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Der Israelit · 1931-12-10 · Heft 50 (10.12.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 50 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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-« 10, Dezember 1931 , . -4! ■ Bekommt ausgezeichnet - Schmeckt vorzüglich Bewirkt günstiges Absinken des Zucker-Gehaltes! I Madien Sie noch heute einen Versuch.' Laib niir 50 Pfennig. I f/T/ DINGES D1ABETIKER;BROT NACH DR. S EN FT N E k DING E S" B ROT FAB RI K L N L » ’;P^SS Korrespondenzen « naebriebten. Deutsches Reich. Zwei Aufsehen erregende Reichsgerichlsurleile. L e i p z i g, 24. Nov. Der Zweite Strafsenat des Reichs ge- ■x i ch t s hat in der Frage der Kollektivbeleidigung von Jude durch Nationalsozialisten in zwei Fällen schwerwiegende Entscheidungen gefällt. Im ersten Fall handelt es sich um den bekannten Prozeß gegen den Redakteur des „Hirschberger Beobachters" Paul Franke, der in erster Instanz wegen öffentlicher Beleidigung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aber von der Strafkammer des Landgerichts Görlitz' als Berufungsgerichts freigesprochen worden war, da sich das Landgericht auf den Standpunkt stellte, in den inkriminierten Ausführungen fehle es an einer Bestimmten Beziehung zu einem genauer umschriebenen Kreise von Angehörigen des Judentums. In einer erneuerten Revision machten die jüdischen Nebenkläger geltend, es wäre doch ein leichtes gewesen, durch entsprechend formulierte Fragen an den Angeklagten jeden Zweifel 3U beheben, daß speziell die von ihnen vertretenen Hirschberger Juden gemeint gewesen seien; im übrigen berge der angefochtene Freispruch die Konsequenz, daß die durch die Reichsverfassung verbürgte Gleichberechtigung der Juden mit den nichtjüdischen Deutschen praktisch aufgehoben würde. — Die Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Der zweite Fall betraf ein Urteil des G l a tz e r Schöffengerichts gegen den nationalsozialistischen Wanderredner und Stadtrat Franz G e n g l e r aus Nürnberg, der im April 1931 zu Frankenstein in Schlesien in einer Rede die Juden mit blutsaugenden Insekten verglichen hatte, die man „knickt und erstickt" (der Redner machte daböi entsprechende Gesten). Er wurde vom Schöffengericht zu 450 Mark, von der Berufungskammer zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Maßgebend für die Milderung der Strafe war die Tatsache, daß Gengler am Schlüsse der, üiebe doch eine „legale" Lösung der Judenfrage ankündigte. Die Zweite Strafkammer des Reichsgerichts erkannte auf Aufhebung des Urteils und Rückverweisung an das Erstgericht mit der Begründung, der Vorderrichter habe nicht genügend geprüft, ob tatsächlich Verurteilung aus § 130 StGB, erfolgen konnte; ferner wäre noch zu untersuchen, ob denn nicht der 'Beleidigungsparagraph 185 einschlage. Die Aufhebung' erfolgte auf Revision des Verurteilten; die Revision der Nebenkläger wurde verworfen. Es bleibt abzuwarten, wie das höchste Gericht diese merkwürdige Rechtsauffassung zu begründen gedenkt! Oesterreich. Die antisemitischen Ausschreitungen an den Wiener Hochschulen und das rassische Studentenrechk. Wien, 26. Nov. Amtlich wird u. a. mitgeteilt: Bundeskanzler Dr. Bur^esch. empfing die Vertreter der Israelitischen KultüstztzMelnde>! die chei/dieser Vorsprache auch namens der gesamten JUdenheit Wiens .die Vorfälle an der Univer- Der 3 9 x a e l i % .sität sowie die verschiedenen Pressenachrichten über die bevorstehende Studentenrechtvorläge zur Sprache brachten. Darauf begaben sich die Vertreter der Kultusgemeinde zum Unterrichtsminister Dr. C ze r m a k. Er beantwortete die an ihn gerichteten Anfragen und sagte 'der' Deputation zu, mit den akademischen Behörden .über die vorgetragenen Wünsche Verhandlungen zu . pflegen. Der Minister verwies msbesonder auf die Notwendigkeit einer baldigen .Regelung der innerakademischen Verhältnisse' durch ein zeitgemäßes Studentenrecht, das ja auch den..Angehörigen, jüdischer Volkszugehörigkeit . volle Gleichberechtigung geben wird. Der Minister stellte in Aussicht, nach Erledigung dieser Angelegenheit im Ministertat .die interessierten Faktoren und auch die Vertreter, der Israelitischen Kultusgemeinde von dem Inhalt der Vorlage in Kenntnis zu setzen. Der Minister hob auch die Bemühungen der deutschen Studentenschaft hervor, trotz einzelnen Unliebsamen Vorfällen die Ruhe und den ungestörten Studienbetrieb an den Hochschulen aufrechtzuerhalten, und richtete an die Deputation das Ersuchen, 'auch auf die Kreise der jüdischen Studenten dahin zu wirken, daß ihrerseits jeder Anlaß zur Entstehung neuer Unruhen vermieden werde. Wie die ITA. erfährt, war die Aussprache in zwar höflichem, aber sehr lebhaftem Tone geführt worden. Me Woche. Berlin. Vor einigen Tagen drang eine Gruppe Nationalsozialisten in das Adas I i sroel -Schulhaus Sigmundshof, wo eine von Rabbiner Dr. Munk einberufene Elternversammlung tagte, ein und bombardierte die > Versammlung mit einem Steinregen. Erst das herbeigerufene Ueberfallkommando konnte die Störenfriede entfernen. — Am Mittwoch, den 2. Dezember, abends, belästigten zwei hakenkreuzgeschmückte Nationalsozialisten in der Grenadierstraße die jüdische Einwohnerschaft. Die empörten jüdischen Passanten wandten sich gegen die Ruhestörer, die eiligst die Flucht ergriffen. Unter, der jüdischen Einwohnerschaft der Grenadierstraße, wo die Erinnerung an die traurigen Ereignisse im Spätherbst 1923 noch lebendig ist, hat dieser Vorfall große Erregung ausgelöst. — Nach einer Bekanntmachung des R. j. F. befinden sich achtJuden in der deutschen Reichswehr. Mainz. In der Person des Mohammedaners Siam aus Jerusalem wurde in Mainz ein gefährlicher Fälscher verhaftet. Siam hatte einer Mainzer Druckerei den Auftrag gegeben, für ihn zu Reklamezwecken 30.000 Exemplare palästiir e n s i s ck e r Geldscheine herzustellen. Siam wurde festgenommen und gestand, Teile des Klischees hier und dort in Deutschland angefertigt haben zu lassen, während er jetzt das zusammengesetzte Klischee der Druckerei in Mainz übergab. Jerusalem. 29 Revisionisten wurden wegen Propaganda gegen die Volkszählung zu Geld- und kleinen Gefängnisstrafen verurteilt. Litauen. Die litauische Orthodoxie organisiert sich. Ko w N 0 , 30. Nov. Die Erfolge der Agüda in Polen und in Lettland konnten auch in Litauen nicht ohne Eindruck bleiben. Man sieht doch ein, daß die Tatsache, daß 1926 kein einziger Jude in den Kownoer Sejm gewählt werden konnte, (obwohl das Judentum in Litauen ungleich reicher an Zahl und Kraft ist als in Lettland, wo das Judentum im Parlament bestens vertreten ist), einzig und allein darauf zurückzuführen ist, daß in Litauen die Organisation fehlt, um die jüdischen Kräfte zu sammeln, die Agudas Jisroel. Wenn nicht alle Zeichen trügen, so tagt es zur Zeit auch im orthodoxen Litauen. Ein gesetzestreues Presseorgan soll, wie man hört, schon demnächst ins Leben gerufen werden. Andere Organisationspläne sind in Vorbereitung. Hoffen wir, daß diefesmal die Arbeit von dauerndem Erfolge gekrönt ist. ValSMrm. Der Moslem-Kongreß in Jerusalem eröffnet. Jerusalem, 7. Dez. Am Sonntag, den 6. Dezember, abends, wurde der vom Groß-Mufti von Jerusalem Al Haj Amin el Husseini einberufene Weltkongreß der Moslems eröffnet. Es zeigte sich sofort, daß man keineswegs von einem Nr. 50 Seite 5; Das F^chgj^schäff für Hausuiia^Kiiphe Glas und Porzellan Schillerftr .16, Gr. Eschenheimer Itr.29 eigentlichen „Weltkongreß" sprechen könne, da sich nur Delegierte aus den vorderasiatischen Ländern, aus Persien und einigen europäischen Staaten, wie Jugoflavien, zu-den Beratungen eingefunden hatten. Die zentrale Figur des Kongresses ist S ch a u k a t A l i, einer der Führer der indischen Moslems, der zwei Tage vor Kongreßeröffnung in Begleitung seines Sohnes und des Scheichs Taftazni aus Cairo in Jerusalem eingetroffen und vom Mufti auf dem Bahnhof empfangen worden war. In seiner Eröffnungsrede erklärte er u. a.: Lei Balfour-Deklaration existiert für uns nicht. Wir haben sie nie anerkannt und werden sie nie anerkennen. Die jüdische Einwanderung in Palästina muß gestoppt werden, damit keine Arbeitslosigkeit herrscht. Sollte die jüdische Einwanderung entgegen unseren Forderungen andauern, so werden wir Mittel und Wege finden, eine moslemitische Einwanderung zu organisieren; wir werden sehen, wer dann gewinnen wird. Palästina ist den Moslems ebenso heilig wie Mekka, keine Macht der Welt kann uns Moslems daran hindern, dieser Frage unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Schaukat Ali schloß: Ich widersetze mich keineswegs einer Verständigung zwischen Arabern und Juden. Wenn ich auch gegen ein Jüdisches Nationalheim bin, habe ich doch nichts dagegen, daß man sich mit den Zionisten, die bereits in Palästina sind, in der Weise verständigt, daß sie in Palästina verbleiben, aber ihre Forderung nach Sonderrechten und Privilegien aufgeben. Eine große Protestversammlung gegen die Sabbatentweihungen in Erez Jisroel. Jerusalem, 20. Nov. Gestern fand eine gemeinsam vom Besdin des Oberrabbiners Kuk und vom Besdin d e.s Oberrabbiners Sonnenfeld einberufene große Protestversammlungen gegen die neuerlich immer mehr überhand nehmenden öffentlichen Sabbatentweihungen in Erez Jisroel statt. Den Vorsitz führte Rabbi Mosche Blau. Die Versammlung faßte folgende Beschlüsse: 1. Die Versammlung wendet sich noch einmal an die Jugend, die ins Land gekommen ist, um die Trümmer des heiligen Landes aufzubauen, und bittet sie innigst, daß sie in einem Augenblicke, in dem sie bauen wollen, doch nicht die Grundlagen der Thora und der Religion zerstören, bittet sie, nicht länger die Gefühle der orthodoxen Juden zu kränken, deren Herz zerrissen wird beim Anblick der Sabbatentweihungen und der fürchterlichen religiösen Verwilderung, die in der heiligen Stadt und im heiligen Lande um sich greisen. Sie bittet die Jugend, die Kluft nicht zu vertiefen, die Zerrissenheit nicht zu vermehren und es nicht dahin zu bringen, daß die schärfsten Mittel ergriffen werden müssen, wenn sie diese Entweihung alles Heiligen im heiligen Lande fortsetzen. 2. Die Versammlung erkennt die Notwendigkeit an, den Jerusalemer „Mischmeres Schabbos-Verein" zu erweitern und fordert die jüdische Bevölkerung, die der Thora treu ist, auf, sich dem Verein anzuschließen und mit allen Mitteln die Heiligkeit des Sabbats zu stärken. Sie legt den Synagogenvorstehern de Pflicht auf, unter den Betern werbend für den Verein zu wirken. 3. Die Versammlung hörte mit Schmerz die Einzelheiten über die öffentliche Entweihung des Sabbats in der heiligen Stadt durch einzelne Gruppen und Organisationen und sie protestiert in schärfster Weise gegen diese Einzelnen und Organisationen. 4. Die Versammlung sieht in diesen Sabbatentweihungen eine Zerstörung der Grundlagen des Judentums und der geistigen und materiellen Grundlagen des Jischuw im heiligen Lande, dem damit ans Leben gegriffen wird. 5. Dis Versammlung protestiert aufs schärfste gegen die Institutionen des Jischuw, wie z. B. die Jewish Agency, die zionistische Organisationsleitung, die Leitung des Keren Kajemeth und des Keren Hajesfod, weil sie unmittelbare Unterstützung Männern und Organisa- Beachten Sie meine 3 neuen: Schaufenster in der Börse.

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