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Der Israelit · 1931-12-10 · Heft 50 (10.12.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 50 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. SO D^ e r J:s.r a^e^l 10.' Dezember 1931 tionen leihen, welche den, Sabbat öffentlich!, entweihen und sie fordert aufs dringendste forv-hf alle, Einzelnen als auch Institutionen des Jifchuws auf, jede Unterstützung von Mechallele-Schabbos elnzustelle,n, solange wie die Betreffenden nicht Sicherheitrug.^ Ker' ÄesäMßie. die Entserflung diDs Bänten dafür geben, daß sie die öffentliche Sabbatsntwei- 'des, Weise waren M-BeWünHn Mhung unterlassen werden, 6. Die Versammlung nimmt mit Schmerz davon Kentnis, daß viele öffentliche Sabbatentweihungen durch die jüdische ÄrLvetterorganifatioü irr Erez Jis roel (die vom Ker e n S) ajef f o d gefördertwird) geschehen. Diese Arbeiterorganisation, stützt Mchen>- die arn Schahbos öffentlich kochen und in-denen man verbotenen , Speisen und Ehomez am Pessachi verabreicht. Die, Ärsieiterorganisatioy^ ist es, die öffentliche Fußballspiele. am Sabbat durch; den Hapoel usw. veranstaltet, und die nicht davor zurückschreckl, durch? ihre Arbeitergruppen an öffentlichen Bauten in der heiligen Stadt Jerusalem den Sabbat entweihen zu lassen. 7. Die Versammlung richtet ihren Ruf andie Diaspora und bittet alle einzelnen Juden, jüdische Gemeinden, jüdische Hilfsinstitutionen, dem heiligen Lande zu Hilfe zu kommen und nicht eher zu ruhen, bis den fürchterlichen Entweihungen des Sabbats-ein Ende gemacht ist. Die Palästina-Regierung beschränkt die Zahl der Einwandererzertifikate. Jerusalem, 13. Nov. Von den von der Jewish Agency für ein halbes Jahr angeforderten 1700 Einwandererzertifikaten für Chaluzim und Angehörige von Palästina-Einwohnern hat die Regierung, wie verlautet, nur etwa ein Fünftel bewilligt, das auch nur zum geringen Teil für Chaluzim verfügbar sein wird. Die Jewish Agency führt die Verhandlungen über Erhöhung der Quote fort. Die am 15 November erscheinenden „Ossieial Gazette" wird die entsprechende Regierungsverordnung publizieren. Es besteht nicht viel Aussicht, daß die Regierung diesmal den Wünschen der Jewish Agency entgegenkommen wird. (ITA.). späteres LehM üW seine jüdische Einstellung,. JyiWssartt Äär seine erste Begegnung mit 'dem ÄMötÜAr Mary-.' Dieser bemerkte den -jungen- Mann- ' unter den fLraikssxnden^. die Kaddisch? sagten-,, und.»sah;,. daß»-M: am . Hute? nach däMliger. GailiMer, Sitte einen. Txauerslor Iwi * a m OH am* MMu aCLIa St! __St! CYV L'.* gtzstM. Jn .Mürzburgwar es auch,' wv. -AHvW'rtt Erl-yMp, ein. iynjges FreundschäftsverhälMis:- mitreinigtzy gleichgesinnten., jungen Leuten änknüpfte. Eine kleine Episode, Äie schon damals den witteren eifxiMn Kämpfer für das G'ttesgefetz ahnen listz^ sei in diesem Zusammenhangs erzählt. Einer der. neuen ,FdeVrüttzden man erst,wenige. Tüge kannte,, wurde für SchghbosyachMtttlg zu einem.gMssinsamen Spaziergange aufoesorderÜ! Her beschreibt das Entsetzen von Abraham Erlanger,,als der Neue Freund wohlgemut mit einem SpazierstöckcheN in der Handam Orte der Verabredung'erschien. Es füllen damals njcht -gerade Koseworte gewesensein, mit; denen ex den.-Nichtsahnenden^ zurechtwies.. Er mußtp den Svazierstflck. auf der Stelle aus der Hand fallen und liegen lassen und wurde zunächst zur besseren Beeinflussung noch am selben Nachmittage zu einem- L-chiur des Würzburger Ngws mitgenommen. Der VstreffendevMurde -später nicht nur ein.inniger Freund von Abraham.Erlanger. sondern eine Zierde der deutschen Orthodoxie und seiner Gemeinde. Ost genug, hat er betont, daß er seine Frömmigkeit und mustergültige Lebensführung in erster Reihe dem Einflußseines Freundes Erlanger zuverdanken hatte. Auch, er weilt leider längst nicht mehr unter den Lebenden. Von -oürzburg aus ging Abraham Erlanger nach Luzern, wo damals sein älterer Bruder Isidor ein Geschäft begründet hatte, und trat in dieses ein. Es allen Ländern üyhaus..allen Erdteilen.. Wie oft , kam vW düst-. EjkdbW'N77Ästz ddtz^SMÜWMdni, Universi- Degen Raummangels mutzten eine größere Anzahl Korrespondenzen zurückgestellt werden. Personalien. Abraham Erlanger V"XT* Luzern, 6. Dez Eine schmerzliche Trauerbotschaft durcheilte am vergangenen Donnerstag, den 23. Kislew, die ganze jüdische Welt. Abraham Erlanger in Luzern hatte in der Frühe des Tages seine reine Seele ausgehaucht! bicT’i er, der sonst jahrzehntelang der erste bei ry>'Mzrnbsn gewesen war, der oft genug „seine Schul" aufgeschlossen hatte, war an diesem Morgen zur Höhe emporgestiegen, um von nun an mtt den himmlischen Heerscharen sein Lied zum Preise des Höchsten anzustimmen. Eine führende Persönlichkeit nicht nur. in der schweizerischen Judenheit, sondern auch in der gesamten westeuropäischen Orthodoxie ist mit Abraham Erlanger dahin gegangen, ein Jehudi von ganz besonderer Prägung und Eigenart. Wem es einmal vergönnt war, besonders auch in den letzten Jahren, seine Patriarchengestalt mit dem ehrwürdigen lang herabwallenden weißen Barte, den Charakterkopf mit den scharf gemeißelten Zügen zu erblicken und sich mit ihm zu unterhalten, der konnte diesen Eindruck nie vergessen. Es ist nichtzuviel gesagt, wenn man behauptet, Abraham Erlanger war das ragende Wahrzeichen des jüdischen Lebens und der jüdischen Gemeinde von Luzern. War er doch der eigentliche Begründer und jahrzehntelang der Führer dieser Gemeinde, war es ihm doch durch eine besondere Fügung des Himmels beschieden gewesen, ganz wie es unser Stammvater Abraham in Kanaan vollbracht hatte, in Luzern eine Stätte echten jüdischen Geistes und achter jüdischer Tat zu schaffen, die sich heute zu einem blühenden jüdischen Gemeinwesen entwickelt hat. Schildern wir in Kürze seinen äußeren Lebensgang! Abraham Erlanger wurde im Jahre 1853 zu Gailingen in Baden im sogenannten blauen Haus geboren. Sein Vater Simon war dort Schuhmacher, betrieb aber außerdem noch allerlei Geschäfte nebenbei, u. a. versah er auch das Amt des Postbestellers. Am Sabbat wurde diese Tätigkeit durch einen Nichtjuden besorgt. Sein Sohn Abraham stammte aus zweiter Ehe mit einer Tochter von Jakob Moos, der von einem zeitgenössischen Schriftsteller in einer Erzählung wegen seiner Rechtschaffenheit ganz besonders erwähnt wird. Im Jahre 1870 kam der junge Abraham nach Absolvierung seiner Lehre in Gailingen nach Karlsruhe in Stellung, verlor aber bald darauf den Vater und noch im selben Jahre nach dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges die Mutter. Der 17jährige Jüngling siedelte nunmehr nach Würzburg über, und der Aufenthall in dieser Stadt, vor allem aber die Berührung mi dem großen Würzburger Raw, Rabbiner Seligmann Bär Bamberger an dessen Schiurim er eifrig teilnahm, war entscheidend für sein ganzes wohnten zu dieser Zeit im ganzen 18 jüd.ische Familien in Luzern, die aber leider in jüdischen Dingen zumeist vollkommen unwissend waren. So gab es z. B. im Jahre 1875 in ganz Luzern eine einzige Sukkoh. Sie bestand aus einer Warenkiste, die Herr Erlanger zur Sukkoh zurecht gezimmert hatte. G. L. hat diese erste Luzerner Sukkoh bis heute zahlreiche und in der Form etwas würdigere Nachfolger gefunden. 1876 führte Abraham Erlanger eine Tochter des Kaufes Herz in Hall als ebenbürtige Gattin in Gesinnung und Tat heim. Mit der Begründung dieses seines Hauses in Luzern beginnt der eigentliche Aufstieg in seinem Leben, denn es war ein Abrahamshaus in des Wortes wahrster Bedeutung.. Im Verein mit seiner edlen Gattin bewies Abraham Erlanger, was jüdische Pflichterfüllung bedeutet und wie ein einzelnes jüdisches Haus für nah und fern zum Kristallisationspunkte warm pulsierenden jüdischen Lebens werden kann. Kein materielles Ovier war ihm zu groß, wenn es der Erfüllung einer Mizwoh galt. Bon ihm konnte man lernen, was wahres rrisna rrn-nt bedeutet. Fast 3 Jahre war seine Ehe kinderlos. Zunächst nahm er sich im Jahre 1877 einen Pflegesohn ins Haus, dessen Mutter jung gestorben war und 10 unmündige Kinder zurückgelassen ^attt. Es fehlten damals in Luzern noch die notwendigsten Institutionen, wie sie sonst eine jüdische Gemeinde ausweist. Jahrelang mußte daher die Gattin zur Heilighaltung der jüdischen Ehegesetze jedesmal eine Reise von 1% Tagen unternehmen. Da zeigte ich Abraham Erlangers ganze Tatkraft. Kurz entschlafen ließ er im Hofe seines Hauses unter größten geldlichen Oofern eine eigene Mikwoh erbauen und zwar mußte Wasser aus dem Vierwaldstätter See zur Zuleitung benutzt werden. Robb S. Vamberaer V'r von Lengnau beaufsichtigte die Herstellung. Bis vor etwa 14 Jahren war diese Mikwoh die einzige in Luzern und eine der wenigen in der Schweiz überhaupt. Sie ist von gar vielen benutzt worden. Der Lohn für diese Bestrebungen blieb nicht aus. Die Ehe wurde vom Himmel mit 15 Kindern gesegnet, von denen zwei noch klein gestorben sind. Aber damit nicht genug! Als ein entfernter Verwandter gestorben war und unmündige Kinder hinterließ, brachte Abraham Erlanger, als er von der Beerdigung heimkehrte, zum zweiten Male einen Pflegesohn mit ins Haus. Die Gattin hatte er vorher nicht gefragt. Ihre Antwort, ob sie mit seinem Schritte einverstanden sei, lautete nur: ich freue mich, daß ich von nun an jeden Tag eine Mizwoh mehr erfüllen kann. Was aber den Ruf des Hauses Erlanger in Luzern in alle Lande getragen hat, war feine fast sprichwörtlich gewordene Gastfreiheit. , Jeder Fremde, einerlei ob arm oder reich, fand in ihm einen gedeckten Tischt Da Luzern als Fremdenstadt ohnedies einen internationalen Charakter trug, so trafen sich in diesem Hause Juden aus «ürch-.... fertig^ MkefMKeik» uE'Wr<rtzisHv<WMuÄtzck^K: GLsttzevers. WraHWUrlaMEr: haDe sM rm LäüWderrMyre durchs, esstiges LErnssn,, unho WWeysytfchenn nWH(ME> ein WßMIüdlsches^sond^fl-attM-eW^üttWffWMMWöMttltzilhüttg? ästgetzignÄ>.. BösMÜdres-- MWffKLSWMLeIt-Mr HMeMr-WkM voMWchhechMiiMützHytzWMMMrEp-iHedynk.en geträgM. haben,. umzusatteM -und ^Medizin -zw-studieren. ' "• .' ' . ' Es., braucht., kaum betonl.zu.. werden,, daß,} ein- -MMn wie.Abrähym..EWnM. nicht. nur., in., seinem., eigeü'en Muss, foUMrn! rü rerM^ReiM auch, fädseine! GÄnWwe un^deMKlallwiE giSt-kMell'- ZMig-dK-dker Grundpfeiler, auf denen sich die jüdische Gemeinschaft aufbaut-,s''snsM^»L.',,n'ii2N--7imn,-deN--er? nicht»- in*: besonderer Weise gefördert hätte. Er sorgte dafür, daß» sich Talmide chochomim aus dem Auslande in Luzern ansiedelten. Zahlreiche, Jeschiwaus hat er dauernd unterstützt, namentlich lag ihm die Sorge für die Armen des heiligen Landes am Herzen. Er warnicht nur selbst der pünktlichste Synagogenbesucher, sondern sah auch streng darauf, daß seine Kinder , und Enkel es ihm in dieser Beziehung gleichtaten.- An den Jomim nauroim war er ständiger nirsn byi und auch noch - an den jüngstvergangenen Festtagen hat er in altgewohnter Frische das Schacharis-Gebet vorgetragen. Es sollte das letzte Mal fein. Eine besondere Freude und Genugtuung, gewährte. es ihm, als das alte Bethaus durch einenschönen modernen Synagogenbau ersetzt wurde. Mehr als 40 Jahre war Abraham Erlanger Präsident der Chewra Kadischa. Noch 14 Tage vor seinem Tode hat er für einen Fall persönlich alle Anordnungen getroffen und alles Nötige veranlaßt, obwohl er selbst schon ein schwerkranker Männ war. Die erste Taharoh an einer Frau, die vor langen Jahren unter seiner Leitung , in Luzern vorgenommen wurde, erfolgte in der Werse, daß er in einem Nebenraume stand und an Hand eines Sefers den betreffenden Frauen feine Anweisungen gab. Seine Gradheit und seine unbeugsame Prinzipienfestigkeit, gepaart mit einer außerordentlichen Schlichtheit im Wesen imponierte jedem, der ihn kannte, einerlei, ob Jude oder Nichtjude. Er war eine Kämpsernatur, die jeden Kompromiß verschmähte, so daß mancher, namentlich in seinen jüngeren Jahren, anfänglich wohl von der rauhen, äußeren Schale betroffen schien. Das Gebot der Tauroh r-i« fr-n min *|w»ymetfe Deinen Nächsten auf den rechten Weg!, hak er wie kaum ein zweiter in unseren Tagen ohne jedes Ansehen der Person befolgt. Mit peinlichster Sittenstrenge sorgte er auch-vor allem in seinem Hause für: die Beobachtung der einzelnen religiösen Vorschriften. Nie hat trotz aller Gastfreundschaft eine verheiratete Frau mit unoerhülltem Haupthaar an seinem Tische essen dürfen. Kamen Frauen als Gäste, die keinen Scheitel ttugen, so mußten sie ihre Hüte ausbehalten. Einst traf er auf der Reise zufällig -einen seiner bereits/erwachsenen Söhne in demselben Gasthause und bemerkte, daß dieser beim Morgengebete nur fein ArhykansiMS benutzte. Er fragte, wo er denn seinen Tallis habe. Als er die Antwort bekam, es fei zu Haufe geblieben, mußte der betreffende Sohn sofort seine Geschäftsreise abbrechen und erst nach Luzern zurückfahren, um seinen Tallis zu holen. Noch eine Menge charakteristischer Einzelzüge lie-;en sich in diesem Zusammenhänge anführen. Nur eines ei hier noch erwähnt. Im Jahre 1899 erkrankte er sehr chwer am Sukkausfest. Wie durch ein Wunder genas er, erlitt aber 19012 noch einen Rückfall. Als er auch hiervon genesen war und wieder auf die Reise ging, begann' er Abend für Abend, wenn er nach des Tages Mühen in seinem Hotel saß, Briefe an seine Kinder zu chreiben. Er nannte sie „Briefe eines Lebensphilosophen, der keiner sein wollte". Sie offenbaren eine Gemütstiefe, ein G'ttvertrauen und eine solch wahre echte Frömmigkeit, daß man nur staunen kann. Perlen echt jüdischer Lebensweisheit sind in ihnen enthalten. Er verstand es auf Grund der vielen Erlebnisse, seinen Kindern )ie Wahrheit des Satzes darzustellen -*> bSiv rvo’Sn G'ttes Md die Gänge des Weltgeschehens. Kein Wunder, daß ein Mann von solch jüdischer Lebensauffassung mächtig von den Ideen Rabb. Hirschs ungezogen wurde. Er gehörte zu den Mitbegründern der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und hat itets den lebhaftesten Anteil an ihrer Entwicklung genommen. Bei den Behörden seines Wohnortes stand er in höchstem Ansehen, namentlich verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen mit Herrn Regierungsrat Dr. Walther, einem Mitgliede der Luz-ernfchen Kantonsregierung und derzeitigem Vorsitzenden der katholisch-konservativen Partei des Schweizerischen Nationalrats. Mit seiner Hilfe hat es Abraham Erlanger durchgesetzt, daß trotz des Schächtverbots in der Schweiz während des Krieges in Luzern gefchächtet werden konnte. Regierungsrat Walther soll einmal geäußert haben, er wisse schon im voraus, wenn Herr Erlanger zu ihmkäme und etwas von ihm wolle, so könne er nicht -nein sagen. Das Bild des Erlanger'schen Hauses wäre nicht vollländig, wollte man nicht, auch noch , erwähnen, daß eine unverheiratete Schwester des Hausherrn und eine solche der Hausfrau in ihm frühzeitig Aufnahme und Zuflucht bis ans Lebensende fanden. Tante Jeanette und Tante Rifka, wie die beiden allgemein hießen, füllten sich.-als gute Geister würdig und harmonisch dem Rahmen des

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