Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1931)
- Date
- 1931-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19. November 1931 Der Israe l i l Nr. 17 Seite 3 [er Untersuchung werden im amerikanischen „Journal of Physiology“ erscheinen und mögen einstweilen wie folgt kurz zusammengefaßt sein: Das Muskelfloisch aller Tiere nach dem Schlachten, wenn dieses Schlachten auf andere Weife ausgeführt worden ist als durch Schechita, hat sich in meinen Experimenten als giftiger erwiesen, als dasjenige der Tiere, die durch Durchschneiden der Halsader mit einem scharfen Instrument getötet worden sind. Mit anderen Worten, ich habe wissenschaftlich durch zweckmäßig kontrollierte Experimente beweisen können, daß K o sch er - fleisch weniger mit Toxinen durchfte tz t und daher gesünder ist, als dasjenige, das nach anderen Schlachtmethoden gewonnen wird. Wir haben auch gezeigt, daß die Verwendung irgend einer Art von anästhetischen Mitteln solche Muskeln oder Fleisch für den Genuß ungeeignet machte Es tritt entweder eine Veränderung des Geschmacks oder die Bildung chemischer Stoffe ein, welche das Muskelfleisch giftiger machen als wenn es ohne den Gebrauch von anästhetischen Mitteln gewonnen worden wäre. Auch das Elektrisieren hat aus die Muskelsäste eine stärker Toxine erzeugende Wirkung als Fleisch, bei dem das Blut frei ausströmen kann. Der Verfasser schließt sein von religiöser Begeisterung und berechtigtem wissenschaftlichen Selbstgefühl getragenes Essay mit dem Hinweis auf S. R. Hirfchs Ausführungen über die in der Schöpfungsgeschichte wurzelnde Einheit der G'ttesnamen: m Der Schöpfer der Natur und der G'tt der Thora find identisch. Wochenrundschau. Ein Winter der Not und der Hilfe. Dieser Notwinter hat das jüdische Herz in einer Weise mobil gemacht, daß darin ein kleiner Lichtpunkt in der Trostlosigkeit der Feit exblickt werden kann. Aus allen Großgemeinden Deutschlands gelangen Berichte zu uns über weitgehende Maßnahmen zur Steuerung der Not in den armen und täglich mehr verarmenden Schichten der jüdischen Bevölkerung. Mit Notstandsküchen, Kohlen- und Kartoffelversorgung, Arbeitsnachweis, Mütter- und Kinderhilfe geht man gegen die Verelendung vor. Das warme jüdische Herz sucht und findet praktische Wege, um soziale Arbeit im besten deutschen Presse, dar, die sogenannte „Judenpresse" noch nicht einmal den 20. Teil. Von den 85 größten deutschen Leitungen werden noch nicht zehn von jüdischen Chefredakteuren geleitet. Da aber gerade die Prooinzblätter, die Generalanzeigerpresse und die neutrale Presse noch viel weniger als die große Presse unter „jüdischem Einfluß" stehen, so dürste doch der jüdische Anteil kaum den bevölkerungsmähigen Anteil von 1 Proz. übersteigen. Von einem Vorherrschen der „jüdischen" Presse kann also in keinem Falle die Rede sein, auch nicht, wenn man auf die .deutschen Zeitungskonzerne näher einginge, von denen nach wie vor der Hugenberg-Konzern an der Spitze st eh^ (Spuren einer großen Stadt in Palästina aufgesunden.) Von Sir William Flinders Petrie, dem 78jährigen Archäologen, der soeben nach Palästina zur Fortsetzung seiner Ausgrabungen zurüßgekehrt ist, erscheint im November! ein Buch „Siebzig Jahre Archäologie" (Petrie begann mit 8 Jahren, sich mit Archäologie zu beschäftigen), in welchem er daraus hinweist, daß die Expedition, die jetzt unter seiner Führung nach Palästina aufgebrochen ist, die größte sei, die er je geleitet hat. Unsere Grabungen in Südpalästina, erklärt Petrie weiter, . haben die Lage von Ajjul, der Stadt der Hyksos oder Hirtenkönige, die Palästina und Aegypten mehrere Jahrhunderte lang beherrschten, festgelegt. Diese Stadt zwanzigmal größer als Troja, lag an der ulten internationalen Straße, die von Palästina nach Aegypten führte.. Sie war stark befestigt und bedeckte mit ihren Wällen und Verteidigungsanlagen ein Gebiet von 50 Morgen. Sie wurde — wahrscheinlich infolge ausgebrochener Malaria — um etwa 2000 vor der ü. Ztr. verlassen. Petrie berichtet auch über feine Ausgrabungen in Aegypten: wo er die riesige Triumphinschrift des Pharao Meneph tah entdeckte, in der der Pharao sich rühmt:. Verwüstet ist Lioyen. Die Hetiter sind zum Sinne zu leisten. Mustergiltig geht dabei eine : führende orthodoxe Gemeinde Süddeutschlands vor, die mit Naturalien in diskretester Weise wie aus verborgener Hand den Haushaltungen Erleichterung schafft. In allen Fällen muß die feine vornehme Art der Hilfeleistung hervorgehoben werden. Man nimmt die Not des Mittelstandes als eine v o r ü b e r g e h e n de Erscheinung, aus der kein. Schatten auf die zu erwartende bessere Zeit fallen soll. Und hier wäre der Platz, auch etwas über den falschen Stolz zu sprechen, der manche Familien dazu treibt, lieber zu darben, als von der angebotenen Hilfe Gebrauch zu machen. Wo die Hilfsarbeit in der geschilderten Weise geschieht, darf, ja muß' der unverschuldet in Not geratene Familienvater sie als klein e n Lohn f ü r d re v o n r h m i n guten Z ei - t e n v i e l f ach a n d e r e n geg e n ü b e r geleistete Hilfe nehmen, als kleine Anleihe, dreier nachher, wenn sich das Blättchen zum Guten gedreht, m i t Zi n z e s z i n f e n ab t ragen wird , zu Gunsten derer, die es dann noch brauchen würden, p«n mpn jt»3K kV 'v ... Ein kleines Bild aus der Winterhilfe der größten jüdischen Gemeinde in Deutschland, in Berlin, gibt Heinrich Stahl, Dezernent des Wohlfahrtswefens der Gemeinde, in der den „Wohlfahrtsausgaben in diesem Winter" gewid^ meten Sondernummer des Gemeindeblattes. Hatte das Wohlfahrtsamt der Gemeinde schon im vergangenen Jahre etwa 4000 Familien mit 20.000 Köpfen und 5000 Einzelköpfe zu betreuen, so ist diese Zahl m diesem Jahre noch erheblich gewachsen. Biele, die noch im vorigen Jahre zu geben vermochten, sind jetzt zum Nehmen gezwungen. „Wir müssen den oft verzweifelten Hilfsbedürftigen klar machen, daß ihr menschlicher Wert durch die Not nicht beeinträchtigt ist, müssen sie von dem . Gedanken des Almosenempfangs befreien und sie mit dem Gedanken vertraut machen, daß die Gesellschaft, die sie der Arbeits- und Verdienstmöglichkeit beraubte, die Ehrenpflicht der Hilfeleistung zu erfüllen hat." Deshalb zeigt man den Hilfsbedürftigen zunächst den Weg zu den staatlichen und städtischen Hilfsquellen. Es wird Wert darauf gelegt, daß auch die jüdischen Mitbürger in diesen Gremien Mitarbeiten, damit auch eine paritätische Behandlung der jüdischen Hilfsbedürftigen gewährleistet ist. Auch an der großzügigen Aktion der Winterhilfe, die der Staat eingeleitet hat, ist das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde beteiligt. Darüber hinaus aber versucht die Gemeinde, nach Kräften auch noch aus Eigenem Not zu lindern. Wohnung, Nahrung, Kleidung und Zerstreuung, das sind die Schweigen gebracht.. .Israel ist verwüstet ohne Samen. — Petrie ist bekanntlich der Entdecker der Sinai-Jnschriften, die. Prof. Hugo Grimme für die erste Schrift in der Welt, vielleicht von Moses herrührend, hält. Petrie tritt in feinem Buch dieser Auffassung scharf entgegen, meint, es handle sich überhaupt nicht um eine Schrift, sondern um Devastierungen. Grimmes Theorie habe keinerlei Grundlage. (Die Erbschaft des Lord d'Aquillar.) In der phantastischen Erbschaftsangelegenheit des in London verstorbenen Lord Moses Raphael d'Aquillar trafen sich in Pistyan eine Anzahl von Erbberechtigten in der Advokaturkanztei von Dr. Joseph Feuer. Es wurde festgestellt, daß es drei Hauptgruppen; von Erbberechtigten gibt, und zwar die in Ungarn lebenden Agulars, die in Nordwestböhmen ansässigen Weiner, ferner mehrere Familien namens Weiner, Roth, Goldstern, Wohryzek und Mahler, die in Oesterreich, in der Slowakei und in anderen Ländern leben. Es meldeten sich auch Familienmitglieder aus Chicago,. Newyork, Stockholm, Warschau, Agram, sogar aus Australien. Auch der Vorkämpfer von Paneuropa, Graf Eoudenhove-Ealergi, hat sich als erbberechtigt gemeldet, da feine Mutter aus der Familie Weiner stammte. Es waren ungefähr 300 Erbberechtigte vertreten. Der Bankier Moses Raphael d'Aquillar hat ein Vermögen von 240 Millionen Goldkronen (die Legende von 240 Millionen Pfund hat sich als falsch erwiesen) Hintersassen. Ein Testament hat sich nicht vorgefunden. Die hier erwähnten Familien waren alle mit ihm verwandt. Die Regierung der Tschechoslowakei hat ihre Londoner Gesandtschaft angewiesen, die Erbschastssache zu untersuchen. Auch das österreichische Ministerium des Aeußern hat in London Erhebungen anstellen lasten. Man erwartet in allernächster Zelt eine englische amtliche Mit- Hauptgebiete, auf denen es im kommenden Winter zu wirken gibt. Heinrich Stahl schließt mit einem schönen Doppelruse, dm wir uns in den Wohlfahrtsstellen alle zu eigen machen sollen: „Wer hilfsbedürftig ist, der komme zu uns und laste sich raten und helfen. Wer aber helfen kann, der melde sich bei uns und helfe mit!" Deutschlands Judentum im Kampfe um das Recht. Daß bald 100 Jahre nach der Emanzipation der Juden in Deutschland solche Ueberschrrften noch möglich sind, ist tragisch — weniger für die Juden als für Deutschland. Aber es ist doch so, daß Deutschlands Juden sich zur Zeit im schweren Ringen um ihr ihnen durch Verfassung gewährleistetes Recht befinden. Die derzeitige, von vielen Fehlurteilen belegte Rechtskrise in Deutschland ist im Grunde ein rein jüdische Angelegenheit. In Angelegenheiten der Religionsbeschimpfung, der G'tteslästerung und der Kollektivbeleidigung — das war der Niederschlag einer Presteaussprache in den Berliner Räumen des Z-entralvereins — versagen leider die Gerichte, weil sich der Richter meist an den Gesetzestext klammert, der keine ausreichende Handhabe bi^et. In. der diesbezüglichen Jurisdiktion des Reichsgerichts ist sogar ein Rückschritt! zu verzeichnen. Die Notverordnungen brachten keine Besserung. Die Rechtssachverständigen des C. B. bearbeiten diesen Fragenkomplex: eine Denkschrift zum neuen Strafgesetzentwurf wurde den kompetenten Stellen übergeben. In der Frage der Ablehnung jüdischer Richter nimmt das Reichs ge r i ch t eine günstigere Stellung ein, indem es auch in Prozessen gegen Nationalsozialisten eine Befangenheit des jüdischen Richters nicht annimmt. Leider steht die Praxis mancher Gerichte im Gegensatz zu dieser höchstgerichtlichen Auffassung. Auch gibt es gegen solche Entscheidungen einzelner Gerichte keine Appellation. Den Gerichten wird der Standpunkt des Reichsgerichts in Erinnerung gerufen, aber oft vergeblich. Es kommt vor, daß jüdische Richter ein Martyrium auszustehen haben, indem sie von ihren nichtjüdischen Richterkollegen verfolgt werden. Wichtig bei Der- 0IA19N* Puder bewahrt Ihren LieblingVorWundsein. teilung über die Höhe der Erbschaft. Es verlautet, daß die fragliche Erbschaft vur mehr einen geringen Betrag astsmacht. . lieber die Herkunft des Lord Moses Raphael. d'Aquillar wird berichtet: Aquillar stammte aus einer spanischen Marranenfamilie, (die von Marcus Lehmann 'verewigt wurde). Ä: übersiedelte nach London, wurde hier Bankier und kehrte zum Judentum zurück. Als Lord d'Aquillar wurde er Mitglied des Oberhauses. Später kam er nach Oesterreich, wo er die sephardische Gemeinde gründete. Sein Bruder, der mit ihm nach Oesterreich kam, nannte sich Weiner. Dieser Bruder hinterließ Aufzeichnungen in hebräischer Sprache, die die Grundlage für die Erbschastsansprüche der jüdischen Familien bilden. Wochenkalender. om 31. — 28. November IW om 11. - 18. Kislew 8882 f 1 w *p Samstag Nov 21 11 rarp? Sonntag 22 12 Montag 23 13 iy Dienstag 24 \4 ry Mittwoch 25 15 ny ' * Donnerstag 26 16 vy Freitag 27 17 g SamStäg 28 18 Verantwortlich für den allgemeinen Teil ünd das Feuilleton -... - ------ — 1 6. Sch ‘ Hnkfurt a. M.; J^erate t. B.i S. Sch achnowttz, Wan_ norbitz, ebenda. — jför die pädägo, Kaufmann, in SptendUngen (ft des Israelit und Hermon ®. nt. bq -^Druckerei, Fr. läge: Lehrer lach). - " Offenbc Frankfurt a. M. irt a. M.