der ostjüdischen Jugend zu widmen. 5. Die Reichskonferenz weist auf die katastrophale Wirtschaftslage der Ostjuden in Deutschland hin und fordert die Exekutive auf, durch die Zusammenarbeit mit den in Betracht kommenden Körperschaften und Gemeinden eine Besserung anzustreben. Volkstrauerkag. Berlin, 23. Jan. Vom „Deutsch-Israelitischen Gemeidebunde" wird uns geschrieben: Auch in diesem Jahre hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlossen, einen Volkstrauertag zur Ehrung des Andenkens der im Weltkriege gefallenen Soldaten zu begehen. Dafür ist Sonntag, der- 21 Februar 1932 bestimmt worden. An diesem Tage sollen religiöse und weltliche Gedenkfeiern veranstaltet und Vergnügungen und Lustbarkeiten eingeschränkt werden. Es ist dringend erwünscht, daß, - wie es in früheren Jahren geschehen, die jüdischen Gemeinden an dem genannten Tage einen besonderen G'ttesdienst veranstalten. Wo das ttt kleinen Gemeinden nicht möglich sein sollte, wäre doch beim Sabbat-G'ttesdienst am 2 0 Februar 1932 eine Gefallenen-Gedächtnisfeier einzuschieben und darauf hinzuweisen, daß am Sonntag, den 21. Februar 1932 dem Ernst des Tages durch Beschränkung der öffentlichen Lustbarkeiten Rechnung getragen wird. Blutige antisemitische Krawalle an der Berliner Universität. Berlin, 22. Jan. Die seit einigen Tagen an der Berliner Universität stattfindenden Studentenkrawalle haben sich heute verstärkt, und es zeigte sich, daß die nationalsozialistischen Studenten bestrebt waren, ihren Kundgebungen und Angriffen auf Andersgesinnte eine ausgesprochen antisemitische Rote zu geben. Cs scheint festzustehen, daß die nationalsozialistischen Studenten systematisch einen Angriff auf die jüdische Studentenschaft vorbereitet hatten. Ohne vorangegangenen Wortwechsel überfielen sie die Gruppe der im K. C. organisierten Verbindung „Sprevia", rissen den Studenten die Mützen vom Kopfe und hieben mit Stöcken auf sie ein. Mehrere der jüdischen Studenten erlitten blutige Verletzungen, einige mußten auf Bahren weggetragen werden. Die Angegriffenen setz- Nr. 5 Seite 5 ten sich zur Wehr, und es entstand ein wüstes Handgemenge, das sich über den ganzen Vorhof der Universität ausdehnte und auf die Straße Übergriff. Die herbeigerufene Schutzpolizei wurde von den Nationalsozialisten mit Gejohle empfangen. Rufe ertönten: „Juden raus! Polizei raus!" Wiederholt wurde von den Nationalsozialisten das Lied gesungen: „Wenn's Judenblut vom Messer spritzt, geht's uns noch mal so gut." Der Polizei gelang es mit schwerer Mühe, die Studenten nach der Dorotheenstraße abzudrängen. Der Rektor verfügte die Schließung der Universität bis Montag und hat sofort eine Untersuchung vorgenommen, um die Schuldigen an den Krawallen festzustellen. Rumänien. Das Iuden-Wasiakre bei Soroca. Bukarest, 17. Jan. „Ein vorbedachtes und planmäßig ausgeführter Mord!", so charakterisiert die angesehene Zeitung „Adeverul" die Erschießung von sechs unschuldigen jungen Juden in Soroca durch rumänische Grenzgendarme. Auch die gesamte übrige Presse Rumäniens verurteilt in den schärfsten Ausdrücken den Massenmord, sowie die Verschleierungsversuche der Behörden. Alle wichtigen Dinge der Innen- und Außenpolitik Rumäniens treten gegenüber diesem Falle in den''Hintergrund 'Manche Zeitungen sprechen von einer „hemmungslosen Soldateska am Djnestr". Man verurteilt es, daß sich die unter General Marcovici arbeitende offizielle Untersuchungskommission mit einem Schleier von Geheimnissen umgibt. Eine vom Begräbnis der Opfer heimkehrende zehntausendköpfige Menge entsandte zum General Marcovici eine Abordnung, die von Senator Jov, ehemaligem Präfekten von Soroca und einem der Führer der Regierungspartei, geführt wurde; die Abordnung wurde nicht empfangen. Die Exekutive der sozialdemokratischen Partei Rumäniens hat in einer eigens dazu einberufenen Sitzung eins Protestresolution gegen das Juden-Massakre in Soroca gefaßt und den Abgeordneten Mirescu beauftragt, in der ersten Parlamentssitzung nach den Ferien eine Interpellation wegen der Vorfälle in Soroca einzubringen und zu fordern, daß die Untersuchungskommission durch Vertreter aller parlamentarischen Parteien erweitert werde. Es stellt sich heraus, daß unter den Ermordeten zwei Mädchen waren: Riva Darcautfan und Selda Pferdmann) Pferdmann, die seit zwei Jahren keine Beschäftigung als Lehrerin mehr finden konnte, hat an ihre ihre Eltern einen Brief gerichtet, in dem sie sie bittet, ihr zu verzeihen, daß sie sich aus dem Elternhaus entfernt; sie sei dazu durch Not und Verzweiflung getrieben worden. Sie hoffe, es werde ihr gelingen, nun doch endlich Arbeit zu finden. Polen. Die Warschauer kehilla und das religiöse Judentum. Warschau, 25. Jan. Die Debatten in der letzten Sitzung des Kehillorates drehten sich um das Wesen und die Aufgaben einer jüdischen Kehilla. Als erster bekommt das Wort der Vertreter der größten Partei, der orthodoxen Fraktion, Herr I. M. L e w i n. Er erklärt, das Progamm einer jüdischen Gemeinde sei von alterÄ^r von der Thora festgelegt und könne nicht geändert «bilden. Der religiöse Charakter der Kehilla schließt die anderen Belange nicht aus, sondern ein, weil die Religion Neroenzentrum des gesamten jüdischen Lebens ist. Die Bestrebungen ,an Stelle der Religion einen Hebräismus oder Jiddischismus ins Zentrum des jüdischen Lebens zu stellen, sind als neue Form für die alte Assimilation jämmerlich zusammengebrochen. Eine hebräische oder jiddische Assimilation ist nicht anders als eine polnische oder deutsche. Erez Jisroel ist uns heilig, darum schützen wir es vor Schändung auch von nationaler Seite» Auf die Zuständ» in der Warschauer Kehilla übergehend, sagt Redner: Die letzten Wahlen haben bewiesen, daß sich die Massen zur Quelle ihres Lebens zur Religion, heimgefunden haben. Das Hauptaugenmerk muß im Moment auf die Organisierung der sozialen Hilfsarbeit gerichtet werden, alles andere muß zurücktreten. Leihkassen, Volksküchen usw. und alle Arten von Hilfsquellen müssen für die hungernden Menschen geschaffen werden. Die bedrohten religiösen Erziehungsinstitute müssen gehalten werden. Eine Reorganisierung des Rabbinates und eine

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