Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1931)
- Date
- 1931-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 11 Der Israelit 12. März 1931 dich wies für die katholische Kirche auf das Eintreten der Päpste Benedikt XV. und Pius XI. für den Friede!» hin. Zum Schlüsse rief Curatus Hinz in feurigen Worten die Anwesenden aus, die vernommenen Gedanken in den weitesten Kreisen zu verbreiten. Das tief ergriffene Publikum umdrängte die Redner und besprach mit ihnen die praktischen Woge für die Fortsetzung der religiösen Friedensarbeit. Dom Jüdischen Lehrerseminar. Köln, 6. Mürz. Am 4. März ging am Jüdischen Lehrerseminar Köln die diesjährige Entlassungsprüfung zu Ende. Alle 13 Prüflinge bestanden dieselbe. 5 Schüler wurden wegen guter Jahresleistungen und guter Prüfungsarbeiten von der mündlichen Prüfung befreit. Die Prüfung wurde geleitet von Oberschulrat Geheimer Regierungsrat Ewerding aus Koblenz und von von Oberregierungsrat Müller von der Regierung zu Köln. Als Vertreter dess Kuratoriums wohnte Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal. Köln der Prüfung bei. Ifngattn Die Repräsentanz der Pester Israelitischen Religionsgemeinde. Budapest, 8. März. Die Repräsentanz der Pester Jsr. Religionsgemeinde, deren Mandat jetzt abläuft, hielt unter dem Vorsitze des Präsidenten Hosrates Samuel Stern ihre letzte Generalversammlung ab. Wie der Präsident in seiner Eröffnungsansprache betonte, wird die neue Repräsentanz nicht nur aus den von den Urwählern zu wählenden 300 Repräsentanzmitgliedern. sondern aus weiteren 50 Mitgliedern zusammengesetzt sein, die von der Generalversammlung der Gemeinderepräsentanz aus den Reihen solcher verdienstvollen Mitglieder der Gemeinde gewählt werden, die auf dem Gebiete der Wissenschaft, Kurist, Literatur, Volkswirtschaft und Philanthropie der Gemeinde und dem ungarischen Judentum Ruhm und Ehre eingetragen haben. Im Sinne der neuen Statuten kann die Hälfte dieser besonderen 50 Mitglieder von der Generalversammlung der setzt zurücktretenden Repräsentanz befetjtwerden. Generalsekretär Alexander Eppler unterbreitete den diesbezüglichen Antrag der Dorstehung, wonach auf Grund des Antrages alle Kandidaten einstimmig durch Akklamation auf die Dauer von fünf Jahren zu Mitgliedern der neuen Gemeinderepräsentanz gewählt wurden. Dänemark. Wettverband Schomre Schabbos in Dänemark. Kopenhagen, 5. März. Am 19, Februar hatte die dänische Abteilung des Weltverbandes Scho m re Schabbos einen Erfolg zu verzeichnen, der ob seiner Nachhaltigkeit besonders unterstrichen werden darf. Herr Oberrabbiner Dr. M. Friediger leitete den ersten größeren Vortragsabend damit ein, indem er auf die dreifache Aufgabe der Organisation hinwies: für den Schabbos in der Außenwelt zu wirken (Kalenderreform), für die Gesunderhaltung der jüd. Gemeinde (das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu stärken), für die Versorgung der Familie und Einzelperson (Nachweis sabbathfreier Stellen). Alsdann ergriff der Redner des Abends, Herr Dr. Meier Hildesheimer- Berlin, das Wort und hielt traft seines genialen Rednertalentes das gut 150 Personen zählende Auditorium etwa l‘/2 Stunden in Bann. Der Vortragende verstand es meisterhaft, im Laufe feiner fesselnden Schilderungen von seiner Reise nach Südafrika über jüdisches Zusammenleben, von der jüdischen Solidarität, die selbst unter noch so primitiven Verhältnissen bedingungslos Platz greift, zu berichten. Es waren ansprechende Mussarworte, von denen die Zuhörer noch lange mit Begeisterung sprachen.. Herr Oberrabbiner Dr. M. Friediger dankte dem guten Freunde — wie er den Referenten nennt — im Namen des dänischen Schomre Schabbos, sowie für das stürmisch Beifall zollende Publikum. Der Wunsch wurde laut, recht bald Herrn Dr. M. Hildesheimer wieder in unserem Kreise begrüßen zu dürfen. *' L. Ku Bulgarien. Rechtsstellung der bulgarischen Iudenheit. S o f i a , 1. März. Seit einigen Tagen weilt in Sofia der Leiter der Minderheitenabteilung des Völkerbundes, Herr Pablo de A z c a r ä t e , der sich zur Sammlung von Informationen über die Lage der Minderheiten auf eineir Reise durch Südosteuropa befindet. Seinen Eindruck faßte Herr Azcarate in den Worten zusammen, daß die Beiziehungen zwischen den jüdischen Selbstverwaltungsinstitutionen und den Behörden zwar als allgemein befriedigend anzusehen sind, daß es dabei aber manche Punkte gibt, bei denen eine Verbesserung der gegenwärtigen Verhältnisse notwendig wäre. Wie aus dem Inhalt des Gespräches hervorgeht, hat Herr Azcarate dabei zwei Angelegenheiten besonders im Auge gehabt, in welchen die bulgarische Iudenheit schon seit längerer Zeit eine Aenderung anstrebt, ohne aber bis jetzt irgend einen Erfolg erzielt zn haben: die staatliche Unterstützung der jüdischen Schulen und die Bestätigung des noch im Jahre 1930 vom allgemeinen Kongreß der bulgarischen Juden angenommenen Organisationsstatuts durch die Regierung. Holland. Das Holländische Kalenderresorm-ttomitee gegen den Blankotag. A m st e r b a nt, 9. März. Wie die jüdische Telegraphen-Agemtur erfährt, hat das von der holländischen Regierung zum Zwecke der Prüfung der Projekte für eine Kalenderreform eingesetzte Studienkomitee einstimmig beschlossen, den Vorschlag auf Einsührukkg eines Blanko-Tages abzulehuen. Dem Studienkomitee gehören bloß drei Juden, und auch diese nicht als jüdische Jnteressenvertreter, an.' Unter den jüdischen Mitgliedern des Komitees befindet sich auch der Präsident der aschkenasischen Jiidengemeiiide von Amsterdam, A. Ascher. Autzland. Beginn der Antipessachkampagne in der Sowjetunion. Moskau, 2. März. Die diesjährige Antipessachkampagne in der Sowjetunion, deren Beginn von der jiddisch-kommunistischen Zeitung „Emeß" für den 23. Februar angeküudigt wurde, dürste in gemäßigterer Form als in früheren Jahren durchgeführt werden. Das Schwergewicht wird weniger auf streitbare antireligiöse Propaganda als auf Derstärkung der jüdischen' Landsiedlnngs- und Jndustrialisierungsbewegung gelegt. An die antireligiöse jüdische Jugend wird der Appell gerichtet, den Monat vom Purimfeste bizum Beginn des Pessachfestes zur energischeren Durchführung der jüdischen Kolonisationskampagne, sowie zur Unterbringung von Juden in der Industrie auszunutzen. „Emeß" knüpft an die Propaganda gegen die Feier des Peßachfestes die Beschuldigung gegen die jüdische Geistlichkeit, daß diese die Umsiedlungs- und Produktivisierungsbewegung unter den Juden sabotiere. Ein direkter Angriff auf die religiösen Institutionen als solche ist dagegen bisher nicht zu verzeichnen. Die Moskauer Juden lassen aus dem Mehl, das sie sich während des ganzen Winters vom Munde abgespart haben, Mazzoth backen. Die Bäckereien berechnen 40 Rubel für das Backen eines Pud Mazzoth. Auf Grund behördlicher Lizenzen wird in einer Reihe von Bäckereien in Tag- und Nachtschicht gearbeitet, um den wachsendem Ansprüchen gerecht werden zu können. Am Purim-Abend wiesen die Synagogen einen starken Besuch auf. England. Keine Steuerbefreiung für den Rationalfonds in England. L o n d o n , 4. März. Die Berufung des Jüdischen Nationalfonds. gegen die Entscheidung der Steuerbehörden, durch die er nicht in der Kategorie der von der Einkommensteuer befreiten Wohlfahrt-instilutionen eingereiht wurde, wurde vom O berhofgericht kostenpflichtig abgewiesen. Der Vorsitzende des Senats, Richter Justice Row l a t t, erklärte in der Urteilsbegründung, das Ziel der Vereinigung könne kurz als zionistisch bezeichnet werden. Absicht, Zweck und Wunsch der Vereinigung sei es, Palästina Und seine Nachbarländer mit Juden zu besiedeln. Die von ihr übernommene Verpflichtung, der^n religiöser Charakter von der Vereinigung behauptet wurden sei in Wahrheit eine Verpflichtung gegenüber dem Lande Palästina als dem Heimatland des jüdischen Volkes, das als solches dem Volke in steter Erinnerung bleiben soll. Das Ziel des Fonds bestehe nicht darin, einen neuen Wohnsitz sür jene Juden zu schaffen, die mit ihren gegenwärtigen Aufenthaltsorten unzufrieden sind, sondern darin, Palästina mit Juden zu bevölkern. Herrschendes Motiv sei die Sorge um das Land, nicht um die Menschen. Auch wenn es den Juden gut ginge, wenn sie keinerlei Verfolgung ausgesetzt wären, unter keine-m besonderen Druck durch Armut stünden und von keinerlei Notwendigkeit getrieben wären, aus den Ländern, in denen sie sich gegenwärtig befinden, auszuwandern, bliebe doch der Wunsch, Palästina durch Juden wieder zu besiedeln, be-- stehen. Personalen. Hffcnijct:::, 15. Fcbr. Am 6. Februar vae? v"' hat man Haupt.ehrer Avraham Strauß W dahier zur letzten Ruhe gebettet. Mit ihm ist eine der ältesten und stärksten Säulen der bayerischen-füdischen Lehrerschaft gefallen. Gehörte er doch zu den wenigen Letzten, die noch zu den Füßen des „Reb Loser" in Höchberg saßen. Mit welcher Frische und Begeisterung wußte Strauß noch in den letzten Wochen seines Lebens von dem Talmudunterricht dieses seines verehrten Großonkels zu erzählen, wie auch von dem „alten Würzburger Raw" Seligmann Bär Bamberger, dessen Schüler er war. Vor nahezu 5 Jahren durfte er das seltene Fest des 50 jährigen Dienst- und Ortsjubiläums begehen, bei dem ihm von allen Seiten hohe Ehrungen guteil wurden. In Lehrer-, wie überhaupt in allen Freundes- und Bekanntenkreisen halle man die tre.flichen Eigenschaften, die erprobten Fähigkeiten und Kenntnisse dieses rs erkannt und anerkannt, wenn auch infolge seiner nur von seiner reichen Tatenfülle nur verhältnismäßig wenig bis in die breite Öffentlichkeit gedrungen ist. Die seltene Beliebtheit und Hochachtung, deren sich der Verewigte in allen Bevölkerungskreisen erfreuen durfte, kam in der ungewöhnlich zahlreichem Beteiligung an seinem Leichenbegängnis deutlich zum Ausdruck. An seiner Bahre widmete zunächst Herr Rabbiner Dr. Munk- Anrbach seinem treuen Mitarbeiter und klugen Berater einen ergreifenden Nachruf. Amtsnachfolger Lehrer Frank nahm von dem väterlichen Freund und Vorgänger in rührenden Worten letzten Abschied. Er dankte im Namen der Israel. Kultusgemeinde llffenheim, deren Mitbegründer Führer und Förderer Strauß war, für die treuen, aufopfernden Dienste, die ihr der Verklärte in 50 jähriger segen-reicher, hirgebu-gsvoller Tätig! it leistete. Seminardirektor S t o l l - Würzburg beklagte in dem Verblichenen einen der Besten des „Israel. Lehrervereins für Bayern", dessen langjähriger Mitarbeiter und Berater er war. Lehrer Brückheimer-Marktbreit wußte dem Heimgegangenen Dank für die religionsunterrichtliche Betreuung seiner Gemeinde während des Krieges. Tiefbewegt nahm der Vorsitzende des Btzzirkslehrervereins Uffemheim (Hptl. Schmidt-Welbhausen), dessen Ehrenmitglied Die \ Marken der Ta nger mü oder Schokoladenfabrik Neu auf genommen HÖS Neu auf genommen Alleinvertrieb _d jü rch die Firma Zf. «Union SUexander, Berlin 910. 18, Candsbcvgcvstvaßc 91 Niederlage für Frankfurt a. M.: Fa. A. Metzger, Langestraße 7